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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.07.2026

Mich hat vor allem das Ende begeistert

Bevor sie ihn finden
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Die 17‑jährige Leah lügt, manipuliert und überschreitet Grenzen, um zu bekommen, was sie will. Zudem neigt sie zu obsessiver Verliebtheit. Ihre Mutter Jules beobachtet das mit wachsender Sorge – doch auch ...

Die 17‑jährige Leah lügt, manipuliert und überschreitet Grenzen, um zu bekommen, was sie will. Zudem neigt sie zu obsessiver Verliebtheit. Ihre Mutter Jules beobachtet das mit wachsender Sorge – doch auch sie selbst zeigt selbstzerstörerische Tendenzen. Beide reagieren unangenehm, wenn sie nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen ihrer Meinung nach zusteht, und die verbitterten, verzweifelten Entscheidungen, die sie dann treffen, erweisen sich als gefährlich.

In “Bevor sie ihn finden” geht es um zwei Frauen, die von ihren intensiven Gefühlen beherrscht werden. Jules ist frustriert, weil ihr Mann und ihre Kinder sie weitgehend ignorieren, auch beruflich läuft es schlecht. Leah wirkt zunächst wie eine typische 17‑Jährige, die viel Zeit mit ihren Freundinnen verbringt, deren Denken und Handeln sich um Styling und Jungs dreht – ihr Umgang damit ist allerdings drastisch.

Der Einstieg fiel mir nicht leicht, denn für meinen Geschmack dauerte es zu lange, bis Spannung aufkam: Das erste Drittel enthält mMn viele Nebensächlichkeiten, die für mein Empfinden übermäßig ausführlich geschildert werden. Zudem waren mir beide Protagonistinnen unsympathisch, sodass ich kaum mit ihnen mitfiebern konnte.

Ab dem zweiten Drittel wurde “Bevor sie ihn finden” für mich zunehmend packend, erschütternd sowie nervenaufreibend. Die Vielschichtigkeit der psychologisch düsteren Handlung und die überraschenden Wendungen sind wirklich gelungen. Das Ende der Thrillerhandlung fand ich großartig; das zwischenmenschliche Finale wirkte auf mich etwas unglaubwürdig harmonisch.

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Veröffentlicht am 29.06.2026

Meinen Geschmack traf es leider nicht

Mein Mann, der Mörder
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Der Serienkiller Edward ist seit 27 Jahren inhaftiert und da er im Sterben liegt, will er nun auch Morde gestehen, die man ihm nicht nachweisen konnte. Er möchte allerdings nur mit seiner Ex-Frau Maggie ...

Der Serienkiller Edward ist seit 27 Jahren inhaftiert und da er im Sterben liegt, will er nun auch Morde gestehen, die man ihm nicht nachweisen konnte. Er möchte allerdings nur mit seiner Ex-Frau Maggie darüber sprechen! Diese führt inzwischen jedoch ein einigermaßen gutes Leben und will Edward nicht sehen. Aber natürlich ändert sie ihre Meinung — eine Entscheidung, die ihr Leben erneut erschüttert ...

Der Einstieg war für mich eher langsam, da man Maggie zunächst sehr gut kennenlernt. Den Erzählstil fand ich einerseits atmosphärisch und ausdrucksstark, andererseits etwas zu ausführlich sowie stellenweise überzeichnet mit metaphorischen Analogien. Mit Maggie konnte ich mich leider nicht anfreunden: Ich empfand sie als prosaisch und pedantisch, was wohl größtenteils auf ihr Trauma zurückzuführen ist. Ihre To-do-Listen, Pläne und Organisationswut wirken wie ein verzweifelter Versuch, alles unter Kontrolle zu behalten — nach Überkompensation, weil sie machtlos war, als der Nachhall der Taten ihres Mannes ihr Leben damals zerstörte. Einblicke in die Vergangenheit hinterließen bei mir jedoch den Eindruck, dass sie vorher schon „päpstlicher als der Papst“ war.

Als sie Edward trifft, schleicht er im Gespräch um den heißen Brei herum. Er redet über Paar- sowie Familienurlaube und leitet sie auf seine manipulative Art zu dem, was sie braucht, um Antworten zu finden. Auf mich wirkten diese Gespräche wie eine verpasste Chance, da sie meiner Ansicht nach nicht intensiv genug sind.

Die Handlung wird aus Maggies Sicht erzählt: Das Wühlen in der Vergangenheit hinterlässt sie jedes Mal erschöpft, leer sowie verloren. Die entsetzlichen Erkenntnisse, die sie schließlich gewinnt, sind Fluch und Segen zugleich …

Für mich war „Mein Mann, der Mörder“ kein Thriller, sondern ein Familiendrama mit kriminalistischem Hintergrund. Die Spannung blieb für mich gering, und da ich mit Maggie nicht warm wurde, konnte ich kaum mit ihr fühlen. Dieses Buch war leider nicht nach meinem Geschmack.

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Veröffentlicht am 27.06.2026

Für mich eher enttäuschend

Halbwach
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Zoe verdient ihren Lebensunterhalt als Autorin von Liebesromanen, dabei hat sie mit Beziehungen nichts am Hut. Auch familiäre Verpflichtungen rauben ihr den letzten Nerv. Sie will ihre Freiheit genießen, ...

Zoe verdient ihren Lebensunterhalt als Autorin von Liebesromanen, dabei hat sie mit Beziehungen nichts am Hut. Auch familiäre Verpflichtungen rauben ihr den letzten Nerv. Sie will ihre Freiheit genießen, feiern gehen, anziehen, was sie will, die Bedürfnisse anderer nicht vor ihre eigenen stellen. Sie sagt das auch ganz deutlich, doch man glaubt ihr nicht oder missversteht sie, beschimpft sie als egoistisch und kalt, wenn sie ihr Ding durchzieht, wenn sie Grenzen setzt.



Dann lernt sie Mael kennen, der will, was sie will: Nähe ohne Verbindlichkeit. Ausgerechnet bei ihm, der sie so akzeptiert, wie sie ist, beginnt sie ihren Lebensstil allerdings zu hinterfragen. Sie stellt sich schmerzlichen Themen: Was genau stört sie warum an Beziehungen? Warum will sie das, was sie nicht haben kann? Warum ist sie so, wie sie ist?



Dieser Roman hat mich frustriert und begeistert:



Das sehr negative Selbstbild, das die Protagonistin von sich hat und was hinter ihrem Lebensstil steckt, empfand ich als wenig originell, nicht besonders modern sowie vorhersehbar. Ich habe den Eindruck, dass Frauen und die Gesellschaft diesbezüglich schon einmal weiter waren – unabhängig von der Ursache des Bedürfnisses nach Unverbindlichkeit. Vielleicht bin ich einfach zu alt für dieses Buch: Ich habe zu oft erlebt, wie ein und dasselbe Verhalten von Frauen erst verurteilt, dann gefeiert, dann pathologisiert wird – und das in endlosen Schleifen.



Warum werden die Stimmen von Menschen aus ihrem Umfeld, die ihre Art zu leben verurteilen, zu ihrer inneren Stimme? Wieso ist sie einerseits selbstbewusst, kann einem Mann erklären, dass kontrollierend ist, weil er seine Unsicherheiten auf sie projiziert und mit ihm Schluss machen, um sich anschließend als schlechter Mensch zu betrachten, der andere verletzt?



Begeistert hat mich Zoes unverblümte Art zu Beginn des Buches, später dann ihre Fähigkeit, unbequeme Wahrheiten anzunehmen sowie auszuleben und dass auch eine Figur, die das Gegenteil von Zoe ist, als “problematisch” dargestellt wird.



Insgesamt hat mich dieses Buch eher enttäuscht. Den Erzählstil und die Dynamik zwischen den Charakteren fand ich großartig, aber das Narrativ rund um Zoe hat mir nicht gefallen – ich empfand es als erwartbar, wenig differenziert sowie nicht ganz schlüssig.

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Veröffentlicht am 23.06.2026

Bezaubernd

Cursed for Good – Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen.
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Tandy ist von ihrem Prinzessinnen-Dasein genervt: Die Feen im Königsgarten sind frech, die Kleider sind unbequem, die vielen Reisen zu Eröffnungszeremonien sind ermüdend – genau wie die Bälle. Und für ...

Tandy ist von ihrem Prinzessinnen-Dasein genervt: Die Feen im Königsgarten sind frech, die Kleider sind unbequem, die vielen Reisen zu Eröffnungszeremonien sind ermüdend – genau wie die Bälle. Und für ihr liebstes Hobby, das Lesen, bleibt kaum Zeit.

Als sie verflucht wird, in einem Buchladen zu leben, bis sich ihr Herzenswunsch erfüllt, ist das für sie also ein willkommener Segen. Doch was hat es mit der magischen Verkäuferin, der Katze und dem ebenfalls verfluchten Piraten auf sich?

Während Tandy sich einlebt und dem Buchladen neuen Glanz verleiht, entsenden ihre Eltern Prinzen, die sie von ihrem Fluch erlösen sollen – denn der Herzenswunsch jeder Prinzessin muss es schließlich sein, ihren Prince Charming zu finden, oder?

Der lebendige, bildstarke Schreibstil, die goldigen Figuren und die einfallsreiche, Handlung rund um einen Fluch, der sich als Segen entpuppt, haben mich sofort gepackt.

Tandy genießt es, in dem gemütlich vollgestopften Buchladen „gefangen“ zu sein und sich auf ihre ungewöhnlichen WG einzulassen. Die ambitionierten Prinzen, die anreisen, um den Fluch zu brechen, sind wirklich zum Brüllen komisch – wenn auch eher unfreiwillig.

„Cursed for Good“ sprüht vor Herz und Humor. Die ereignisreiche Handlung, die liebevoll ausgearbeiteten Figuren, ihr Miteinander, ihre Entwicklungen sowie das wunderbare Setting sind einfach märchenhaft.

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Veröffentlicht am 13.06.2026

Wenn Vergangenheit und Gegenwart kollidieren…

The Vacation
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Schnitzeljäger, zur Enttäuschung verdammte Hoffnung, aus Angst geborener Mut, Obsession, Manipulation, Flucht vor dem alten, unerträglich gewordenen Leben - das alles gibt es im International Hostel in ...

Schnitzeljäger, zur Enttäuschung verdammte Hoffnung, aus Angst geborener Mut, Obsession, Manipulation, Flucht vor dem alten, unerträglich gewordenen Leben - das alles gibt es im International Hostel in Venice Beach. Und L.A. ist meiner Meinung nach das perfekte Setting für diese Geschichten, denn wo sonst treffen Träume-Alpträume, Schönheit-Hässlichkeit, Hoffnung-Enttäuschung, und Illusionen-Realität so hart aufeinander?

In dem schäbigen Hostel treffen viele verschiedene Backpacker aufeinander: Einige sind allen unterwegs, andere zu zweit, aber alle tragen Leid mit sich herum, manche auch dunkle Geheinisse. Da sind tragische Opfer, gemeingefährliche Täter, Opfer von Determinismus, die zu Tätern werden müssen, hoffnungsfrohe Suchende, und jemand wurde verraten und verkauft.

Die Charaktere und die Dynamik zwischen ihnen ist absolut faszinierend verstörend! Manche suchen Anschluss, andere wollen für sich bleiben, einige verstecken sich vor ihrem früheren Leben, oder verfolgen ein bestimmtes Ziel. Dabei ist die gesamte Bandbreite der Gefühle vertreten: Hilfsbereitschaft, Freundschaft, Zuneigung, Mitleid, Argwohn, Bewunderung, Verachtung…

John Marrs beschreibt das Innenleben seiner Hauptfiguren so plastisch, dass ich richtig mit ihnen gefühlt habe - bei ihren Erwartungen, ihrem Frust, ihrer Trauer, ihrer Angst, ihrer Demütigung, und ihrer Verblüffung, wenn sie einander wirklich kennenlernen…

In der Gegenwart erfahren die Leser:innen was die einzelnen Hostel Bewohner:innen so treiben, um kurz darauf in deren Vergangenheit geführt zu werden, die verständlich macht, warum bzw. wie sie an diesen Punkt gelangt sind. Auf diese Weise wird allmählich immer mehr Erschütterndes über die Backpacker enthüllt, wobei John Marrs es schafft immer noch einen drauf zu setzten! Und dann sind da noch die atemberaubenden Wendungen!

John Marrs ist einfach der Meister der der seelischen Abgründe, der alptraumhaften Szenarien, und des ganz großen Dramas - was er mit diesem Buch wieder einmal beweist!

Der schwarze Humor, der immer wieder durchblitzt bringt das Komische in all der Tragik perfekt auf den Punkt, und die Zuspitzung gesellschaftlicher Gegebenheiten zeigt, wie krank unsere Gesellschaft im Grunde ist, wie krank sie Menschen machen kann, und wie das enden kann…

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