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Veröffentlicht am 26.01.2020

Maia auf der Suche nach ihren Wurzeln

Die sieben Schwestern
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Maia ist die Älteste von sechs Schwestern, die von ihrem Vater, Pa Salt, adoptiert wurden, als sie noch Babys waren. Nun ist ihr geliebter Vater überraschend gestorben und die Schwestern treffen sich alle ...

Maia ist die Älteste von sechs Schwestern, die von ihrem Vater, Pa Salt, adoptiert wurden, als sie noch Babys waren. Nun ist ihr geliebter Vater überraschend gestorben und die Schwestern treffen sich alle am Ort ihrer Kindheit, einem herrschaftlichen Anwesen am Genfer See, wieder. Jeder von ihnen hat er einen Umschlag hinterlassen, in dem sie verschlüsselte Hinweise auf ihre Herkunft finden. Maias Suche nach ihrer Abstammung führt sie nach Rio de Janeiro, wo sie in einer alten Villa auf die Spuren einer jungen Frau, Izabela Bonifacio, stößt, die dort in den 1920er Jahren gelebt hat. Unerwartete Unterstützung bekommt Maia von Floriano Quintelas, einem Schriftsteller und Historiker, für den sie bereits Übersetzungen getätigt hatte. Den beiden gelingt es, mit Hilfe alter Briefe tief in Izabelas Leben einzutauchen und ein faszinierendes Geheimnis zu entdecken. Langsam begreift Maia warum sie so ist wie sie ist – und kann sich nun endlich mit ihrer Zukunft befassen …

Die Autorin Lucinda Riley wurde in Irland geboren (das genaue Geburtsjahr ist nicht bekannt) und lebte als Kind mehrere Jahre in Fernost. Nach einer Karriere als Theater- und Fernsehschauspielerin begann sie 1992, zunächst als Lucinda Edmonds, mit dem Schreiben. Später änderte sie ihren Namen und hatte 2010 mit „Das Orchideenhaus“ ihren ersten Erfolg auf den internationalen Bestsellerlisten. „Die sieben Schwestern“ ist der Auftakt einer siebenteiligen, äußerst erfolgreichen, Roman-Serie. Riley lebt heute mit ihrem Mann und ihren Kindern abwechselnd in Norfolk/England und in der Provence in Frankreich.

Zu Beginn ist die Geschichte äußerst rätselhaft und gleicht einem Märchen. Ein alleinstehender, offenbar begüterter Mann adoptiert nach und nach sechs kleine Mädchen aus allen Teilen der Welt, und nennt sie nach den sieben Sternen des Sternbildes der Plejaden. Er machte aus allem ein Geheimnis, denn bis zu seinem Tod wussten die inzwischen erwachsenen jungen Frauen wenig über diesen Mann, den sie sehr liebten und den sie „Pa Salt“ nannten. Auch über ihre Herkunft war ihnen nichts bekannt, sie erfuhren nichts über ihre leiblichen Eltern – und wollten wohl auch nichts wissen. Nun aber hat jede einen Umschlag mit den Koordinaten ihres Geburtsorts und einigen rätselhaften Andeutungen erhalten und es bleibt den jungen Frauen selbst überlassen, diesen Anhaltspunkten nachzuspüren.

In diesem ersten Buch begleiten wir die älteste der Schwestern, Maia, auf der Suche nach ihren Wurzeln. Wir erleben das heutige moderne Rio de Janeiro und lassen uns entführen in das Rio vor beinahe einhundert Jahren, wo wir die Planung und den Bau der Christusstatue hautnah miterleben und treffen im damaligen Paris auf einige Künstler der 20er Jahre. Dabei fällt auf, wie genau die Autorin recherchiert hat und wie gekonnt sie historische Fakten mit dem Roman verknüpft. Der Schreibstil ist wunderbar zu lesen, flüssig, klar und sachlich, und driftet auch bei gefühlvollen Liebesszenen nicht ins schwülstige ab. Zudem gelingt es der Autorin sehr gut, die Charaktereigenschaften der einzelnen Protagonisten hervorzuheben und Orte und Begebenheiten bildhaft zu beschreiben. Der Schluss ist schön stimmig und weckt die Lust, auch die nächsten Bände zu lesen.

Fazit: Gelungener Auftakt der Serie mit interessanten Charakteren, genauen historischen Fakten und einer spannenden Familiengeschichte.

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Veröffentlicht am 22.01.2020

Verschüttet!

Mich wundert, daß ich so fröhlich bin
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Sieben Menschen suchen im Keller eines alten Wohnhauses Schutz, als am 21. März 1945 ein amerikanisches Bombengeschwader einen Angriff auf Wien fliegt. Sie kennen sich nicht, sind zufällig zusammen gekommen ...

Sieben Menschen suchen im Keller eines alten Wohnhauses Schutz, als am 21. März 1945 ein amerikanisches Bombengeschwader einen Angriff auf Wien fliegt. Sie kennen sich nicht, sind zufällig zusammen gekommen - eine alte Bewohnerin des Hauses, ein Priester, eine junge Schauspielerin, ein desertierter Soldat, eine schwangere Mutter mit ihrem 5jährigen Mädchen und ein Ingenieur – und hoffen, bald wieder ihres Weges gehen zu können. Doch ein Bombentreffer vereitelt ihre Pläne. Das Haus über ihnen stürzt zusammen und die Sieben sind im Keller unter Bergen von Trümmern verschüttet. Ihre Lage scheint hoffnungslos …

Johannes Mario Simmel (1924 – 2009) war ein österreichischer Schriftsteller, der meiner Meinung nach zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten ist. Er schrieb im Laufe seines Lebens zahlreiche Romane, von denen einige verfilmt wurden, und erhielt mehrere Ehrungen und Auszeichnungen, u. A. 2004 das „Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“ und 2005 das „Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“. Simmel war dreimal verheiratet und lebte zuletzt in der Schweiz, wo er am 1. Januar 2009 in Luzern starb.

„Mich wundert, daß ich so fröhlich bin“ ist der erste Roman des Autors, der 1949 in Wien erschien und seinen Ruhm als einer der überzeugendsten deutschsprachigen Erzähler begründete. Die Geschichte spielt in der letzten Phase des II. Weltkriegs und berichtet, wie sieben Verschüttete in schier auswegloser Lage zu sich selbst finden, wie sie entweder über sich hinaus wachsen oder im Angesicht des nahenden Todes verzweifeln. Der Leser wird Zeuge menschlicher Tragödien und fanatischen Irrglaubens, aber auch selbstlosen Handelns und leidenschaftlicher Liebe. Da Simmel über eine sehr gute Menschenkenntnis verfügte, erhalten wir tiefen Einblick in das Seelenleben der Protagonisten und erleben hautnah, wozu Menschen in Stunden der Bedrohung fähig sind.

Neben der Sinnlosigkeit von Kriegen bringt uns dieses Buch auch den Menschen nahe, die diese schreckliche Zeit erleben mussten, und die heute unser Verständnis und unsere Hochachtung verdienen. Traumatisiert und gezeichnet vom Krieg und seinen Strapazen haben sie seinerzeit unser zerstörtes Land wieder aufgebaut, um uns Kindern und Enkeln wieder eine lebenswerte Umwelt zu bieten – das sollten wir nicht vergessen!

Fazit: Trotz der heute etwas antiquierten Schreibweise kann ich dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 10.01.2020

Lebensabend im Paradies

Zartbitter ist das Glück
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Sie waren während der Schulzeit fünf Freundinnen, haben sich später teilweise aus den Augen verloren und sind nun um die 60 Jahre alt. Vieles liegt hinter ihnen, Freud und Leid, als sie ganz unerwartet ...

Sie waren während der Schulzeit fünf Freundinnen, haben sich später teilweise aus den Augen verloren und sind nun um die 60 Jahre alt. Vieles liegt hinter ihnen, Freud und Leid, als sie ganz unerwartet Post von einer von ihnen bekommen, die das Schicksal auf eine Fidschi-Insel verschlagen hat. Es ist eine Einladung von Kat, unverbindlich und zunächst auf Probe, das meist kalte und unwirtliche Norwegen zu verlassen und den Rest des Lebens auf ihrer Kakaoplantage in Korototoka zu verbringen. Wie werden sich Sina, Maya, Ingrid und Lisbeth entscheiden? Können sie alles hinter sich lassen und zu Kat ins Paradies nach Fidschi ziehen, um dort Kakao anzubauen und Schokolade herzustellen?

Anne Østby, geb. 1958, ist eine norwegische Schriftstellerin und Journalistin, die auf der ganzen Welt zu Hause ist. So lebte sie die letzten 25 Jahre in Dänemark, Malaysia, Pakistan, Kasachstan, den USA, dem Iran, in Ost-Timor und Fidschi. Sie ist verheiratet, hat drei Töchter und lebt heute mit ihrem Mann in Myanmar und Norwegen. „Zartbitter ist das Glück“ (Pieces of Happiness) ist ihr erster Roman der von einer ihrer Töchter, Marie Østby, ins Englische übersetzt und in den USA veröffentlicht wurde.

Entgegen des Titels und des Buchcovers, die evtl. einen seichten Frauenroman vermuten lassen, ist dieser Roman weit entfernt von Kitsch und Banalität. Wir erleben den Zusammenprall zweier grundverschiedener Kulturen, die von der Autorin mit viel Humor und Herzenswärme beschrieben sind und werden entführt in ein vermeintliches Paradies mit schwieriger medizinischer Versorgung und hoher Arbeitslosigkeit. Besonders diese Passagen sind es, die dem Roman seinen Tiefgang verleihen.

Die Geschichte ist in schöner, ruhiger Sprache geschrieben, wobei der Sprachstil doch leicht anspruchsvoll ist. Die Autorin lässt jede der fünf Freundinnen zu Wort kommen, lässt sie uns berichten von den Sorgen und Nöten des Älterwerdens, lässt sie in Rückblenden über ihr bisheriges Leben erzählen und uns teilhaben an der Hoffnung auf eine glückliche Zukunft. Dazwischen eingefügt sind immer mal wieder die Gedanken der einheimischen Hausbediensteten Ateca, ihre Sorgen um ihren Sohn und um die fremden Frauen, und ihre Gebete zu Gott, alle zu beschützen. Großartige Landschaftsbeschreibungen, bewegende Schicksale und hoffnungsvolle, Mut machende Inspiration das eigene Leben zu überdenken und sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, zeichnen dieses Buch aus.

Fazit: Ein Buch das man gerne liest, von einer Frau, über Frauen, für Frauen im „besten“ Alter – zum Entspannen, Träumen und Genießen!

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Veröffentlicht am 06.01.2020

Das Geheimnis bleibt ein Geheimnis …

Das Geheimnis der Schwimmerin
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Es sind einige Probleme, mit denen der Bibliothekar Simon Watson sich plötzlich konfrontiert sieht. Er lebt schon lange alleine im Haus seiner verstorbenen Eltern an der Küste Long Islands. Seine einzige ...

Es sind einige Probleme, mit denen der Bibliothekar Simon Watson sich plötzlich konfrontiert sieht. Er lebt schon lange alleine im Haus seiner verstorbenen Eltern an der Küste Long Islands. Seine einzige Schwester, Enola, die als Wahrsagerin mit einem Wanderzirkus durchs Land reist, hat nun ihren Besuch angekündigt. Das Haus ist völlig marode und sollte dringend repariert werden, denn es könnte bereits beim nächsten Sturm über die Klippen stürzen. Doch Simon hat kein Geld und zu allem Unglück droht ihm die Kündigung in der Bibliothek. Auch die Freundschaft mit Alice, Arbeitskollegin und Tochter seines nächsten Nachbarn Frank, die er gerne intensivieren möchte, ist ins Stocken geraten. Völlig verwirrt ist er jedoch von einem alten Tagebuch, das er von einem Unbekannten zugeschickt bekommen hat. Es sind die Aufzeichnungen einer Gauklertruppe aus dem 18. Jahrhundert, die offenbar die Vorfahren seine Familie betreffen. Simon beginnt zu recherchieren und muss mit Entsetzen feststellen, dass alle Frauen der Familie, genau wie auch seine Mutter, an einem 24. Juli ertrunken sind. Dieses Datum steht kurz bevor – und auch der Besuch seiner Schwester …

„Das Geheimnis der Schwimmerin“ erschien bereits 2015 unter dem Titel „The Book of Speculation“ in den USA und ist der Debütroman der jungen, hoffnungsvollen Autorin Erika Swyler. Sie ist in Long Island geboren und aufgewachsen und lernte, laut eigenen Angaben, schwimmen, noch bevor sie laufen konnte. Sie besuchte die University in New York und schrieb bereits für einige Literaturmagazine. Heute lebt sie wieder in Long Island, zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem Haustier, einem kleinen Hasen.

Es handelt sich hier um eine Familiengeschichte, die in zwei verschiedenen Zeiten spielt – im Hier und Heute an der Küste Long Islands und im späten 18. Jahrhundert in Neuengland – über die im Buch abwechselnd kapitelweise berichtet wird. Verbunden sind beide Erzählstränge durch ein rätselhaftes altes Tagebuch, welches die Aufzeichnungen eines gewissen Hermelius Peabody, Direktor einer wandernden Zirkustruppe, enthält, und das Simon Watson nun von einem geheimnisvollen Fremden namens Churchwarry zugeschickt wurde. Durch Simons Nachforschungen wird nach und nach deutlich, dass zwischen den einzelnen Personen eine Verbindung bestehen muss. Doch warum ertranken die Frauen der Familie am 24. Juli, wo sie doch alle gute Schwimmerinnen waren, die Luft zehn Minuten anhalten konnten und mit ihren Künsten sogar im Zirkus aufgetreten sind? Vor diesem Schicksal will Simon seine Schwester unbedingt bewahren.

Am Schreibstil der jungen Autorin ist absolut nichts auszusetzen, er ist flüssig und lebendig, Landschaften und Szenen sind treffend beschrieben. Dabei stechen besonders die Schilderungen um die Zirkusgruppe aus früheren Zeiten heraus, während die Gegenwart etwas verblasst und die Geschichte sich hauptsächlich um Simons unterschiedlichste Probleme dreht. Eine gewisse Spannung entsteht eigentlich nur dadurch, dass man als Leser wissen möchte, warum die Frauen der Familie ausgerechnet am 24. Juli ertrinken. Doch leider ist darüber, sowie auch über die Verwandtschaftsverhältnisse der einzelnen Personen zu den Mitgliedern der damaligen Gauklertruppe, nichts Genaues zu erfahren. Mir ist jedenfalls nichts in Erinnerung geblieben und ich tappe immer noch im Dunkeln, was das Geheimnis um die Schwimmerin war. Wären nicht gelegentlich einige sehr spannende Szenen eingeflochten, hätte ich die Geschichte eher langweilig empfunden.

Fazit: Interessanter Plot und guter Schreibstil, leider mit einigen Längen und offenen Fragen.

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Veröffentlicht am 30.12.2019

Eine Kindheit in Kasachstan

Meins!
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Die Autorin Ida Häusser wurde 1962 als Älteste von dreizehn Kindern einer Familie mit deutschen Wurzeln in Kasachstan geboren. Wie ihre Kindheit dort war schildert sie in diesem reizenden Büchlein - lässt ...

Die Autorin Ida Häusser wurde 1962 als Älteste von dreizehn Kindern einer Familie mit deutschen Wurzeln in Kasachstan geboren. Wie ihre Kindheit dort war schildert sie in diesem reizenden Büchlein - lässt den Leser teilhaben an glücklichen und berührenden Augenblicken, an Kindheitserlebnissen, wie sie nur im damaligen Russland sich zutragen konnten, wenn „dahaam deitsch“ geredet wurde und deutsche Weihnachtsbräuche im Geheimen zelebriert werden mussten.

In einundzwanzig Geschichten, die immer einem anderen Thema gewidmet sind, berichtet Ida Häusser über den damaligen Alltag und schwelgt in ihren Erinnerungen. Schon das Cover ist eine Augenweide und lädt zum Zugreifen und Schmökern ein. Dabei erfährt man, dass im Frühling in der Steppe im Norden Kasachstans Millionen Tulpen erblühen. Der Schreibstil ist ganz der jeweiligen Situation angepasst und lässt sich sehr angenehm lesen. Es sind Erlebnisse mit der Großmutter, die den Leser schmunzeln lassen, es sind aber auch die berührenden und traurigen Momente (wenn beispielsweise die einzige Kuh der Familie notgeschlachtet werden muss), bei denen man mitleidet. Immer ist jedoch zu erahnen, dass die Eltern trotz Entbehrungen versuchten, ihren Kindern Sicherheit und eine glückliche, unbeschwerte Kindheit zu bieten.

Fazit: Ein nettes kleines Büchlein über Kindheitserlebnisse, bei dem man gedanklich ab und zu an die eigene Kindheit erinnert wird - ideal zum Verschenken oder sich selber schenken.

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