Ein Antiheimatroman fern von Idylle
In der Lüneburger Heide lebt und arbeitet der 19-jährige Schäfer Jannes Kohlmeyer mit seinen Ängsten um die Demenz seines Vaters, um eventuelle Wolfsrisse. In seiner wortkargen Einsamkeit wird er außerdem ...
In der Lüneburger Heide lebt und arbeitet der 19-jährige Schäfer Jannes Kohlmeyer mit seinen Ängsten um die Demenz seines Vaters, um eventuelle Wolfsrisse. In seiner wortkargen Einsamkeit wird er außerdem bedrängt durch die geisterhafte Frauenfigur Rose. Neben Informationen zum heutigen Schäferberuf und über die besonderen landschaftlichen Eigenheiten bleiben einige Themenbereiche nur angerissen. Die Bedrohung durch einen Wolf wird zum angedeuteten Politikum mit „Abschussfreunden“ wie Jannes Opa, die ideologisch den Wolf nicht in die deutsche Kulturlandschaft gehörend sehen. Antisemitisches drückt sich mit dem Heimatdichter Hermann Löns, dem Judasfeuer von Karl Röder und dem Brief von Edith Balas aus dem KZ-Außenlager Tannenberg in diese scheinbare Naturidylle, die auch vom Öko-Tourismus lebt.
Die Dialoge sind insgesamt wenig kreativ, betonen die dörfliche Tristesse versenkt im jugendlichen Alkoholismus. Die sinnvolle generationsübergreifende Hofübernahme wird schwer belastet durch Demenz und Finanzen. Inwieweit Traditionen und Heimatgefühle in diesem Berufsbereich überleben werden, bleibt offen, eine gewisse Ohnmacht und kreisendes Schweigen andeutend.
Ein Buch zum Nachdenken!