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Veröffentlicht am 28.07.2021

Obdachlos

Das Glück am Ende der Straße
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Elli lebt auf der Straße, ungewollt, wie so viele andere auch. Es waren eine Aneinanderreihung unglücklicher Zustände, die sie aus der Bahn geworfen haben, nicht zuletzt die Krankheit und die Unfähigkeit ...

Elli lebt auf der Straße, ungewollt, wie so viele andere auch. Es waren eine Aneinanderreihung unglücklicher Zustände, die sie aus der Bahn geworfen haben, nicht zuletzt die Krankheit und die Unfähigkeit aus dieser tiefen Stimmung herauszukommen. Das hat sie nicht nur ein Dach über ihrem Kopf gekostet, sondern vor allem ein Leben mit ihrer Tochter.
„Sarahs Lachen besaß die Fähigkeit, sich wie ein Sonnenstrahl den Weg durch die Ritzen zu Bahnen. An manchen Tagen hatte Elli sich daran festgehalten wie an einem Rettungsanker.“
Doch Elli, oder Elvis wie sie liebevoll von anderen Obdachlosen genannt wird, beschwert sich nicht und versucht, mit ihren Fähigkeiten das harte Leben zu meistern.
„Elli alleine fiel nie auf.“
Eines Tages im Herbst lernt sie im Park, der auf dem Weg zu ihrem Nachtquartier liegt, Leonie kennen, ein aufgewecktes Mädchen. Sie und ihre Geschwistern halten sich dort öfters auf. Es entsteht eine Freundschaft mit einem unbekümmerten, aufrichtigen Kind. Die Zuneigung zum Mädchen und ihrer Familie wird ihr in einer schwierigen Zeit helfen und sie zurück in ein normales Leben führen.

Meine persönlichen Leseeindrücke
Das Buch greift ein Thema auf, mit dem sich jeder von uns schon irgendwann mal auf irgendeine Weise beschäftigt hat: die Obdachlosen, das herumlungernde Pack auf der Straße. In dem Roman wird die Geschichte einer normalen Frau erzählt, die die Kontrolle über ihr Leben verliert und auf der Straße landet.
„Denn jetzt, mit dem abgehalfterten Ziehkoffer, der ihren ganzen Besitz enthielt, spürte Elli mehr denn je die Blicke der Leute auf sich. Wissend. Mitleidig. Und manchmal auch verächtlich.“
Durch das Einblenden von kurzen Kapitel aus der Vergangenheit wird eine Frau skizziert, die ihre Würde zu retten versucht, in einer Gesellschaft, die kein Verständnis für Schwache zeigt. Wer ganz unten ist, ist ausgegrenzt und chancenlos. Und so dreht sich die Spirale bis zum Abgrund.
Das lässt mich nicht unberührt. Die Erzählsprache ist einfach gehalten, so wirkt diese Geschichte weder übertrieben noch schmalzig und ich kann verstehen lernen, dass manch Obdachlosen ein hartes Schicksal trifft. Und doch denke ich, dass Elli eine Ausnahme bildet, eine Frau, die versucht, trotz dieser Situation ihr Ehrgefühl nicht zu verlieren. Es sind ja gerade die unscheinbaren Alltagsumstände, die das Leben auf der Straße zu unerträglich machen. Sie verzichtet bewusst auf Rauschmittel aber auch auf Sozialhilfe, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann, denn gerade ein fester Wohnsitz ist Grundvoraussetzung für so vieles.

Fazit
Ein Buch, das man durchaus lesen kann und das einen Blick auf eine Schattenseite der Gesellschaft wirft. Die nicht allzu schwere Lektüre beleuchtet das harte Leben auf der Straße und wird vielleicht bei dem einen oder anderen Leser etwas mehr Mitgefühl auslösen. Bei einer nächsten Begegnung mit einem Obdachlosen wird man mehr Empathie für sie empfinden und vielleicht auch ein wenig Einfühlungsvermögen zeigen können. Eine Tasse Kaffee oder eine Mahlzeit wären ja schon mal ein guter Anfang.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 21.07.2021

eine kurzweilige, unterhaltende Lektür

Rum oder Ehre
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Meine persönlichen Leseeindrücke
Der Kriminalroman hat mir ganz gut gefallen und war eine willkommene Abwechslung zu meiner sonstigen Lektüren. Das Cover mit dem Relieflack ist sehr gelungen und hätte ...

Meine persönlichen Leseeindrücke
Der Kriminalroman hat mir ganz gut gefallen und war eine willkommene Abwechslung zu meiner sonstigen Lektüren. Das Cover mit dem Relieflack ist sehr gelungen und hätte meine Blicke in jeder Buchhandlung auf sich gezogen.
Die Geschichte von Martin Störtebäcker, von allen liebevoll der „Käpt‘n“ genannt, und seinem verschollenen Bruder in Jamaika hat schon was. Während des Lesens erfahre ich viel über die Insel und die Rumherstellung. Die Handlung selbst erinnert mich an die Fernsehserie Death in Paradies und dieser Kriminalroman könnte durchaus eine Vorlage für eine Episode abgeben. Und genau das ist für mich auch gleichzeitig der große Schwachpunkt - es fehlte mir die Originalität.

Fazit
Jamaika macht Lust auf Urlaub. Dazu all die tollen Infos zum Rum, da habe ich wieder einiges dazugelernt. Der Kriminalroman ist ein tolles Urlaubbuch und gibt eine kurzweilige, unterhaltende Lektüre für den Liegestuhl.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.07.2021

Ein gelungener Debütroman

Im Reich der Schuhe
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Fedor Cohen hat in China eine Schuhfabrik aufgebaut, die nun nach seinem Willen sein Sohn Alex zu seinen Bedingungen und in seinem Sinne weiterführen soll. Überrumpelt von diesem Plan muss Alex in einem ...

Fedor Cohen hat in China eine Schuhfabrik aufgebaut, die nun nach seinem Willen sein Sohn Alex zu seinen Bedingungen und in seinem Sinne weiterführen soll. Überrumpelt von diesem Plan muss Alex in einem fremden Land nicht nur mit seinem Vater und der Fabrik fertig werden, sondern zu sich selbst finden und sich seinen eigenen Weg erarbeiten. Ivy, eine chinesische Näherin in der Fabrik seines Vaters, wird ihn ein Stück begleiten und ihn für Ihren Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Arbeitswelt gewinnen.
Der Generationskonflikt zwischen Vater und Sohn wird beide an ihre Grenzen bringen und einen Verlierer und einen Gewinner hinterlassen.

Meine persönlichen Leseeindrücke
Ich war schon von der Leseprobe angetan. Es ist die Sprache, in der ausgezeichneten Übersetzung von Sophie Zeitz, die mich eingefangen hat. Sie führt mich ruhig durch den Roman, sodass ich mich total entspannen und dem Erzählten leicht folgen kann. Das ist sehr angenehm und vermittelt ein gutes Lesegefühl.
Spencer nimmt mich mit auf seinem Weg, taucht ein in seine Erinnerungen und seine Familientradition. Besonders berührt haben mich die Ausführungen zum Vater-Sohn-Konflikt. Wer so etwas auch nur im Ansatz kennt, weiß, wie hervorragen Spencer dieses Thema ausarbeitet.

Fazit
Im Reich der Schuhe von Spencer Wise ist ein Buch, das polarisiert. Begeisterung und Ablehnung stehen sich fast unversöhnlich gegenüber. Der Roman gefällt mir. Mit seiner ausgeglichen, ruhigen Erzählweise erzählt er von einem jüdischen jungen Kaufmann, der in China seinen Weg finden wird. Mich konnte der Debütroman begeistern. Ich habe ihn sehr gerne gelesen und viel über China, jüdisches Leben, kaufmännisches Geschick und die Schuhherstellung erfahren.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.06.2021

Ein tolles Buch für junge Leser

Das Fell des Bären
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Domenico und sein Vater Pietro leben in einem Bergdorf in den Dolomiten. Seit die Mutter vor ein paar Jahren gestorben ist, hat sich das Leben beider Männer sehr geändert. Pietro ist unzugänglich, jähzornig ...

Domenico und sein Vater Pietro leben in einem Bergdorf in den Dolomiten. Seit die Mutter vor ein paar Jahren gestorben ist, hat sich das Leben beider Männer sehr geändert. Pietro ist unzugänglich, jähzornig und manchmal auch gewalttätig und Domenico versucht, seinem Vater alles Recht zu machen und ihn ja nicht zu reizen. Als ein Bär die Bergregion in Angst und Schrecken versetzt, erkennt Pietro seine Chance. Er will ihn erlegen. Zuerst wird er ungläubig von den Männern des Dorfes betrachtet, dann ausgelacht aber schlussendlich wird eine enorme Geldsummer vereinbart, sollte Pietro es tatsächlich schaffen, den Bären zu töten.
Am Tag danach, an einem Herbstmorgen im Jahr 1963, brechen Pietro und Domenico auf. Dabei haben sie Proviant für mehrere Tage und zwei alte Gewehre. Das Abenteuer wird Domenico an seine Grenzen aber gleichzeitig auch um Herzen seines Vaters führen.

Meine Leseeindrücke
Mein erster Eindruck: das ist ein toller Jugendroman. Er hat alles, was junge Leser brauchen: eine spannende, mitreißende und altersgerechte Geschichte und eine Hauptfigur, mit der man sich identifizieren kann und die am Ende eine große Veränderung erfahren wird. Auf 152 Seiten gibt es eine Vater-Sohn-Geschichte, eindringlich und aufrichtig geschrieben, wie die Berge, in denen die Handlung spielt.
Das Thema ist hochaktuell! Der Bär ist in unser Leben zurückgekehrt und gesellschaftliche Spannungen zeigen ein schwieriges Zusammenleben zwischen Mensch, Nutztier, Bär und Wolf.

Fazit
„Das Fell des Bären“ von Matteo Righetto ist eine tolle Lektüre für abenteuerbegeisterte junge Leser. Gerne zitiere ich Marc Reichwein - Welt am Sonntag vom 11.11.2017: »In einfacher, fast märchenhafter Kinderbuchsprache entwickelt Righetto seine Erzählung, mit dem Sog aller zeitlosen Geschichten.«

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.06.2021

Ein wunderbares Buch zum Innehalten

Vati
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In ihrem Roman „Vati“ hält Monika Helfer Rückschau auf das Leben ihres Vaters und ihrer Mutter, auf die Kinderjahre mit ihren Geschwistern, in der auch ihre Tanten und Onkeln eine wichtige Rolle spielten. ...

In ihrem Roman „Vati“ hält Monika Helfer Rückschau auf das Leben ihres Vaters und ihrer Mutter, auf die Kinderjahre mit ihren Geschwistern, in der auch ihre Tanten und Onkeln eine wichtige Rolle spielten.
Die Geschichte beginnt mit den Kinderjahren des Vaters. Er ist ein gscheiter Bub, dem die Mutter das Lesen beibringt und somit den Grundstein für seine Liebe zu den Büchern legt.
„Sie zeigte ihm die Buchstaben und erklärte ihm, dass es nur 26 davon gebe und dass die Satzzeichen – der Beistrich, der Doppelpunkt, der Punkt, das Ausrufezeichen, das Fragezeichen und so weiter – nicht zu den Buchstaben gehörten, sondern dazu da seien, um den Satz zu verstehen.“
Es folgen die Jugendjahre, der Krieg und die schwere Verletzung, die Liebe, ein Leben auf der Tschengla, der Absturz bis er noch einmal eine 2. Chance bekommt und sie ergreift.
Wertvolle Bücher und bedeutende Werke prägen sein Leben, verändern es um es schlussendlich zu beenden.
Meine Leseeindrücke
Ich freute mich auf ein „kurzes“ Buch mit nur 176 Seiten. Lange habe ich gezögert, ob ich es überhaupt lesen soll, irgendetwas hielt mich von ihm fern. Aber schnell erkenne ich, dass das etwas ganz Persönliches ist, etwas was ich langsam lesen muss, mich konzentrieren muss auf die Geschichten, die Monika Helfer hier erzählt. Einiges kommt mir bekannt vor von Erzählungen meiner Mutter und ihrer Lieblingsschwester. Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugendzeit. Ob Südtirol oder Österreich, so unterschiedlich waren die Lebensbedingungen gar nicht. Und so lese ich das Buch mit zartem Schmerz in der Brust über eine Zeit die vorbei ist, unsere Eltern dennoch stark geprägt hat.
Fazit
„Vati“ von Monika Helfer ist ein wunderbares Buch zum Innehalten, zum langsam Lesen und zum Eintauchen in eine Zeit, die ich aus Erzählungen ansatzweise kenne. Wer Spannung und Action sucht, ist hier verloren. Das Buch wird oft als Fortsetzung von „Die Bagage“ genannt. Ich habe es nicht gelesen, werde das aber bald nachholen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere