Roman – Der große Überraschungserfolg aus Spanien | »Klug und urkomisch, auch - oder gerade - weil man sich selbst darin wiedererkennt.« ELENA MEDEL
Christiane Quandt (Übersetzer)
Marisa ist mit den Nerven am Ende. Ihr Bullshit-Job in einer Madrider Werbeagentur, in dem sie nur durch Zufall gelandet ist, langweilt sie zu Tode, und das tägliche Hamsterrad des Angestelltendaseins erträgt sie nur noch, indem sie ihre Sinne mit einer Mischung aus bizarren YouTube- Videos und Beruhigungsmitteln betäubt. Als ein Teambuilding-Wochenende ansteht, gerät Marisas Angststörung völlig außer Kontrolle. Allmählich zeigen sich Risse in ihrer sorgsam aufrechterhaltenen Fassade - und die Idee, auf den Firmenausflug diverse Drogen mitzunehmen, trägt vielleicht nicht unbedingt dazu bei, ihr Leben wieder in geordnetere Bahnen zu lenken ...
Vielleicht ist das Buch so negativ bewertet worden oftmals, weil sich LeserInnen nicht wirklich in Marisa, die Hauptfigur, hineinversetzen können, wofür ich niemandem einen Vorwurf mache. Sie ist eine ...
Vielleicht ist das Buch so negativ bewertet worden oftmals, weil sich LeserInnen nicht wirklich in Marisa, die Hauptfigur, hineinversetzen können, wofür ich niemandem einen Vorwurf mache. Sie ist eine überzeugte Pessimistin und gerade das hat mich angesprochen, eigentlich permanent unzufrieden mit ihrem Leben und dennoch hat sie einen echt sarkastischen Humor, eine besondere Art, wie sie die Welt sieht und ich fand es sehr unterhaltsam, musste oft schmunzeln beim Lesen.
Mehr zum Buch auf meinem youtube-Kanal "Esses literarischer Salon"
Marisa geht es von außen betrachtet gut. Sie arbeitet in einer Madrider Marketing Werbeagentur, verdient so gut, dass sie sich ein kleines Appartement mit Dachterrasse und Einkäufe in der Delikatessenabteilung ...
Marisa geht es von außen betrachtet gut. Sie arbeitet in einer Madrider Marketing Werbeagentur, verdient so gut, dass sie sich ein kleines Appartement mit Dachterrasse und Einkäufe in der Delikatessenabteilung leisten kann. Allerdings langweilt sie ihr Job zu Tode. Sinnlose Meetings und Gespräche mit ihren Kolleginnen erträgt sie nur mit Hilfe von Beruhigungsmitteln und dem Schauen von sinnbefreiten YouTube-Videos.
Dies alles wird noch getoppt durch das Teambuilding Event für Führungskräfte, an dem sie nicht nur teilnehmen, sondern auch einen Beitrag vorbereiten muss. Ob es eine gute Idee von ihr ist, verschiedene Drogen mit zu der Veranstaltung zu nehmen, um ihre Angstzustände zu bekämpfen, wird sich noch herausstellen.
Beatriz Serrano gelingt es in diesem Buch ihre Leserinnen gleichzeitig zum Lachen zu bringen und parallel dazu, dass ihnen dieses Lachen im Halse stecken bleibt. Auf der einen Seite beschreibt sie die ewig gleichen Tagesabläufe, unnötige Meetings und unwichtige Absprachen und den Kampf um die Pole Position auf der Aufmerksamkeitsskala der Chefetage so witzig und bissig, dass man sich kugeln könnte, um auf der anderen Seite die tiefe Traurigkeit und Verzweiflung der jungen Frau zu spüren. Gefangen in einem sinnlosen Job, in dem nur der schöne Schein zählt, ist Marisa zu schwach, um etwas daran zu ändern. Sie ist ausgebrannt vor lauter Langeweile, etwas das es in vielen Jobs gibt. Sie erledigt langweilige Aufgaben und hat nichts, mit dem sie wirklich etwas erreichen kann, ein Phänomen unserer Zeit.
Großartig übersetzt von Christiane Quandt und erschienen beim Eichborn Verlag empfehle ich dieses Buch sehr gerne nicht nur denjenigen von euch, die im Marketing arbeiten, wo es durchaus mehr zu tun gibt als solche vor Langeweile strotzenden Arbeiten wie im Buch beschrieben.
Ich habe in letzter Zeit so einige Bücher abgebrochen und zur Seite gelegt, in denen der alltägliche Drogenkonsum zu sehr normalisiert und zu wenig eingeordnet wurde und hätte dementsprechend niemals zu ...
Ich habe in letzter Zeit so einige Bücher abgebrochen und zur Seite gelegt, in denen der alltägliche Drogenkonsum zu sehr normalisiert und zu wenig eingeordnet wurde und hätte dementsprechend niemals zu diesem Buch gegriffen, das bereits im Klappentext von einem drogenvernebelten Arbeitsausflug erzählt. Wären da nicht die vielen begeisterten Stimmen gewesen, die mich über meinen Tellerrand hinausschauen lassen haben. Und es hat sich gelohnt!
Beatriz Serrano erzählt von der 30jährigen Marisa, die sich durch ihren Joballtag in einer Madrider Werbeagentur quält. Schon morgens wacht sie mit Angststörungen auf, den Tag übersteht sie kaum ohne Antidepressiva und Youtube-Videos zum Ablenken. Und trotzdem funktioniert sie- zumindest bis zum groß angekündigten Teambuilding-Wochenende.
Einige Rezensionen kritisieren die Unglaubwürdigkeit dieses Szenarios, die Verherrlichung einer konsequenzlosen, faulen Hauptfigur und die Untragbarkeit von Marisas gesteigertem Tablettenverzehr.
Ich muss sagen, zum Glück arbeite ich nicht in einem so krassen Hamsterrad wie einer Werbeagentur, wo sich jeder der nächste ist und alle versuchen Illusionen an den Menschen zu bringen. Der Autorin ist das Szenario jedoch auf sehr eindrückliche Weise geglückt und ich kann nachvollziehen, was Marisa in ihre aktuelle Lage gebracht hat.
Insgesamt ist mit Marisa eine sehr starke, wenn auch polarisierende Hauptfigur gelungen, deren Emotionen und Entscheidungen ich jederzeit verstehen (wenn auch nicht immer moralisch unterstützen) konnte. Mal abgesehen davon, dass ich sie unheimlich kreativ und in Stresssituationen funktionierend empfand, kann ich auch nachvollziehen wie ihre Umgebung sie zu dem Menschen geformt hat, den man in diesem Buch erleben darf.
Insgesamt war das Buch für mich ein riesiges Plus (mit kleinen roten Flaggen), weil es sich auf beeindruckende Weise mit einem sehr kritischen Thema auseinandersetzt.
Marisa betrachtet ihre kreative Tätigkeit in einer Madrider Werbeagentur als stumpfsinnig, sie findet fast alles und alle lächerlich: die Meetings, die vermeintlichen Krisen, ihren Chef, ihre Kollegen, ...
Marisa betrachtet ihre kreative Tätigkeit in einer Madrider Werbeagentur als stumpfsinnig, sie findet fast alles und alle lächerlich: die Meetings, die vermeintlichen Krisen, ihren Chef, ihre Kollegen, ihre Kolleginnen etc.
Sie zieht immer eine Show ab: tut so, als würde sie arbeiten, während sie sich in Wirklichkeit ewig lange YouTube Videos reinzieht, überträgt ihre Aufgaben geschickt an andere und gibt nichtssagende zufriedenstellende Antworten, um ihre Ruhe zu haben. Man erfährt aber auch Interessantes sowie Bewegendes über ihr Liebesleben, die Beziehung zu ihren Eltern sowie ihre Freundschaften.
Marisas nimmt ständig Beruhigungstabletten, trinkt viel Wein (zu sündhaft teuren Delikatessen) und ist ständig auf der Suche nach weiteren Ablenkungen, nach Motivation, nach Sinn, nach Gleichgesinnten, nach etwas, das die Leere füllt ...
Als ein Teambuilding-Wochenende ansteht, schlägt ihre “Lebensuntauglichkeit” voll zu: sie besorgt sich Drogen, um diesen skurrilen Horror (alberne Aktivitäten, pseudo inspirierende Vorträge) zu überleben und dann hat sie noch eine ganz dumme Idee - und letztendlich Glück im Unglück oder so ähnlich ...
OMG, was für ein grandioses Buch!!! Die Autorin erkennt all die kleinen wie großen Kuriositäten des Arbeitslebens, der Medienlandschaft sowie vorherrschende gesellschaftliche Gegebenheiten als überkonstruiert, überbewertet und/oder absurd (z. B. frischgebackene Eltern voller Stolz, wichtigtuerische Idioten in Anzügen, die den Ton angeben etc.). Marisas Erfahrungen, Ansichten sowie Erkenntnisse werden messerscharf, geistreich, selbstironisch selbstkritisch, sarkastisch, unterhaltsam und meiner Meinung nach ziemlich zutreffend beschrieben. Ja, manches wirkt evtl. ein bisschen überzogen, das dient jedoch der Verdeutlichung und ist zum Brüllen komisch, manchmal auch tragisch komisch oder gar melancholisch, bis hin zum bittersüßen Ende!
Marisa hasst ihren Job von Herzen. Erdrückt von der gefühlten Sinnlosigkeit ihrer Arbeit in einer Madrider Werbeagentur flüchtet sie sich in Beruhigungsmittel, YouTube-Videos und gelegentliche ...
Worum geht’s?
Marisa hasst ihren Job von Herzen. Erdrückt von der gefühlten Sinnlosigkeit ihrer Arbeit in einer Madrider Werbeagentur flüchtet sie sich in Beruhigungsmittel, YouTube-Videos und gelegentliche nächtliche Eskapaden mit ihrem Nachbarn. Dann steht ein Teambuilding-Wochenende an, an dem einfach kein Weg vorbeiführt, und Marisa stellt sich der Situation – mit einer gehörigen Portion Angst und einer Extra-Ration Drogen im Gepäck. Ob das wohl gutgeht?
Wie war’s?
Eigentlich ein ziemlich alltäglich-banales Thema: Eine Frau hasst ihren Job. Gähn – schnarch? Keinesfalls. »Geht so« ist bei allem Elend urkomisch und ein Buch, in dem man von Anfang an mit der Protagonistin mitfühlt und mitleidet. Man merkt Marisa deutlich an, wie sehr ihr alles im Büro am Allerwertesten vorbeigeht, erlebt ihr »Bürospiel« aus nächster Nähe mit. Ihr geht es nicht nur um den Job an sich (den könnte man ja wechseln), sondern um die Notwendigkeit, überhaupt 8 Stunden pro Tag einer fremdbestimmten Tätigkeit nachgehen zu müssen. Was sogar zu dem bizarren Wunsch führt, sie möge doch bitte bitte auf dem Weg zur Arbeit möglichst irgendwie überfahren werden oder auf sonstige Weise verunglücken, um bloß nie wieder arbeiten zu müssen.
Fazit
»Geht so« ist bitterböse, urkomisch und obendrein von der lieben Kollegin Christine Quandt brillant übersetzt. Ich jedenfalls habe mich bestens unterhalten gefühlt und ich empfinde ein bisschen Mitgefühl mit allen, die in einer ähnlichen Situation feststecken und keinen Ausweg sehen. Ohne das Ende zu spoilern, Marisas Erkenntnis, worauf es letztlich im Leben ankommt, hat schon etwas für sich!