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Veröffentlicht am 23.07.2021

Ein etwas anderer Roman über die DDR

Raumfahrer
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Themen, die typischerweise in Romanen über die DDR verarbeitet werden – Stasi-Bespitzelung, Lebensverhältnisse - werden hier einmal in etwas anderer Art verarbeitet, weshalb ich das Buch für sehr lesenswert ...


Themen, die typischerweise in Romanen über die DDR verarbeitet werden – Stasi-Bespitzelung, Lebensverhältnisse - werden hier einmal in etwas anderer Art verarbeitet, weshalb ich das Buch für sehr lesenswert halte.
Erzählt werden (und zwar eher episodenhaft) die Geschichten zweier Familien während der Zeit des Bestehens der DDR und der Zeit nach der Wende. Beide Familien sind miteinander verwoben, wobei das verbindende Element erst sehr spät sichtbar wird. Zum einen ist das die Familie Kern/Baselitz, deren einer Sohn ein bekannter zeitgenössischer Künstler ist und der schon vor dem Mauerbau in den Westen ging unter Zurücklassung vor allem des mit ihm eng verbundenen Bruders, dem das Nachreisen nie mehr gelang. Zum anderen ist da die Familie des jungen Erzählers Jan, geboren 1989, der sich durch die beharrliche Konfrontation mit einem Kern-Nachfahren daran macht, die Geschichte seiner verstorbenen Mutter zu ergründen. Das Auffallendste ist die Sprachlosigkeit in den beiden Familien über ihr Leben in der DDR und ihre Vergangenheitsbewältigung. Darunter hat Jan in der Gegenwart zu leiden, der mit geheimnisvollen Identitätsproblemen konfrontiert wird. Ein guter Ausblick wird auf die Entwicklung der DDR nach der Wende gegeben und wie diese so manchem Bürger den Boden unter den Füßen wegriss.



  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.07.2021

Dorfleben zu Zeiten von Corona

Über Menschen
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Noch während andauernder Corona-Pandemie einen Corona-Roman wie den vorliegenden zu lesen, hat etwas, denn in ihm werden alle nur denkbaren Meinungen über das Thema abgehandelt und der Leser wird sich ...

Noch während andauernder Corona-Pandemie einen Corona-Roman wie den vorliegenden zu lesen, hat etwas, denn in ihm werden alle nur denkbaren Meinungen über das Thema abgehandelt und der Leser wird sich schon irgendwo wiederfinden. Die Protagonistin Dora ist eine Werbetexterin aus Berlin, die Abstand von ihrem Freund, einem radikalen Klimaaktivisten und Lockdown-Verfechter, braucht und sich in einem alten Haus in einem brandenburgischen Dorf niederlässt. Seine Bewohner sind ganz dem üblichen Klischee entsprechend rechtsgerichtet und deshalb so gar nicht Doras Fall. Dennoch entsteht rasch eine enge Beziehung zu ihrem als „Dorf-Nazi“ geltenden Nachbarn und anderen Bewohnern, weil diese ihr Hilfe und ein Gefühl von Zugehörigkeit geben. Die Geschichte ist witzig und ironisch geschrieben, das Ende sehr berührend. Die Charakterisierungen der Personen sind sehr liebevoll und treffend und werden dem Buchtitel voll gerecht. Als Lehre lässt sich aus der Geschichte ziehen, dass sich Vorurteile nicht immer bewahrheiten.
Sehr empfehlenswert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2021

Muss eine Frau ein Kind haben?

Nie, nie, nie
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Die 35jährige namenlos bleibende Erzählerin will nicht Mutter werden. Ihr gesamtes soziales Umfeld sieht das anders, verhaftet in der traditionellen Vorstellung, dass nur eine Frau mit Kind der Norm entspricht. ...

Die 35jährige namenlos bleibende Erzählerin will nicht Mutter werden. Ihr gesamtes soziales Umfeld sieht das anders, verhaftet in der traditionellen Vorstellung, dass nur eine Frau mit Kind der Norm entspricht. Wenngleich ich persönlich die Beweggründe der Protagonistin nachvollziehen kann, nicht sie jedoch gutheißen, bleibt sie mir durchweg sympathisch. Denn sie reflektiert ihre Entscheidung immer wieder eingehend und schließt sogar nicht aus, sie später zu revidieren. Hingegen büßen die ihr nahestehenden Personen schon an Sympathie ein, wenn sie sich bemüßigt fühlen, auf die Erzählerin einzureden und sie umzustimmen versuchen. Sehr gefallen hat mir in der Geschichte, wie detailliert der familiäre Hintergrund der Erzählerin behandelt wird, vor allem die Rolle der Großeltern, von denen die eine Seite eigentlich Kinder ablehnte und nur welche bekam, um der gesellschaftlichen Erwartung ihrer Zeit gerecht zu werden, und die andere Seite jahrelang auf das sehnlichst erwartete Wunschkind warten musste.
Ein lesenswertes Buch, das zur Diskussion anregt und gleichermaßen von Frauen und Männern mit oder ohne Kinderwunsch gelesen werden kann.

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.07.2021

Tragische Familienverhältnisse

In diesen Sommern
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Vom Buchtitel und dem idyllisch wirkenden Buchcover sollte man sich nicht täuschen lassen. Es handelt sich nicht um eine leichte Urlaubslektüre, sondern um die in der Rückschau erfolgende Aufarbeitung ...

Vom Buchtitel und dem idyllisch wirkenden Buchcover sollte man sich nicht täuschen lassen. Es handelt sich nicht um eine leichte Urlaubslektüre, sondern um die in der Rückschau erfolgende Aufarbeitung ihrer schwierigen Familienverhältnisse während ihrer Kindheit und Jugend durch die Ich-Erzählerin Teresa. Völlig unaufgeregt und sachlich erzählt sie fragmentarische Erinnerungen aus ihrem Familienleben, im knappen Stil eines Kindes. Schon früh erkennt der Leser durch kurze Andeutungen, dass es keine Bilderbuchfamilie ist, sondern der Vater Alkoholiker ist und zu Gewalttätigkeiten seinen beiden Kindern gegenüber neigt, während die Mutter lange zögert, ihn zu verlassen. Teresa wird immer resistenter ihrem Vater gegenüber. Eine Abrechnung mit ihm erfolgt jedoch nicht. Im Gegenteil, Teresa widmet sich auch vielen schönen Momenten mit ihrem Vater. Wie es nicht anders sein kann aus der Sicht eines Kindes, erhalten wir keinen Überblick aufs Ganze und bleiben die Ursachen für die Probleme des Vaters ungenannt.
Sehr zu empfehlende Lektüre.

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Veröffentlicht am 11.07.2021

Entscheidung für Freiheit oder Heimat?

Dreieinhalb Stunden
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Zu diesem Buch gibt es bereits den gleichnamigen Film, zu dem Autor zusammen mit Beate Fraunholz als Drehbuchautoren im Auftrag der ARD das Drehbuch anlässlich des 60. Jahrestags der Errichtung der Mauer ...


Zu diesem Buch gibt es bereits den gleichnamigen Film, zu dem Autor zusammen mit Beate Fraunholz als Drehbuchautoren im Auftrag der ARD das Drehbuch anlässlich des 60. Jahrestags der Errichtung der Mauer geschrieben hat. Er verarbeitet in ihm auch seine eigene Geschichte, denn seine Großeltern befanden sich am 13. August 1961 im Zug auf der Fahrt von Bremen nach Dresden und standen genau wie die Protagonisten dieses Buches vor der Entscheidung, in die dann vermutlich für immer geschlossene Heimat zurückzukehren oder vor der Grenze auszusteigen und ein neues Leben in Freiheit im Westen zu beginnen. In diesem Roman beleuchtet der Autor die Schicksale verschiedener Personen mit je eigenem persönlichem Hintergrund. Wir erleben mit, in welchem Zwiespalt sie sich befinden und fiebern mit ihnen mit. Nicht nur begleiten wir sie auf der noch dreieinhalb Stunden währenden Fahrt im Interzonenzug bis zum Grenzübergang zur DDR, sondern erhalten Einblicke in ihre Vergangenheit und ihre Träume. Alles bleibt spannend bis zum Schluss, denn bei jedem einzelnen fragen auch wir uns, wie wird er sich entscheiden?

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