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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2019

Erste Liebe und mehr als das Auge sehen kann

Bernstein
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Bei „Bernstein“ hat mich sofort das Cover angesprungen. Einerseits schlicht, nur Strand, Meer und Himmel. Andererseits durch die besondere Farbgebung ein Blickfang. Die bernsteinfarbenen Wolken bilden ...

Bei „Bernstein“ hat mich sofort das Cover angesprungen. Einerseits schlicht, nur Strand, Meer und Himmel. Andererseits durch die besondere Farbgebung ein Blickfang. Die bernsteinfarbenen Wolken bilden auch die optische Brücke zum Titel.

Die Geschichte spielt eben an der Nordsee, sehr oft am Strand. Die 15jährige Emma lernt hier die erste Liebe kennen, aber nicht nur zu einem Jungen, auch zum Meer mit all seiner Schönheit und seinen Gefahren.

Emma ist eine liebenswerte Protagonistin. Sie möchte, ihrem Alter gemäß, etwas erleben, aber sie muss ihre Ferien bei ihrem Künstler-Onkel in einem kleinen verschlafenen Dorf verbringen. Doch bald schon wird sie mehr erleben als sie sich je erträumt hatte. Auf mich wirkt sie manchmal wie eine typische Jugendliche, kurze Abschnitte lassen wiederum an eine Erwachsene denken um gleich darauf wieder ganz unbekümmerter und nichtsahnender Teenager zu sein. Aber im Großen und Ganzen passt ihr Charakter zur Handlung.

Als sie einen Bernstein im Watt findet beginnt für Emma ein mysteriöses Erlebnis, das sie nie vergessen wird. Wer ist dieser geheimnisvolle Junge, der immer wieder auftaucht und genauso schnell wieder verschwunden ist? Der aber anscheinend dringend ihre Hilfe braucht. Emma sagt ihm diese zu, auch wenn sie keine Ahnung hat wobei und worauf sie sich da einlässt.

Die Geschichte hat einen interessanten Aufbau, der Stil ist lesefreundlich, die Geschichte spannend beschrieben. Manchesmal bin ich über etwas unlogische Handlungen und im Epilog zu einem sehr knappen, wenn überhaupt möglichen, Zeitablauf gestolpert. Doch grundsätzlich war ich mit Emma und ihrem Abenteuer wirklich gut unterhalten. Gerade zum Schluss hin wurde die Geschichte sehr emotional. Den Handlungsstrang hat Sara C. Schaumburg zufriedenstellend abgerundet, sodass beim Leser, zumindest bei mir, ein gutes Gefühl zurückbleibt.

Veröffentlicht am 05.10.2019

Emotion und Spannung pur

Das Geheimnis der Fjordinsel
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Wie in früheren Büchern von Christine Kabus bewegen wir uns auch hier auf zwei Zeitschienen. Jedes Kapitel wechselt die Zeit und die Protagonisten, die am Ende aber gekonnt zu einem Strang verknüpft und ...

Wie in früheren Büchern von Christine Kabus bewegen wir uns auch hier auf zwei Zeitschienen. Jedes Kapitel wechselt die Zeit und die Protagonisten, die am Ende aber gekonnt zu einem Strang verknüpft und etwaige Fragen aufgelöst werden.

Jedes Kapitel trägt eine kleine Überschrift mit Datum und Ortsangabe, sodass der Leser immer sofort weiß, wo und in welcher Zeit er sich befindet.

Ein Strang zeigt uns das Leben von Rike im Jahr 1980, der zweite das ihrer Großmutter Johanne im Jahr 1926, damals ungefähr im Alter von Rike jetzt.

Beide Frauen werden als starke Persönlichkeiten gezeichnet. Rike, mit ihren jungen Jahren, die sich in einem Männerberuf behauptet. Johanne, damals für eine junge Frau ungewöhnlich, die mit so einigen Normen ihrer Gesellschaft bricht um ihren Weg und die Liebe zu finden. Doch reicht der Mut der jungen Frau um die Liebe auch erhalten zu können? Warum erfährt Rike erst nach dem Tod ihres Großvaters, dass ihre Großmutter nicht schon vor vielen Jahren verstorben ist, sonder möglicherweise jetzt noch lebt? Welch großes Familiengeheimnis und vielleicht weitreichendere Geheimnisse darf Rike hier auf den Grund gehen?

„Das Geheimnis der Fjordinsel“ zeigt ein Cover eines kleinen Häuschens mitten auf einer winzigen Insel, dahinter erstreckt sich Norwegens wunderschöne Fjordlandschaft. So wie dieses Bild werden von der Autorin mit ausgewählten Worten sämtliche Landschaften bildhaft beschrieben. Der Leser bekommt ein eindrucksvolles Bild vermittelt.

Doch auch die Gefühle der Protagonisten, die Beweggründe und feinen Zwischentöne von Spannung und Emotion werden gekonnt zu Papier gebracht. Wir halten ein Buch in Händen bei dem es schwer fällt es zur Seite zu legen. Der flüssige Schreibstil lädt ein immerfort eine weitere Seite zu lesen.

Dazwischen finden wir Sätze in fremden Sprachen, die teilweise selbsterklärend oder im Textfluss übersetzt werden. Diese stören aber weder das Leseverständnis noch die Lesegeschwindigkeit, sondern sie flössen der Geschichte einen weiteren Hauch Lebens ein.

Von mir kann es für diesen vor Emotion und Spannung strotzenden Roman nur eine uneingeschränkte Leseempfehlung geben.

Veröffentlicht am 25.09.2019

Gedanken die ein Weltbild ändern

Der Allegonaut
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In „Der Allegonaut“ lässt René Kempel seinen Protagonisten Tim eine interessante Entwicklung durchmachen. Tim, in den 30igern, verheiratet, ist in seinem Job unzufrieden und unglücklich. Ja, er fühlt sich ...

In „Der Allegonaut“ lässt René Kempel seinen Protagonisten Tim eine interessante Entwicklung durchmachen. Tim, in den 30igern, verheiratet, ist in seinem Job unzufrieden und unglücklich. Ja, er fühlt sich regelrecht fehl am Platz.

Der Leser darf Tim auf seinem Weg in ein völlig neues Leben begleiten. Wichtigster PUNKT hierbei ist der Denkprozess, den Tim dafür zu durchlaufen hat. Er beginnt vieles zu hinterfragen. Baut sich sein eigenes Gedanken-All mit dem er seine Erkenntnisse, sein neues Weltbild zu erklären und beschreiben versucht.

Der Schreibstil ist locker leicht zu lesen. Die einzelnen Kapitel wechseln zwischen der Erzählung über Tims Lebensweg und seinen eigenen Aufzeichnungen seiner Gedanken. Hier war ich kurzzeitig verwirrt, warum der Erzählstil geändert wird. Da hätte ich mir persönlich eine klarere Kennzeichnung gewünscht.

Grundsätzlich aber ein interessantes Buch, das viele Gedankengänge von nicht wenigen Menschen aufgreift und in eine Form bringt. Tim hat den Mut sein Leben zu verändern. Vielleicht der eine oder andere Leser auch?

Veröffentlicht am 18.09.2019

Humorvoll aufbereiteter Krimi mit interessanten Enthüllungen

Totentracht
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Wer gerne einen Krimi liest, der nicht tierisch ernst verfasst ist, der ist hier bei „Totentracht“ bestens aufgehoben. Die beiden Autoren Alexander Rieckhoff und Stefan Ummenhofer ergänzen sich sowohl ...

Wer gerne einen Krimi liest, der nicht tierisch ernst verfasst ist, der ist hier bei „Totentracht“ bestens aufgehoben. Die beiden Autoren Alexander Rieckhoff und Stefan Ummenhofer ergänzen sich sowohl im Schreibstil, als auch im Handlungsablauf. Für den Leser ist es lesetechnisch nicht ersichtlich, dass hier zwei Autoren tätig waren. Zumindest war dies für mich nicht der Fall.

Da es sich um einen Lokalkrimi handelt, wird selbstverständlich immer wieder der dort gebräuchliche Dialekt verwendet. Auch wenn man aus weit entfernten Orten stammt, wie ich, ist das Leseverständnis dadurch weder getrübt, noch der Lesespaß vermindert. Der Dialekt ist gut lesbar und ebenso verständlich.

Die beiden Ermittler Marie und Karl-Heinz bilden ein perfektes Gegenspiel. Großstadtfrau trifft auf Landbewohner. Oder Veganer auf Nebenerwerbslandwirt. So ungefähr. Alleine dadurch entwickeln sich schon unterhaltsame Szenen, deren Komik den Leser von schmunzeln bis hellauf Lachen bewegen. Bei allem Witz bleibt der Krimi und die Ausforschung des Täters aber nicht auf der Strecke. Nicht nur die Ermittlungen enthalten humorvolle Szenen, sondern auch die Nebengeschichten privater Natur von Marie und Karl-Heinz finden mit ihrer Situationskomik in die Geschichte Einzug.

Von einem Regionalkrimi erwarte ich mir auch, wenigstens Kleinigkeiten, über die Region zu erfahren. Dieser Wunsch wurde von den Autoren erfüllt. Dass wir gleich mehrere Klischees in diesem Krimi wiederfinden hat mich persönlich jetzt nicht gestört.

Dieser erste Fall von Marie und Karl-Heinz soll ja der Auftakt einer Serie sein. Die Brücke zu einem weiteren Teil könnte in einem halb privaten und halb beruflichen Nebenstrang gelegt worden sein. Da aber dieser Fall in sich abgeschlossen wurde und keine sonstigen Fragen offen bleiben, wird es auch für zukünftige Leser kein Problem sein, sollten sie den ersten Teil nicht kennen.

Da ich hier Lesespaß, Spannung, einen flüssigen Schreibstil, Protagonisten mit Kontur und eine abgeschlossene Handlung vorfinden konnte, gebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung ab.

Veröffentlicht am 13.09.2019

Zwei Welten, ein Leben

Beschreibung einer Krabbenwanderung
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Die junge Sanaa lebt in zwei Welten und ist in keiner der beiden glücklich. Einerseits die traditionsverhaftete irakische Familie, andererseits ihr Bestreben das Leben einer deutschen Studentin zu führen. ...

Die junge Sanaa lebt in zwei Welten und ist in keiner der beiden glücklich. Einerseits die traditionsverhaftete irakische Familie, andererseits ihr Bestreben das Leben einer deutschen Studentin zu führen.

„Beschreibung einer Krabbenwanderung“ ist kein gewöhnliches Buch. Karosh Taha beschreibt darin den Zwiespalt Tradition und Moderne in einem Leben zu vereinen. Dazu kommen noch Verantwortungsgefühl, Angst, aber auch Aufbegehren und der Wunsch nach Selbstbestimmung.

Der Blick in eine Familienkonstruktion einer anderen Kultur kann für den Leser interessant, aber auch verwirrend sein. Es sind nicht alle Handlungen und Gedankengänge leicht nachzuvollziehen. Der Schreibstil ist manchmal sprunghaft.

Jedenfalls ein Buch das man nicht einfach so zwischendurch lesen wird.