Profilbild von uli123

uli123

Lesejury Star
offline

uli123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit uli123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2020

Familiengeschichte aus den 1950er Jahren

Und die Welt war jung
0

Wer Familiengeschichten mit historischem Bezug, hier insbesondere zu den 1950er Jahren mag, wird durch dieses Buch gut unterhalten.
Wir erhalten Einblick in das Leben dreier miteinander verwobener Familien ...

Wer Familiengeschichten mit historischem Bezug, hier insbesondere zu den 1950er Jahren mag, wird durch dieses Buch gut unterhalten.
Wir erhalten Einblick in das Leben dreier miteinander verwobener Familien an den Schauplätzen Köln, Hamburg und San Remo in den Jahren 1950 bis 1958. Für alle ist es eine Zeit des Aufbruchs und Neuanfangs nach den Entbehrungen des noch nicht lange zurückliegenden Zweiten Weltkriegs. Auf dessen Folgen (z.B. Verfolgung der Juden, Kriegsgefangenschaft) wird in der Geschichte immer mal wieder eingegangen, so dass sie für mich von interessanter historischer Bedeutung ist. Zugleich werden viele Besonderheiten aus dem Leben des Nachkriegsjahrzehnts geschildert und manches Detail kommt mir, die in dem nachfolgenden Jahrzehnt geboren ist, bekannt vor (z.B. Gartenstühle mit bunten Kunststoffbändern, Karl May-Bücher). Was mich auf Dauer etwas gelangweilt hat, war, dass das Buch im Wesentlichen aus Dialogen zusammengesetzt ist und diese auf mich häufig gekünstelt und nicht sehr realitätsgerecht wirken. Welche Kinder werden sich etwa mit ihren Eltern anstatt mit dem Partner über Verhütung und Familienplanung sowie die Partnersuche unterhalten? Überhaupt wurden für meine Begriffe Liebesbeziehungen zu rasch geknüpft und von den Beteiligten unbesehen für gut befunden. Wegen dieser Kritikpunkte und des für mich unverständlichen Endes eine dreieinhalb Sterne-Bewertung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.09.2020

Heftig

Alle Hunde sterben
0

Man müsste schon sehr abgeklärt sein, wenn dieses Buch bei einem keine Spuren der Betroffenheit hinterlassen soll. Mich hat es geschockt und sprachlos zurückgelassen und im Nachhinein wünschte ich mir, ...

Man müsste schon sehr abgeklärt sein, wenn dieses Buch bei einem keine Spuren der Betroffenheit hinterlassen soll. Mich hat es geschockt und sprachlos zurückgelassen und im Nachhinein wünschte ich mir, es besser nicht gelesen zu haben. Folter, Bespitzelung, Verrat, Terror, Erniedrigung – das sind im Wesentlichen die Themen, um die es geht, begangen zum Nachteil der neun traumatisierten Romanfiguren und ihrer Familien, die alle im Exil in einem Hochhaus im Westen (wohl der Türkei?) leben und in verschieden langen Episoden von Macht und Willkür des Militärs und der Polizei erzählen.
Für Leser, die sich für den kurdisch-türkischen Konflikt interessieren. Mir persönlich war das Buch zu brutal.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.09.2020

Mehr Sprezzatura!

Das Buch eines Sommers
0

Ein typisches Diogenes-Cover mit entsprechendem Wiedererkennungswert für den Verlag. Ein durch sein Sachbuch „Der Ernährungskompass“ bekannt gewordener Autor, der in diesem Roman seine Erfahrungen als ...

Ein typisches Diogenes-Cover mit entsprechendem Wiedererkennungswert für den Verlag. Ein durch sein Sachbuch „Der Ernährungskompass“ bekannt gewordener Autor, der in diesem Roman seine Erfahrungen als Neurowissenschaftler und Wissenschaftsjournalist zu einer lebensphilosophischen Erzählung verarbeitet.

Der Protagonist hatte den Traum, Schriftsteller wie sein Onkel zu werden. Stattdessen übernahm er verantwortlich die Firma seines Vaters, die fortan sein Leben bestimmt und ihm keine Zeit mehr für Frau und kleinem Sohn lässt. Nach dem Tod des Onkels begibt er sich zur Regelung des Nachlasses in dessen Haus und erkennt, wie er der werden kann, der er ist.

Ein Buch, dass in die heutige Zeit, in der Entschleunigung immer bedeutsamer wird, recht gut passt. Es liest sich schnell und einfach, regt zum Nachdenken an, hat einen guten Unterhaltungswert durch eingefügte Anekdoten, Märchen und Fantasiegeschichten. So richtig tiefgründig ist es jedoch nicht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.09.2020

Starker Romanbeginn, dann schwächelnd

Leben ist ein unregelmäßiges Verb
0

Dieser 975 Seiten lange Roman ist ein sehr imposantes Werk, der leider daran krankt, dass der Autor in epischer Breite erzählt, obwohl der gleiche Inhalt durchaus auch verkürzt hätte wiedergegeben werden ...

Dieser 975 Seiten lange Roman ist ein sehr imposantes Werk, der leider daran krankt, dass der Autor in epischer Breite erzählt, obwohl der gleiche Inhalt durchaus auch verkürzt hätte wiedergegeben werden können.
Angesprochen hat mich das Buch aufgrund seines ungewöhnlichen Buchtitels, der ja so gar nicht stimmt, weil „leben“ tatsächlich ein regelmäßig konjugiertes Verb ist, und aufgrund der im Klappentext wiedergegebenen Thematik, die in der Realität ja durchaus einmal vorkommt. Vier Kinder, unsere Protagonisten, wachsen in einer Landkommune in Niedersachsen mit ihren ihnen nicht so recht zuzuordnenden Eltern auf, bis sie 1980 durch Behörden „befreit“ und in den Gewahrsam von Verwandten und Pflegeeltern überführt werden. Das Tragische ist, dass alle Welt meint, sie seien unglücklich gewesen, obwohl die Kinder selbst das so überhaupt nicht empfunden haben. Ihr Fall verursacht in der Öffentlichkeit einen großen Wirbel. Der weitere Lebensgang der Kinder bis zum Alter von etwa 50 Jahren wird abwechselnd erzählt. Allen gemeinsam ist, dass es ihnen nicht gelingt, etwas aus sich zu machen und sie im Leben scheitern.
Die Geschichte hatte in ihrem ersten Drittel einen sehr starken Beginn, fing dann aber an zu schwächeln. In die Schilderung der jeweiligen Lebenssituationen packt der Autor einfach zu viel, auch an Unrealistischem, hinein und führt zu viele weitere Romanfiguren mit eigenem meist negativ behafteten Lebenshintergrund ein, denen die Kinder begegnen, von denen ich mich als Leser aber frage, ob das überhaupt die Handlung voranbringt. Der Buchumfang sollte aber keineswegs vom Lesen abschrecken; das Buch liest sich nicht unbedingt schwer und zeichnet sich in formaler Hinsicht durch manche Abwechslung versprechende Besonderheit aus (Perspektivwechsel, Tagebuch, Interview, Buch im Buch). Versöhnlich stimmten mich erst wieder die letzten zweihundert Seiten mit der dann eingeführten Figur der Tochter eines der Kommunenkinder, die basierend auf ihrem Wunsch, Schriftstellerin zu werden, wirklich erfrischend von ihrer Kindheit und ihren ersten Schreibversuchen erzählt. Das führt dann schlussendlich zu einer dreieinhalb Sterne-Bewertung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2020

Skurril

Regenbeins Farben
0

Drei Witwen und ein Witwer treffen sich regelmäßig zufällig auf einem Friedhof in der Einflugschneise eines Flughafens bei der Pflege der Gräber ihrer verstorbenen Ehepartner. Alle sind miteinander über ...

Drei Witwen und ein Witwer treffen sich regelmäßig zufällig auf einem Friedhof in der Einflugschneise eines Flughafens bei der Pflege der Gräber ihrer verstorbenen Ehepartner. Alle sind miteinander über die Kunst verbunden – eine war mit einem Kunstsammler verheiratet, eine ist emeritierte Kunstprofessorin, eine ist bescheidene Malerin, der Herr ist bekannter Galerist und wird zum Objekt der Begierde der konkurrierenden Frauen.
Wir erfahren sehr interessante Lebensläufe mit deutsch-deutschem Hintergrund. Der Schreibstil ist sehr kunstvoll und bildhaft, wirkt auf mich fast bunt. Allerdings kann ich nicht finden, dass die Situationen herrlich komisch sind, wie es in der Buchbeschreibung heißt. Irgendwann artete die Geschichte für mich ins Verrückte aus. Das Ende mit der chaotischen Vernissage hat mir nicht gefallen. Nur schwer verstehen konnte ich das wichtige letzte Bild der Malerin, die mit Poseidon und den Nereiden Figuren aus der griechischen Mythologie auf die Leinwand bringt.
Der Leser sollte für dieses Buch ein wenig Kunstinteresse mitbringen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere