Raffiniert in Szene gesetzte Heldinnenreise
Grüne WelleNach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin verfährt sich eine Frau auf dem Rückweg nach Hause. Überraschenderweise sind die Ampeln, sowie sie sie erreicht, auf Grün umgeschaltet, sodass sie weiterfährt. ...
Nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin verfährt sich eine Frau auf dem Rückweg nach Hause. Überraschenderweise sind die Ampeln, sowie sie sie erreicht, auf Grün umgeschaltet, sodass sie weiterfährt. Während ihrer Fahrt fängt sie an zu reflektieren über ihre Situation. und über Erinnerungen, wie sie geworden ist. Wir lernen die Frau in ihren unterschiedlichen Facetten und Emotionen kennen. Ihr Inneres, Gegenwärtiges und Vergangenes und ihr handeln.
Sie ist, jetzt in den 40gern, bildende Künstlerin und mit einem Anwalt, den sie auf einer Vernissage kennenlernte, verheiratet. Nach und nach freundet sie sich damit an, immer weiter von zu Hause wegzufahren, die Ampeln sind ihr gewogen.
Handy geht nicht, das einzige sind ihre Gedanken und später, nachdem sie ein Reh überfährt und mitnimmt, nimmt sie auch zwei junge Frauen mit. Sie denkt auch an ihre Freundin.
Die Freundschaft zur Freundin hatte, obwohl vormals grenzenlos, plötzlich eine Begrenzung. Sie fragt sich auch: „wo endet die Situation, wo wird sie zu einem Zustand, der nach einem Ausweg verlangt.
Die Geschichte findet überwiegend, wie in einem Kammerspiel, im Auto statt.
Keine Person, weder die Freundin, die beiden Frauen noch der Mann haben Namen.
Da die Geschichte in der dritten Person geschrieben ist, bekommt man einen distanzierten Zugang und möchte gern mehr beobachten und hören, was weiter passiert. Die Geschichte im Realen lässt Ungewöhnliches zu. Man hätte vielleicht nicht selbst so gehandelt, aber lernt die Vorgehensweise individuell der Frau verstehen ohne sich zu identifizieren.
Die klugen Reflexionen und Erinnerungen, die Gestalt annehmen, regen die Vorstellung einer Bedeutung an. Es steckt mehr dahinter, hinter dem was die Frau erlebt. Alles in der Geschichte scheint auf besondere Art wichtig zu sein, so wie auch die Musik, die gehört wird. Die Frau merkt einmal an, als sie über ihre Kunst erzählt:. „Die Eingebung komme aus dem Inneren, gleichzeitig komme sie von außen. Innen und außen träfen sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort, und auf einmal sei alles klar“ und „die Frauen im Golf sahen wie eine sinnvolle Konstellation aus“.
Die innere Auseinandersetzung kombiniert mit der äußeren erzeugt die Spannung und treibt die Geschichte voran. Man fährt mit der Frau mit, die sich später als eine andere wiedererkennt. Die Schreibweise ist sofort zugänglich. Die Heldinnenreise ist raffiniert in Szene gesetzt von der Autorin. Die vertraute Welt wird verlassen und es warten Abenteuer auf die Frau. Auch der Schluss hat mir sehr gut gefallen, denn die Frau kann jetzt an den Ausgangspunkt zurück.
Ein literarisches Schätzchen, tiefgründig und inspirierend!