Zurück ins „Hotel Mama“
Man kann auch in die Höhe fallenNach einem in Wien erlittenen Schlaganfall hoffte Joachim Meyerhoff, in Berlin neu anfangen zu können. Doch seine Nerven lagen blank, da er seine Arbeit als Schriftsteller und Schauspieler nicht mehr bewältigen ...
Nach einem in Wien erlittenen Schlaganfall hoffte Joachim Meyerhoff, in Berlin neu anfangen zu können. Doch seine Nerven lagen blank, da er seine Arbeit als Schriftsteller und Schauspieler nicht mehr bewältigen konnte. Ein unangenehmer Zwischenfall auf der Geburtstagsfeier seines Sohnes war der endgültige Anlass, Berlin zu verlassen und zu seiner noch sehr rüstigen 86jährigen Mutter aufs Land nach Schleswig-Holstein nahe der Ostsee zu ziehen. Er hofft bei ihr seine Krise zu überwinden und auf dem wunderschönen Grundstück wieder zu sich selbst zu finden. Mutter und Sohn standen sich schon immer sehr nahe, so weiß sie genau, wie sie ihm helfen kann. Sie überhäuft Joachim mit Gartenarbeit, die ihm zunächst schwerfällt, ihn aber nach und nach wieder erdet. Zorn und Nervosität fallen allmählich von ihm ab und er beginnt wieder zu schreiben …
Joachim Meyerhoff, geb. 1967 in Homburg/Saar, ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. Er spielte über 13 Jahre am Wiener Burgtheater, wechselte nach seinem Schlaganfall 2019 an die Berliner Schaubühne, wo er bis 2024 Mitglied des Ensembles war und seither dort Gast ist. Er schrieb bisher sechs Bücher über verschiedene Stationen seines Lebens. Meyerhoff hat zwei Töchter und einen Sohn und lebt heute in Berlin.
„Man kann auch in die Höhe fallen“ ist Band Nr. 6 von Joachim Meyerhoffs autobiografischem Romanzyklus „Alle Toten fliegen hoch“. Wie gewohnt ist sein Schreibstil auch hier literarisch anspruchsvoll, sehr ausdrucksstark und emotional berührend. Die Handlung ist eine gekonnte Mischung zwischen Komik und Tragik. Er erzählt ironisch und humorvoll, ohne seine Figuren lächerlich zu machen. Wir erfahren Anekdoten aus Kindheit, Jugend und seiner Karriere als Schauspieler und erleben, wie Meyerhoff persönliche Krisen zu meistern versucht. Die Geschichte liest sich wie eine Mischung aus Roman und Erinnerung, wobei die Nachwirkung des Schlaganfalls und die Suche nach der verlorenen Inspiration im Mittelpunkt stehen. Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn ist eine sehr herzliche. Er beschreibt sie, trotz ihres hohen Alters, als sehr fit, aktiv und unabhängig, die mit gesundem Menschenverstand und viel Humor ausgestattet noch mitten im Leben steht.
Fazit: Ein sehr menschliches Buch – authentisch, komisch und tragisch – trotz einiger kleiner Übertreibungen höchst unterhaltsam.