Ein schauriger Schutzengel
Sarah Wolff ist von Frankfurt zu ihrer besten Freundin Marion nach Berlin gezogen. Sowohl als Schutz als auch als neuer Lebensabschnitt. Ihr Exmann steht kurz vor der Gefängnisentlassung und Sarah hat ...
Sarah Wolff ist von Frankfurt zu ihrer besten Freundin Marion nach Berlin gezogen. Sowohl als Schutz als auch als neuer Lebensabschnitt. Ihr Exmann steht kurz vor der Gefängnisentlassung und Sarah hat Angst, dass er ihr Rache schwört, weil sie ihn wegen einer Falschaussage hinter Gitter gebracht hat. Zudem leidet sie unter Monophobie, die Angst vor dem Alleinesein. Und so hofft sie, dass sie durch die Gesellschaft ihrer besten Freundin ihre Angst abmildern kann. Doch kaum ist sie Berlin angekommen, fallen ihr merkwürdige Sachen auf: als sie eines Tages die Einkaufsliste zu Hause vergisst und abends hungrig nach Hause kommt, sind die Wunscheinkäufe sauber in ihrem Kühlschrank verstaut. Auch der vergessene Müll ist auf wundersamerweise ordnungsgemäß entsorgt worden und eines Abends entdeckt sie das lang ersehnte Nachtlicht in ihrem Schlafzimmer. Alles Dinge, die auf praktische Weise erledigt werden. Aber alle bekannten und lieben Menschen um Sarah herum verkünden, dass sie nichts mit der Alltagshilfe zu tun haben. Sarah ist zunehmend irritiert und fühlt sich beobachtet und in die Enge getrieben. Die normalweise ruhebringende Erkenntnis, dass sie nicht alleine ist, kehrt sich mehr und mehr in Angst um. Und als sie eines nachts von einem Mann in ihrem Haus angegriffen wird, den sie aus Notwehr die Treppe herunterstützt und dessen Leiche ebenfalls untrüglicherweise in den frühen Morgenstunden verschwunden ist, fühlt sich Sarah keinesfalls mehr sicher und vermutet in jedem bekannten Menschen den unheimlichen Schutzengel.
Die Umkehr eines Schutzengels finde ich als Idee für diesen Thriller wahnsinnig gut. Mit den vielen berüchtigten Cliff-hängern ist auch diese Geschichte ein sehr lesenswerter Thriller. Und da die Protagonistin selbst mit Angst, Zweifeln, Panikattacken und einer gescheiterten Ehe biografisch angereichert ist, verschwimmt beim Leser selbst schnell die Intuition für Realität und Fiktion. Das nebenbei noch weitere Menschen in Gefahr geraten und quasi ein "Wettlauf gegen die Zeit" eingebaut ist, verschärft das Tempo, sodass ich mich zwingen musste langsam zu lesen.