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Veröffentlicht am 11.05.2026

Eine Straße und ihre Menschen

Die Straße
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Die Heidestraße, eine Straße wie viele, irgendwo in einer Stadt, zu einer Zeit, als man noch mit Mark statt Euro zahlte. Genau so durchschnittlich wie die Straße sind auch ihre Bewohner mit ihren Sorgen ...

Die Heidestraße, eine Straße wie viele, irgendwo in einer Stadt, zu einer Zeit, als man noch mit Mark statt Euro zahlte. Genau so durchschnittlich wie die Straße sind auch ihre Bewohner mit ihren Sorgen und ihren heimlichen Wünschen. Die Straße hat alles zu bieten, ein paar Läden des täglichen Bedarfs, Gastronomie, ein Rechtsanwalt, ein Pfarrer, ein Arzt und ein Altersheim - und neben Kunst und Kultur findet alljährlich das beliebte Heidestraßenfest statt, das die Menschen einander näherbringen soll. Alle haben ihre Sorgen, Wünsche, Träume und Geheimnisse, sie sehen sich beinahe täglich und wissen doch nichts voneinander …

Robert Seethaler, geb. 1966 in Wien, ist ein österreichisch-deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Schauspieler. Aufgrund seines Augenleidens verließ er die Schule bereits im Alter von 15 Jahren und versuchte sich daraufhin in mehreren Berufen, bevor er die Schauspielschule besuchte und in einer Vielzahl von Produktionen für Kino und Fernsehen mitwirkte. Sein literarisches Schaffen begann 2006 mit dem Erscheinen seines ersten Romans, international bekannt wurde er jedoch 2012 mit seinem Roman „Der Trafikant“. Nach einigen weiteren Erfolgen ist „Die Straße“ (2026, Claassen, Berlin) sein 9. Roman, der auch sofort wieder an der Spitze der Bestsellerliste steht.

Kein Roman im eigentlichen Sinne - sondern in kurzen Sequenzen, Gesprächsfetzen oder plötzlichen Gedanken erfahren wir Szenen des Alltags, wie sie überall vorkommen könnten. Seethaler verbindet einzelne Schicksale zu einem Gesamtbild menschlichen Lebens mit all seinen Sorgen, Hoffnungen und Sehnsüchten. Es sind die alltäglichen Momente, die uns besonders berühren. Sein Schreibstil ist dabei ruhig, klar und gut verständlich - jedoch erfordert es bei Lesen ein gewisses Maß an Überlegung und Konzentration, wer gerade spricht oder wessen Gedanke man soeben erfährt. Satzfetzen und Gedankensplitter fließen ineinander, Leben und Tod vermischen sich, aber die Hoffnung stirbt auch hier, wie immer, zuletzt. Nach einigen Seiten hat man sich an diese besondere Art des Schreibens gewöhnt und kann nur noch genießen.

Fazit: Ein außergewöhnliches Buch – für reife Leser*innen ein wirklicher Genuss.

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Veröffentlicht am 09.05.2026

Unvergessliche Sommertage

Der Sommer, der uns blieb
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Gemeinsam in einem kleinen Ort aufgewachsen, sind Pia, Britta und Martin seit ihrer Kinder- und Jugendzeit enge Freunde. Sie verbrachten viele unbeschwerte Sommer zusammen am See und hatten das Gefühl, ...

Gemeinsam in einem kleinen Ort aufgewachsen, sind Pia, Britta und Martin seit ihrer Kinder- und Jugendzeit enge Freunde. Sie verbrachten viele unbeschwerte Sommer zusammen am See und hatten das Gefühl, ihre Freundschaft halte ewig. Doch dann, im Sommer nach dem Schulabschluss, geschah etwas, das alles veränderte. Plötzlich hatten sie Geheimnisse voreinander und es entwickelten sich Eifersucht und Spannungen. Pia verschwindet ohne ein Wort, auch Britta verlässt die Heimat, nur Martin bleibt zurück. Sie verlieren sich aus den Augen, die Freundschaft zerbricht.
Etwa zwanzig Jahre später kommt Britta zurück, um sich um ihren alten Vater zu kümmern und Pia, inzwischen Fotografin, hat am Ort eine Ausstellung ihrer Bilder. So treffen die drei ehemaligen Freunde wieder aufeinander. Wird es ihnen gelingen, die tragischen Geschehnisse von damals zur Sprache zu bringen, sich zu versöhnen und ihre Freundschaft wieder aufleben zu lassen?

Greta Herrlicher, geb. 1964 in Coesfeld im Münsterland in NRW, hat mit ihrem Roman-Debüt „Der Sommer, der uns blieb“ (2026) auf Anhieb den ersten Platz der „Spiegel“-Bestsellerliste erreicht. Ein überraschender Erfolg, auch für den jungen Vani-Verlag. Neben dem Schreiben verbringt die Autorin gerne Zeit mit ihrer Familie und sammelt auf Reisen neue Inspirationen.

Der Schreibstil der Autorin ist als flüssig und schnörkellos zu bezeichnen und liest sich sehr angenehm. Szenen, Beziehungen und Örtlichkeiten sind gut in die Geschichte eingebunden. Wir erfahren das Geschehen abwechselnd aus Sicht der drei Protagonisten Britta, Pia und Martin mit dazwischen gekonnt eingefügten Rückblenden in die Vergangenheit. Leider fehlt es den Personen etwas an Tiefe im Seelenleben, sodass ein Mitfühlen, Mitfreuen und Mitleiden manchmal schwerfällt.

Fazit: Ein solider, unterhaltsamer Sommerroman, den ich durchaus empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein Römer in der Provinz

Abschied auf Italienisch
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Private Probleme waren der Grund, warum sich Commissario Vito Grassi von Rom in die Questura nach La Spezia versetzen ließ. Es war ein spontaner Entschluss, nachdem er vom Tod seines Vaters erfahren und ...

Private Probleme waren der Grund, warum sich Commissario Vito Grassi von Rom in die Questura nach La Spezia versetzen ließ. Es war ein spontaner Entschluss, nachdem er vom Tod seines Vaters erfahren und dessen Haus in Levanto geerbt hatte. Dort angekommen bleibt ihm kaum Zeit, das liebevoll hergerichtete Rustico mit seinem Olivenhain und die herrliche Aussicht auf die Küste der Cinque Terre zu bewundern. Ein Leichenfund im Tunnel, eine junge Kollegin und Toni, die einstige Mitbewohnerin und Freundin seines Vaters, erwarten ihn. Als eine Woche später auf seinem Grundstück noch eine weitere Leiche auftaucht hat er genügend zu tun, um seine privaten Sorgen zu vergessen …

Andrea Bonetto ist das Pseudonym des deutschen Autors, der eine namhafte Größe im Verlagswesen sein soll. Nach seinen Angaben lebt er in der nördlichsten Stadt Italiens, in Rom, einem Ortsteil von Morsbach in NRW, im Regierungsbezirk Köln. Er liebt Italien, die Ligurische Küste, die Kultur und das gute Essen. „Abschied auf Italienisch“ (2023 Droemer Verlag) ist der erste Band einer Krimi-Reihe um Commissario Vito Grassi, der auf Anhieb die Spiegel-Bestsellerliste eroberte.

Der Schreibstil ist sehr ansprechend, angenehm flüssig und vermittelt viel regionales Flair. Was diesen Roman besonders macht ist weniger das Kriminalistische, als vielmehr der landschaftliche Hintergrund und das mediterrane Lebensgefühl. Die Gegend um die ligurische Küste und Cinque Terre wird sehr anschaulich und stimmungsvoll beschrieben und durch eine Landkarte hinten im Buch sinnvoll ergänzt. Die Charaktere, besonders der eigenwillige und oft etwas schwierige Grassi und seine unfreiwillige Mitbewohnerin Toni, wirken sehr lebensecht und authentisch. Die Handlung ist wenig überraschend, manchmal vorhersehbar und zieht sich anfangs, bis es dann ab etwa Mitte des Buches doch noch ordentlich spannend wird.

Fazit: Ein solider Urlaubskrimi der weniger durch Spannung, als durch seine Mitwirkenden und sein italienisches Flair überzeugt.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Kleine Geschichten zum Entspannen

Maktub
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Wie Coelho im Vorwort des Buches erwähnt ist es kein Ratgeber, sondern beruht auf Lehren seines buddhistischen Meisters, Berichten von Freundin, Begegnungen mit Menschen und Reflektionen auf Bücher, die ...

Wie Coelho im Vorwort des Buches erwähnt ist es kein Ratgeber, sondern beruht auf Lehren seines buddhistischen Meisters, Berichten von Freundin, Begegnungen mit Menschen und Reflektionen auf Bücher, die er gelesen hat. In bewusst einfachem und direktem Schreibstil spricht er seine Leser an und inspiriert sie dazu, ihre eigenen Gedanken zu entwickeln. Für diesen Band hat er Texte ausgewählt, die er als Kolumne für das Kulturmagazin einer Zeitung in Sao Paulo geschrieben hat und die zwischen Juni 1993 und Juni 1994 erschienen sind.

Da die einzelnen Texte jeweils nur eine knappe Buchseite füllen sind sie bestens geeignet, zum Lesen für die kleine Pause zwischendurch oder als abendliche Bettlektüre. Ich empfehle, täglich nur eine der wunderschönen Weisheiten zu lesen und zu verinnerlichen, da man sich sonst leicht überfordert fühlen kann. Viele dieser kurzen Erzählungen befassen sich neben inspirierenden Gedanken auch mit Gott, mit dem Gebet und dem Glauben. Bei mir liegt das Buch auf dem Nachttisch, um vor dem Einschlafen noch eine der besinnlichen Geschichten lesen zu können.

Paulo Coelho wurde 1947 in Rio de Janeiro geboren – heute lebt er mit seiner Frau Christina in Genf. Mit seinen Romanen, die in 89 Sprachen übersetzt und über 320 Millionen Mal verkauft wurden, erlangte er Weltruhm. „Maktub“ (2024, Diogenes-Verlag) ist eine inspirierende Ergänzung zu seinem Bestseller „Der Alchimist“.

Fazit: Ein Schatzkästchen voller weiser Erkenntnisse, die zum eigenen Nachdenken anregen. Meine uneingeschränkte Empfehlung!

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Unterwürfiges Begehren trifft auf skrupellose Dominanz

Ultramarin
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Seit frühester Jugend verbrachten die Geschwister Raf und Sophie ihren Sommerurlaub zusammen mit Lou. Dieses Jahr soll es an die dänische Küste gehen, in das Ferienhaus von Raf und Sophies Eltern – doch ...

Seit frühester Jugend verbrachten die Geschwister Raf und Sophie ihren Sommerurlaub zusammen mit Lou. Dieses Jahr soll es an die dänische Küste gehen, in das Ferienhaus von Raf und Sophies Eltern – doch anstatt Sophie fährt diesmal ihre Freundin Nora mit. Lou, der in Raf verliebt ist und ihn begehrt, befürchtet, dieser könnte sich Nora zuwenden – was dann auch eintritt. Was ein unbeschwerter Urlaub werden sollte wird plötzlich zur bedrückenden Situation. Raf treibt ein perfides Spiel zwischen den beiden, nützt Lous Zuneigung skrupellos aus und demütigt ihn, indem er ihn mit Nora betrügt. Dann, eines Tages ist Nora plötzlich verschwunden, abgereist ohne sich zu verabschieden. Lou hofft, dass sich jetzt das Verhältnis zwischen ihm und Raf bessern wird …

Ann-Christin Kumm lebt in Berlin und arbeitet, neben Roman schreiben, als Gärtnerin. „Ultramarin“ (2026 – Hanser-Verlag) ist ihr Debütroman.

Mit diesem Buch ist der Autorin ein interessantes Debüt über eine toxische Beziehung zwischen zwei jungen Männern gelungen. Die Erzählweise ist ruhig und unaufgeregt, ganz im Gegensatz zum Inhalt. Schon früh merkt man, dass hier etwas nicht stimmt und grandios falsch läuft. Die Stimmung ist durchweg negativ, eine ungute Szene reiht sich an die nächste. Die Charaktere sind zwar sehr unterschiedlich geformt, aber alle durchweg unsympathisch. Man ist bestürzt und entsetzt, die Abgründe menschlichen Verhaltens mit zu erleben und hofft auf ein gutes Ende. Doch weit gefehlt, dies kommt abrupt, macht betroffen und schockiert.

Fazit: Ein interessantes Debüt - jedoch keine erbauliche Lektüre, was sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen wird.

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