Eine faszinierende, aber nicht immer sympathische Sisi
In Sisi begleitet man die österreichische Kaiserin Elisabeth in einer späteren Phase ihres Lebens. Statt der jungen Märchenkaiserin steht hier eine selbstbewusste Frau im Mittelpunkt, die sich gegen die ...
In Sisi begleitet man die österreichische Kaiserin Elisabeth in einer späteren Phase ihres Lebens. Statt der jungen Märchenkaiserin steht hier eine selbstbewusste Frau im Mittelpunkt, die sich gegen die Zwänge des Hoflebens auflehnt und ihre Freiheit vor allem beim Reiten und auf ihren Reisen sucht. Als ihre Nichte Marie zu ihrer Vertrauten wird, entwickelt sich zwischen den beiden jedoch eine immer kompliziertere Beziehung, die von Bewunderung, Eifersucht und Macht geprägt ist.
Karen Duve zeichnet ein völlig anderes Bild von Sisi, als man es aus den bekannten Filmen kennt. Die Kaiserin wird weder idealisiert noch romantisiert, sondern als vielschichtige Persönlichkeit mit zahlreichen Ecken und Kanten dargestellt. Gerade das hat den Roman für mich so interessant gemacht. Sisi ist nicht immer sympathisch und trifft Entscheidungen, die man nicht unbedingt nachvollziehen kann. Trotzdem wirkte ihre Figur auf mich glaubwürdig und authentisch.
Besonders gut gefallen hat mir, wie sorgfältig der Roman recherchiert ist. Die vielen historischen Details vermitteln einen lebendigen Eindruck vom Alltag am Kaiserhof und zeigen gleichzeitig, wie eng die gesellschaftlichen Regeln damals waren. Auch die Beziehung zwischen Sisi und ihrer Nichte sorgt immer wieder für spannende Momente und macht deutlich, wie widersprüchlich die Kaiserin sein konnte.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und eher ruhig erzählt. Dadurch wirkt die Geschichte sehr authentisch, auch wenn der Einstieg für mich etwas Zeit gebraucht hat. Manche Beschreibungen sind recht ausführlich, was das Erzähltempo zwischendurch etwas verlangsamt.
Insgesamt hat mir Sisi sehr gut gefallen. Wer eine romantische Geschichte über die berühmte Kaiserin erwartet, wird hier allerdings überrascht werden. Stattdessen bekommt man einen hervorragend recherchierten historischen Roman, der eine faszinierende, widersprüchliche Frau zeigt und einen realistischen Blick hinter die Fassade des Kaiserhofs wirft.