Im Rausch der Farben
The ArtistMan schreibt das Jahr 1920. Der junge noch unbekannte Journalist Joseph Adelaide aus London reist in die Provence um den »Meister des Lichts«, den Maler Édouard Tartuffe, genannt Tata, zu interviewen, ...
Man schreibt das Jahr 1920. Der junge noch unbekannte Journalist Joseph Adelaide aus London reist in die Provence um den »Meister des Lichts«, den Maler Édouard Tartuffe, genannt Tata, zu interviewen, der sich viele Jahre zuvor plötzlich aus Paris in die Einsamkeit zurückgezogen hatte. Seine Nichte Sylvette, Ettie genannt, versorgt ihm den Haushalt, schafft Ordnung in seinem Atelier und organisiert sein Leben als Maler. Als Joseph dort ankommt ist die Enttäuschung zunächst groß, denn er darf nur bleiben und über Tata schreiben, wenn er ihm auch Modell sitzt. Er willigt ein, denn er möchte die Geheimnisse, die beide umgeben, ergründen. Warum ist der gefeierte Maler, der mit van Gogh und Cézanne gut bekannt war, damals so plötzlich aus Paris verschwunden? Was verbirgt Ettie, die sich ganz dem Meister untergeordnet hat aber nachts heimlich das Haus verlässt?
Lucy Steeds, geb. 1995, ist eine englische Schriftstellerin. Sie wuchs in London auf. Nach ihrem Studium der Englischen Literatur in Oxford lebte sie einige Zeit in Paris und Singapur. Ihr Debüt ist der historische Roman „The Artist“ (2025), der bereits den Waterstones Debut Fiction Prize gewann, als Waterstones Book of the Year ausgezeichnet wurde und bereits in mehreren Sprachen erschienen ist. Derzeit pendelt die Autorin zwischen ihren Wohnsitzen in Amsterdam und London.
Die Geschichte beginnt mit dem Prolog, in dem eine unbekannte Frau 1957 in der National Gallery in London ein Bild von Édouard Tartuffe betrachtet – und geht dann zurück ins Jahr 1920 in die Provence, was dem Roman sofort eine rätselhafte Spannung verleiht, die bis zum Schluss spürbar ist. Man gerät in eine Atmosphäre von drückender Hitze, geniale Kreativität, rätselhaften Geheimnissen und verhaltener Leidenschaft, die uns in den Bann zieht. Die drei Figuren, Joseph, Ettie und der Künstler selbst, wirken sehr lebendig, ihre Charaktere sind sehr subtil und differenziert herausgearbeitet und ihr Verhalten nachvollziehbar. Die Sprache ist extrem poetisch und sinnlich. Hitze, Farben, Gerüche und Licht sind so malerisch beschrieben, dass der Roman beinahe selbst wie ein Gemälde wirkt.
Fazit: Ein großartiger Roman, der Kunst und Kreativität, Liebe, Macht und Selbstbestimmung miteinander verbindet. Meine uneingeschränkte Empfehlung!