Cover-Bild Der Prinz
Band 2 der Reihe "Berlin-Trilogie"
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Polente Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Thriller / Spannung
  • Genre: Krimis & Thriller / Sonstige Spannungsromane
  • Ersterscheinung: 16.03.2026
  • ISBN: 9783903634046
Magdalena Parys

Der Prinz

Lothar Quinkenstein (Übersetzer), Hans Gregor Njemz (Übersetzer)

Berlin. Im Berliner Dom wird die Leiche eines gekreuzigten Priesters gefunden. Unter unklaren Umständen bricht ein Brand in einer Migrantensiedlung aus, und in einzelnen Bundesländern wachsen separatistische Stimmungen, während toxischer Nationalismus wiederauflebt. Wem kommen diese scheinbar unzusammenhängenden Vorgänge zugute? Einem skrupellosen Prinzen, der, begeistert von Gabriele D’Annunzios Fiume-Experiment, das Imperium Germanum wiederbeleben will? Einer geheimdienstlichen Organisation, die sich der demokratischen Kontrolle entzieht? Oder Regierungsmitgliedern, die um das höchste Amt im Staat kämpfen?
Polizeipräsident Tschapieski, Journalistin Dagmara Bosch und Kommissar Kowalski tauchen in die Untiefen dieses Falls ein, in dem nicht nur die Zukunft des Staates auf dem Spiel steht.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2026

Die Schattenarmee in Deutschland

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Dieser Thriller von Magdalena Parys ist der zweite Roman der Berlin-Trilogie dieser Autorin nach »Der Magier«. Der Roman der in Berlin lebenden Schriftstellerin erschien bereits 2020 in Polen. Der Wiener ...

Dieser Thriller von Magdalena Parys ist der zweite Roman der Berlin-Trilogie dieser Autorin nach »Der Magier«. Der Roman der in Berlin lebenden Schriftstellerin erschien bereits 2020 in Polen. Der Wiener Polente Verlag hat ihn nun in deutscher Sprache für den deutschsprachigen Buchmarkt herausgebracht.

Es beginnt alles recht unkompliziert. Im Berliner Dom entdeckt man die Leiche eines gekreuzigten Priesters. Bald wird klar, dass es an einem anderen Ort bereits einen ähnlichen Fall gab und dass die Öffentlichkeit sowie die Medien nicht von diesen Leichnamen erfahren dürfen. Der Berliner Polizeipräsident erhält von einer einflussreichen Person den Auftrag, die Morde zu untersuchen und gleichzeitig die Informationen vor der Presse zu verbergen.

Nahezu zeitgleich mit der Entdeckung der Leiche kommt es unter rätselhaften Umständen zu einem Feuer in einer Unterkunft für Migranten. Aber nicht nur an diesem Ort, auch in anderen Bundesländern nehmen separatistische Tendenzen zu, und ein schädlicher Nationalismus scheint sich erneut zu etablieren. Ein erheblicher Teil der Bundeswehr wird dabei als einflussreich angesehen.

Aber wem nützen diese scheinbar willkürlichen Ereignisse wirklich? Einem rücksichtslosen Individuum, das sich selbst als Prinz tituliert und inspiriert von Gabriele D’Annunzios Experiment in Fiume, das Imperium Germanum neu erwecken möchte? Einer geheimen Organisation, die sich der demokratischen Aufsicht entzieht? Oder etwa Regierungsvertretern, die um die höchste Position im Staat ringen?

Der Polizeipräsident von Berlin, Tschapieski, die Fernsehreporterin Dagmara Bosch und Kommissar Kowalski gehen tief in die Komplexität dieses Falls, bei dem auch die Zukunft des Staates auf dem Spiel steht.

Als ich vor dem Erscheinen des Romans »Der Prinz« den Klappentext gelesen hatte, empfand ich eine gewisse Ähnlichkeit zu einem weitaus bekannteren Werk der Literatur: »Die Akte Odessa« von Fredrick Forsyth. Und tatsächlich wird zwischen Widmung und erstem Kapitel darauf hingewisen, dass beide Romane dieselbe Wurzel an Informationen als Ausgangspunkt nutzen. Die geheime Gründung einer Armee nach dem zweiten Weltkrieg durch Wehrmacht- und SS-Veteranen, die nicht einsehen wollten, dass Deutschland den Krieg verloren hatte.

Mit dieser Information machte mir der Roman sofort mehr Spaß und ich fand es auch klasse, dass die Autorin mit einem kurzen Statement innerhalb des Textes hierauf eingeht. Darüberhinaus steht sie dem großen britischen Schriftsteller nicht nach. Ähnlich wie der nutzt auch sie die Möglichkeit, weiteres Detailwissen oder fiktive Lebensläufe in die Handlung einzuflechten.

Sehr vielschichtig ist die Handlung von »Der Prinz« in verschiedene Stränge aufgebaut, die sich an einzelnen Figuren festmachen. Es braucht viele Seiten, bis man gut und böse voneinander getrennt hat und weiß dennoch nicht, ob diese Einschätzung auch am Ende so bleibt, oder ob nicht doch noch eine Überraschung wartet. So viel sei verraten: Es gibt mehr als eine Überraschung!

Die Figuren werden sehr umfangreich beschrieben. Dafür halten nicht einfach nur Personenbeschreibungen her, sondern ganze separate Handlungsstränge und Szenen befassen sich mit Teilen aus dem Leben der jeweiligen Figur. Damit werden sie vielschichtig, nahbar, liebens- oder hassenswürdig. Ihre Motive für ihr Verhalten während der Haupthandlung werden offenbar und das Verhalten selbst als plausibel.

Nicht nur die vielseitige Spannung in »Der Prinz« rund um eine Verschwörungstheorie und die mit bedacht gestalteten Figuren haben mir sehr gefallen. Auch die Geschaltung des Buches hat mir gefallen. So wird jedes Kapitel durch ein Gemälde aus sogenannten „Beutekunst“ eingeleitet. Neben der Abbildung der Gemälde wird deren Namen und Herkunft genannt und zusätzlich mit der Information beschrieben, wo sich das Bild einmal befunden hat und wohin es im oder nach dem zweiten Weltkrieg gekommen war. Außerdem gibt es in jedem Kapitel einen sehr interessanten Bibelspruch, ein Zitat, welches sich durchaus auf die Handlung bezieht.

Der Roman ist top-empfehlenswert für Leser, die gerne Thriller im Dunst von Verschwörungstheorien, Neo-Nazis und Geheimdiensten lesen. Fans von Frederick Forsyth werden auch diesen Roman lieben.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2026

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Fast erschreckend realitätsnaher Politthriller

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REZENSION – Schon die Entstehungsgeschichte dieses Buches ist überraschend: Die seit über 40 Jahren in Berlin lebende polnische Autorin Magdalena Parys (55) veröffentlichte ihren überwiegend in der deutschen ...

REZENSION – Schon die Entstehungsgeschichte dieses Buches ist überraschend: Die seit über 40 Jahren in Berlin lebende polnische Autorin Magdalena Parys (55) veröffentlichte ihren überwiegend in der deutschen Hauptstadt spielenden zeitgenössischen Roman „Der Prinz“ zunächst 2020 in Polen. Erst sechs Jahre später erschien nun im März in einem österreichischen Kleinverlag, dem auf polnische Spannungsliteratur spezialisierten Polente Verlag, die von Lothar Quinkenstein und Hans Gregor Njemz ins Deutsche übertragene Ausgabe. Überraschend ist auch das lieblich anmutende pinkfarbene Cover-Layout, lässt es doch in Verbindung mit dem Titel „Der Prinz“ auf den ersten Blick auf einen seichten Romance-Roman schließen. Doch weit gefehlt: Es handelt sich um einen knallharten, stellenweise sogar brutalen Politthriller, der eine fast beängstigende Realitätsnähe aufweist, so dass dem Verlag die abschließende Versicherung notwendig erscheint: „Die im Buch beschriebene Geschichte hat sich von Anfang bis Ende in der Fantasie der Autorin abgespielt.“
Auch in diesem zweiten Band der Berlin-Trilogie von Magdalena Parys gehören der schon aus dem ersten Band „Der Magier“ (2025) bekannte Kommissar Tomasz Kowalski, Sohn eines polnischen Vaters und einer deutschen Mutter, sowie seine frühere Geliebte, die als Kind aus Breslau in die Bundesrepublik übergesiedelte Investigativ-Journalistin und Talkshow-Moderatorin Dagmara Bosch, zum kleinen Team des seine baldige Pensionierung erwartenden Berliner Polizeipräsidenten Tschapieski. Er soll den Mord eines im Berliner Dom gekreuzigten Priesters, den Brand in einer Brandenburger Migrantensiedlung, die Entführung einer Politiker-Ehefrau sowie den Autounfall des Verteidungsministers aufklären. Auftraggeber ist Paul Chagall, Leiter einer in den 1970er Jahren von dem durch RAF-Terrorismus gefährdeten Kanzler Helmut Schmidt gegründeten geheimen Task Force, von deren Existenz außer der jetzigen Kanzlerin niemand weiß und die absolut weisungsunabhängig handelt – zum Schutz des Landes und seiner Regierungschefin.
Paul Chagall, Geheimagent mit der Lizenz zum Töten, dessen Existenz und Identität nur der Kanzlerin bekannt ist, erkennt entgegen der öffentlichen Wahrnehmung direkte Zusammenhänge zwischen diesen Fällen. Als Drahtzieher vermutet er den „Prinzen“, den ihm noch unbekannten Anführer einer Terrorgruppe, die ihre aktiven Mitglieder und weiteren Anhänger aus rechten Kreisen der Bundeswehr und der deutschen Wirtschaft sowie über eine in Bayern gegründete rechtsextreme Partei und eine in Sachsen aufgebaute Jugendorganisation rekrutiert.
Die Autorin erzählt eine beklemmende und atmosphärisch dichte Geschichte um Manipulation von Menschen, unzeitgemäßes Elite-Denken, gezielte politische Einflussnahme und Machtstreben, deren Ursachen bis in die Nachkriegsjahre mit der vor den Alliierten geheim gehaltenen Gründung einer Schattenarmee zurückreichen. Parys zeigt auf eher unterschwellig spannende Weise, wie politische Zusammenhänge damals wie heute durch enge persönliche Beziehungen beeinflusst und gezielt inszeniert werden.
„Der Prinz“ ist weit mehr als eine leicht zu lesende Spannungslektüre. Die Autorin zwingt uns vor allem durch nüchternen Stil ohne jede künstliche Dramatik, dafür aber durch kontrollierten Aufbau ihrer Geschichte zum konzentrierten Mitdenken. Die Spannung des Romans liegt nicht in einer actionreichen Handlung, sondern vielmehr im Aufdecken von Zusammenhängen. Auch deshalb sollte man das Lesen dieses packenden, politisch interessanten Romans möglichst selten unterbrechen. Nur so lässt sich mit dem rasanten Tempo und schnellen, überraschenden Wendungen der Handlung Schritt halten und nicht der Überblick verlieren.