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Veröffentlicht am 26.02.2018

Sylvia´s - nicht ganz leichter - Weg zu sich selbst

Die Kamelien-Insel
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Eine Ehe, die gar nicht so perfekt ist, wie sie im ersten Augenblick scheint, ein Job, der zu viel Stress verursacht, Werte, die schnellstens überdacht werden wollen. Das sind ein paar der Zutaten zur ...

Eine Ehe, die gar nicht so perfekt ist, wie sie im ersten Augenblick scheint, ein Job, der zu viel Stress verursacht, Werte, die schnellstens überdacht werden wollen. Das sind ein paar der Zutaten zur Geschichte über „die Kamelien-Insel“, bzw. eigentlich über ihre Besitzerin Sylvia.

Sylvia, eine erfolgreiche Unternehmensberaterin, hat sich selbst versprochen, nie mehr arm werden zu wollen. Dementsprechend hart hat sie an ihrem Erfolg gearbeitet.

Mit ihrem Ehemann Holger scheint sie in dieser Hinsicht an einem Strang zu ziehen. Doch ist sie auch (noch) glücklich mit ihm? Beide sehen sich immer nur kurz zwischen ihren Terminen, die sie schon mal Tage voneinander trennen.

Als Sylvia eine Kamelien-Insel in der Bretagne erbt, zeigt sich der wahre Stand ihrer Ehe. Während Holger die Insel so schnell wie möglich zu Geld machen will, wird hingegen Sylvia von der Insel und den Menschen dort in ihren Bann gezogen.

Um die ganze Sache noch etwas komplizierter zu machen, verliebt sich Sylvia in den dort beschäftigten Gärtner Mael. Wie soll sie sich verhalten? Zu ihrem Mann stehen und um eine Ehe kämpfen, die es vielleicht nicht mehr wert ist? Die Sicherheit ihrer momentanen Existenz bewusst aufgeben, um in eine völlig ungewisse Zukunft zu gehen?

Tabea Bach zeichnet die relativ kurze Zeit im Leben von Sylvia sehr emotional, anschaulich und wunderbar angenehm lesbar. Ihr gelingt es, sowohl die Liebe zu Kamelien spürbar zu machen, als auch die Besonderheiten der Bretagne und ihren Bewohnern gefühlvoll, bewegend und fesselnd zu transportieren.

„Die Kamelien-Insel“ ist ein Roman, der mich sehr schnell aus dem Alltag geholt hat. Abzutauchen in eine andere Welt, mit Sylvia mitleiden, -lieben und –leben, war einfach und bildhaft, beinahe plastisch vorstellbar die Umgebung, die Menschen in der Bretagne. Einzig konnte ich hin und wieder die Blauäugigkeit oder Gutgläubigkeit von Sylvia, die ja selbst eine erfolgreiche Unternehmensberaterin ist, nicht ganz nachvollziehen. Meist bezog sich dies auf ihren Ehemann, was man wiederum damit entschuldigen könnte, dass man das naheliegende einfach nicht sieht oder wahrhaben will.

Alles in allem hat mich die Geschichte gefangen, es gibt Wendungen, die ich so nicht vorhergesehen hatte und meine Lust einen Sommerurlaub zu buchen, ist enorm in die Höhe geschnellt.

Veröffentlicht am 16.07.2018

Der Wandel von Hass zu Liebe, gefühlvoll und behutsam beschrieben

Eine unbeugsame Braut
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Illiana, die junge Heilerin, wird gezwungen den berüchtigten und gefürchteten Ritter Markus Järv zu heiraten. Sie ist entsetzt und schockiert. Als Frau der damaligen Zeit hat sie keine wirkliche Möglichkeit ...

Illiana, die junge Heilerin, wird gezwungen den berüchtigten und gefürchteten Ritter Markus Järv zu heiraten. Sie ist entsetzt und schockiert. Als Frau der damaligen Zeit hat sie keine wirkliche Möglichkeit „nein“ zu sagen. Doch warum stimmt Markus dieser Verbindung zu? Offensichtlich liegt ihm nichts an der jungen Frau. Oder doch?

Für Illiana beginnt mit der Heirat ein abenteuerlicher Weg. Doch ihre Herzlichkeit und ihr offenes Wesen machen es leicht sie zu mögen. Anders bei Markus. Er zeigt seine raue, verschlossene, düstere Fassade. Trotzdem gelingt es Illiana hinter diese Mauer zu blicken und den verletzten Mann dahinter zu erkennen.

Auf ihrem gemeinsamen Weg begegnet ihnen immer wieder der Tod in Form hasserfüllter, mordlüsterner Gegner. Werden sie allen Gefahren trotzen können?

Hass und Liebe, Leidenschaft und Lust, Achtung und Verachtung liegen oftmals sehr nahe beisammen. Dies wird von Simona Ahrnstedt treffend beschrieben. Mit gefühlvoll gewählten Worten dürfen wir miterleben wie sich anfängliche Angst, Abneigung, ja auch Hass, langsam wandelt zu Liebe und Achtung vor dem anderen. Wenn auch sehr schön beschrieben, so sind mir doch die eine oder andere sexuelle Szene etwas zu unrealistisch für eine Zeit in der eine Frau keinerlei Rechte und ein junges Mädchen wie Illiana keine Erfahrung – wie man in der Hochzeitsnacht sieht – hat.

Der Titel „Eine unbeugsame Braut“ beschreibt Illiana etwas ungenau. Ja, sie hat für damalige Verhältnisse viel Mut ihre Meinung zu sagen. Allerdings fügt sie sich dem Schicksal und stimmt der Heirat zu. Sie tritt ihrem Mann zwar immer wieder mit ihrem eigenen Willen auf die Füße, doch genau dieser Wesenszug scheint Markus zu gefallen. Auch wird ihre Willensstärke von Simona Ahrnstedt behutsam und auch humorvoll beschrieben, sodass wir immer wieder über und mit Illiana schmunzeln dürfen.

Im Großen und Ganzen kann ich „Eine unbeugsame Braut“ nur wärmstens empfehlen. Das Buch ist perfekt für den nächsten Urlaub. Es holt uns innerhalb weniger Seiten aus dem Alltag in eine längst vergangene Zeit.

Veröffentlicht am 18.07.2018

Alltagsgeschichten mit Spaß und lehrreichem Kern

Jule weiß das noch genau
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Kathrin Eimler lässt in „Jule weiß das noch genau“ das Kindergartenmädchen Jule selbst erzählen. Sie berichtet uns von verschiedenen Abenteuern, oder einfach nur Alltagsgeschichten, die sie alleine oder ...

Kathrin Eimler lässt in „Jule weiß das noch genau“ das Kindergartenmädchen Jule selbst erzählen. Sie berichtet uns von verschiedenen Abenteuern, oder einfach nur Alltagsgeschichten, die sie alleine oder mit ihrer Freundin Emma erlebt. Ob wir an einem Cafebesuch mit Oma, an einem Zirkusbesuch, im Freibad oder aber an einem ganz tollen Tag teilnehmen dürfen; viele der Geschichten machen einfach Spaß, während andere, wie der Zahnarztbesuch, ein total doofer Tag oder eine schreckliche Radtour, durchaus auch einen lehrreichen Kern besitzen.

Jule ist ein aufgewecktes, liebenswertes Mädchen, das gerade seine Welt entdeckt. Dazu gehören Spaß und Neuigkeiten entdecken genauso wie Angst bezwingen und Frust verarbeiten, Streit mit der Freundin beenden und sich in eine andere Welt träumen.

Das Buch beinhaltet 15 Vorlesegeschichten in kindgerechter Sprache. Die Länge der einzelnen Geschichten ist so gewählt, dass auch jüngere Kinder, oder auch ein Zappelphilipp, nicht die Geduld verlieren werden.

Die Illustrationen sind im Buch schwarz-weiß gehalten, aber im selben Stil wie am färbigen Cover. Das finde ich ganz passend, da sich so jedes Kind die Bilder in seinen eigenen Farben vorstellen kann.

Auch die Altersgruppe ab 5 Jahre ist, meiner Meinung nach, passend gewählt. Die einzelnen Geschichten eignen sich durchaus als Abendgeschichte oder als kleine Hilfsgeschichte bei ersten Problemchen der Kinder, um anschließend mit dem Kind darüber zu sprechen. Insgesamt sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 15.07.2018

SM-Geschichten mit Leidenschaft erzählt

Ich unterwerfe mich! 12 Erotische SM-Geschichten
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Kathy March beschreibt in „Ich unterwerfe mich“ in jeder der12 Geschichten ein anderes Szenario. Wie schon der Titel und das sehr gut gemachte und passende Cover verrät, geht es hier darum, dass sich Frauen ...

Kathy March beschreibt in „Ich unterwerfe mich“ in jeder der12 Geschichten ein anderes Szenario. Wie schon der Titel und das sehr gut gemachte und passende Cover verrät, geht es hier darum, dass sich Frauen freiwillig einem oder mehreren Männer unterwerfen.

Das Spiel mit Dominanz und Devotion wird in verschiedenen Stärkegraden beschrieben. Die Sprache ist passend gewählt, sodass der Leser keine Abneigung gegen eine etwas deftigere Ausdrucksweise haben sollte. Auch die Länge der einzelnen Geschichten ist angenehm. Der Leser hat somit eine kurze, in sich abgeschlossene, erotische Fantasie vor sich liegen, die ihn von angeregt bis nachdenklich stimmen kann.

Grundsätzlich haben mir fast alle Geschichten zugesagt. Für mich ist es unabdingbar, dass bei SM der devote Teil klar und direkt seine Einwilligung und seine Grenzen bekanntgibt – auch wenn es nur Geschichten fürs Kopfkino sein sollen muss die Botschaft der Freiwilligkeit gegeben sein. Bei einer Geschichte war dies definitiv nicht der Fall und bei einer anderen ist mir dies leider bis zum Schluss nicht klar genug rüber gekommen. In beiden Fällen fielen die Geschichten für mich unter Vergewaltigung. Und das ist einfach nicht lesenswert.

Positiv möchte ich hervorheben, dass bei einigen Geschichten explizit die Verwendung von Kondomen erwähnt wird. Klar ist bei verschiedenen Praktiken und fürs Kopfkino ein Schutz manchmal hinderlich oder nur der „halbe Spaß“. Doch gerade bei SM und dem Sex mit nicht so gut bekannten oder gar unbekannten Männern ist dieser Faktor lebenswichtig. Alleine schon die Botschaft aus diesem Buch, dass SM sehr wohl auch sicher praktiziert werden kann, finde ich – gerade für Leser die sich vielleicht in der Versuchsphase befinden – sehr hilfreich und kann das Ansehen von SM durchaus heben.

Die 12 Geschichten habe ich durch den lockeren Schreibstill flüssig und mit vielen Bildern in meinem Kopf gelesen. Eine empfehlenswerte Lektüre für all jene Leser, die mit SM schon etwas anfangen können. Einzelne Geschichten sicherlich auch für jeden Neueinsteiger.

Veröffentlicht am 07.07.2018

Trotzt Freundschaft auch schwierigen Zeiten?

Ein fast perfekter Urlaub
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Im Roman „Ein fast perfekter Urlaub“ von Adele Breau dreht sich alles um die vier Freundinnen Eva, Lucie, Alice und Mathilde. Das letzte Jahr war für alle vier Freundinnen mehr als ereignisreich. So dürfen ...

Im Roman „Ein fast perfekter Urlaub“ von Adele Breau dreht sich alles um die vier Freundinnen Eva, Lucie, Alice und Mathilde. Das letzte Jahr war für alle vier Freundinnen mehr als ereignisreich. So dürfen wir nicht nur die vier unterschiedlichen Frauen, sondern auch ihre Kinder, Ex-Partner und Partner kennenlernen und begleiten.

Im gemeinsamen Urlaub der neu zusammengewürfelten Familien kommen ein paar brisante Details an die Oberfläche, teilweise ausgelöst durch den plötzlichen und unerwarteten Tod eines Ex-Partners. So zum Beispiel wird Lucie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, Alice damit, dass ihre jugendliche Tochter einen wesentlich älteren Freund hat. Wußte wirklich keine der Freundinnen darüber Bescheid? Oder, dass nicht so klar ist wer der Vater von Evas Sohn Jef ist. Werden wir dies überhaupt erfahren. Und Mathilde? Genießt sie ihr Singelleben oder ist sie nun doch bereit für eine Beziehung? Welche Rolle spielt Ralf in dem ganzen Gefüge? Aber nicht nur Beziehungen werden neu bewertet, auch berufliches muss sich erst finden und entwickeln.

All diese Neuerungen führen zu einer Spannung zwischen den Freundinnen. Wird ihre Freundschaft diese Schwierigkeiten überstehen?

Bei der Fülle an Personen war das Personenverzeichnis zu Beginn für mich überaus wichtig und bis zum Schluss ein Rettungsanker bei der Frage: wer ist das noch mal? Wer war da mit wem? Zu wem gehört jetzt dieses Kind? Die ist wohl auch der einzige Punkt den ich etwas bemängeln muss. Es waren mir eindeutig zu viele Personen am Spielfeld. Vielleicht liegt dies aber auch nur an meinem persönlichen Empfinden.

Die Flüssigkeit des Schreibstils hat mir definitiv zugesagt. Ebenso die Sprache und Personenbeschreibung. Dem Leser werden aber auch die Gefühlregungen der verschiedenen Protagonisten authentisch nahe gebracht. Hin und wieder hatte ich für ein oder zwei Zeilen den Faden verloren, weil zu einer anderen Person gesprungen und über sie erzählt wird. Doch da kommt man nach dem jeweils ersten Absatz dahinter.

Gut gefallen hat mir zum Schluss das Abrunden des Romans im Wege eines Ausblicks auf die Lebenssituation der Freundinnen nach einem Jahr. So bleibt (fast) keine Frage offen. Ich empfehle das Buch allen LeserInnen, die keine typische Liebesgeschichte, bei der nach zwei Seiten das Ende klar ist, lesen möchten. Hier vereint sich Liebesgeschichte, Freundschaft, Familienproblematik, Trauer und Eifersucht in einem Buch.