Cover-Bild Von Norden rollt ein Donner
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: C.H.Beck
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 287
  • Ersterscheinung: 17.12.2024
  • ISBN: 9783406822476
Markus Thielemann

Von Norden rollt ein Donner

Roman Shortlist Deutscher Buchpreis 2024
SHORTLIST DEUTSCHER BUCHPREIS 2024

Der Wolf ist zurück in der Lüneburger Heide. Und während Jannes - wie schon sein Vater und sein Großvater - täglich seine Schafe über die Heideflächen treibt, kochen die Emotionen im Dorf hoch. Kann Heimatschutz Gewalt rechtfertigen? Wo es vordergründig um Wolfspolitik geht, stößt er bald auf Hass, völkische Ideologie - und auf ein tiefes Schweigen. "Von Norden rollt ein Donner" ist eine Spurensuche in der westdeutschen Provinz, die Geschichte eines brüchigen "urdeutschen" Idylls.

Täglich treiben der 19-jährige Jannes und seine Familie die Schafe über die Flächen der Lüneburger Heide. Doch es herrscht eine gärende Unruhe in der Gegend, der Wolf ist zurück. Es mehren sich Schafsrisse und mit ihnen Konflikte im Dorf, die schnell politisch werden. Während völkische Siedler versuchen, das Thema für ihre Zwecke in Beschlag zu nehmen, die Situation sich zuspitzt und in Selbstjustiz der Bevölkerung zu eskalieren droht, flüchtet sich Jannes zu seinen Schafen in die Heide. Doch dort wird durch eine gespenstische Begegnung plötzlich die düstere Ortsgeschichte aufgefächert, die ihren langen Schatten in die Gegenwart wirft. Markus Thielemann schreibt mit seinem Anti-Heimatroman das Psychogramm einer Sehnsuchtslandschaft und zeigt auf ebenso subtile wie fesselnde Weise, wie sich ein Idyll in sein Gegenteil verkehren kann.

  • Ihm kommt ein absurder Gedanke: Vielleicht ist es das Land, das ihm etwas sagen will, das ihm etwas antun will, vielleicht ist es die Heide.
  • Eine literarische Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen und politischen Klima in der westdeutschen Provinz
  • Über Heimat und Gewalt, Verdrängung und Schweigen, Tradition und Verantwortung

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2025

Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

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In der Lüneburger Heide geht der Wolf um. Seit Jahrzehnten galt er als ausgestorben, nun versetzt er die Schäfer wieder in Angst und Schrecken. So auch Jannes und seine Familie. In dritter Generation arbeiten ...

In der Lüneburger Heide geht der Wolf um. Seit Jahrzehnten galt er als ausgestorben, nun versetzt er die Schäfer wieder in Angst und Schrecken. So auch Jannes und seine Familie. In dritter Generation arbeiten sie als Schäfer und in gleicher Konstellation leben sie auch auf ihrem Hof mitten in der Heide. Was für andere romantisierten Urlaub verspricht, ist für sie harte Realität. Doch die Familie kämpft nicht nur mit äußeren Einflüssen auch in ihrem Inneren schwelt ein Brand. Oma Erika ist verrückt geworden. Und so wie sich ihr Geisteszustand in der Zeit verrückt hat, so hat sie auch ihre Familie örtlich verrückt, nämlich in ein Heim. Jannes Vater wird immer vergesslicher, aber darüber schweigt man lieber. Auch Jannes beginnt in der Heide nicht nur seine Schafe und die Landschaft zu sehen, sondern auch Unaussprechliches. Für dieses Buch brauchte ich etwas Anlauf. Erst nach einigen Seiten konnte ich in diese Geschichte abtauchen und dann war es wie Magie. Ein Wandel zwischen Realität und Fiktion. Auf der Spur von Sagen, Brauchtum und Geschichte und doch im Hier und Jetzt. Der Wolf als Symbol des Bösen, dass weniger in der Natur als unter den Menschen lauert. Großartig erzählt, düster und doch mitten unter uns. Etwas Unterschwelliges, dass mitschwingt, ohne greifbar zu sein, dass ist wirklich hohe Erzählkunst. Von mir gibt’s dafür eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Atmosphärischer Heide-Roman

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Jannes ist 19 und Schäfer in der Lüneburger Heide.
Doch die Idylle wird nicht nur von der Rückkehr des Wolfes getrübt, sondern auch die Sorge um Jannes’ demenzkranken Vater macht ihm zu schaffen.
Als er ...

Jannes ist 19 und Schäfer in der Lüneburger Heide.
Doch die Idylle wird nicht nur von der Rückkehr des Wolfes getrübt, sondern auch die Sorge um Jannes’ demenzkranken Vater macht ihm zu schaffen.
Als er dann noch eine mysteriöse Frauengestalt im Wald sieht, beginnt er, an seinem eigenen Verstand zu zweifeln.

“Von Norden rollt ein Donner” ist vor allem eins: eine Desillusionierung der Heiden-Idylle. Denn der Roman zeigt auf, mit welchen Problemen die Schäferinnen zu kämpfen haben, dass der Ton und die Arbeit hart sind, dass es aus wirtschaftlicher Sicht schon lange nicht mehr reicht, einfach Schafe durch die Landschaft zu treiben.

Hinzu kommt die Wolfsproblematik: in der Gegend gab es schon die ersten Risse, nun wollen die Anwohner
innen ihr Vieh schützen und diskutieren über geeignete Maßnahmen, fühlen sich alleingelassen von der Politik.
Besonders anhand dieses Beispiels behandelt der Autor hier sehr anschaulich ein weiteres Thema: Generationskonflikte. Jannes’ Opa hat noch mitbekommen, wie auf Wölfe geschossen wurde, er sieht dies als die einzig vernünftige Lösung. Aber rechtfertigt Heimatschutz das Töten des gefährdeten Tieres?
Auch bei der Behandlung anderer Schwierigkeiten sieht man die unterschiedlichen Lösungsansätze verschiedener Generationen, z. B. im Rückblick, als Jannes’ Großmutter an Demenz erkrankt.

Außerdem behandelt der Roman die Themen Identität, Herkunft, die Schatten der (NS-)Vergangenheit, den Umgang mit dem immer mehr aufkommendem Tourismus und sogar eine Geistergeschichte findet ihren Platz.
Trotz der ruhigen Erzählweise erschafft Markus Thielemann unterschwellig Spannung, die hohe Dichte an Themen lässt die Stimmung immer düsterer werden.
Ich mochte außerdem die Landschaftsbeschreibungen und die wörtliche Rede sehr gern, durch die regionale Mundart sorgen die Anwohner ganz automatisch für ein atmosphärisches Lokalkolorit.

Am Ende bleiben einige Fragen offen, das Wolfsproblem ungelöst. Viele Erzählstränge werden nicht auserzählt und man muss sie selbst verbinden, um auf eine eigene Lösung zu kommen. ⭐️5/5⭐️

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Veröffentlicht am 04.10.2024

Trügerische Idylle

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Trügerisch gibt sie sich die niedersächsische Heidelandschaft, über die Jannes, der neunzehnjährige Schäfer aus dessen Perspektive erzählt wird, tagein tagaus die Schafherde führt. Das vermeintliche Idyll ...

Trügerisch gibt sie sich die niedersächsische Heidelandschaft, über die Jannes, der neunzehnjährige Schäfer aus dessen Perspektive erzählt wird, tagein tagaus die Schafherde führt. Das vermeintliche Idyll im Naturschutzgebiet zeigt sich in einem eher kargen Braun, in dem der Wolf sein Unwesen treibt und Schaden im Tierbestand anrichtet. Die Politik sieht hier keinen Konflikt und hält sich raus aus den lebhaften, düsteren Diskussionen der Ortsansässigen.
Seit Generationen ist Jannes' Familie verbunden mit dieser Gegend, in dem sie traditionsreich das Geschäft der Schäferei betreiben und zusammen ihren Hof bewirtschaften. Meinungsverschiedenheiten werden offen ausgetragen, belasten den Alltag, der durch harte Arbeit und Einsamkeit bestimmt ist.
Marcus Thielemann wählt in seinem Roman 'Von Norden rollt ein Donner' eine sehr einfache, reduzierte Sprache bei den Unterhaltungen der Dorfbewohner, die stark vom ansässigen Dialekt gefärbt ist und damit eine Beschränkung auf das Wesentliche zum Ausdruck bringt. Uraltes Wissen, wird nicht breitgetragen und steckt doch tief im Bewusstsein, macht sich breit im täglichen Handeln. Hier lässt der Autor Freiraum für eigene Gedanken durch gesetzte Metapher, die unmittelbaren aktuellen Bezug erlauben.
Das Buch steht auf der Short-List des Deutschen Buchpreises 2024.

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Veröffentlicht am 28.09.2024

Vielschichtig und nachhallend

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Der 19-jährige Jannes ist Schäfer, wie sein Vater und sein Großvater vor ihm. Ein Traditionsbetrieb seit Generationen. Der Roman ist aus Sicht von Jannes erzählt. Er lebt mit der Familie und dem Großvater ...

Der 19-jährige Jannes ist Schäfer, wie sein Vater und sein Großvater vor ihm. Ein Traditionsbetrieb seit Generationen. Der Roman ist aus Sicht von Jannes erzählt. Er lebt mit der Familie und dem Großvater in einem Mehrgenerationenhaus.
Wie komplex ist der Beruf eines Schäfers, welche Herausforderungen gibt es? Markus Thielemann beschreibt dies detailliert. Doch dann tauchen Spuren eines Wolfes auf,
der eine unheimliche Hintergrundsbedrohung darstellt, doch nie zu sichten ist. Vater und Großvater reagieren, treffen Entscheidungen. Ein neuer Nachbar wird aktiv. Jannes trägt schon in seinem Alter eine große Verantwortung für die Heidschnucken, fühlt sich manchmal „wie der angebundene Bock, der am Rande seiner Weide steht und nicht weiterkann“. Plötzlich hat er Visionen einer Frau auf der Heide und will dem auf den Grund gehen. Er forscht nach, was in der Vergangenheit in der Südheide passiert ist und findet Antworten.
Das Buch besticht durch eine erfrischend moderne Sprache.
Aktuell beschrieben, trotz Traditionsgeschichte! Hochinteressant, dass der Roman auf verschiedenen Ebenen spielt. Jannes Generation, der traditionellen Berufssituation mit all den Herausforderungen eines Schäfers, die Situation der Eltern, die Großeltern, der neue Nachbar mit völkischer Gesinnung, Jannes eigene mit Gleichaltrigen, die Geschichte der Südheide, die Vision und neben allem die drohende Gefahr eines Wolfes.
Eine schöne Sprache mit detaillierten Beschreibungen, durchgehend eine ungewöhnliche, sehr zum Nachdenken anregende und nachhallende Geschichte. Sie hat mir sehr gut gefallen. Der Roman spielt 2015, ist dennoch sehr aktuell, da gerade die EU beschlossen hat, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern.

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Veröffentlicht am 23.08.2024

Keine Idylle auf der Heide

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"Von Norden rollt ein Donner" von Markus Thielemann ist ein Roman, der mich ob seiner Vielschichtigkeit überrascht hat.
Es ist ein Roman über Generationen, es ist ein historischer Roman und im Hintergrund ...

"Von Norden rollt ein Donner" von Markus Thielemann ist ein Roman, der mich ob seiner Vielschichtigkeit überrascht hat.
Es ist ein Roman über Generationen, es ist ein historischer Roman und im Hintergrund lauern auch noch Verbrechen.
Erzähler ist hier Jannes, der volljährige Sohn auf dem Heidehof, der wie schon sein Vater Friedrich und sein Großvater Wilhelm Schäfer ist. Mit den Hunden treibt er die Schnucken über die Weide und verrät dabei so einiges aus seinem Leben und seinen Gedanken.
Wie vieler Orts sind auch hier die Wölfe zurück und man plant Maßnahmen für den Herdenschutz, Hunde und neue Zäune, die aber nicht richtig in die Finanzen passen. Die Wölfe sind hier nicht nur die einzige Bedrohung. Die Oma ist wegen ihrer Demenz im Heim, der Vater soll zum Neurologen und Jannes macht sich Sorgen um seine eigene geistige Gesundheit. Er beginnt nämlich eine Gestalt zu sehen, auf der Heide und sie ist nicht der böse Wolf. Jannes beginnt zu erkunden und in der Geschichte der Region nachzuforschen.
Das Buch ist sehr spannend geschrieben, gerade das Leben auf dem Hof, das ganz sicher keine Idylle ist, und auch der Wolf, der hier nicht die größte Bedrohung darstellt. Die Worte, die der Autor findet, sind eindringlich, fast poetisch, manchmal hält man beim lesen fast die Luft an.
Gut gefallen hat mir auch die Rolle der Mutter, irgendwie hat sie alles zusammengehalten und wurde von den Männern als selbstverständlich gesehen. Hier hatte jemand einen guten Blick auf diesen Hof und seine Bewohner.

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