Cover-Bild Junischnee
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Zsolnay, Paul
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 15.02.2021
  • ISBN: 9783552072244
Ljuba Arnautovic

Junischnee

Roman
Ljuba Arnautovic erzählt mit ihrer Familiengeschichte das Drama des 20. Jahrhunderts in Wien, Moskau und im Gulag. Ein poetischer Roman über Schicksal und politische Willkür.

1934 schickt Eva, die in Wien dem Republikanischen Schutzbund angehört, ihre Söhne Slavko und Karl fort, um sie vor den Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. Die „Schutzbundkinder“ machen Ferien auf der Krim und kommen dann in ein luxuriöses Heim in Moskau. Bis Hitler den Pakt mit Stalin bricht. Slavkos Spuren verlieren sich, Karl wird aufgegriffen, kommt in eine Besserungsanstalt für Kinder und Jugendliche und schließlich als „Volksfeind“ ins Arbeitslager. Im Gulag lernt er seine zukünftige Frau Nina kennen – die Mutter der Autorin. Karl will nach Wien zurück, sobald es die Umstände erlauben, seine Frau zwingt er damit in die Fremde … Ljuba Arnautovic erzählt anschaulich, poetisch und mitreißend, wie Menschenverachtung und politische Willkür im 20. Jahrhundert das Schicksal der Menschen bestimmten – das Schicksal ihrer eigenen Familie.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2021

Das Buch ist ein kleines Juwel.

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Es ist das Jahr 1934 und nach dem blutigen Bürgerkriegs-Februar wird Karl, der 9 Jahre alt ist, zusammen mit seinem 3 Jahre älteren Bruder Slavko und mehreren anderen Kindern von der Mutter zu ihrem Schutz ...

Es ist das Jahr 1934 und nach dem blutigen Bürgerkriegs-Februar wird Karl, der 9 Jahre alt ist, zusammen mit seinem 3 Jahre älteren Bruder Slavko und mehreren anderen Kindern von der Mutter zu ihrem Schutz mithilfe von tschechischen Genossen nach Moskau ins vermeintlich rettende Exil geschickt. Als „Kinder der internationalen Helden im Kampf für den Kommunismus“ sind sie herzlich willkommen und werden im „Kinderheim Nr. 6 für österreichische Schutzbundkinder“, das in einem wunderbaren Palais eines Adeligen im Stadtzentrum liegt, untergebracht. Karl, sein Bruder und die anderen Kinder erleben wunderbare Jahre, in denen es an nichts mangelt. Sie sind gut genährt und erhalten eine gute Schulausbildung; ihnen stehen alle Türen offen. Doch das ändert sich mit Kriegsbeginn 1939. Die Kinder werden getrennt und in verschiedene Kinderheime untergebracht, in denen Kälte und militärische Disziplin herrscht. Die Schulausbildung bricht abrupt ab und es geht nur mehr ums nackte Überleben. Viele verschwinden über Nacht, viele werden angeklagt, gefoltert, ohne Gerichtsverfahren zu jahrelanger Schwerstarbeit in GU Lags in Sibirien verurteilt. Es fehlt an Arbeitskräften und das Land braucht jede Hand. Und Stalin weiß sein Volk im Zaume zu halten.
"Wie vor und während des Krieges weiß der Herrscher sich an seinem Volk zu bedienen, man muss es nur gründlich in Angst halten."
So muss auch Karl 10 Jahre seines jungen Lebens einbüßen, eine Zeit, die körperliche und seelische Narben hinterlässt und aus ihm einen anderen Menschen macht.
"Die Lager haben einen anderen aus ihm gemacht. Sein Humor ist jetzt Zynismus. Seine Spontaneität steht unter Kontrolle. Sein Händedruck ist hart, sein Blick oft kalt."
Diese Härte wird seine erste Frau Nina und die Töchter aus dieser Ehe zu spüren bekommen. Aus Karl scheint alles Liebevolle verschwunden zu sein.

Meine persönlichen Leseeindrücke
Die Handlung hat wirklich stattgefunden und wird mich durch diesen Roman fortan begleiten. Im Geschichtsunterricht haben wir über die österreichisch-russischen Beziehungen in der Vor- und Nachkriegszeit nichts gelernt und die schlimmen Kriegsjahre in Russland kenne ich fast nur aus Geschichtsbüchern. Die Generation, die diese dunkle Zeit miterleben musste, stirbt langsam aus. Umso wichtiger finde ich es deshalb, dass Zeitzeugnisse aufgearbeitet werden und dieses Büchlein leistet einen wichtigen Beitrag. Es ist ein kleines Juwel.
Die Geschichte hat mich sehr schnell eingenommen. Zu einem faszinieren mich die russischen Sitten und Gebräuche, zum anderen verabscheue ich die Grausamkeit der Stalinzeit. Zauber und Brutalität liegen sehr nah beieinander. Das ist schon sehr bedrückend zu lesen und für mich kaum vorstellbar.
Bis Anfang der 50ger Jahre fühle, leide, kämpfe und hoffe ich mit Karl. Doch dann kehrt er nach Wien zurück und verändert sich stark. Das habe ich in dieser Härte überhaupt nicht erwartet. Ich reagiere sehr verstört auf Karls Verhalten und verstehe nicht, wie er so kalt und herzlos, so verwegen und verlogen sein kann. Er hält nicht nur seine erste Frau Nina, sondern auch die beiden Töchter und seine zweite Frau Erika in seinen bösen Klauen. Es dauert lange bis sich Nina und ihre Töchter daraus befreien können.
"Das Kind sehnt sich nach seiner russischen Großmutter, Baba Anastasia."

Fazit
Junischnee von Ljuba Arnautovic ist ein feines, kleines Büchlein, das an einem ruhigen Nachmittag gelesen werden kann. Die Autorin erzählt die Geschichte ihres Vaters und mit ihm die Geschichte ihrer Familie. Es ist eine bewegende, anrührende und erschütternde Erzählung über menschliche Schicksale, als Teil der österreichisch-russischen Geschichte des letzten Jahrhunderts.

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Veröffentlicht am 19.04.2021

Bewegende und erschütternde Lebensgeschichte der Eltern der Autorin

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Im Roman „Junischnee“ erzählt die in Wien lebende Autorin Ljuba Arnautovic ihre Familiengeschichte weiter, die sie in ihrem Debüt „Im Verborgenen“ begonnen hat. Das Lesen des vorliegenden Buchs ist problemlos ...

Im Roman „Junischnee“ erzählt die in Wien lebende Autorin Ljuba Arnautovic ihre Familiengeschichte weiter, die sie in ihrem Debüt „Im Verborgenen“ begonnen hat. Das Lesen des vorliegenden Buchs ist problemlos ohne Vorkenntnisse möglich. Den größten Teil der Erzählung ist dem Leben von Karl, dem Vater der Autorin gewidmet. Doch der Titel führt die Leser in Richtung der Mutter Nina, für die nach altem Brauch ein Bäumchen zur Geburt gepflanzt wird. Aus Versehen wählt der Vater aber eine Pappel statt einer Birke. Ohne feste Wurzeln und wie der Schnee der Pappeln im Juni mit dem Wind verweht scheint es für Nina vorherbestimmt, dass sie ihre Heimat verlassen wird.

Karl wird von seiner Mutter Eva gemeinsam mit seinem älteren Bruder und weiteren Kindern dem Republikanischen Schutzbund anvertraut, der die Kinder in ein Ferienlager auf der Krim bringt und später in ein Kinderheim. Was zunächst mit Freude und Glück verbunden ist, wird zu Leid und Überlebenskampf für Karl als Straßenkind, in der Besserungsanstalt und im Arbeitslager. Er heiratet Nina, die er im Gulag kennengelernt hat und die ihm nach seiner Entlassung einen Wohnort bietet. Sie folgt ihm nach Wien und leidet dort unter heftigem Heimweh. Inzwischen hat das Paar zwei Kinder und zwischen den Eltern der Autorin entspinnt sich ein Kampf auf einer neuen Ebene.

Ljuba Arnautovic wählt für ihre Schilderungen eine nüchterne Sprache. Sie ordnet die Begebenheiten in deren jeweiliges Umfeld ein. Beim Lesen sollte man sich verdeutlichen, dass das, was sie schreibt, wirklich geschehen ist. Geschichtlich fundiert, aber ohne lange Hintergrunderklärungen einzuflechten, weiß sie geschickt die für ihre Eltern wesentlichen, wegweisenden Ereignisse im Leben zu skizzieren. Ohne Schlenker, im Präsens zur Vergegenwärtigung, nimmt der Roman den Leser mit in eine grauenvolle Zeit, in der die Handlung des Einzelnen der Ideologie entsprechend zu sein hatte. Die Autorin verdeutlicht, dass ein Aufbegehren zu weitreichenden Konsequenzen führte.

Ljuba Arnautovic wirft in ihrem Buch „Junischnee“ kritische Fragen zum Verhalten ihrer Vorfahren auf. Sie beschreibt neben den Jahren in der Sowjetunion auch die Begebenheiten nach der Rückkehr ihrer Eltern nach Wien und der dann folgenden Ehekrise klar und ungeschminkt. Mit viel Respekt stellt sie die Entscheidungen ihres Vaters, auch in Bezug auf ihre Schwester und sich selbst dar. Ihre Erzählung ist bewegend und erschütternd und lässt daran denken, zu welchen Folgen extreme Gesinnungen führen und möglich sind. Die Geschichte hallt nach und sollte viele Leser finden.

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