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Veröffentlicht am 18.07.2026

Zurück ins „Hotel Mama“

Man kann auch in die Höhe fallen
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Nach einem in Wien erlittenen Schlaganfall hoffte Joachim Meyerhoff, in Berlin neu anfangen zu können. Doch seine Nerven lagen blank, da er seine Arbeit als Schriftsteller und Schauspieler nicht mehr bewältigen ...

Nach einem in Wien erlittenen Schlaganfall hoffte Joachim Meyerhoff, in Berlin neu anfangen zu können. Doch seine Nerven lagen blank, da er seine Arbeit als Schriftsteller und Schauspieler nicht mehr bewältigen konnte. Ein unangenehmer Zwischenfall auf der Geburtstagsfeier seines Sohnes war der endgültige Anlass, Berlin zu verlassen und zu seiner noch sehr rüstigen 86jährigen Mutter aufs Land nach Schleswig-Holstein nahe der Ostsee zu ziehen. Er hofft bei ihr seine Krise zu überwinden und auf dem wunderschönen Grundstück wieder zu sich selbst zu finden. Mutter und Sohn standen sich schon immer sehr nahe, so weiß sie genau, wie sie ihm helfen kann. Sie überhäuft Joachim mit Gartenarbeit, die ihm zunächst schwerfällt, ihn aber nach und nach wieder erdet. Zorn und Nervosität fallen allmählich von ihm ab und er beginnt wieder zu schreiben …

Joachim Meyerhoff, geb. 1967 in Homburg/Saar, ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. Er spielte über 13 Jahre am Wiener Burgtheater, wechselte nach seinem Schlaganfall 2019 an die Berliner Schaubühne, wo er bis 2024 Mitglied des Ensembles war und seither dort Gast ist. Er schrieb bisher sechs Bücher über verschiedene Stationen seines Lebens. Meyerhoff hat zwei Töchter und einen Sohn und lebt heute in Berlin.

„Man kann auch in die Höhe fallen“ ist Band Nr. 6 von Joachim Meyerhoffs autobiografischem Romanzyklus „Alle Toten fliegen hoch“. Wie gewohnt ist sein Schreibstil auch hier literarisch anspruchsvoll, sehr ausdrucksstark und emotional berührend. Die Handlung ist eine gekonnte Mischung zwischen Komik und Tragik. Er erzählt ironisch und humorvoll, ohne seine Figuren lächerlich zu machen. Wir erfahren Anekdoten aus Kindheit, Jugend und seiner Karriere als Schauspieler und erleben, wie Meyerhoff persönliche Krisen zu meistern versucht. Die Geschichte liest sich wie eine Mischung aus Roman und Erinnerung, wobei die Nachwirkung des Schlaganfalls und die Suche nach der verlorenen Inspiration im Mittelpunkt stehen. Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn ist eine sehr herzliche. Er beschreibt sie, trotz ihres hohen Alters, als sehr fit, aktiv und unabhängig, die mit gesundem Menschenverstand und viel Humor ausgestattet noch mitten im Leben steht.

Fazit: Ein sehr menschliches Buch – authentisch, komisch und tragisch – trotz einiger kleiner Übertreibungen höchst unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 07.07.2026

Tanzend durchs Leben bis ins Alter

Fünf, sechs, sieben, acht
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Anton ist Stepptänzer am Theater. Obwohl er bereits 60 Jahre alt ist kann er mit der Jugend noch immer mithalten - meint er - und hofft deshalb, die demnächst freiwerdende Stelle als Choreograf zu bekommen. ...

Anton ist Stepptänzer am Theater. Obwohl er bereits 60 Jahre alt ist kann er mit der Jugend noch immer mithalten - meint er - und hofft deshalb, die demnächst freiwerdende Stelle als Choreograf zu bekommen. Die neue Intendantin jedoch vergibt die Stelle an eine Jüngere, an die 30jährige Emma, Antons Tochter. Anton ist wütend und verärgert – alle, auch Emma, haben es gewusst aber keiner hat es ihm gesagt. Er weiß nicht wie es weiter gehen soll, fühlt sich plötzlich alt und denkt über sein vergangenes Leben nach. Was wäre gewesen wenn damals Jo, seine große Liebe nicht plötzlich verschwunden wäre? Lange hatte er nach ihr gesucht, sie aber nicht gefunden. Nun ist es ausgerechnet Emma, die wieder auf ihren Vater zukommt. Sie hat im Internet nach Jo gesucht und ihre Spur gefunden. Vater und Tochter reisen zusammen nach Irland. Wird Anton auf dieser Reise Emma verzeihen können und ihr endlich sagen, dass er stolz auf ihren Erfolg ist?

Ewald Arenz, geb. 1965 in Nürnberg, ist ein deutscher Schriftsteller. Er machte sein Abitur in Fürth, studierte an der Universität in Erlangen-Nürnberg zunächst Jura, wechselte dann das Studienfach zu Anglistik, Amerikanistik und Geschichte. Für seine literarischen Arbeiten wurde er bereits mit zahlreichen Kulturpreisen ausgezeichnet. Arenz ist Gymnasiallehrer in Nürnberg, wo er Englisch und Geschichte unterrichtet. Er ist Vater von drei Kindern und lebt in der Nähe von Fürth.

In seinem Roman "Fünf sechs sieben acht“ (2026, DuMont Buchverlag) ist es dem Autor großartig gelungen, die seelische und körperliche Verfassung des Vaters und die mentale Stimmung der Tochter zu Papier zu bringen. Der Schreibstil ist dabei sehr einfühlsam, ausdrucksvoll und fesselnd, die Protagonisten und auch alle Nebenfiguren sind klar und präzise herausgearbeitet. Nach anfänglich ruhigem Dahingleiten nimmt die Geschichte bald ordentlich Fahrt auf. Die Entwicklung, die Anton durchmacht ist glaubhaft, seine Auseinandersetzung mit dem Alter ist nachvollziehbar und der realistische Ausblick in die Zukunft stimmt hoffnungsvoll.

Fazit: Ein warmherziges, berührendes Buch voller Zuversicht über das Leben, das Älterwerden und über den Generationenkonflikt – empfehle ich gerne weiter!

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Veröffentlicht am 20.06.2026

Ein Leben für die Marionetten

Herzfaden
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Nach einer Aufführung in der Augsburger Puppenkiste erkundet ein neugieriges Mädchen das Gebäude, öffnet eine geheime Tür und gelangt so auf den Dachboden, wo die Marionetten aufbewahrt werden. Dort geschieht ...

Nach einer Aufführung in der Augsburger Puppenkiste erkundet ein neugieriges Mädchen das Gebäude, öffnet eine geheime Tür und gelangt so auf den Dachboden, wo die Marionetten aufbewahrt werden. Dort geschieht Magisches. Das Mädchen schrumpft auf Größe der Puppen, diese werden lebendig und unterhalten sich mit ihr. Dann kommt auch noch eine altmodisch gekleidete Dame dazu, die sich als „Hatü“ vorstellt. Es ist Hannelore, die Tochter des Gründers des Puppentheaters und Schnitzerin der meisten Figuren. Sie erzählt von ihrer Familie, von den Anfängen des Theaters, von der Zerstörung im II. Weltkrieg, vom Wiederaufbau und vom endgültigen Erfolg bis hin zu den ersten Aufführungen im Fernsehen …

Thomas Hettche, geb. 1964 in Treis, Ldkr. Gießen, ist ein deutscher Schriftsteller und Essayist. Nach seinem Schulabschluss studierte er von 1984 bis 1991 Germanistik, Filmwissenschaft und Philosophie in Frankfurt/Main und war danach als Dozent, Lehrbeauftragter, künstlerischer Gast und Honorarprofessor an verschiedenen Universitäten. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit war er auch journalistisch tätig. Hettche hat zwei Töchter und lebt heute, nach längeren Aufenthalten in Venedig, Krakau, Rom und Los Angeles, als freier Schriftsteller in Berlin und im Vogelsberg.

Wer kennt sie nicht die legendär gewordenen Figuren, Urmel aus dem Eis, Jim Knopf, Kater Mikesch, Lukas der Lokomotivführer oder Kalle Wirsch – Figuren, die die Generation unserer Eltern und auch uns in unserer Kindheit erfreut und begeistert haben? In seinem Roman „Herzfaden“ (2020, Kiepenheuer & Witsch) bietet uns der Autor Thomas Hettche einen liebevollen Blick hinter die Kulissen der Augsburger Puppenkiste mit seinen hölzernen Marionetten und lässt gleichzeitig das Leben von Hannelore Marschall-Oehmichen, genannt „Hatü“, der Tochter des Gründers Walter Oehmichen, Revue passieren. Beide Handlungsstränge lassen sich auch sehr gut getrennt lesen, da sie in unterschiedlichen Farben gedruckt sind, die Geschichte der Familie Oehmichen in Blau und die märchenhaften Erlebnisse des Mädchens auf dem Dachboden in Rot. Beide Teile sind chronologisch aufgebaut und in dem beinahe magisch zu nennenden Schreibstil des Autors sehr gut lesbar. Hettche scheut sich auch nicht, auf Missstände im Dritten Reich, auf Judenverfolgung, traumatisierte Kriegsversehrte, Hunger und Elend in der Nachkriegszeit hinzuweisen, sodass eine lehrreiche, vielschichtige Geschichte von 1939 bis in die 60er-Jahre entstanden ist.

Fazit: Ein Buch, das ich jedem Fan der Augsburger Puppenkiste und seiner Marionetten wärmstens empfehlen möchte!

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Veröffentlicht am 11.06.2026

Alten Trott ablegen und Neues wagen

Au revoir und tschüss
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Ihre Ehe ist festgefahren, die beiden Jungs sind erwachsen und der Alltag bietet keine Abwechslung mehr. Deshalb entschließt sich Caro, gegen den Willen ihres Mannes Holger, einen 4-wöchigen Sprachkurs ...

Ihre Ehe ist festgefahren, die beiden Jungs sind erwachsen und der Alltag bietet keine Abwechslung mehr. Deshalb entschließt sich Caro, gegen den Willen ihres Mannes Holger, einen 4-wöchigen Sprachkurs in Südfrankreich zu absolvieren. Sie liebt das Land, besonders die Stadt Uzès, die sie aus den vielen Familienurlauben kennen gelernt hat, mit ihren bunten Märkten, dem Lavendelduft, dem Wein und dem herrlichen Essen. Doch diesmal ist alles anders, sie ist alleine hier. Alles ist ihr vertraut und wirkt doch fremd. Bald jedoch genießt sie ihre Auszeit, begegnet neuen Menschen und merkt, wie sie sich allmählich entspannt. Dann tritt ein Ereignis ein, das ihr zukünftiges Leben verändern könnte. Caro muss eine Entscheidung treffen …

Gudrun Lochte, geb. 1954 in Haldensleben/Sachsen-Anhalt ist eine deutsche Schriftstellerin. Ihre Liebe zum Schreiben entdeckte sie erst im Alter von über 60 Jahren. Sie begann mit Gedichten, veröffentlichte bisher zwei Romane – und schreibt z. Zt. an ihrem dritten Buch. Seit über 30 Jahren ist Südfrankreich ihr bevorzugtes Urlaubsziel, besonders die Stadt Uzès hat es ihr angetan. Die Autorin ist verheiratet, hat zwei Kinder und drei Enkel und lebt heute in einem kleinen Dorf in Niedersachsen.

„Au revoir und tschüss“ (2026, VANI-Verlag) erzählt von dem Moment im Leben, in dem man spürt, dass man Vergangenes loslassen sollte, um einen Neuanfang zu wagen. Die große Stärke des Romans liegt in seiner Atmosphäre, die ein echtes Urlaubsgefühl entstehen lässt. Die Landschaft mit ihren Düften und die Stadt Uzès mit ihren verwinkelten Gassen fördern Caros Verwandlung und tragen zu neuer Lebensfreude bei. Ihre Gedanken und Gefühle sind nachvollziehbar geschildert, als Leserin kann man sich ein ums andere Mal darin wiederfinden. Leider ist die Handlung recht vorhersehbar und einige „Zufälle“ wirken etwas konstruiert, was jedoch dem Anspruch als gefühlvoller Sommerroman mit Urlaubssehnsucht und lebensnaher Unterhaltung keinen Abbruch tut.

Fazit: Ein leichter Sommerroman, der durch seine stimmungsvolle Kulisse und seinen sympathischen Figuren überzeugt.

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Veröffentlicht am 10.06.2026

Im Rausch der Farben

The Artist
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Man schreibt das Jahr 1920. Der junge noch unbekannte Journalist Joseph Adelaide aus London reist in die Provence um den »Meister des Lichts«, den Maler Édouard Tartuffe, genannt Tata, zu interviewen, ...

Man schreibt das Jahr 1920. Der junge noch unbekannte Journalist Joseph Adelaide aus London reist in die Provence um den »Meister des Lichts«, den Maler Édouard Tartuffe, genannt Tata, zu interviewen, der sich viele Jahre zuvor plötzlich aus Paris in die Einsamkeit zurückgezogen hatte. Seine Nichte Sylvette, Ettie genannt, versorgt ihm den Haushalt, schafft Ordnung in seinem Atelier und organisiert sein Leben als Maler. Als Joseph dort ankommt ist die Enttäuschung zunächst groß, denn er darf nur bleiben und über Tata schreiben, wenn er ihm auch Modell sitzt. Er willigt ein, denn er möchte die Geheimnisse, die beide umgeben, ergründen. Warum ist der gefeierte Maler, der mit van Gogh und Cézanne gut bekannt war, damals so plötzlich aus Paris verschwunden? Was verbirgt Ettie, die sich ganz dem Meister untergeordnet hat aber nachts heimlich das Haus verlässt?

Lucy Steeds, geb. 1995, ist eine englische Schriftstellerin. Sie wuchs in London auf. Nach ihrem Studium der Englischen Literatur in Oxford lebte sie einige Zeit in Paris und Singapur. Ihr Debüt ist der historische Roman „The Artist“ (2025), der bereits den Waterstones Debut Fiction Prize gewann, als Waterstones Book of the Year ausgezeichnet wurde und bereits in mehreren Sprachen erschienen ist. Derzeit pendelt die Autorin zwischen ihren Wohnsitzen in Amsterdam und London.

Die Geschichte beginnt mit dem Prolog, in dem eine unbekannte Frau 1957 in der National Gallery in London ein Bild von Édouard Tartuffe betrachtet – und geht dann zurück ins Jahr 1920 in die Provence, was dem Roman sofort eine rätselhafte Spannung verleiht, die bis zum Schluss spürbar ist. Man gerät in eine Atmosphäre von drückender Hitze, geniale Kreativität, rätselhaften Geheimnissen und verhaltener Leidenschaft, die uns in den Bann zieht. Die drei Figuren, Joseph, Ettie und der Künstler selbst, wirken sehr lebendig, ihre Charaktere sind sehr subtil und differenziert herausgearbeitet und ihr Verhalten nachvollziehbar. Die Sprache ist extrem poetisch und sinnlich. Hitze, Farben, Gerüche und Licht sind so malerisch beschrieben, dass der Roman beinahe selbst wie ein Gemälde wirkt.

Fazit: Ein großartiger Roman, der Kunst und Kreativität, Liebe, Macht und Selbstbestimmung miteinander verbindet. Meine uneingeschränkte Empfehlung!

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