Kingsbridge im Zeichen von Industrialisierung und Arbeitskampf
Wieder ist ein Roman von Ken Follett im fiktiven Kingsbridge angesiedelt, diesmal in den Jahren 1792 bis 1824. Natürlich hat sich in der Stadt einiges geändert: Im Schatten der alt-ehrwürdigen Kathedrale ...
Wieder ist ein Roman von Ken Follett im fiktiven Kingsbridge angesiedelt, diesmal in den Jahren 1792 bis 1824. Natürlich hat sich in der Stadt einiges geändert: Im Schatten der alt-ehrwürdigen Kathedrale entstehen immer größere Fabriken, in denen neuartige Maschinen eingesetzt werden. Während manche Unternehmer wie Amos Barrowfield sich zumindest für die Belange der Arbeiterschaft interessieren, kümmert Joseph Hornbeam sich nur um seinen Profit und ist zu allerlei Intrigen bereit, um seinen Willen durchzusetzen. Daher entsteht eine Bewegung, die sich für die Arbeiter einsetzt, angeführt unter anderem von Sal Clitheroe, die aus einem kleinen Dorf nach Kingsbridge gezogen war. Elsie, die Tochter des Bischofs, möchte die Armen auf ihre Art unterstützen und eine kostenlose Schule gründen. Ihre Mutter verbringt inzwischen viel Zeit mit dem Weber Spade.
Den historischen Hintergrund bilden die Industrialisierung und das damit einhergehende Ringen um die Rechte der Arbeiter sowie die Kriege gegen das revolutionäre bzw napoleonische Frankreich. Wobei letzteres Großteils tatsächlich nur „im Hintergrund“ passiert, also immer wieder in Gesprächen erwähnt wird. Erst gegen Ende gibt es ein paar Szenen, die tatsächlich auf einem Schlachtfeld spielen.
Insgesamt ist es interessant zu beobachten, wie sich Ereignisse aus der großen weiten Welt auf das (im Vergleich dazu) kleine Kingsbridge auswirken und wie Entscheidungen, die beispielsweise im fernen London getroffen werden, das Leben der Durchschnittsbürger beeinflussen.
Der Erzählstil ist angenehm und lebendig, ich konnte mich gut in die Charaktere hineinversetzen. Dass aus zahlreichen verschiedenen Perspektiven erzählt wird, sorgt außerdem für Abwechslung. Echte Höhepunkte hat die Geschichte jedoch nicht zu bieten. Die Handlung fließt eher gemächlich dahin. Überraschungen oder größere Spannung bleiben aus. Selbst an sich dramatische Szenen werden in schlichten Worten geschildert und sind bald wieder abgehakt. Sämtliche Protagonisten verhalten sich letztlich genauso wie man es von ihnen erwarten würde, auf längere Sicht kommen genau die Paare zusammen, auf die ich schon hunderte Seiten früher getippt hätte, und es sterben genau die passenden Leute zur passenden Zeit, um das alles zu ermöglichen.
Als literarisches Highlight kann man dieses Buch daher nicht bezeichnen. Dennoch ist die Lektüre unterhaltsam und eine ganz gelungene Fortsetzung der Reihe. Ich bin schon gespannt, in welche Epoche uns der Autor als nächstes entführt.