Geschichten aus der Psychoanalyse – Über das Leben und wer wir eigentlich sind
Psychotherapie wirkt auf den ersten Blick wie etwas, das nur für „die anderen“ gedacht ist – für Kranke oder jene, die scheinbar nicht mit ihrem Leben zurechtkommen. Doch ein Blick hinter die Kulissen, auf das, was ein Psychotherapeut aus seiner Praxis zu erzählen hat, kann unsere Sicht auf uns selbst vollkommen verändern. Plötzlich wird deutlich, welche Kräfte, Ängste und Sehnsüchte unser Leben wirklich prägen. Kamyar Nowidi, Psychiater und Psychoanalytiker, versteht es wie kaum ein anderer, diese Einblicke lebendig und verständlich zu vermitteln. Vor allem aber ist er ein begnadeter Erzähler: Anhand von zehn faszinierenden Fallgeschichten öffnet er uns die Tür zu menschlichem Leben und Erleben, lässt uns nachvollziehen, was uns ausmacht, und zeigt auf einfühlsame Weise, wer wir wirklich sind.
In dem Buch Die Couch kennt keine Tabus nimmt uns Kamyar Nowidi mit hinter die Kulissen der Psychoanalyse – und das erstaunlich nahbar und ohne Fachchinesisch. Er erzählt anhand echter Fallgeschichten, ...
In dem Buch Die Couch kennt keine Tabus nimmt uns Kamyar Nowidi mit hinter die Kulissen der Psychoanalyse – und das erstaunlich nahbar und ohne Fachchinesisch. Er erzählt anhand echter Fallgeschichten, wie sehr uns Dinge beeinflussen, die uns oft gar nicht bewusst sind, und wie diese alten Muster unser heutiges Handeln bestimmen.
Besonders spannend fand ich die Ehrlichkeit, mit der er beschreibt, was eigentlich zwischen Therapeut und Patient im Raum passiert. Man fängt beim Lesen automatisch an, über seine eigenen Macken, Ängste oder Konflikte nachzudenken und sich zu fragen, was da ‚unter der Oberfläche‘ eigentlich los ist. Wer sich für Psychologie interessiert und mal einen ungeschönten Blick in die menschliche Seele werfen will, sollte das Buch unbedingt lesen.
Der Psychiater und Psychoanalytiker gibt in diesem Buch einen spannenden Überblick über die Verflechtungen zwischen Psychotherapie, Psychoanalyse, Philosophie, Religion und Ideengeschichte. Er widmet sich ...
Der Psychiater und Psychoanalytiker gibt in diesem Buch einen spannenden Überblick über die Verflechtungen zwischen Psychotherapie, Psychoanalyse, Philosophie, Religion und Ideengeschichte. Er widmet sich der Frage, wofür Selbsterkenntnis überhaupt gut sein könne und worauf diese in der Menschheitsgeschichte zurückgehe, betrachtet Parallelen zwischen Psychotherapie und Schamanismus und vieles mehr.
Jedes Kapitel beginnt mit einer Falldarstellung, die dann mit verschiedenen Ideen aus dem Gedankenschatz verschiedenster Disziplinen verflochten wird: so geht es etwa um psychische Thematiken, die schon in der Bibel oder in den Mythen der alten Griechen ihre Spiegelungen finden, um Ideen zur Erziehung von Rousseau in der Neuzeit, um griechische Philosophen, Augustus, der für lange Zeit die Richtung der christlichen Religion definierte, andere, die vergessen worden sind, aber auch um Sigmund Freud, C.G.Jung, Breuer, Anna Freud und viele andere. Es ist interessant, wie sich aktuelle Fälle mit so viel humanistischem Wissen verbinden lassen.
Das Buch liest sich unterhaltsam und inspirierend und seine besondere Stärke liegt darin, die Verbindungen zwischen verschiedenen Disziplinen aufzuzeigen und damit deutlich zu machen, wie ein umfassendes, interdisziplinäres Wissen dabei helfen kann, grundlegende Fragen, die die Menschen seit Jahrtausenden beschäftigen, zu analysieren.
Wer sich aber von dem Buch eine konkrete, weiterführende Analyse der Fälle der behandelten Patienten und Patientinnen erwartet, dem würde ich eher andere Werke empfehlen, z.B. jene von Irvin Yalom. Denn hier werden viele der Fälle nur angerissen und den meisten Raum nehmen die ideengeschichtlichen Darstellungen ein, die aber nicht so intensiv mit den Fällen verflochten werden, dass man wirklich verstehen könnte, inwiefern diese nicht nur zu einem analysierenden Verständnis der Thematik, sondern tatsächlich zu einer praktischen Besserung der Symptomatik und zur Heilung der Beschwerden beitragen. Insofern ist es eher ein Buch, das bei der Selbsterkenntnis hilft und die eigene Bildung aufzeigen und erweitern kann, als ein praktisch anwendbares Werk, um die Wirkweisen von Psychotherapie besser zu verstehen.