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Veröffentlicht am 22.01.2026

Spannender Thriller mit herausragenden Sprechern

Himmelerdenblau
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Ein über 13 Stunden langes Hörvergnügen mit hervorragenden Sprechern und Sprecherinnen: Romy Hausmann, Felix von Manteuffel, Anna Maria Mühe, Uve Teschner, Florian Gregorzyk und Leslie Malton.

Julie ...

Ein über 13 Stunden langes Hörvergnügen mit hervorragenden Sprechern und Sprecherinnen: Romy Hausmann, Felix von Manteuffel, Anna Maria Mühe, Uve Teschner, Florian Gregorzyk und Leslie Malton.

Julie ist vor 20 Jahren verschwunden; ein ungeklärter Fall. Es gab einen mysteriösen Brief mit einer Lösegeldforderung, doch die Spur verlief im Sand. Inzwischen ist ihr Vater alt und dement.
Ein Podcastduo das über ungeklärte Fälle berichtet -True crimes - rollt diesen Fall noch einmal auf.
Podcasterin Liv und Freund und Kollege Phil berichten engagiert im Podcast über ihre neuesten Erkenntnisse. Liv wird sich später mit Theo zusammentun, um mehr über das Verschwinden von Julie zu erfahren. Da gibt es noch die jüngere Schwester Sophie, die verstorbene Mutter Vera, der Freund von der damals 16 jährigen Julie, Daniel.
Theo will Julie in ein lebendiges vollständiges Licht durch den Podcast bringen.

Theo, in einer gänzlich anderen Geschwindigkeit als die Welt außerhalb von ihm und rückwärts gerichtet in seinen Gedanken und Erinnerungen, die zäh sind und sich mal hierhin mal dorthin winden, geben einen starken Kontrast ab zu dem gegenwartsbezogenen frischen Podcast, der mit aktiver nach außen gerichtete Energie Sensationen vermitteln will.

Nach und nach anhand der spärlichen Erinnerungen von Theo und den Schlussfolgerungen von Liv fügt sich ein eventueller Ablauf der Tat zusammen.

Der Kriminalroman ist psychologisch fein konstruiert. Man ist betroffen und irritiert. Jede Person stellt ihre Wahrheit dar, doch wem und welcher Darstellung kann man trauen? Jeder Beteiligte ist vielseitig und intensiv im Charakter dargestellt und alle haben ihre Beweggründe. Jede und jeder hat unterschiedliche Ansichten über die anderen Mitspieler. Wer ist dem Leser sympathisch? Die Vorstellungen wechseln im Laufe des Lesens, nichts ist sicher. Dem Podcast kann man nicht trauen, kann man den anderen trauen? Es gibt Ungereimtheiten in dem Verhalten der Einzelnen und es tun sich nach und nach Abgründe auf, das Außen ist nur Spitze des Eisbergs. Es gibt Grenzüberschreitungen. Dies alles erzeugt hochgradige Spannung, Viele Erzählstränge und die unerwarteten Wendungen lassen den Fall immer komplexer werden.
Der Schluss ist nicht spektakulär, doch so gestaltet, dass er einen Schauder hinterlässt. Die Geschichte ist zusammengestellt nach wahren Begebenheiten, die unglaublich sind, doch die Vielschichtigkeit menschlichen Verhaltens aufzeigt.
Besonders gut hat mir die herausragende feine psychologische Spannung aufbauende Konstruktion gefallen. Die Sprecher waren Spitzenklasse. Ein sehr beeindruckendes Hörbuch!

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Veröffentlicht am 01.01.2026

Ungewöhnlicher Plot - einfühlsam erzählt!

Niemands Töchter
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Marie, die sich, noch sehr jung, auf einem Berliner Flohmarkt eine Polaroidkamera kauft, dokumentiert mit den Schnappschüssen die Wichtigkeiten ihres Lebens. So sind die Fotos noch später Anhaltspunkte ...

Marie, die sich, noch sehr jung, auf einem Berliner Flohmarkt eine Polaroidkamera kauft, dokumentiert mit den Schnappschüssen die Wichtigkeiten ihres Lebens. So sind die Fotos noch später Anhaltspunkte für ihre Tochter, die versucht, ihre Mutter zu erfassen. Denn die Tochter erkennt dunkle Flecken in der Vergangenheit ihrer Mutter Marie, die auf sie selbst Einfluss genommen haben. Über einen Psychologen will sie Klarheit finden, sich selbst verstehen. Dann gibt es noch Gabriele, die aus der Großstadt Berlin zurück in die väterliche Bäckerei in ihren Heimatort zurückkehrt und sich dort behauptet.
Die Geschichte beginnt 1981, und setzt sich fort bis zum Jahr 2022.
Gabriele und Marie werden Töchter haben, Alma und Isabell. Die Verknüpfungen dieser vier Frauen erfüllen den Roman.
Die Töchter Isabell und Alma zeigen Mut und Stärke und Durchhaltevermögen in ihrem gewählten Leben, erreichen besondere Leistungen in ihrem Beruf – doch die Frage nach der Herkunft und dem inneren Frieden ist die treibende Kraft, deren Frage sie sich stellen wollen. Das Verschweigen von Wahrheiten, das die Mütter quälte, lässt in den Töchtern eine Leere zurück. Die Verhältnisse werden durch die Lügen schwierig. Neue erfundene Geschichten können dies nicht deckeln, so dass sich die Wahrheit letztendlich ihren Weg bahnt und, natürlich, zu Konsequenzen führt.
Große Fragestellungen werden aufgeworfen: Wie geht man mit sich um, was bedeutet Heimat, was trägt man von der Mutter mit sich, welche Last ist geerbt, wie beeinflusst das den eigenen Lebensweg. Und wichtig: Welchen Sorgen sind Mütter physisch, psychisch und gesellschaftlich unterworfen und welche Entscheidungen treffen sie. Dafür sehr passend am Anfang der Songtext von Christina Perris Lied „Mothers“, eine Hommage an Mütter in schwierigen Lebenslagen. 
Der Roman hält einen ungewöhnlichen Plot bereit, der mitreißt und gute Unterhaltung auch durch dessen Kuriosität erzeugt. Eine phantasievolle Geschichte, die dorthin zurückgeht, wo sie angefangen hat. Die wechselnden Perspektiven und Zeitabschnitte sind anregend und erschließen nach und nach die Lücken – so entsteht ein spannendes Puzzle. Jeder Lebensabschnitt der Frauen ist sensibel erzählt und nachvollziehbar, ebenso die Gefühlswelten der Frauen, die sie während ihres Lebenswegs auch in enttäuschende Situationen bringen. Eine trotz aller Widrigkeiten positive Geschichte, die allen Frauen Mut machen kann, weil die weiblichen Protagonistinnen hier durch die Autorin sensibel und verständnisvoll wahrgenommen werden in ihrem Dasein. Dieser anregende Erstlingsroman von Judith Hoersch hat mich sehr gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 24.12.2025

Gute Idee – schwierig in der Umsetzung

Ruf der Leere
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Felix, 25, möchte seinem langjährigen Freund Ben eine Willkommensparty geben. Perfekt scheint hierfür die Hütte seines Vaters im Wald für Gespräche und Entspannung. Ben war längere Zeit in Australien. ...

Felix, 25, möchte seinem langjährigen Freund Ben eine Willkommensparty geben. Perfekt scheint hierfür die Hütte seines Vaters im Wald für Gespräche und Entspannung. Ben war längere Zeit in Australien.
Doch es kommt anders als gedacht, Gäste erscheinen, die nicht eingeladen waren – und dann auch noch ein alter Mann, der meint, er sei der Tod. Soweit so gut – ein spannender Anfang.
In Rückblenden werden die Mitspieler vorgestellt und deren Verknüpfungen untereinander.
Wichtige Lebensabschnitte werden beleuchtet. Nach und nach verdichten sich die Charakterdarstellungen, während die Feier in der Hütte voranschreitet. Die Spitze des Eisbergs sozusagen, denn was psychologisch darunter liegt, sind Frustrationen, enttäuschte Lieben, Rivalität und Neid. Jede der Personen ist belastet, auch dadurch, nicht offen sein zu können. Felix, die Hauptperson wird dargestellt durch ein sehr facettenreiches Bild, das eine Palette von Sympathie bis Abneigung erzeugt, denn er scheint seine eigene Vorstellung von ethischen und moralischen Grenzen zu haben. Parallel zur Innenschau zeigt der Handlungsstrang ein Ethikseminar, in dem genau diese Fragestellungen diskutiert werden.
Der Roman besticht durch die feine Erzählstruktur die gelungen auf psychologische Verdichtung setzt und moralische und ethische Fragen einwebt. Kein leichtes Unterfangen. Auf großen Strecken war ich gut unterhalten. Dennoch fand ich die Figur des Vaters nicht überzeugend, die des alten Mannes ebenso wenig, auch nicht den Professor des Ethikseminars – Randfiguren die doch entscheidend zum Erzählstrang beitragen sollen.
Das Ende des Romans lässt eine völlig neue Sichtweise auf die Vorfälle fallen und zu viele Fragen bleiben offen. Der Titel des Romans „Ruf der Leere“ hört sich erst einmal gut an, er beschreibt den plötzlichen, unkontrollierbaren Drang, eine gefährliche Handlung auszuführen, das Gehirn funktioniert in dieser Sekunde falsch, oft unter Stress. Dies ist anregend für den Schluss des Romans. Mir erschließt sich jedoch nicht, warum dieser Titel für die Gesamtgeschichte vergeben wurde.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Anregende, fantasievolle und witzige Parabel!

Alexander
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Alexander lebte in der Antike. Sein Vater war Tuchhändler und ein begabter Zeichner und Maler. Als der Krieg in ihrem Heimatort, Kaliste, ausbrach, musste der Vater an die Kriegsfront. Er ging mit seinen ...

Alexander lebte in der Antike. Sein Vater war Tuchhändler und ein begabter Zeichner und Maler. Als der Krieg in ihrem Heimatort, Kaliste, ausbrach, musste der Vater an die Kriegsfront. Er ging mit seinen Zeichen- und Malutensilien, die jedoch für einen Krieg nicht brauchbar waren und starb. So auch viele andere Einwohner von Kaliste. Niemand wollte nach dem Krieg jemals wieder von einem Tyrannen beherrscht werden. Die Einwohner bekamen 7 Tage Zeit, zu begründen, wie sie einen neue Regierung aufbauen wollen. Es wurde Alexander ausgewählt, denn „er ist einer, der unschuldig ist, einer der klug ist, aber nichts weiß. Ein Kind“ . Da Alexander der einzige war, der das Rätsel der Sphinx lösen konnte, wurde er erwählt, sich auf die Reise in die Hauptstadt zu machen, um gerechte Gesetze zu finden. So macht sich Alexander auf, Prämissen zu finden, die denen der Menschenrechte und den demokratischen Grundlagen entsprechen.

Es beginnt auch eine persönliche Heldenreise, die Alexander herausfordert und ihm Mut und Klugheit abverlangt, „Niemand kann dir raten, du musst alles allein herausfinden“, sagt der Leuchtturmwärter..„ schlimm ist es nur, das Richtige erst gar nicht zu versuchen“.
So begegnet er den unterschiedlichsten und erstaunlichsten Menschen, die ihm mit ihrem Sosein und ihren Lebenseinstellungen Botschaften vermitteln und ihn zum Überdenken anregen. Und jeder dem Alexander auf seiner Heldenreise begegnet, kann ihn weiterleiten zu einer anderen Person, die Wichtiges beizusteuern hat.

Sehr gut aufgebaut, anschaulich und phantasievoll und unterstützt mit Zeichnungen des Autors. Die Geschichte ist kindgerecht erzählt, erscheint wie ein Märchen, so aus unserer Zeit geworfen doch zeitlos. Sie lässt nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene bezaubert und nachdenklich zurück. Trotz der Handlung in der Antike – die Stadt Kaliste gab es wirklich – ist diese Geschichte erfrischend und jederzeit hochaktuell, lässt staunen und berühren und klärt auf ohne zu belehren.
Es gibt ungewöhnliche, Szenen, witzige Beschreibungen, wie den Schaumschläger.
Schön ist die ergänzende Fotografie des Autors als Kind inmitten der von seinem Vater bemalten Wand – so eine hätte ich als Kind auch gerne gehabt. denn gerade als Kind lässt man die Fantasie inspirieren und taucht ein in Welten – so wie es auch in diesem Buch gelungen passiert. Sie zeigt auch Erwachsenen auf, was oft in ihrer Wichtigkeit in Vergessenheit geraten ist auf eine begreifliche und auch heitere Art. Ein besonderes und wichtiges Buch nicht unbedingt nur für junge Leserinnen und Leser.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Zeitgebunden doch zeitlos – großartig!

Was vor uns liegt
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In den 1930ger Jahren treffen sich acht junge Frauen in einem katholischen Internat für Frauen in Rom um zu studieren. Das Grimaldi-Konvikt, ist der Ausgangspunkt, der Startpunkt zu Entscheidungen für ...

In den 1930ger Jahren treffen sich acht junge Frauen in einem katholischen Internat für Frauen in Rom um zu studieren. Das Grimaldi-Konvikt, ist der Ausgangspunkt, der Startpunkt zu Entscheidungen für das spätere Leben der Protagonistinnen. Die Kameradschaft ist zwar notgedrungen, doch die jungen Frauen sind sich sympathisch. Sie setzen sich trotz Verdunkelung aus Stromsparmaßnahmen jeden Abend bei Kerzenschein zusammen, lernen und tauschen sich aus. Alle sind in dem Alter auszubrechen – von der Moral und von den Eltern: mit Lebenshunger, Verliebtheiten, Sehnsüchten und Vorstellungen - und auch von den Regeln des Konvikts ( um 22.00 Uhr schließt das Tor). Sie nannten das Konvikt liebevoll „Nonnenkäfig“ Und die Nonnen wollten ihren Ruf wahren – niemand sollte weglaufen alles sollte normal und anständig sein und bleiben. Doch was liegt vor ihnen – sie wissen es nicht. Das Frau-Werden, Frau-Sein und sich finden ist schwierig.
Und jede der Frauen, Emanuela, Vinca, Augusta, Silvia Milly, Xenia, Valentina und Anna birgt oder hat auch Geheimnisse, die sie nicht äußert und jede hat Beweggründe, warum es sie in das Konvikt verschlagen hat. Allen ist deutlich, dass diese Kameradschaft durch das Leben im Konvikt besteht, doch, sowie eine geht, diese nicht wiederkehrt. „Niemand kehrt zurück“ (direkte Übersetzung des italienischen Originaltitels), nachdem eigene Lebensentscheidungen gefallen sind.

Der Roman beginnt 1934 in Italien. Das faschistische Regime betonte, Frauen seien für Schönheit, Freude und Gehorsam gegenüber dem Ehemann bestimmt. Auch hatten Frauen wenig Zugang zu höherer Bildung – Frauen sollten aus dem Erwerbsleben in die Mutterrolle schlüpfen, die Quote der weiblich Studierenden sank.
Wir sind froh, dass es diese staatlichen Restriktionen in einer Demokratie nicht mehr gibt, doch ist der Roman zeitlos im Hinblick auf die Sehnsüchte und gewählten Entscheidungen der jungen Frauen, die so offen dargestellt sind und in denen ihre Zweifel und Gedanken eingeflochten werden, dass es bewegt und zum Überdenken anregt. Wie können Sehnsüchte mit den finanziellen Möglichkeiten, den eigenen Fähigkeiten, den gesellschaftlichen Erwartungen, den staatlichen Begrenzungen übereinstimmen und welche Lebenswege resultieren daraus?
Dieser Roman zeigt unterschiedliche Facetten und Entscheidungen von eben diesen Empfindungen und Gedankengängen, sensibel und einfühlsam werden die einzelnen Charaktere geschildert. Die eingeflochtenen Rückblenden über Herkunft und Beweggründe der Mitspielerinnen finde ich sehr gelungen und zeigt als Ergänzung ein abgerundetes Bild der damaligen Situation als Frau. Eine spannende Erzählstruktur!
Der Kontrast zwischen den Empfindungen der Frauen und der sie umgebenden Männer dominierten Realität lässt einen mitfiebern und nachdenklich werden, so dass der Roman lange nachhallt.
Für mich große Literatur – mein Buch des Jahres!

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