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Veröffentlicht am 19.06.2024

Wow!

Die falsche Patientin
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Judith wacht in der geschlossenen Psychiatrie auf, gefangen in einem falschen Leben, denn nichts von dem, was die Ärzte ihr erzählen, kann stimmen: Ihre Tochter, ihre Schwester und ihr Ex existieren nicht. ...

Judith wacht in der geschlossenen Psychiatrie auf, gefangen in einem falschen Leben, denn nichts von dem, was die Ärzte ihr erzählen, kann stimmen: Ihre Tochter, ihre Schwester und ihr Ex existieren nicht. Dafür wird ihr ein besorgter Freund vorgestellt, den sie nicht kennt. Er hat sie eingewiesen, er sagt, dass sie versucht hat sich umzubringen.

Evelyn Holm ermittelt derweil: Eine Anwältin wurde ermordet, sie war kurz zuvor in einer Galerie, mit einer alten Bekannten, die seit kurzem vermisst wird...

Die Zusammenhänge und Motive für den verworrenen Fall rund um die ermordete Anwältin und die Psychiatrie-Patientin Judith sind vielschichtig sowie unerwartet - raffiniert und ausgeklügelt, dabei erschreckend realistisch!

Der angenehme Schreibstil und die authentischen Figuren machen “Die falsche Patientin” zusammen mit der nervenaufreibenden, rätselhaften Handlung absolut mitreißend!

Judiths schreckliche Erfahrungen in der geschlossenen Psychiatrie kommen hautnah an, sodass ich jeden Moment mit ihr gefühlt habe – gehofft, gebangt...

Die kniffeligen Ermittlungen sind ebenfalls packend und ab ca. dem letzten Dritten fallen die Puzzleteilchen allmählich an ihren Platz, sodass es zum Ende total spannend wird und ein erschütterndes Bild entsteht!

Die Bemerkung der Autorin, dass sie bei Recherchen auch auf absolut Inakzeptables gestoßen ist, haben mich leider nicht überrascht: "Zwangsbehandlung, wochenlange Isolation und überfordertes Personal sind in manchen Kliniken noch immer an der Tagesordnung, genauso wie Sedierung statt Therapie – von den Gerichten geduldet und von Klinikleitern befürwortet.”

Leute, die Menschen mit psychischen Problemen dazu raten sich Hilfe zu suchen, sollten das bedenken: Hilfe suchen, bedeutet nicht automatisch Hilfe bekommen!

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Veröffentlicht am 13.06.2024

Für mich zu viel Romantik, zu wenig Spannung!

Vor uns das Rauschen des Meeres
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Inhalt/Infos zur Reihe

Als Kind verbrachte Sophie jeden Sommer glückliche Tage auf Sylt, doch als sie sechs Jahre alt war, wurde ihr Vater ausgerechnet dort wegen Finanzbetrug verhaftet. Vor kurzem, ...

Inhalt/Infos zur Reihe

Als Kind verbrachte Sophie jeden Sommer glückliche Tage auf Sylt, doch als sie sechs Jahre alt war, wurde ihr Vater ausgerechnet dort wegen Finanzbetrug verhaftet. Vor kurzem, knapp 20 Jahre später, ist er nun gestorben und hat ihr das Ferienhaus sowie dein Tagebuch hinterlassen. Daraufhin ist In Sophie der Entschluss gewachsen, den Umständen der Verhaftung ihres Vaters auf den Grund zu gehen, denn sie vermutet, dass ihm etwas untergeschoben wurde. Obwohl sie bestens vorbereitet ist, muss sie hin und wieder improvisieren und mit ihren Gefühlen für Max (er ist der Sohn des Hotel-Magnaten, der damals der Geschäftspartner ihres Vaters war) hat sie nicht gerechnet. Er war als Mittel zum Zweck gedacht...

Erzählt wird abwechselnd aus Sophies und Maximilians Perspektive.

“Vor uns das Rauschen des Meeres” ist Band 1 der romantischen New-Adult-Sylt-Suspense-Trilogie, die aus drei verschiedenen, in sich abgeschlossenen, Handlungen besteht.

In Band 2 “Zwischen uns das Flüstern der Wellen” (Oktober 2024) geht es um den besten Freund von Max, einen traumatisierten Windsurfer und seine Ex. In Band 3 “ Über uns das Tosen des Sturms” (Februar 2025) spielen die beste Freundin von Max, eine angehende Anwältin, und ihr undurchsichtiger Romantic Interest die Hauptrollen.

Mein Eindruck

Die Prämisse hat mich an die Serie “Revenge” erinnert, die ich total fesselnd fand, sodass ich neugierig wurde. Die Leseprobe hat mich dann vollends überzeugt, denn der atmosphärische, einfühlsame, eindrückliche Schreibstil erweckt die interessanten Charaktere und das idyllische Setting zum Leben. Ich habe von Anfang an mit Sophie UND Max gefiebert, was herrlich hirnverrenkend war, schließlich verfolgen sie nicht vereinbare Ziele: Er ist auf der Suche nach Seelenfrieden sowie Liebe. Sie benutzt ihn, um der Wahrheit über ihren Vater näherzukommen.


Es geht um toxische Familien, Versuche sich von ihnen zu emanzipieren, Schuld, moderne Männlichkeit, geistige Gesundheit, Freundschaft, Liebe und die Frage - die im erschütternden, neugierig machenden Prolog angedeutet wird - Wie hoch darf der Preis für Gerechtigkeit sein?

Obwohl ich kein großer Fan von Liebesgeschichten bin, hat mir die Romanze zwischen Sophie und Max ganz gut gefallen. Die Spannungselemente haben mich weitaus mehr interessiert und davon gibt für meinen Geschmack zu wenige bzw. mir fehlte es an mehr echten Gefahren sowie Schockmomenten.

“Vor uns das Rauschen des Meeres” ist emotional und fesselnd, auch wenn es mir insgesamt nicht spektakulär genug war. Ich fand viele Auflösungen bzw. Ausgänge “zu einfach”. Ich habe mir mehr Komplikationen und Krisen gewünscht, weil ich die Serie “Revenge” im Hinterkopf hatte, sodass ich mit einer voreingenommenen Erwartungshaltung an das Buch herangegangen bin.

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Veröffentlicht am 10.06.2024

Zauberhaft und düster - wie ein Märchen

Emily Wildes Enzyklopädie der Feen
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Die Cambridge-Professorin Emily Wilde ist eine gewissenhafte Feen-Forscherin und dabei ist, die erste Enzyklopädie über Feenkunde zu verfassen. Mit Menschen kommt die Hirn-über-Herz-Frau nicht gut zurecht: ...

Die Cambridge-Professorin Emily Wilde ist eine gewissenhafte Feen-Forscherin und dabei ist, die erste Enzyklopädie über Feenkunde zu verfassen. Mit Menschen kommt die Hirn-über-Herz-Frau nicht gut zurecht: Sie zieht ohnehin die Gesellschaft ihrer Bücher, ihres Hundes und des Feenvolkes vor. Als sie für ihre Feldstudie in das nordische Dorf Hrafnsvik reist, fällt es ihr schwer, die eigentümlichen Einwohner für sich zu gewinnen, dabei ist sie auf ihr Vertrauen angewiesen, denn Erfahrungsberichte über “die Verborgenen” von Einheimischen sind wertvoll. Dann kommt ihr auch noch ihr akademischer Rivale Wendell Bambleby in die Quere – oder wie gerufen? Der unverschämt lässige Professor erobert die Dorfbewohner: innen mit seinem Charme im Sturm. Während die beiden den Mysterien des listigen Feenvolkes auf den Grund gehen, bestätigt sich Emilys vager Verdacht...

Der atmosphärische, lebendige Schreibstil ist mitreißend und die Dynamik zwischen den Charakteren ist unterhaltsam. Ich mag Kabbeleien eher weniger, weil ich sie meistens banal oder albern finde, doch die Unstimmigkeiten zwischen Emily und Wendell sind wirklich geistreich und sinnvoll. Sie ist pragmatisch, ungesellig, belastbar. Er ist ein Genussmensch, faul, aber diplomatisch, was viele Türen öffnet. Sie ergänzen sich richtig gut!

Beide haben allerdings auch untypische Seiten und entwickeln sich weiter...

Die vielen Erzählungen über Begegnungen mit Feen, die “Fakten” über sie und die Erfahrungen, die Emily mit ihnen macht (ein Kobold hat Nadel-Finger) sind märchenhaft - wundervoll und gruselig - sodass es unheimlichen Spaß gemacht hat, die Welt der launischen Feen, die voller Abenteuer und Gefahren steckt, kennenzulernen!

Die bildstarke Geschichte ist ereignis- sowie einfallsreich, witzig, süß, mysteriös, düster, und voller Überraschungen. Für meinen Geschmack gibt es allerdings zu wenige nervenaufreibende Gefahren und ich finde, dass sich das Ende bzw. die Auflösung des letzten großen Problems erst in die Länge zieht, und dann schnell sowie für mich wenig plausibel leicht vonstatten geht.

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Atmosphärisch & interessant, für mich aber mit einigen Schwächen

Ein gefährliches Talent
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Die forensische Psychologin Rebecca kehrt, nachdem sie lange in den USA gelebt hat, in ihre schwedische Heimatstadt zurück, um ihrem Vater mit der an Demenz erkrankten Mutter zu helfen. Die 38-jährige ...

Die forensische Psychologin Rebecca kehrt, nachdem sie lange in den USA gelebt hat, in ihre schwedische Heimatstadt zurück, um ihrem Vater mit der an Demenz erkrankten Mutter zu helfen. Die 38-jährige wohnt bei ihren Eltern, obwohl sie kein wirklich gutes Verhältnis zu ihnen hat. Ihre Ehefrau und einen tollen Job lässt sie zurück, weshalb sie sich ziemlich einsam fühlt. Dann wird ihre Ex Louise, eine Jugendliebe, ermordet aufgefunden. Sie hat vor kurzem versucht Rebecca zu erreichen, doch Rebecca hat sie ignoriert, denn damals beendete ein abscheulicher Streit ihre Liebe, der beide geprägt hat.

Louises Schwager gilt zwar als Hauptverdächtiger, aus verschiedenen Gründen, Rebecca glaubt jedoch nicht an seine Schuld. Da sie nicht offiziell ermitteln darf, tut sie es inoffiziell: Als sie einen Streit zwischen Louises Witwer und einer Freundin von der Verstorbenen mitbekommt, hakt Rebecca nach und findet sich in einer eigentümlichen Welt wieder, einer Welt, in die Louise tief eingetaucht ist und Rebecca tut es ihr gleich. Aber irgendwie lässt ihr psychologisches Gespür sie im Stich, dann gerät sie in Gefahr...

Dieser Spannungsroman ist toll geschrieben, atmosphärisch, geistreich und die psychologischen bzw. gesellschaftsanalytischen Elementen sind prägnant sowie interessant. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, auf zwei Zeitebenen: Man erfährt, warum Louise getan hat, was sie getan hat und wie es zu ihrem Mord kommen konnte. Zudem begleitet man Rebecca bei ihren Nachforschungen. Die Charaktere sind lebensecht und die facettenreiche, bewegende Handlung wird während des ca. letzten Viertels richtig spannend.

Ich finde es schwer zu erklären was mein “Problem” mit dem Buch ist, ohne zu spoilern: Für mich war es unglaubwürdig, dass die beiden Protagonistinnen (eine ist schließlich forensische Psychologin) auf, meiner Meinung nach, offensichtliche, billige Täuschungsmanöver reinfallen. Für mich als seeehr erfahrene Thriller-Leserin waren auch die falschen Fährten als solche erkennbar, genau wie die Auflösung.

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Veröffentlicht am 03.06.2024

Tolle Faction

Die Dahlien-Morde
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Nach einer traumatischen Internet-Erfahrung in ihrer Jugend findet Reagans Leben in Sydney fast ausschließlich offline statt: kein Smartphone, keine sozialen Medien. Nach Jahren der Paranoia, verbunden ...

Nach einer traumatischen Internet-Erfahrung in ihrer Jugend findet Reagans Leben in Sydney fast ausschließlich offline statt: kein Smartphone, keine sozialen Medien. Nach Jahren der Paranoia, verbunden mit einigen Umzügen, fühlt sie sich nun sicher. Bis sie beim Joggen nahe ihrer Wohnung über eine zerstückelte Leiche stolpert. Die tote Frau sieht ihr zum Verwechseln ähnlich. In den Wochen danach fühlt sich Reagan beobachtet, dann erhält sie bedrohliche E-Mails und als weitere Morde im selben Stil Sydney in Aufruhr versetzen, ist Reagan überzeugt, dass ihr Stalker von früher sie gefunden hat...

“Die Dahlien-Morde" ist Fiktion, die Prämisse beruht allerdings teilweise auf wahren Begebenheiten, die sich 1947 in Los Angeles ereigneten: Die 22-jährige Elizabeth Short wurde tot auf einer Wiese gefunden – brutal verstümmelt. Die Presse nannte sie wegen ihrer schwarzen, lockigen Haarpracht Black Dahlia.

Die Stimmung ist von der ersten Seite an beklemmend: Reagans Ängste werden greifbar geschildert, ihre Paranoia ist nachvollziehbar, die zermürbend gleißende Hitze des australischen Sommers kommt hautnah an, genau wie Reagans Alltagssorgen – die sie eigentlich als willkommene Ablenkung betrachtet, bis sie erdrückend werden...

Reagan besitzt eine Gärtnerei in Sydney, doch es läuft nicht gut. Dann ist da noch ihre toxische Mutter, die sie immer wieder mit passiv aggressiven Vorwürfen und kleinlichen Forderungen schikaniert. Ihre beste Freundin Min, eine True-Crime-Journalistin, ist die einzige Vertraute in Reagans Leben. Es gibt aber auch einige Männer (Bekannte, Stammkunden…), die alle mehr oder weniger undurchsichtig wirken…

Obwohl es für mich, als sehr erfahrene Thriller-Leserin, einen offensichtlichen Verdächtigen gab, blieb es spannend, denn hier ist nichts ganz so wie es scheint...

Schreibstil ist so mitreißend, dass sich das Buch quasi von selbst liest! Die Charaktere sind interessant und die düsteren, nervenaufreibenden Geschehnisse erhalten durch kleine, nette Nebenhandlungen sowie Reagans Selbstironie und schwarzem Humor etwas Leichtigkeit.

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