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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.05.2026

Ein unheilvoller Urlaub

Meeresdunkel
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Zwei Familien, eine dringend benötigte Auszeit, eine Doppelbuchung – der Urlaub in einer abgelegenen Finca auf Mallorca wird für alle Beteiligten schnell zum Albtraum.

Von Beginn an liegt eine beklemmende ...

Zwei Familien, eine dringend benötigte Auszeit, eine Doppelbuchung – der Urlaub in einer abgelegenen Finca auf Mallorca wird für alle Beteiligten schnell zum Albtraum.

Von Beginn an liegt eine beklemmende Stimmung über der Handlung. Die Anspannung zwischen den Figuren ist greifbar, und der Urlaub, eine Verzweiflungstat, wirkt schon früh zum Scheitern verurteilt.

Die Charaktere, deren Ecken und Kanten rasch sichtbar werden, der eindringliche Erzählstil voller kluger Beobachtungen sowie die rätselhaften Andeutungen sorgten zunächst dafür, dass ich immer weiterblätterte.

Doch bereits während der ersten Hälfte empfand ich den Handlungsverlauf zunehmend als schleppend. Die Geschichte entwickelte sich für meinen Geschmack in Richtung Familiendrama, wobei die Konflikte meist blutleer auf mich wirkten und mich emotional kaum erreichten.

All die offenen Fragen – Was hat es mit dem mysteriösen Vater zweier Figuren auf sich? Wie kam es zur Entfremdung innerhalb der Familien? Was steckt hinter der Doppelbuchung? – verloren für mich nach und nach an Bedeutung. Ich las weiter in der Hoffnung auf eine Entwicklung, die mich wieder mitreißt. Leider blieb diese für mich aus.

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Veröffentlicht am 15.05.2026

Hörbuch-Rezi: Ich bin zwiegespalten.

Guilty Pleasure
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Das „Guilty Pleasure“ ist ein abgeschottetes Luxusresort auf einer tropischen Privatinsel, in dem Superreiche ihre Begierden ausleben können – ohne Tabus oder Grenzen, mit höchster Diskretion. Doch nichts ...

Das „Guilty Pleasure“ ist ein abgeschottetes Luxusresort auf einer tropischen Privatinsel, in dem Superreiche ihre Begierden ausleben können – ohne Tabus oder Grenzen, mit höchster Diskretion. Doch nichts ist hier so, wie es scheint.

Was in dem Hotel wirklich vor sich geht und wer mit geheimen Motiven angereist ist, erfährt man aus verschiedenen Perspektiven: aus der einer Angestellten, eines „Rächers“, einer Security, eines persönlichen Assistenten und eines manipulativen Mannes.

Der Einstieg hat mich begeistert: Man ist sofort mitten im Geschehen. Der intensive, lebendige und teils galgenhumorige Erzählstil voller scharfsinniger Beobachtungen zieht einen sofort hinein. Die Figuren sind interessant, und die Mischung aus Bedrohungen, Enthüllungen und einer abgründigen, komplexen Handlung mit pointierter Gesellschaftskritik sorgt lange für echten Nervenkitzel. Das ereignisreiche Geschehen lief lange wie ein packender Film vor meinem geistigen Auge ab!

Nach etwa einem Drittel empfand ich die Begebenheiten dann zunehmend als schleppend und wenig überzeugend: Dass dieselbe Szene gelegentlich aus verschiedenen Perspektiven geschildert wird, hat für mich Tempo sowie Spannung gedrosselt. Genau wie manche Beschreibungen von Gedanken oder Vorgängen, die ich als etwas zu detailreich fand. Speziell die IT-Elemente nehmen für meinen Geschmack zu viel Raum ein. Und einige Wendungen bzw. Auflösungen wirkten auf mich nicht besonders plausibel.

Die Erzähler:innen sind großartig! Alle haben angenehme Stimmen und sprechen ihre Rollen perfekt - natürlich UND ausdrucksstark.

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Atmosphärisch und rätselhaft

DIE TOCHTER. Du dachtest, niemand würde es je erfahren
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Hazel, die Tochter eines einflussreichen Kleinstadtpolizisten, erbt völlig unerwartet sein Haus. Sie hat ihrem kleinen Heimatort schon lange den Rücken gekehrt und in der Großstadt Karriere gemacht. Ihre ...

Hazel, die Tochter eines einflussreichen Kleinstadtpolizisten, erbt völlig unerwartet sein Haus. Sie hat ihrem kleinen Heimatort schon lange den Rücken gekehrt und in der Großstadt Karriere gemacht. Ihre beiden Brüder, die sich in der Kleinstadt ein Leben aufgebaut haben, gehen hingegen leer aus. Was hat sich der Vater dabei gedacht?

Dann häufen sich verstörende Vorfälle: Im See wird ein versenktes Auto gefunden und plötzlich gibt es eine Spur zu Hazels verschollener Mutter. Zudem gibt es Vermisstenfälle und weitere rätselhafte Begebenheiten, die Hazels alarmieren. Schließlich verdichten sich Hinweise, dass in der Kleinstadt bzw. in Hazels Familie dubiose Dinge vor sich gehen. Doch die Ortsansässigen sind eine eingeschworene Gemeinschaft: niemand will in Betracht ziehen, dass jemand von ihnen zu furchtbaren Taten fähig sein könnte, weshalb Hazel gegen eine Mauer des Schweigens rennt und davor gewarnt wird, weiter nachzuforschen!

Hazel ist klug, tough und sympathisch: Sie hat ein gutes Gespür für ihre Mitmenschen, seit dem Tod des Vaters hat sich die Dynamik innerhalb der Familie allerdings verändert – viele sind verschlossen, grenzen sie aus, nennen sie eine Erbschleicherin oder eine Unruhestifterin, die unnötig Staub aufwirbelt. Doch nichts (Familienloyalität, Angst) halten sie davon ab, ihre Suche nach Antworten konsequent zu verfolgen!

Die Handlung wird sehr atmosphärisch erzählt und obwohl sie mMn nach eher langsam voranschreitet, ist sie auch spannend gestaltet. Die detailreichen, eindrücklichen Schilderungen von Situationen, Gedanken, Personen sowie der Umgebung tragen zur Stimmung bei, sodass man völlig in Hazels Erfahrungen eintauchen kann.

Für Hazel hat es nie Sinn ergeben, dass ihre Mutter sie verlassen hat, denn sie war nie egoistisch oder kalt. Kann sie nun, aufgrund der aufgetauchten Hinweise noch herausfinden was damals geschah? Wem kann sie vertrauen? Ihren Brüdern eher nicht, aber vielleicht ihrer Jugendliebe? Nico, ihr Exfreund, scheint für Hazel da sein zu wollen. Dann sind da noch andere Angehörige, die sie nicht auszuschließen.

“Die Tochter” ist ein atmosphärischer, intensiver Spannungsroman: Die Handlung ist ungemein vielschichtig, stimmig ausgearbeitet sowie wendungsreich. Die Figuren sind absolut lebensecht, die Dynamik zwischen ihnen ist faszinierend verstörend und die Auflösung ist nervenaufreibend!

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Veröffentlicht am 09.05.2026

Die Anatomie eines Vermisstenfalls

Happiness Falls
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Ich würde diesen Roman über das Verschwinden eines Ehemanns und Vaters von drei Kindern als außergewöhnlich bezeichnen. Für mich fühlte es sich an, als würde ich ein Tagebuch lesen. Erzählt wird aus der ...

Ich würde diesen Roman über das Verschwinden eines Ehemanns und Vaters von drei Kindern als außergewöhnlich bezeichnen. Für mich fühlte es sich an, als würde ich ein Tagebuch lesen. Erzählt wird aus der Sicht der jugendlichen Tochter, die meiner Meinung nach eine bemerkenswerte Erzählerin ist: reif, reflektiert, selbstkritisch, verkopft und gleichzeitig emotional. Ihre Gedanken wirken oft akademisch und philosophisch, ergänzt durch viele gesellschaftskritische Beobachtungen – das fand ich spannend und anregend.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Beklemmend, düster, rätselhaft

Home Before Dark
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Ländliches Island, November 1967: Die 14-jährige Marsibil hat einen geheimen Brieffreund, der sie persönlich kennenlernen will. Sie stimmt zu, wenn auch mit einem unguten Gefühl, denn sie hat sich als ...

Ländliches Island, November 1967: Die 14-jährige Marsibil hat einen geheimen Brieffreund, der sie persönlich kennenlernen will. Sie stimmt zu, wenn auch mit einem unguten Gefühl, denn sie hat sich als ihre ältere Schwester Stina ausgegeben, weil sie gerne wäre wie sie – lebensfroh, beliebt, hübsch. Sie schafft es jedoch nicht zu dem Treffen und Stina, die von einem Filmabend bei ihrer Freundin nicht nach Hause gekommen ist, wird vermisst. Kurz darauf wird ihre blutbefleckte Jacke gefunden – an dem Ort, an dem Marsibil ihren Brieffreund treffen wollte. Aber sie schämt sich zu sehr, um von ihrem Verdacht, dass ihr Brieffreund etwas damit zu haben könnte, zu erzählen, und Stina wird nie gefunden.

Ländliches Island, November 1977: Als Marsibil ihre Eltern zum 10. Jahrestag von Stinas Verschwinden besucht, beschließt sie herauszufinden, was damals geschehen ist, denn es geht wieder los – ihr Brieffreund meldet sich nach zehn Jahren. Seine zuckersüße wie bedrohliche Botschaft verwandelt ihre ungebrochenen Schuldgefühle in Angst. Sie muss herausfinden, von wem diese Briefe stammen, um nicht das nächste Opfer zu werden und, um endlich zu verstehen, was in jener Nacht passiert ist. Die Gewissensbisse, die sie seit Stinas Verschwinden plagen, haben sie in eine Abwärtsspirale geführt, und Antworten zu finden, könnte alles verändern, zum Besseren wenden.

Marsibil ist jedoch labil: Sie neigt zu selbstzerstörerischem Verhalten, sie ist andauernd angespannt, sie leidet unter Schlafstörungen sowie Albträumen – ihre Träume drängen sich in die Realität, dauern nach dem Aufwachen weiter an, sodass sie Mühe hat, ihre Wahrnehmungen richtig einzuordnen. Auf ihre Erinnerungen ist auch kein Verlass – sie weiß nicht was während ihrer Kindheit/Jugend wirklich passiert ist und was sie sich irrtümlicherweise zusammengereimt hat. Ihre verschlossenen, ausweichenden Eltern, seltsame Fotos im Familienalbum sowie verschwundene Unterlagen verstärken ihre Verwirrung, sodass sie sich an Leute wendet, die damals mit Stina befreundet waren.

Die greifbar beklemmende Atmosphäre in Marsibils trostlosem Heimatdorf, ihre passiv aggressiven Eltern, die mysteriösen Briefe, die verstörenden Begebenheiten, die sich seit Marsibils Ankunft in dem kleinen Ort ereignen, und die mit Unsicherheit, Angst sowie Schuldgefühlen verbundenen Nachforschungen haben mich von Anfang an gepackt und immer weiterblättern lassen!

Die wechselnden Perspektiven eröffnen spannende Einblicke in die Jugendaktivitäten sowie das Familienleben der Schwestern. Die Gefühle und Gedanken der beiden kommen hautnah an und ich fand sowohl das Island‑Setting als auch die Zeitreise faszinierend.

“Home Before Dark” ist durchweg spannend gestaltet, mal subtil, mal konkret. Die authentischen, teils undurchsichtigen Figuren, die (auf vielfältige Weise erzeugte) unheilvolle Stimmung und die erschütternden Wendungen haben mich restlos überzeugt!

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