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Veröffentlicht am 27.09.2020

Ehekrise und andere Probleme

Unter uns das Meer
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Seit der Geburt ihrer Kinder steckt die Ehe der Partlows in einer Krise. Deshalb versucht Michael seine Frau Juliet zu einem Segeltörn in die Karibik zu überreden. Ein Jahr nur sie beide und ihre 2½ und ...

Seit der Geburt ihrer Kinder steckt die Ehe der Partlows in einer Krise. Deshalb versucht Michael seine Frau Juliet zu einem Segeltörn in die Karibik zu überreden. Ein Jahr nur sie beide und ihre 2½ und 7 Jahre alten Kinder, das sollte die Familie wieder einander näher bringen und gleichzeitig Juliet von ihren Depressionen befreien. Zunächst ist sie noch skeptisch, denn sie ist noch nie gesegelt und Michaels Segelerfahrungen beruhen aus der Jugendzeit, dann aber willigt Juliet ein - ein Jahr Sonne, Südsee, Freiheit und Abenteuer klingt zu verlockend. Doch die Traumreise sollte bald zum Alptraum werden …

Amity Gaige ist eine us-amerikanische Schriftstellerin, die zuvor bereits drei Romane veröffentlichte. Sie wurde 1972 in Charlotte/North Carolina geboren und studierte Englisch und Theaterwissenschaft. Sie ist verheiratet mit Tim Watt und lebt mit ihrer Familie in Connecticut.

„Unter uns das Meer“ ist keinem bestimmten Genre zuzuordnen, sondern ist eine gut dosierte Mischung aus Abenteuer- und Familienroman mit psychologischen und zum Teil kriminalistischen Betrachtungsweisen. Die Autorin bedient sich zweier Erzählperspektiven: zum einen der rückblickenden Erinnerungen Juliets und zum anderen Michaels Logbuch, das er vor und während des Segeltörns geführt hat. Aus beiden, sich teils widersprechenden und teils ergänzenden Stimmen entsteht die Spannung, die den Leser in ihren Sog zieht und der nahenden Katastrophe entgegen fiebern lässt.

Der Schreibstil ist durch die verschiedenen Perspektiven recht abwechslungsreich. Sehr schöne Schilderungen des Meeres, der Inseln und der Bevölkerung der Karibik wechseln mit teils ziemlich langatmigen Beschreibungen über die Technik des Segelns und gut gelungenen, sehr lebensecht und authentischen Charakterbeschreibungen. Obwohl ein dramatischer Ausgang des Segeltörns zu erwarten ist, hat die Handlung doch einige interessante und unerwartete Wendungen. Der Schluss ist angenehm stimmig, der danach folgende Anhang mit Briefen, Gedichten etc. jedoch ist überflüssig und gibt Rätsel auf.

Fazit: Eine fesselnd erzählte Geschichte, eine Mischung aus Tiefsinn, Problemen und Spannung, die eine angenehme Unterhaltung bietet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2020

Mona - ein Virus bedroht die Menschheit …

Mona
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Aus Rache für den Tod seiner kleinen Tochter Mona, die mit ihrer Mutter und Großmutter durch eine israelische Granate getötet wurde, entwickelte der libanesische Computer-Experte Samir Mustaf den neuartigen, ...

Aus Rache für den Tod seiner kleinen Tochter Mona, die mit ihrer Mutter und Großmutter durch eine israelische Granate getötet wurde, entwickelte der libanesische Computer-Experte Samir Mustaf den neuartigen, äußerst gefährlichen und heimtückischen Computervirus „Mona“ und bietet ihn der Hisbollah an. Diese beabsichtigt, den Virus in das israelische Banken- und Finanzsystem zu injizieren, um so das Land und die ganze westliche Welt ins Chaos zu stürzen.
Zur gleichen Zeit entwickelt der schwedische IT-Professor Eric Söderqvist „Mind Surf“, eine Software die es ermöglicht, allein durch Gedanken in den Computer einzudringen und im Internet zu surfen. Die ersten Testpersonen sind Erics Geldgeber Mats Hagström und Erics Frau Hanna, die beide bald darauf ins Koma fallen. Ist es möglich, dass sie von dem neuen Computervirus infiziert wurden, wie Eric vermutet? Die Antwort kann er nur von Samir, dem Entwickler von „Mona“ erhalten. Gegen jede Vernunft macht er sich auf, um diesen im Nahen Osten zu suchen und ihn um einen Gegenvirus zu bitten …

Der 1969 geborene schwedische Autor Dan T. Sehlberg ist MBA der Stockholm School of Economics. In den 80er-Jahren war er Mitglied der Rockband Nova und gründete danach mehrere IT- und Internetfirmen. Nach dem internationalen Erfolg seines Debütromans „M.O.N.A.“ schrieb er im Anschluss die Fortsetzung „S.I.N.O.N.“ Der Autor lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Stockholm.

Nach dem aufregenden, sehr emotional erzählten, Prolog ist der Einstieg in das Geschehen nicht ganz einfach. In Dubai, in Stockholm. im Iran, in Tel Aviv und in Nizza treffen und begegnen sich verschiedene Protagonisten, deren Handlungen und Gespräche erst viel später einen Sinn ergeben, wenn die einzelnen Erzählstränge allmählich zusammengeführt werden. Dann kommt auch endlich die erwartete Spannung auf. Eric Söderqvists Odyssee im Nahen Osten, der meist mehr intuitiv als überlegt handelt, in gefährliche Situationen hineinschliddert und dabei noch vom Mossad, dem FBI und der Hisbollah verfolgt und ausgenutzt wird, ist aufregend und wirklich lesenswert. Dass dabei Zufälle eine große Rolle spielen, nicht alle Handlungen absolut einleuchtend sind und es gelegentlich sogar rührselig wird, kann man getrost vergessen.

Der Schreibstil des Autors ist sehr sachlich gehalten. Er versorgt den Leser mit viel Hintergrundwissen, was meiner Meinung nach nicht immer notwendig ist und nur den Lesefluss stört. Dadurch bedingte langatmige Passagen im Wechsel mit Hochspannung, die teils sehr kurzen Kapitel mit Ortsangaben und Einblicke in die Machenschaften der verschiedenen Geheimdienste sind zwar interessant und zeugen von guter Recherchearbeit des Autors, lassen einen aber leicht den Überblick verlieren. Das letzte Kapitel und der anschließende Epilog sind schlüssig und erzeugen bereits spannende Erwartung auf den Fortsetzungsroman, S.I.N.O.N., dessen Leseprobe ebenfalls angehängt ist.

Fazit: Eine gut gelungene Zukunftsvision mit Einblicken in die Nahost-Politik, wobei man bei einem Thriller etwas mehr Spannung erwartet hätte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.09.2020

Der rote Mantel …

Das Mädchen, das rückwärts ging
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Die alleinerziehende Mutter Beth aus dem englischen Norfolk macht mit ihrer 8jährigen Tochter Carmel einen Ausflug ins Umland. Bei dichtem Nebel verschwindet das Mädchen und ward nicht mehr gesehen. Die ...

Die alleinerziehende Mutter Beth aus dem englischen Norfolk macht mit ihrer 8jährigen Tochter Carmel einen Ausflug ins Umland. Bei dichtem Nebel verschwindet das Mädchen und ward nicht mehr gesehen. Die Polizei tappt im Dunkeln - die Mutter ist ratlos und gibt sich die Schuld am Verschwinden. So beginnt sie selbst ihre Suche nach dem Kind, indem sie Schritt für Schritt die gemeinsame Vergangenheit rekonstruiert …

„Das Mädchen, das rückwärts ging“ ist der erste Roman der englischen Autorin Kate Hamer. Sie wuchs in Pembrokeshire auf, studierte in Manchester, war danach zehn Jahre als Dokumentarfilmerin tätig und schrieb zunächst Kurzgeschichten. Für ihren Debütroman wurde sie mit einem Preis für den besten Romananfang ausgezeichnet. Kate Hamer lebt mit Mann und zwei Kindern in Cardiff (Wales).

Die Ausstattung des Taschenbuches ist recht ansprechend, zugeklappt ähnelt es einer stabilen Schachtel - Titel und Cover hingegen finde ich völlig unpassend. Warum hat man nicht einfach den englischen Titel „The Girl in the Red Coat“ ins Deutsche übersetzt, zumal sich der rote Mantel wie ein roter Faden durch das ganze Geschehen zieht? Die Geschichte selbst bzw. deren Erzählstil ist meiner Meinung nach weniger gut gelungen. Die Autorin lässt die beiden Protagonisten, die Mutter und das Mädchen, kapitelweise abwechselnd zu Wort kommen, wobei die Sprache der 8-Jährigen eher der einer Erwachsenen ähnelt, die Mutter hingegen manchmal recht kindisch daher plappert.

Ein Kind zu verlieren, nicht zu wissen wie es ihm geht und ob es überhaupt noch lebt, ist wohl das Schlimmste, das einer Mutter passieren kann. Dieses Horrorszenario wird in dieser Geschichte ausführlich geschildert, aber in einer Art und Weise, die mich nicht berühren konnte. Ich habe es gelesen, habe es vernommen, konnte mich aber nicht einfühlen weil es mir nicht gelang, die Handlungsweisen der Beteiligten in irgendeiner Weise nachzuvollziehen. Ein gewisser Spannungsfaden zieht sich jedoch durch das ganze Buch, weshalb ich es auch zu Ende gelesen habe. Ich wollte unbedingt wissen, ob es zu einem guten oder schlechten Ausgang kommt – was hier natürlich nicht verraten wird.

Fazit: Ein interessanter Stoff, der meiner Meinung nach nur unzureichend umgesetzt wurde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.09.2020

Glück und Glas, wie leicht bricht das …

Tanz auf Glas
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Auf der Party zu ihrem 21. Geburtstag lernten sie sich kennen, Lucy Houston und Mickey Chandler. Es war Liebe auf den ersten Blick - aber es dauert noch beinahe ein Jahr bis sie sich wieder begegnen und ...

Auf der Party zu ihrem 21. Geburtstag lernten sie sich kennen, Lucy Houston und Mickey Chandler. Es war Liebe auf den ersten Blick - aber es dauert noch beinahe ein Jahr bis sie sich wieder begegnen und dann auch bald heiraten. Ob das die richtige Entscheidung war? Lucy hat von ihrer Familie ein erhöhtes Krebsrisiko vererbt bekommen und Mickey ist manisch-depressiv und leidet unter gelegentlichen Schüben. Doch wider Erwarten geht alles gut, sie lieben sich noch immer und führen eine glückliche Ehe, bis nach vielen Jahren das Schicksal erbarmungslos zuschlägt …

Lt. Angaben des Droemer-Knaur-Verlags ist die US-amerikanische Autorin Ka Hancock in Utah geboren und arbeitete als Krankenschwester, wobei sie sich auf den Bereich der Psychiatrie spezialisiert hatte. Sie hat vier erwachsene Kinder und lebt heute mit ihrem Mann in Salt Lake City. „Tanz auf Glas“, erschienen 2012, ist ihr Debütroman.

Die Autorin lässt überwiegend Lucy zu Wort kommen, während man Mickeys geheime Gedanken in dazwischen eingefügten Tagebucheinträgen und zum Ende des Buches erfährt. Das Geschehen erlebt der Leser in der Gegenwart, in einem zweiten Erzählstrang berichten die Protagonisten auch in der Vergangenheit über ihr gemeinsames Leben. Eine gewisse Spannung entsteht hauptsächlich dadurch, dass man beim Lesen bereits ahnt, dass die Geschichte keinen guten Ausgang nehmen kann. Einen breiten Raum nimmt Mickeys psychische Erkrankung ein, deren Symptome und Verläufe genau und langatmig beschrieben sind und sich oft wiederholen, während Lucys Befinden meist nur nebenbei erwähnt wird.

Für romantische Naturen mag es sicherlich eine berührende und bewegende Geschichte sein, mir jedoch war es zu viel Drama, zu viele Schicksalsschläge, zu viele Tränen, zu viel perfekte Liebe und zu viel Verzeihen und Vergeben, um der Realität wirklich gerecht zu werden. Möglicherweise habe ich es auch zur falschen Zeit gelesen.

Fazit: Eine Geschichte voller Widersprüche, von Liebe und Leid, von Hoffnung und Verzweiflung, von Leben und Tod – leider sehr langatmig geschildert.

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2020

Endzeitszenario – beklemmend realistisch …

Ein Jahr voller Wunder
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Es war ein schöner sonniger Herbstmorgen im Süden Kaliforniens als die Medien die Nachricht verbreiteten, dass sich die Rotation der Erde verlangsamen würde. Die 12jährige Julia und ihre Eltern saßen am ...

Es war ein schöner sonniger Herbstmorgen im Süden Kaliforniens als die Medien die Nachricht verbreiteten, dass sich die Rotation der Erde verlangsamen würde. Die 12jährige Julia und ihre Eltern saßen am Frühstückstisch, als sie davon erfuhren. Zunächst machte man sich keine Sorgen, waren es doch nur 56 Minuten, die der Tag nun länger war. Doch die Zeit dehnte sich täglich mehr, und bald zeigten sich die ersten schrecklichen Auswirkungen. Tage wurden zur Nacht und Nächte zu Tagen, Vögel fielen vom Himmel, Wale strandeten, Wasser wurde knapp, die Vegetation verdorrte und unter den Menschen breitete sich Hektik und Schlaflosigkeit aus. Während all dieser Wirren geht Julias Vater plötzlich eigene Wege – und Julia wird langsam erwachsen und erlebt ihre erste Liebe. Doch wie lange wird es dauern, wird bald alles ausgelöscht sein? …

Die US-amerikanische Schriftstellerin Karen Thompson Walker wurde im kalifornischen San Diego geboren. Sie studierte Englisch und Kreatives Schreiben an der University of California, arbeitete danach als Journalistin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und später als Lektorin in einem Verlag. 2012 erschien ihr Debütroman „The Age of Miracles“, der großes Aufsehen erregte und für den Sie mit dem „Bomb Best Fiction Preis“ ausgezeichnet wurde. Die deutsche Übersetzung erschien 2013 beim btb-Verlag unter dem Titel „Ein Jahr voller Wunder“. Die Autorin ist verheiratet und lebt heute mit ihrem Ehemann in Brooklyn/New York.

Sehr realistisch und äußerst packend lässt die Autorin die junge Julia erzählen. Ihre Sorgen und Probleme stehen im Mittelpunkt der Geschichte, während die Welt langsam aber sicher auf eine Katastrophe zusteuert. Durch diese alltäglichen Erlebnisse, die ganz gewöhnlichen Ereignisse im Leben einer Heranwachsenden, wird das Grauen das auf die Menschheit zukommt umso deutlicher. Man fragt sich unwillkürlich, ob die Verlangsamung der Rotation und die dadurch stetig zunehmende UV-Strahlung der Sonne der Beginn des Weltuntergangs ist. Ich muss gestehen, dass ich während des Lesens öfters mal aus dem Fenster gesehen und den Stand der Sonne mit der tatsächlichen Uhrzeit verglichen habe – und dankbar bin, dass bis heute noch alles noch seine Richtigkeit hat.

Fazit: Ein Endzeitszenario das sich schleichend entwickelt – sehr realistisch und von beklemmender Spannung.

  • Cover
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