Cover-Bild Eroberung
14,00
inkl. MwSt
  • Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 384
  • Ersterscheinung: 14.06.2022
  • ISBN: 9783499003462
Laurent Binet

Eroberung

Kristian Wachinger (Übersetzer)

«Laurent Binet schreibt unsere Weltgeschichte um: ein Befreiungsschlag und ein Meisterwerk.» NZZ , Bücher am Sonntag

Was, wenn in der Geschichte Europas zwei Dinge anders gelaufen wären? Erstens: Die Wikinger wären mit Pferden und eisernen Waffen bis nach Südamerika gesegelt. Zweitens: Kolumbus hätte Amerika nicht entdeckt.
In diesem Fall erobern die Inka Europa. Sie landen im 16. Jahrhundert in Portugal, besiegen Karl V. in Frankreich und die Anhänger der Inquisition in Spanien. In Deutschland helfen ihnen die Fugger, das viele Gold zu verteilen. Im Herzen von Paris wird eine Pyramide errichtet, in Wittenberg schlägt man nach Luthers Tod die «95 Thesen der Sonne» an. Federschmuck ziert die Häupter der Europäer, auf den Feldern wächst Quinoa, Schafe sind heilig ...

Eine mit sprühendem Witz geschriebene Alternativweltgeschichte, ein fulminantes Vexierspiel, ein brillanter Abenteuerroman. Laurent Binets Bücher sind internationale Bestseller, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die «Eroberung» Europas durch die Inka wird in zwanzig Sprachen übersetzt und als Serie verfilmt.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2025

Interessantes Gedankenspiel

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Laurent Binet entwirft hier ein interessantes Szenario einer alternativen Geschichtsschreibung. Der Roman besteht aus vier Teilen:
Zunächst berichtet die Saga von Freydis darüber, wie Freydis, eine Tochter ...

Laurent Binet entwirft hier ein interessantes Szenario einer alternativen Geschichtsschreibung. Der Roman besteht aus vier Teilen:
Zunächst berichtet die Saga von Freydis darüber, wie Freydis, eine Tochter von Erik dem Roten, gemeinsam mit einer Schar Getreuer von Vinland aus immer weiter nach Süden segelt und dabei auf verschiedene Gruppen von Einheimischen trifft.
Wie die daran anschließenden Fragmente aus dem Tagebuch des Christoph Kolumbus zeigen, waren einige Eingeborene, auf welche die Spanier stießen, infolgedessen wehrhafter als erwartet, sodass seine Mission scheitert. Doch das Wissen darüber, dass weit im Osten ein wundersames Land liegt, ist danach auf dem Kontinent präsent.
Und so erfährt 40 Jahre später der Inka Atahualpa davon, dessen Leben im nächsten und weitaus umfangreichsten Teil geschildert wird. Auf der Flucht vor seinem Halbbruder landet er im Jahr 1531 (nach europäischer Zeitrechnung) in Portugal und schafft in den nächsten Jahren einen spektakulären Aufstieg, der ihn schließlich zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches macht.
Im letzten (und meiner Meinung nach eher entbehrlichen) Teil werden dann noch die ein paar Jahrzehnte später stattfindenden Abenteuer des Miguel de Cervantes erzählt.

Insgesamt handelt es sich hier um eine spannende Verknüpfung von echter und erfundener Geschichte. Es treten zahlreiche reale historische Persönlichkeiten auf und auch die Verhältnisse im Europa des beginnenden 16. Jahrhunderts, wie insbesondere Allianzen und Differenzen zwischen verschiedenen Staaten oder die Folgen von Martin Luthers Lehren, werden gut beschrieben. Diesbezüglich hat der Autor sicher gründlich recherchiert.
Im Vergleich zum realen Verlauf der Geschichte findet hier jedoch vieles unter umgekehrten Vorzeichen statt. Beispiel: Ähnlich wie die europäischen Eroberer sich oft Streitigkeiten zwischen verschiedenen Eingeborenen-Stämmen zunutze machten, kann Atahualpa von Machtkämpfen innerhalb Europas profitieren.
Dennoch wirken seine großen Erfolge sehr unrealistisch. Natürlich hatte er das Überraschungsmoment auf seiner Seite und später war sicherlich das Gold aus seiner Heimat hilfreich. Aber es haben im Laufe der Zeit schon ganz andere Kaliber erfolglos versucht, eine Vormachtstellung in Europa aufzubauen. Bzw ist es selbst den weitaus besser ausgestatteten europäischen Eroberern nicht oder erst mit Verspätung gelungen, dort die Herrschaft zu übernehmen, wo zuvor bereits fortschrittliche Reiche existierten (z.B. in China).
Außerdem hatte ich vor allem am Anfang einige Probleme damit, in die Handlung hineinzufinden. Der Stil erinnert eher an ein (ziemlich sprödes) Sachbuch als an einen Roman. Es sollen eben sachliche Berichte von Chronisten sein. Der Charakter und die eigentlichen Motive der auftretenden Personen bleiben daher im Dunkeln bzw der Interpretation des Lesers überlassen. Auch Atahualpa ist als Mensch nicht greifbar. Meinem Eindruck nach wird er aber jedenfalls zu positiv dargestellt. Er tritt als Sozialreformer (Einschränkung der Tributspflicht, Befreiung der Bauern etc) und Verfechter der Religionsfreiheit auf. Das passt nicht zu dem, was ich sonst so über die Inkas weiß. Und erst recht ist es unglaubwürdig, dass solche Einstellungen sich im damaligen Europa durchgesetzt hätten.

Dennoch inspiriert dieses Buch zu faszinierenden „Was wäre gewesen, wenn ...“- Fragen und zum Nachdenken darüber, wodurch der Lauf der Geschichte beeinflusst wird. Deshalb ist die Lektüre für historisch Interessierte lohnend. Wem es beim Lesen eines Romans allerdings wichtig ist, eine Beziehung zu den Protagonisten aufbauen zu können, der wird hier enttäuscht werden.