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Veröffentlicht am 19.01.2020

Nicht unbedingt ein mich umhauender Liebesroman

Sweet Sorrow
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Die Geschichte ist im Wesentlichen im Sommer des Jahres 1997 angesiedelt, als der 16jährige Charlie, gerade die Schule abgeschlossen, auf Fahrradtouren die Gegend durchstreift, um der Langeweile und dem ...

Die Geschichte ist im Wesentlichen im Sommer des Jahres 1997 angesiedelt, als der 16jährige Charlie, gerade die Schule abgeschlossen, auf Fahrradtouren die Gegend durchstreift, um der Langeweile und dem Zusammenleben mit seinem depressiven und arbeitslosen Vater zu entkommen. Dabei trifft er zufällig auf das Mädchen Fran, die mit einer Theatergruppe Shakespeares „Romeo und Julia“ einstudiert. Charlie verliebt sich sofort in Fran und um sie wiedersehen zu können, schließt er sich trotz fehlender Begeisterung und fehlendem schauspielerischem Können dem Schauspielertrupp an. Im Folgenden entwickelt sich die Romanze zwischen den beiden Jugendlichen fort. Doch wird sie von Dauer sein, stammt die ehrgeizige Fran doch aus einem behüteten Elternhaus und hat ehrgeizige Pläne für ihre Zukunft, während Charlie bei wichtigen Prüfungen versagt und seine Mutter ihn und den Vater verlassen hat.
Erzählt wird aus Charlies Perspektive in der ersten Person. Anlässlich einer Einladung zu einem Jahrestreffen der Theatergruppe 20 Jahre später blickt er zurück. Passagenweise habe ich das Buch wirklich gern gelesen, nämlich soweit es um das Familienleben des Protagonisten Charlie geht. Demgegenüber konnte ich mit den weitaus längeren Teilen betreffend das Theaterstück wenig anfangen. Vielleicht fehlt es mir insoweit an Shakespeare-Affinität oder zumindest der Fähigkeit, seine Stücke zu verstehen. Offenbar sollen Parallelen gezogen werden zwischen der Liebesbeziehung von Charlie und Fran und der von Romeo und Julia. Die allgemein so hochgelobte, zärtliche Sprache des Autors kann ich nicht so recht wiederfinden. Etwas darüber hinweg trösten manche humorvolle Äußerungen und Handlungen.
Schade, dass sich hinter einem so wertvoll aufgemachten Cover nicht eine ebensolche Geschichte verbirgt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2020

Drei starke Protagonistinnen

Der Zopf
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Dieser Roman ist wirklich lesenswert.

Immer abwechselnd werden die Lebenssituationen der drei Protagonistinnen geschildert, die allesamt einmalig und berührend sind. Alle drei sind Frauen im Alter von ...

Dieser Roman ist wirklich lesenswert.

Immer abwechselnd werden die Lebenssituationen der drei Protagonistinnen geschildert, die allesamt einmalig und berührend sind. Alle drei sind Frauen im Alter von zwanzig bis vierzig, leben auf drei Kontinenten, kennen einander nicht. Trotzdem ergibt sich am Ende eine Verbindung zwischen ihnen, die für den Leser im Laufe der Geschichte ganz allmählich erkennbar wird. Das ist das eigentlich Faszinierende an dem Roman. Die eine Frau will die von Generation zu Generation betriebene und jetzt vor dem Konkurs stehende Perückenfabrik ihrer Familie auf Sizilien mit einer neuen Geschäftsidee retten. Die zweite Frau gehört in Indien der rechtlosen Kaste der Unberührbaren an und begibt sich mit ihrer kleinen Tochter zur Verwirklichung eines besseren Lebens auf die weite Flucht zu Verwandten mit einem Zwischenstopp in einem Tempel, wo sie eine Opfergabe erbringt. Die dritte Frau ist eine renommierte Rechtsanwältin und Workaholic in Montreal, die an schwerem Krebs erkrankt. Besonders das Schicksal der Inderin berührt sehr. Hier ist so viel über das Leben und die Rechtlosigkeit insbesondere der zur armen Bevölkerungsschicht gehörenden Frauen zu erfahren, was mir bisher noch nicht in dieser Krassheit vor Augen geführt wurde. Vertrauter sind da schon die Passagen betreffend die Sizilianerin und die Kanadierin. Alle drei Frauen sind vorbildhaft.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2020

Frauenroman mit lehrreichen Reflexionen der Protagonistin

Es wird Zeit
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Dieser Frauenroman geht in die Richtung eines sog. Chick-lit-Romans, wenngleich er lange nicht so oberflächlich bleibt.
Protagonistin ist die fast 50jährige Judith. Ihr naher Geburtstag und der gerade ...

Dieser Frauenroman geht in die Richtung eines sog. Chick-lit-Romans, wenngleich er lange nicht so oberflächlich bleibt.
Protagonistin ist die fast 50jährige Judith. Ihr naher Geburtstag und der gerade erfolgte Tod ihrer Mutter, der Anlass ist, nach 20 Jahren wieder in ihren Heimatort zurückzukehren, lassen sie an ihrem ihr unerfüllt erscheinenden Leben an der Seite eines Zahnarztes mit drei gerade flügge gewordenen Söhnen zweifeln. Das Zusammentreffen mit ihrer schwer kranken Jugendfreundin, zu der sie den Kontakt abgebrochen hatte, ist Anlass, sich mit einem Geheimnis auseinanderzusetzen, das sie seinerzeit in ihre Ehe als Notlösung getrieben hat. Es stellt sich dann alles völlig anders dar, als von Judith immer vermutet wurde.
Der Geschichte wohnt ein schöner Humor inne, der dazu führt, dass eigentlich traurige Inhalte wie der Tod bzw. die Beisetzung der Mutter und die Krankheit der Freundin gar nicht traurig wirken. Diese Themen bilden die Rahmenhandlung und geben der Protagonistin immer wieder Anlass, sehr ausführlich über Alter, die Rolle als Mutter und Ehefrau u.ä. zu sinnieren. Diese Passagen, die auch bei der Leserin Anstöße zum Nachdenken geben, ähneln Kolumnen, wie sie in Frauenzeitschriften zu finden sind und die ja auch das Arbeitsfeld der Autorin betreffen. Allerdings sind sie für einen Roman in Häufigkeit und Wiederholung zu langatmig und deshalb für mich manchmal ermüdend zu lesen. Letzteres gilt auch für die ewig jammernde Protagonistin, die ihr Alter nicht akzeptieren will und sich in ihre behütete Kindheit zurücksehnt. Ihres sehr exzentrischen besten homosexuellen Freundes hätte es auch nicht unbedingt bedurft.
Eine gut unterhaltende Frauenlektüre.

Veröffentlicht am 11.01.2020

Über das Schicksal einer Familie in der DDR

Kranichland
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Obwohl oder gerade weil es die DDR seit nunmehr 30 Jahren nicht mehr gibt, ist dieses Buch so interessant zu lesen, trägt es doch schön dazu bei, die Erinnerung daran wachzuhalten, wie schwierig das Leben ...

Obwohl oder gerade weil es die DDR seit nunmehr 30 Jahren nicht mehr gibt, ist dieses Buch so interessant zu lesen, trägt es doch schön dazu bei, die Erinnerung daran wachzuhalten, wie schwierig das Leben für die Ostdeutschen gewesen ist. Das facettenreiche Schicksal der fiktiven Familie Groen in der Zeit zwischen Gründung der DDR über die Teilung Deutschland und der Wende bis zur Gegenwart (2012) wird informativ und berührend zugleich dargestellt. Es wird auf viele informative Details eingegangen, die typisch und bezeichnend für das Leben zu DDR-Zeiten waren. Der Vater ist ein hoher Mitarbeiter der Stasi, die ältere Tochter ebenfalls vom DDR-Regime überzeugt, die jüngere Tochter hingegen freiheitsliebend, was sie schließlich zur erfolglosen Flucht verleitet. Die Mutter unterhält ein langjähriges außereheliches Verhältnis, ohne jedoch ihre Ehe in Frage zu stellen. Ihr Tod und das von ihr verfasste Testament sind es schließlich, die das gesamte Familiengefüge in Frage stellen und neu aufstellen. In der Gegenwart spüren die älteste Tochter und die vermeintlich dritte Tochter wahre Familiengeheimnisse auf, bei denen Lügen, Schuld, Verrat, Unterlassungen eine wichtige Rolle spielen. Dieser Erzählstrang wechselt sich ab mit dem sukzessiv erzählten Werdegang der Familie ab ca. 1949.
Dieses Buch liest sich gut und flüssig und ist besonders Fans von Familiengeschichten zu empfehlen. Es hat mir fast noch besser gefallen als das spätere Buch „Kastanienjahre“ der Autorin.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2020

Eine berührende, märchengleiche Liebesgeschichte

Das schräge Haus
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Es lohnt sich wirklich, auch einmal jenseits der „angesagten“ Bücher namhafter Autoren zu stöbern. Bewiesen wird das durch den vorliegenden Roman.

Schon äußerlich ist er ungewöhnlich. Denn für die Einbindung ...

Es lohnt sich wirklich, auch einmal jenseits der „angesagten“ Bücher namhafter Autoren zu stöbern. Bewiesen wird das durch den vorliegenden Roman.

Schon äußerlich ist er ungewöhnlich. Denn für die Einbindung wurde ein Steifbroschur verwendet, wie ich es bei Taschenbüchern noch nie vorgefunden habe.

Inhaltlich besticht die Geschichte dadurch, dass sie sich wie ein Märchen liest. Die Haupt-Märchenfigur ist die Protagonistin Ella. Ihre geliebte Oma Mina sorgt dafür, dass Ella eine schöne Kindheit hat, wenngleich das angesichts der Ablehnung durch ihre Mutter gar nicht so selbstverständlich ist. Im Alter von acht Jahren hat Ella ein einschneidendes Erlebnis, in dessen Folge sie sich bis ins Erwachsenenalter (wobei sie selbst eigentlich eher Kind geblieben ist) mit Schuldgefühlen quält und das sie den Beruf der Psychologin wählen lässt. Wenn sie auch ihre eigene Schrägheit nicht beseitigen kann, so will sie doch wenigstens ihren Patienten eine Hilfe sein, von denen es zahlreiche urige Typen gibt. Einer davon ist der depressive, suizidgefährdete Herr Oebing. Auf einer Hochzeitsfeier kommen die beiden einander privat nahe. Doch darf Ella angesichts ihres Berufscodexes eine Liebesbeziehung zu einem Patienten führen? Sie wünscht sich doch so sehr einen Partner … Passend zu dieser wirklich wundersamen Geschichte ist der märchenähnliche Schreibstil gewählt. Oft ist von Märchenfiguren die Rede, es werden die für Märchen typischen Wortfloskeln benutzt, die Wortwahl und Aneinanderreihung von Sätzen sind bildhaft und einfach unbeschreiblich besonders. Eingestreut sind schöne Lebensweisheiten. Dabei wird überhaupt nicht kaschiert, dass es Menschen mit durchaus gravierenden psychischen Problemen gibt, zu denen auch Ella zählt. Doch wie behutsam und geschickt damit in der Geschichte umgegangen wird, ist einfach nur lobenswert. Toll ist vor allem, dass sich Ella ihr Kind sein bewahrt hat.

Dieses von Herzen geschriebene Buch kann ich nur empfehlen.



  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere