Tod eines Künstlers
Anfang des Jahres 1557 wird der Maler Jacopo da Pontormo in Florenz erstochen aufgefunden. Er war seit Jahren mit einem Fresko beschäftigt, welches, wie festgestellt wird, teilweise übermalt wurde. Gleichzeitig ...
Anfang des Jahres 1557 wird der Maler Jacopo da Pontormo in Florenz erstochen aufgefunden. Er war seit Jahren mit einem Fresko beschäftigt, welches, wie festgestellt wird, teilweise übermalt wurde. Gleichzeitig wird ein Gemälde vermisst, dass die Tochter des Herzogs Cosimo de Medici zeigen soll. Eine unangenehme Situation für den Herzog, denn die weibliche Person auf dem Bild ist nicht bekleidet. Pontormo war im Auftrag des Herzogs tätig. Hat die Sache mit dem Bild etwa mit dem unnatürlichen Ableben des Künstlers zu tun? Es entspinnt sich ein reger Briefverkehr, mit dem die Beteiligten ihre Gedanken zu den Vorgängen teilen.
Briefromane kommen eher selten vor. In der Renaissance gab es jedoch hauptsächlich die Möglichkeit, sich persönlich zu treffen, oder wenn die Entfernung zu groß war, eben zu schreiben oder einen Boten zu schicken. Zur Aufhellung des Geschehens dienen die Briefe, die die verschiedenen Personen austauschen. Dabei entwickelt sich auch ein Bild der Machtstrukturen in Florenz und auch der persönlichen Gefüge zwischen den verschiedenen Menschen. So ist Cosimo nicht nur Herzog, sondern auch Vater. Seine Tochter Maria soll verheiratet werden. Wundert sich der Vater, dass sie davon nicht begeistert ist. Ihr ein Mitspracherecht zuzugestehen wäre im 16. Jahrhundert wohl zu viel erwartet, oder?
Diese Hörbuchproduktion wird zur Verfügung gestellt durch die ARD-Audiothek als szenische Lesung, was sie soweit feststellbar von dem normalen Hörbuch unterscheidet: Jeder Briefeschreiber liest seine Briefe „selbst“ vor, hat also einen eigenen Sprecher. Das macht das Zuhören sehr abwechslungsreich und man kommt teilweise soweit, dass man einige der Schreiber wiedererkennt. Das ist echt klasse. Hoffentlich wird diese Produktion noch über weitere Kanäle zur Verfügung gestellt. Ob die geringfügige Kürzung durch die Art des Vortrags bedingt ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Die Vorleser der Briefe werden im letzten Abschnitt mit ihrer Rollenbezeichnung genannt, was sehr angenehm ist.
Auch inhaltlich überzeugt dieser Roman, besonders auch, wenn man feststellt, dass es sich bei etlichen der handelnden Personen um historische Persönlichkeiten handelt, über die man im www nachlesen kann. Sehr geschickt hat der Autor die Wirklichkeit als Rahmen für seine fiktionalen Gedanken verwendet. Die Aufklärung des Mordes wird zu einer verwickelten Geschichte, in der es zu dem ein oder anderen Schelmenstreich kommt. Doch auch tragische Momente hat man als Leser oder Leserin zu überstehen. Und mitunter sind Todesfälle unerwartet und durchaus von Gewalt bestimmt. Und während kleiner Augenblicke hätte man sich gewünscht, der Autor hätte die Wirklichkeit außen vor gelassen. Aber alles in allen hat man einen herausragenden historischen Kriminalroman, der sowohl durch Inhalt als auch Darstellung besticht.