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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.04.2020

Geschichten über Kleinstadtbewohner

Alles ist möglich
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Dieser Roman enthält eine lose Aneinanderreihung von Kapiteln mit jeweils einem Bewohner einer Kleinstadt im Mittleren Westen der USA im Vordergrund. Zwischen den aufeinanderfolgenden Romanfiguren bestehen ...

Dieser Roman enthält eine lose Aneinanderreihung von Kapiteln mit jeweils einem Bewohner einer Kleinstadt im Mittleren Westen der USA im Vordergrund. Zwischen den aufeinanderfolgenden Romanfiguren bestehen mehr oder weniger lose Verbindungen. Recht beschaulich erzählt die Autorin von wahren Lebensdramen, die sich im Leben der Personen abspielen. Alle hadern irgendwie mit ihrem Schicksal: z.B. der Schulhausmeister, der seine Farm durch einen Brand verloren hat; die Schriftstellerin mit Panikattacken; die Tochter, der nicht recht ist, dass sich ihre Mutter im Alter in einen zwanzig Jahre jüngeren ItDaliener verliebt hat. Es werden vielfältige Themen angesprochen. Vieles ist sehr traurig und in melancholischem Tonfall geschrieben. Leider sind mir die Romanfiguren zu distanziert geblieben und fehlte mir der rote Faden.
Für Leser von Familiengeschichten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2020

Anspruchsvolle, unterhaltsame Lektüre

Ein treuer Freund
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Der norwegische Lehrer Jakop ist von Kindheit an ein einsamer Mensch. Sein einziger Freund ist Pelle, mit dem er lange Gespräche führt, mit dem es allerdings eine besondere Bewandtnis hat, die sich für ...

Der norwegische Lehrer Jakop ist von Kindheit an ein einsamer Mensch. Sein einziger Freund ist Pelle, mit dem er lange Gespräche führt, mit dem es allerdings eine besondere Bewandtnis hat, die sich für den Leser erst mitten in der Geschichte herauskristallisiert. Zwei Hobbies hat Jakop – die Etymologie der nordischen Sprachen und den Besuch der Beerdigungen ihm fremder Verstorbener. Ersteres führt zu ausschweifenden, aber durchaus interessanten etymologischen Darstellungen, die besonders Sprachwissenschaftler ansprechen dürften. Der Hintergrund hat natürlich eine Bedeutung. Die Sprachfamilien sind für den ohne Familie aufgewachsenen Jakob eine Ersatzfamilie. Sein zweites Hobby gibt Jakob ebenso ein Gefühl familiären Zusammenhalts. Bei einem Begräbnis lernt er Agnes kennen und verliebt sich in sie. Sie durchschaut Jakop, woraufhin er ihr in einem ausführlichen Brief – der zu eben dieser Geschichte wird – sein Tun zu erklären versucht.
Wichtige Themen wie Einsamkeit, Außenseitertum, Führen mehrerer Persönlichkeiten werden in diesem Roman sehr anspruchsvoll und zugleich unterhaltsam behandelt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2020

Historisch interessant, aber eine kompaktere Darstellung wäre gefälliger

Die Schule am Meer
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Die Autorin behandelt in diesem doch immerhin 568 Seiten langen Roman ein historisch interessantes schulpolitisches Thema, nämlich die in den 1920er Jahren tatsächlich neu gegründete und zum Abitur führende ...

Die Autorin behandelt in diesem doch immerhin 568 Seiten langen Roman ein historisch interessantes schulpolitisches Thema, nämlich die in den 1920er Jahren tatsächlich neu gegründete und zum Abitur führende Internatsschule auf Juist. Diese vertrat reformpädagogische Ziele mit Koedukation, Gleichberechtigung zwischen Schülern und Lehrern sowie der Schüler untereinander, Lernen im Einklang mit der Natur, Musikerziehung als wichtiges Fach. Es wundert somit nicht, dass sie auf beträchtliche Vorbehalte bei den Einheimischen und natürlich der zunehmend an Bedeutung gewinnenden nationalsozialistischen Gemeinde stieß und als Juden- bzw. Kommunistenschule verschrien war. Erzählt wird aus der Perspektive einiger weniger beteiligter Lehrer, Schüler, Mitarbeiter, Insulaner, wodurch Abwechslung beim Lesen einkehrt. Es gibt große Zeitsprünge, da zwischen den einzelnen Erzählsträngen in der Regel mehr als ein Jahr liegt. Mir persönlich ist die Darstellung des besonderen Schulkonzepts zu kurz gekommen und es wird mit epischer Breite auf am Rande liegende Ereignisse eingegangen. Der historische Hintergrund mit dem erwachenden Nationalsozialismus ist sehr interessant, ebenso die vielfältigen Schwierigkeiten finanzieller und persönlicher Art der Schulgründer, die den einen oder anderen an dem Reformkonzept verzweifeln lässt.
Unterhaltsam, eher dreieinhalb als vier Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2020

Schöner Generationenroman

Die Glasschwestern
1

Sehr verschieden sind die 39jährigen Zwillingsschwestern Dunja und Saphie, die als Kinder in ihrem Heimatdorf im ehemals innerdeutschen Grenzgebiet „Glasschwestern“ (daher der Buchtitel) genannt wurden, ...

Sehr verschieden sind die 39jährigen Zwillingsschwestern Dunja und Saphie, die als Kinder in ihrem Heimatdorf im ehemals innerdeutschen Grenzgebiet „Glasschwestern“ (daher der Buchtitel) genannt wurden, weil sie den handgemachten, geblasenen Glasschmuck ihres Vaters trugen. Eine merkwürdige Parallele gibt es aber in ihrem Leben: Ihre beiden Männer/Lebensgefährten sterben am selben Tag. Daraufhin zieht Dunja aus der Großstadt zurück in das kleine Dorf ihrer Kindheit, wo Saphie ein Hotel führt. Sehr seltsam ist es dann, dass Dunja mehr und mehr wie Saphie wird (von der in engen sozialen Verhältnissen lebenden, zum Grübeln neigenden Frau zur erfolgreichen Hotelmanagerin) und umgekehrt (die früher eher vorausschauende Saphie arbeitet ihre Ehe mit einem Säufer auf, der ihre eigene Liebe zu ihm nicht so recht erwidern wollte). Daneben spielen familiäre Probleme mit ihrer jüngeren Schwester und Dunjas zwei Kindern eine wichtige Rolle. Auch die deutsch-deutsche Geschichte wird – wenn auch nur am Rande – anhand eines Fluchttunnels thematisiert, in dessen Bau der Vater auf seltsame Weise involviert war.
Das Buch liest sich gut und flüssig. Der Schreibstil ist sehr besonders. Sehr gefallen haben mir die Kapitelüberschriften, die jeweils kleine Lebensweisheiten wiedergeben (z.B. „Alte Liebe rostet, wenn sie neue kostet“), sowie die ungewöhnlichen, wenngleich gewöhnungsbedürftigen Vornamen der Romanfiguren, die einem altdeutschen Kalender entlehnt sind. Es ist besonders Fans von Familiengeschichten zu empfehlen. Die Darstellung des unbedingten Familienzusammenhaltes ist sehr schön. Als Leser fühlt man sich bildlich in die kleine Welt der Schwestern im Hotel hineinversetzt.

  • Cover
  • Charaktere
  • Geschichte
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 14.03.2020

Kurzroman über einen berühmten französischen Justizfall

Die Frau, die liebte
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Ich mag solche kurzen Romane wie den vorliegenden, in dem die Autorin unter Verzicht auf überflüssige Längen alles Notwendige erzählt. Zwar war ich nach dem Klappentext nicht darauf gefasst, es mit einer ...

Ich mag solche kurzen Romane wie den vorliegenden, in dem die Autorin unter Verzicht auf überflüssige Längen alles Notwendige erzählt. Zwar war ich nach dem Klappentext nicht darauf gefasst, es mit einer zu Ende des 16. Jahrhunderts angesiedelten Geschichte zu tun zu haben. Das spielte dann aber auch schnell keine Rolle mehr. Sehr interessant ist dieses Buch für Juristen, aber nicht nur.
Sohn und Tochter reicher Bauern werden schon im Kindesalter miteinander verheiratet. Mit Anfang 20 verlässt der Ehemann Martin aus Angst vor seinem autoritären Vater Hof und Familie. Nach acht Jahren kehrt ein ihm ähnlich sehender Mann zurück, sich als eben dieser ausgebend. Die Ehefrau Bertrande erinnert sich nicht so recht an das Aussehen ihres Mannes, sieht genau wie ihr Umfeld aber diesen in dem Erschienenen und setzt mit ihm das Eheleben fort. Dann aber beginnt sie an der Identität des Mannes mit ihrem Gemahl zu zweifeln und setzt einen Gerichtsprozess in Gang.
Das Faszinierende an der Geschichte ist zu erfahren, ob der Mann wirklich ein Betrüger ist oder ob Bertrande wahnhaft ist. Auch der moralische Aspekt ist interessant – soll Bertrande sich wissentlich weiter von dem Mann täuschen lassen, weil das für sie selbst und viele andere aus dem familiären und beruflichen Umfeld von Vorteil wäre, oder soll sie strikt die Wahrheit ans Licht bringen mit der Folge, dass so Vieles in ihrem Leben zerstört werden würde? Auf jeden Fall stimmt sie ein zum Nachdenken darüber, was man selbst in dieser Lage tun würde.

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  • Erzählstil
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