Eine Straße und ihre Menschen
Die StraßeDie Heidestraße, eine Straße wie viele, irgendwo in einer Stadt, zu einer Zeit, als man noch mit Mark statt Euro zahlte. Genau so durchschnittlich wie die Straße sind auch ihre Bewohner mit ihren Sorgen ...
Die Heidestraße, eine Straße wie viele, irgendwo in einer Stadt, zu einer Zeit, als man noch mit Mark statt Euro zahlte. Genau so durchschnittlich wie die Straße sind auch ihre Bewohner mit ihren Sorgen und ihren heimlichen Wünschen. Die Straße hat alles zu bieten, ein paar Läden des täglichen Bedarfs, Gastronomie, ein Rechtsanwalt, ein Pfarrer, ein Arzt und ein Altersheim - und neben Kunst und Kultur findet alljährlich das beliebte Heidestraßenfest statt, das die Menschen einander näherbringen soll. Alle haben ihre Sorgen, Wünsche, Träume und Geheimnisse, sie sehen sich beinahe täglich und wissen doch nichts voneinander …
Robert Seethaler, geb. 1966 in Wien, ist ein österreichisch-deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Schauspieler. Aufgrund seines Augenleidens verließ er die Schule bereits im Alter von 15 Jahren und versuchte sich daraufhin in mehreren Berufen, bevor er die Schauspielschule besuchte und in einer Vielzahl von Produktionen für Kino und Fernsehen mitwirkte. Sein literarisches Schaffen begann 2006 mit dem Erscheinen seines ersten Romans, international bekannt wurde er jedoch 2012 mit seinem Roman „Der Trafikant“. Nach einigen weiteren Erfolgen ist „Die Straße“ (2026, Claassen, Berlin) sein 9. Roman, der auch sofort wieder an der Spitze der Bestsellerliste steht.
Kein Roman im eigentlichen Sinne - sondern in kurzen Sequenzen, Gesprächsfetzen oder plötzlichen Gedanken erfahren wir Szenen des Alltags, wie sie überall vorkommen könnten. Seethaler verbindet einzelne Schicksale zu einem Gesamtbild menschlichen Lebens mit all seinen Sorgen, Hoffnungen und Sehnsüchten. Es sind die alltäglichen Momente, die uns besonders berühren. Sein Schreibstil ist dabei ruhig, klar und gut verständlich - jedoch erfordert es bei Lesen ein gewisses Maß an Überlegung und Konzentration, wer gerade spricht oder wessen Gedanke man soeben erfährt. Satzfetzen und Gedankensplitter fließen ineinander, Leben und Tod vermischen sich, aber die Hoffnung stirbt auch hier, wie immer, zuletzt. Nach einigen Seiten hat man sich an diese besondere Art des Schreibens gewöhnt und kann nur noch genießen.
Fazit: Ein außergewöhnliches Buch – für reife Leser*innen ein wirklicher Genuss.