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Veröffentlicht am 28.03.2026

Tolle Mutter-Sohn-Geschichte

Sie wollen uns erzählen
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Dieser Roman handelt von dem Elfjährigen Oz und seiner Mutter Ann, beide an ADHS erkrankt. Während Ann aufgrund dieser Erkrankung in ihrer Kindheit einfach nur als wild galt, wird heute von Oz verlangt, ...

Dieser Roman handelt von dem Elfjährigen Oz und seiner Mutter Ann, beide an ADHS erkrankt. Während Ann aufgrund dieser Erkrankung in ihrer Kindheit einfach nur als wild galt, wird heute von Oz verlangt, dass er behandelt wird, um „normal“ zu werden. Doch seine Mutter stellt sich vor ihn wie eine Löwenmutter. Zwei Dramen sind es, die im Mittelpunkt stehen. Da ist zum einen ein Vorfall in der Schule, den Oz seiner Mutter beichten muss. Um das hinauszuschieben, wünscht er sich ein Unglück herbei, das dann auch noch einzutreten scheint und im Zusammenhang mit seiner Oma steht. Als Leser erfahren wir sehr viel aus dem Seelenleben von Mutter und Sohn und wie beide mit der Reizüberflutung umgehen. Ganz hervorragend wird ihr von gegenseitiger unbedingter Liebe geprägtes Verhältnis zueinander dargestellt. Sprachlich ist der Roman einfach nur klasse, besonders die oft mit feinsinnigem Humor gespickten Passagen und den typisch österreichischen Ausdrücken. Am Ende ist man sehr viel schlauer und verstädnisvoller, was die Modekrankheit ADHS anbelangt.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Enthält ein großes Geheimnis vor

Träume aus Salz
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In dem Buch steht ein junges, noch frisch verliebtes Paar im Mittelpunkt, das eine Woche Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel macht. Sie, ein Scheidungskind, das von der Trennung der Eltern nachhaltig ...

In dem Buch steht ein junges, noch frisch verliebtes Paar im Mittelpunkt, das eine Woche Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel macht. Sie, ein Scheidungskind, das von der Trennung der Eltern nachhaltig traumatisiert ist, verbirgt vor ihm Wesentliches aus ihrer Familiengeschichte. Erst eine einheimische Hellseherin, welche gerne so wie die Urlauberin leben würde, bewegt sie dazu, sich zu öffnen. Leider kommt dann nicht solch ein sensationelles Geheimnis zu Tage, wie ich es erwartet hatte. Neben Wahrsagen, Tarot und Astrologie spielt auch die griechische Mythologie eine Rolle. Allerdings vermögen mich diese Aspekte nicht zu packen, vielleicht, weil ich daran nicht glaube. Ich hätte mir etwas mehr Handlung gewünscht; auf keinen Fall aber einen eingeschobenen Drogentrip der Protagonisten, der Drogen zu sehr verharmlost. Hingegen hat mir wirklich gut gefallen, wie die Atmosphäre auf der Insel beschrieben wurde. Genauso kennt man Griechenland aus dem Urlaub. Adressaten des Romans dürften eher jüngere Leser:innen sein. Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Autorin gendert, wie zuvor von mir auch getan, was evtl. nicht jeder mag.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Tolle Milieustudie

Solange ein Streichholz brennt
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Der Autor versteht es, berührende Romane zu schreiben. Das hat er bereits mit „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ gezeigt und setzt sich nun bei seinem aktuellen Roman fort.
Angesiedelt ist die Geschichte ...

Der Autor versteht es, berührende Romane zu schreiben. Das hat er bereits mit „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ gezeigt und setzt sich nun bei seinem aktuellen Roman fort.
Angesiedelt ist die Geschichte im Kölner Obdachlosenmilieu und stellvertretend wird das Schicksal des Mittdreißigers Bohm erzählt. Über ihn dreht die junge Fernsehjournalistin Alina eine Reportage, von deren Erfolg ihr Verbleib im Sender abhängt. Sie begleitet Bohm einige Tage bei seinem Leben draußen. Ganz allmählich und so zum fortgesetzten Lesen animierendend entblättert sich die Lebensgeschichte von Bohm, in deren Verlauf es wie bei so vielen Obdachlosen einen Punkt gibt, der ihn aus der Bahn geworfen hat. Spannungsfördernd werden dabei ein geheimnisvoller ungeöffneter Brief, adressiert an Bohm, und ihn plagende Albträume eingesetzt. Kapitelweise wechselnd wird daneben aus Alinas Leben erzählt, die unbedingt Karriere in der Medienwelt machen will. Ob sie ihr Ziel um jeden Preis und ohne jeden Skrupel erreichen will, ist die andere Schiene dieses Romans. Eine Verbindung zwischen beiden Protagonisten gibt es nicht nur auf beruflicher Ebene. Sehr schnell funkt es zwischen beiden. Doch ist das möglich – eine Beziehung zwischen einem Obdachlosen und einer voll im Leben stehenden Frau?
Alles ist sehr berührend dargestellt. Bohm wird sehr menschlich und sensibel gezeichnet. Gelungen ist, wie sich beide allmählich und mit leisen Tönen aufeinander zu bewegen und dabei noch Hindernisse ausräumen müssen. Als positiv empfand ich, dass es am Ende kein klassisches Happy End gibt, sondern der weitere Fortgang der Beziehung der beiden Protagonisten offengelassen wird.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Familiengeschichte mit deutsch-polnischem Hintergrund

Wir Töchter
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Das Buch hat von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es geht um die Lebensgeschichten von drei polnischen Frauen – Großmutter Marianna, Mutter Rosa und Tochter Waleria, die jeweils von ihrer Zeit und ihren ...

Das Buch hat von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es geht um die Lebensgeschichten von drei polnischen Frauen – Großmutter Marianna, Mutter Rosa und Tochter Waleria, die jeweils von ihrer Zeit und ihren Lebensumständen geprägt werden. Die Großmutter verbringt ihr gesamtes Leben als Bäuerin in einem Dorf in Polen, von wo Rosa unbedingt fort will. Zum Sprungbrett wird für sie ein Mann, dem sie zunächst nach Danzig und später nach Deutschland folgt, wo sie nicht willkommen ist. Waleria wiederum ist zerrissen, was ihre Identität und Herkunft anbelangt. Die Geschichte hat viele bereichernde Einblicke in den polnischen Alltag gegeben. Was mich allerdings sehr beim Lesen gestört hat, sind die vielen polnischen Vokabeln und Ausdrücke, die nur zu einem kleinen Teil im Glossar übersetzt bzw. erläutert sind. Sie machen die Geschichte zwar authentischer, beeinträchtigen den Lesefluss aber sehr. Abschreckend wirkt auf mich schließlich auch das Buchcover, das auf einen historischen Roman hindeutet.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Entgegen der Erwartungshaltung kein anspruchsvoller Roman

Einatmen. Ausatmen.
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Von Maxim Leo hatte ich früher schon „Wo wir zu Hause sind“ und „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ gelesen, die mir beide gut gefallen haben, weil sie meinem Leseanspruch an gehobene Literatur genügten. ...

Von Maxim Leo hatte ich früher schon „Wo wir zu Hause sind“ und „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ gelesen, die mir beide gut gefallen haben, weil sie meinem Leseanspruch an gehobene Literatur genügten. Mit derselben Erwartungshaltung, geschürt auch durch die Inhaltsangabe, bin ich an diesen neuen Roman gegangen und wurde leider etwas enttäuscht. Er lässt sich eher seichter Unterhaltungsliteratur zuordnen, ist aber als unterhaltende Lektüre gut zu lesen. Dabei deuten Klappen- und Buchrückentext auf mehr hin. Eine fachlich sehr kompetente, zwischenmenschlich aber als empathielose Sklaventreiberin verschrieene Managerin steht kurz vor ihrer Berufung zur Vorstandsvorsitzenden. Ihr wird auferlegt, an einem Achtsamkeitsseminar teilzunehmen, das der kurz vor dem Bankrott stehende beste Coach Deutschlands leitet. Statt das Verhältnis der beiden zueinander und das Wesen von Achtsamkeitsschulungen psychologisch vertieft darzustellen, werden Nebenfiguren eingeführt, denen so recht keine weiterführende Rolle zukommt. Nicht gefallen hat mir zudem, wie rasch die Protagonistin eine persönliche Veränderung erfährt. Die eine oder andere Passage lädt zum Nachdenken darüber ein, wie man sich selbst kennenlernen kann.
Empfohlen für alle, die kurzweilige Bücher mögen.

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