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Veröffentlicht am 22.10.2021

Der Roman ist anders, aber auch wieder nicht

Keine Ruhe in Montana
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Wie der Titel bereits andeutet, ermittelt Dave Robicheaux, eine Protagonist des Schriftstellers James Lee Burke, diesmal nicht in Louisiana, sondern im nördlicher gelegenen Montana. Aber auch hier, woe ...

Wie der Titel bereits andeutet, ermittelt Dave Robicheaux, eine Protagonist des Schriftstellers James Lee Burke, diesmal nicht in Louisiana, sondern im nördlicher gelegenen Montana. Aber auch hier, woe auch der Schriftsteller James Lee Burke lebt, findet er keine Ruhe. Denn in dem vorliegenden Fall gönnt Burke seinem Protagonisten, dessen Frau Molly und dessen Freund Clete Purcel eine Auszeit aus dem Polizistendasein im Sheriffbüro im Iberia Parish.

Clete wirft die Angel aus. Er hat sich mit seinem Wagen und einem Zelt in die Wildnis zurückgezogen. Da tauchen plötzlich zwei Typen in einem Fahrzeug auf und beginnen, ihn anzumachen. Sie notieren Kennzeichen und motzen rum, von wegen Privatgelände und so. Es stellt sich heraus, dass Clete den einen Kerl kennt und schon mal mit ihm zusammengeraten war. Bei einem Zusammenstoß bleibt es allerdings nicht. Doch was suchen diese Kerle in Montana? Warum gehen sie Clete auf den Senkel? Hat das alles etwas mit den beiden ermordeten Pärchen zu tun, zu deren Ermittlungen der hiesige Sheriff Dave Robicheaux um Hilfe gebeten hat? Dem gefällt die Bitte des Sherriffs gar nicht, hier in Montana ein Deputy-Stern zu tragen.

»Keine Ruhe in Montana« unterscheidet sich meiner Meinung nach gewaltig von anderen Romanen der Dave- Robicheaux-Reihe. Es mag an den anderen Örtlichkeiten liegen, denn bekanntermaßen spielt dieser nicht in Louisiana. Hier wird weniger getrunken, es wird weniger auf die Fresse gehauen. Es heimelt eher beschaulich. Man möchte sagen, dass man Robicheaux kaum wiedererkennt. An Spannung büßt dieser Roman allerdings nichts ein. Überhaupt gewinnt man den Eindruck, dass es sich eher um einen Clete-Purcel-Roman handelt.

Für Gegenden, Landschaften, Örtlichkeiten und historischen Hintegrund nimmt sich James Lee Burke Zeit , sie zu beschreiben. Zwar wird in Montana auch geangelt, aber offenbar anders. An diesen Handlungsorten riecht es viel weniger nach Südstaaten.

Wegen der Andersartigkeit dauert es auch ziemlich lange, bis man als Leser erfährt, worum es letztendlich geht. Aber es kribbelt anfangs mächtig. Man hat stets das Gefühl: Oh, oh. Da braut sich etwas zusammen. Ganz gehörig.

Wer Dave Robicheaux einmal von einer anderen Seite kennenlernen möchte, sollte sich seinem Ausflug nach Montana nicht entgehen lassen. Aber, pst, nicht verraten: Dave hat sich tatsächlich genauso wenig verändert wie sein Freund Clete. Denn auch hier in Montana muss Dave seinen vor Kurzschlusshandlungen nicht geschützten Freund aus der Patsche holen.

Für Freunde eines modernen und thrilligen Western ist dieser Roman immer eine Empfehlung wert.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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Veröffentlicht am 05.10.2021

Iny Lorentz und ihre Wanderhure Marie

Die Wanderhure und der orientalische Arzt
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Mit diesem historischen Roman habe ich nach langer Zeit mal wieder einen Wanderhuren-Roman gelesen. Zwar hatte ich in den letzten Jahren viele andere Romane von Iny Lorentz gelesen, aber der jetzt neu ...

Mit diesem historischen Roman habe ich nach langer Zeit mal wieder einen Wanderhuren-Roman gelesen. Zwar hatte ich in den letzten Jahren viele andere Romane von Iny Lorentz gelesen, aber der jetzt neu erschienene historische Roman fühlte sich wie ein Nachhausekommen an. Mit Marie und Michel fühlte ich mich sofort wohl.

Es beginnt mit einem heimtückischen Wettkampf dreier Jungen. Für einen von ihnen geht es nicht glücklich aus. Dieser Junge erfährt die bittere Wahrheit über seine Freunde.

Jahre später sind Michel und Marie mit einigen ihrer Lieben auf dem Weg nach Hettenheim, den dortigen Grafen Heinrich zu besuchen. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf raufwütige Gesellschaft und eine von einem Pfeil getroffene Frau, die schwer verletzt ist. Maries Familie kümmert sich um sie und bringt sie nach Hettenheim. Dort werden sie in miese Zwistigkeiten einige Herrschaften hineingezogen.

Mit vielen informativen und plausiblen Details ausgestattet, begleitet man Marie und ihre Familie auf dem Weg in die Nachbarschaftsstreitigkeiten. Intrigen und böse Machenschaften stehen an der Tagesordnung.

Das Schriftstellerehepaar schafft es erneut, dass man flüssig in die Handlung einsteigt und sofort das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Sie schufen erneut eine Athmosphäre, die die Zeit von Damals in meinem Kopf auferstehen ließ. Wegen der gut beschriebenen Figuren, meint man sofort zu wissen, wer böse und wer gut ist. Doch da gibt es noch etwas Überraschung.

Obwohl die Kriminalhandlung an sich schon spannend ist, wird diese vor allem durch die kurzen Kapitel erhöht. Während der Roman in mehrere Teile untergliedert ist, besteht jeder Teil aus zehn bis zwanzig Kapitel mit jeweils einer bis fünf Seiten. Dadurch fliegen die Seiten nur so durch die Finger. Ich fühlte mich mitgezogen von der Handlung und ihrer Spannung.

»Die Wanderhure und der orientalische Arzt« ist ein würdiger Roman in der Reihe der Wanderhuren-Romane, den ich sehr gerne empfehle, weil er mit spannender Unterhaltung die Leser fesselt. Er wird sich besonders gut zum Jahresausklang unter dem Weihnachtsbaum anmachen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 24.09.2021

spaßiger Ratekrimi

Frau Maier macht Dampf
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Der Krimi von Jessica Kremser ist ein klassischer cozy crime mit einer mehr als schrulligen Ermittlerin. Er ist am ehesten vergleichbar mit den Kati-Küppers-Romanen von Barbara Steuten.

Eine Freundin ...

Der Krimi von Jessica Kremser ist ein klassischer cozy crime mit einer mehr als schrulligen Ermittlerin. Er ist am ehesten vergleichbar mit den Kati-Küppers-Romanen von Barbara Steuten.

Eine Freundin von Frau Maier hat einen Wellnessurlaub gewonnen, aber sie kann ihn nicht antreten. Damit er nicht verfällt, reist Frau Maier in das Wellness-Hotel. Sie reist zum ersten Mal in ihrem Leben, zumindest als Urlaub. Besonders schmackhaft wurde ihr dieses Hotel gemacht, weil es dort vor einem Jahr einen Toten im Hotel gab. Da biss Frau Maier an. Doch sie hat nicht nur diesem alten Fall hinterherzuschnüffeln. Es gibt noch weit mehr Überraschungen …

»Frau Maier macht Dampf« ist als Wohlfühlroman konzipiert. Neben dem Kriminalfall, der erst recht spät einsetzt, gibt es ausführliche Runduminformationen über Wellness-Hotels, Wellness allgemein und deren besonderen Angebote. Wer einen solchen Urlaub für sich plant, sollte einmal in diese Roman schauen und sich wertvolle Tipps holen.

Das schrullige Verhalten von Frau Maier lässt viel Spielraum für jede Menge Humor zu. Situationskomik genauso wie Wortakrobatik entlocken dem Leser immer wieder ein Lächeln.

»Frau Maier macht Dampf« ist ein spaßiger Ratekrimi für alle, die schon immer mal einen Wellnessurlaub machen wollten. Gerne empfehle ich diese Roman. Bittedanke!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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Veröffentlicht am 15.09.2021

Vom Leben in einem B&B in Cornwall

Chaos in Cornwall
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Beim Lesen des Romans von Elisabeth Kabatek hatte ich das Gefühl, zwischen Doc Martin und Louisa in Portwenn auf einem Hügel zu stehen und auf das Dörfchen und den Hafen hinunter zu blicken. Ein winziger ...

Beim Lesen des Romans von Elisabeth Kabatek hatte ich das Gefühl, zwischen Doc Martin und Louisa in Portwenn auf einem Hügel zu stehen und auf das Dörfchen und den Hafen hinunter zu blicken. Ein winziger Hafen mit Fischerbooten, die nun bei Ebbe auf dem Sand liegen. Einige Männer in gelben Wachshosen flicken Fischernetze. Truro und Bodmin sind nicht weit. Leser meiner Rezensionen werden es ahnen: Ich war wieder mit einem Buch in meiner zweiten Heimat Cornwall.

Doch worum geht es in diesem lockeren, unterhaltsamen Roman? Margarete aus Stuttgart ist gerade ohne Job. Vor vier Wochen hat sie Roland kennengelernt. Der lädt sie zu einer Urlaubsreise nach Cornwall ein. Doch bereits in der ersten Nacht bereut sie, diese Einladung angenommen zu haben. Solch einen Spießer wie Roland hatte sie sich nicht vorstellen können. Sie nimmt Reißaus, samt seinem Auto. Dabei strandet sie in dem kleinen Küstendorf Port Piran. Dort lernt sie die Alt-Punkerin Mabel kennen, die ein Bed & Breakfast unterhält. Mabel mag die Deutsche nicht, doch zähneknirschend muss sie Einiges schlucken, während sich Margarete vor Roland flüchtet und sich versteckt.

Elisabeth Kabatek stellt uns Cornwall auf sehr angenehme Weise vor. In die Handlung mit den vielen die Beziehungen und Konfliktee der Figuren sind jede Menge Tipps für Cornwall-Reisende verborgen. Landschaft, Pubs, Menschen, Läden. Sie sind so beschrieben, wie auch ich Cornwall kenne und liebe.

Die Konflikte, aus denen die Spannung bezogen wird, basieren auf den Beziehungen der Figuren untereinander. Filmcrew, Nachbarn, Pensionsgäste und Freunde sind sich nicht alle untereinander grün. Und gerade Mable hütet ein Geheimnis, von dem sie glaubt, es am besten zu verstecken, wenn sie eine mürrische und spröde B&B-Inhaberin gibt und keinen in ihr Innerstes schauen lassen will.

Am Anfang des Buches hatten mich allerdings Ausdrücke aus weiblichen Frauenmund abgeschreckt. „Schwitze wie ein Schwein“ und „den Pissern in Rechnung stellen“ waren nicht dazu geeignet, einen Leser bei der Stange zu halten. Sie passen nicht in die Atmosphäre dieses wunderschönen Romans und tauchen später auch nicht wieder auf.

Ein unterhaltsamer und liebenswerter Roman bleibt »Chaos in Cornwall« allemal. Wer auch in Gedanken gern in die cornischen Gefilde reist, sollte diesen Roman nicht vermissen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 11.09.2021

Mylord Merridew nicht minder erfolgreich

Noch ein Mord, Mylord
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Mit diesen süffisanten Geschichten stellt Ralf Kramp einen zweiten Spürnasenkrimi vor. Einige Leser werden sich vielleicht an »Ihr Mord, Mylord« erinnern. Es ist ein Spürnasenkrimi im doppelten Sinne. ...

Mit diesen süffisanten Geschichten stellt Ralf Kramp einen zweiten Spürnasenkrimi vor. Einige Leser werden sich vielleicht an »Ihr Mord, Mylord« erinnern. Es ist ein Spürnasenkrimi im doppelten Sinne. Einerseits werden die Leser zur Spürnase und können versuchen, die verzwickten Fälle zu lösen, die Lord Merridew und Nigel Bates aufklären. Andererseits wandelt Ralgf Kramp auf den Spuren solch großer Spürnasen wie Sherlock Holmes, Miss Marple oder Hercule Poirot.

In dem vorliegenden 350 Seiten starken Buch wurden fünf Kriminalgeschichten, die in den 1950er und 1960er Jahren in England spielen, genüsslich dargeboten. Die Liebe zu den klassischen Ermittlern und dem britischen Lebensgefühl ist Ralf Kramp anhand dieser Geschichten anzumerken.

In den Geschichten werden Morde, Entführungen, Diebstähle und andere Verbrechen aufgeklärt. Wen wundert es, dass in einer sogar Marilyn Monroe während eines Drehaufenthaltes in England entführt wird. Und beim Verschwinden des Bombay Saphirs finden sich die Leser auf einem britischen Schloss wieder, welches eine gewisse Ähnlichkeit zu Downton Abbey nicht leugnen kann.

Aber Ralf Kramp lässt nicht nur die berühmte Diva auf der Bühne erscheinen. Die Leser werden auch den einen oder anderen Prominenten entdecken können, wenn sie selbst gerne in britischen Gefilden, sei es Roman, Kino oder TV-Serie, wandeln.

Ich habe jede dieser Geschichten genossen. Es sind knifflige Wohlfühlgeschichten, in die man bei einer Tasse Tee eintauchen und sich verirren kann. Am Ende ist man immer wieder baff, wie plausibel Mylord Merridew die Fälle löst. Sehr zu empfehlender Roman.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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