Cover-Bild Das Genie
Band der Reihe "detebe"
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15,00
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  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 656
  • Ersterscheinung: 28.08.2019
  • ISBN: 9783257244731
Klaus Cäsar Zehrer

Das Genie

Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wird von der Presse als »Wunderjunge von Harvard« gefeiert. Sein Vater triumphiert. Er hat William von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Doch als William erwachsen wird, bricht er mit seinen Eltern und seiner Vergangenheit und weigert sich, seine Intelligenz einer Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, die von Ausbeutung, Profitsucht und Militärgewalt beherrscht wird.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Aufstieg und Fall eines vergessenen Wunderkindes

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Klaus Cäsar Zehrers Roman „Das Genie“ ist weit mehr als die literarische Wiederentdeckung eines vergessenen Wunderkinds. Er ist zugleich ein Gesellschaftspanorama, eine psychologische Fallstudie und eine ...

Klaus Cäsar Zehrers Roman „Das Genie“ ist weit mehr als die literarische Wiederentdeckung eines vergessenen Wunderkinds. Er ist zugleich ein Gesellschaftspanorama, eine psychologische Fallstudie und eine zutiefst menschliche Tragödie.
Ausgangspunkt ist Boris Sidis, ein mittelloser, aber unbeirrbarer Einwanderer aus der Ukraine, der Ende des 19. Jahrhunderts in New York ankommt. Getrieben von Wissensdurst und der Überzeugung, Bildung sei der einzige unantastbare Besitz, arbeitet er sich vom Tagelöhner zum angesehenen Psychologen hoch. Mit eiserner Konsequenz entwickelt er eine eigene Erziehungsmethode - die „Sidis-Methode“ - und testet sie an seinem Sohn William James. Ziele sind Perfektion, geistige Höchstleistung, ein Leben jenseits der „Marionettenexistenz“ der Normalbürger.
William erfüllt alle Erwartungen. Er liest mit zwei Jahren die „New York Times“, hält mit zehn einen Harvard-Vortrag über die vierte Dimension und gilt bald als einer der intelligentesten Menschen der Geschichte. Doch Zehrer zeigt, wie brüchig der Glanz des Genies ist. Williams enorme Begabung geht einher mit sozialer Isolation, Unverständnis und einer wachsenden Abkehr von der Gesellschaft. Was als Triumph der Erziehungsmethode beginnt, endet in Rückzug, Widerstand und dem entschlossenen Verzicht, seine Fähigkeiten der Welt zur Verfügung zu stellen.
Besonders beeindruckend ist, wie Zehrer historische Fakten und erzählerische Lebendigkeit verbindet. Die Leser wandern durch die schmutzigen Straßen New Yorks, hören die hitzigen Debatten in Harvard, spüren die politische Spannung der Zeit zwischen Einwanderungswellen, Weltkriegen und wirtschaftlichen Krisen. Dabei schafft der Autor Figuren, die trotz oder gerade wegen ihrer Eigenheiten im Gedächtnis bleiben.
Mit feinem Gespür für Ironie und tragische Fallhöhe erzählt Zehrer nicht nur die Biografie eines außergewöhnlichen Menschen, sondern stellt die großen Fragen nach Freiheit, Anpassung und dem Preis von Konsequenz. „Das Genie“ ist ein kluges, fesselndes und manchmal schmerzhaft ehrliches Buch, das ebenso unterhält wie es zum Nachdenken zwingt.

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Veröffentlicht am 08.08.2021

Genie ohne Manieren und Gefühle …

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Nach Verbüßung einer zweijährigen Isolationshaft verlässt der 19jährige Ukrainer Boris Sidis seine Heimat und wandert nach Amerika aus. Mittellos erreicht er Im Oktober 1886 New York, wo er sich zunächst ...

Nach Verbüßung einer zweijährigen Isolationshaft verlässt der 19jährige Ukrainer Boris Sidis seine Heimat und wandert nach Amerika aus. Mittellos erreicht er Im Oktober 1886 New York, wo er sich zunächst mit Hilfsarbeiten über Wasser hält. Nebenbei eignet er sich das gesamte Wissen öffentlicher Büchereien an und studiert an der Harvard University Philosophie und Psychologie. Unfähig Empathie und Liebe zu empfinden heiratet er Sarah, der er wie besessen zum Medizinstudium verhilft, während er selbst es bereits zum Dozenten gebracht hat und seine psychologischen Forschungen betreibt. Als dem Paar 1898 ein Sohn geboren wird, nennt er ihn nach seinem Förderer, dem bekannten Psychologieprofessor William James.

Systematisch beginnt Boris mit einem von ihm entwickelten Training, um Gehirn und Intelligenz des Neugeborenen zu entwickeln. Das Experiment ist erfolgreich. Bereits als Einjähriger versteht das Baby vier Sprachen und im Alter von zwei Jahren liest William die New York Times. Die Schule kann ihm nichts mehr lehren, er überspringt nach und nach alle Klassen. Als Zehnjähriger referiert er in Harvard vor Professoren über seine Theorie der vierten Dimension und wird mit elf Jahren als Student immatrikuliert. Im Alter von zwölf Jahren wird William Sidis als „größter Mathematiker aller Zeiten“ gefeiert. Doch dabei bleiben sämtliche sozialen Kontakte auf der Strecke. William eckt überall an, er zieht sich zurück, meidet die Menschen und findet Freude an einfacher, anspruchsloser Arbeit. Bis er 1944 im Alter von 46 Jahren stirbt ist er ständig auf der Flucht vor der Öffentlichkeit und der Presse.

Der Autor Klaus Cäsar Zehrer wurde 1969 in Schwabach/Bayern geboren. Er studierte Kulturwissenschaft und schrieb bereits einige Sachbücher, bevor er 2017 seinen ersten Roman „Das Genie“, eine Biografie über das Genie William James Sidis, veröffentlichte. Zehrer lebt in Berlin.

Akribische Recherchearbeit des Autors zeichnet diesen biografischen Roman aus. Wir lesen die tragische Lebensgeschichte des William James Sidis, der als der intelligenteste Mensch aller Zeiten gilt und an den sich heute kaum jemand erinnert. Sein IQ soll höher als der von Einstein, da Vinci oder Newton gewesen sein und wurde nach seinem Tod anhand überlieferter Daten auf 250 bis 300 geschätzt. Er war überzeugter Pazifist und Kriegsdienstverweigerer und wurde im Laufe seines Lebens vom gefeierten Wunderkind zum Einzelgänger und menschenscheuen Sonderling.

Das Buch beginnt mit Williams James ehrgeizigen und ebenfalls hochbegabten Vater Boris, der es als mittelloser Einwanderer in den USA zum angesehenen Psychologen mit eigenem Sanatorium für gut zahlende Patienten brachte. Er entwickelte ein Erziehungsprogramm, das er die Sidis-Methode nannte, wie aus jedem Menschen ein Genie werden kann, indem man bereits im Säuglingsalter mit der Förderung beginnt. Der Erfolg seines Experiments zeigte sich sehr eindrucksvoll bei seinem Sohn, dem aber leider jegliches Sozialverhalten abging.

Fazit: Ein Buch das unterhält und bildet, Konzentration erfordert und zum Nachdenken anregt. Sehr empfehlenswert!

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