Kurzer, aber inhaltsreicher Roman
Ich möchte zurückgehen in der ZeitDie Romane, die ich bislang von der Autorin gelesen habe – „Wir hätten uns alles gesagt“ und „Daheim“ -, sind kurz und knapp gehalten. Ihr neues Buch fällt mit 156 Seiten sogar noch knapper aus, ist aber ...
Die Romane, die ich bislang von der Autorin gelesen habe – „Wir hätten uns alles gesagt“ und „Daheim“ -, sind kurz und knapp gehalten. Ihr neues Buch fällt mit 156 Seiten sogar noch knapper aus, ist aber sehr inhaltsreich. Die Autorin geht ihrer Familiengeschichte nach und folgt den Spuren ihres Großvaters, über den die Familie sich wegen seiner unrühmlichen Vergangenheit lange ausgeschwiegen hat. Er war im Zweiten Weltkrieg für die SS im polnischen Radom stationiert, wo er an der Errichtung und Auflösung eines Ghettos beteiligt war. Das eigentlich Gelungene an der Geschichte ist, dass die Autorin über die Vergangenheit ihres Großvaters nur spekulieren kann, weil sie weder am Tatort in Radom Ermittlungsansätze findet noch ihre Mutter wesentlich zur Erhellung beiträgt. Diese meint, zum Vergessen berechtigt zu sein. Das Ringen der Autorin nach Antworten ist sehr bildhaft dargestellt. Für mich hätte sie es bei der Darstellung ihrer Reise nach Polen belassen können, ohne dass sie noch zwei weitere Abschnitte anschließt. In ihnen geht es um ihren Besuch bei ihrer Schwester in Neapel, der sie nach ihrem bedrückenden Besuch Polens wieder belebt, und um ein merkwürdiges Vorkommnis im Leben ihrer betagten Schwiegereltern. Literarisch ist das Buch ein Kleinod, weil immer wieder Titel anderer Autoren genannt und aus ihren Büchern zitiert wird.