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Veröffentlicht am 03.10.2018

Hoffnung, Angst, Liebe, Brutalität – geschickt verpackt

Als das Leben unsere Träume fand
3 0

Luca Di Fulvio ist vielen Lesern aus seinen vorigen Romanen bekannt. Für mich war „Als das Leben unsere Träume fand“ das erste Werk von ihm.

Zu Beginn erhält jeder Jugendliche eigene Kapitel. So kann ...

Luca Di Fulvio ist vielen Lesern aus seinen vorigen Romanen bekannt. Für mich war „Als das Leben unsere Träume fand“ das erste Werk von ihm.

Zu Beginn erhält jeder Jugendliche eigene Kapitel. So kann man sie kennenlernen und erfährt immer kleine Portionen aus ihrem Leben. Die Kapitel wechseln sich relativ rasch ab, man springt von einem Leben zum anderen. Immer mit einer gewissen Neugierde, was sich beim anderen Jugendlichen gerade abspielt.

Alles drei sind für ihr Alter sehr starke Persönlichkeiten, mit dem unbändigen Wunsch sich nicht unterkriegen zu lassen.

Rocco, der sich gegen die sizilianische Mafia entscheidet, muss aus diesem Grund nach Buenos Aires fliehen. Dort hofft er auf einen Neuanfang ohne Mafia-Strukturen. Ob sich sein Traum erfüllen wird?

Rosetta wiederum weigerte sich dem Baron ihrer Gegend ihr Land zu verkaufen. Nur knapp überlebt sie eine Vergewaltigung. Sie sieht ein, dass die Macht des Barons zu groß ist. Um seiner Rache zu entgehen bleibt auch ihr nichts anderes über, als nach Buenos Aires zu fliehen. Aber, ist sie dort in Sicherheit?

Die jüngste der drei Jugendlichen ist die Jüdin Raechel. Ihrem Vater hat sie es zu verdanken, dass sie Lesen und Schreiben kann. Als sie als Einzige ihrer Familie ein Pogrom überlebt, schließt sie sich einer Gruppe an, die junge Mädchen im Ausland als Hausmädchen oder dergleichen vermittelt. So zumindest die Annahme der Bevölkerung. Welche Hölle die Mädchen in Buenos Aires erwartet, erfährt Raechel schon am Weg dort hin. Kann sie entkommen? Wie nutzt ihr in so einem Leben ihre Kenntnis von Lesen und Schreiben?

Ob, und wie, sich die drei jungen Menschen auf ihrer Reise und ihrem neuen Leben begegnen, ist von Luca Di Fluvio geschickt in eine mitreißende Geschichte verpackt.

Ich kam mit seinem Schreibstil sehr gut zurecht. Das Buch ist fesselnd und bildreich – manchmal fast ein bisschen zu bildreich – geschrieben. Trotz seiner gewaltigen Seitenanzahl von über 760 beim Print kommt keine Langeweile auf. Man fiebert mit den Protagonisten derart mit, dass auch die eine oder andere Träne ihren Weg findet.

Einzig müsste ich anmerken, dass mir manchmal zu viele Sätze in einer anderen Sprache geschrieben waren. Da ich weder italienisch noch spanisch kann, musste ich auf eine Übersetzung hoffen, oder google bemühen. Im Laufe des Buches kommt es auch immer wieder zu Gewalt und Brutalität. Hierzu sei gesagt, dass diese Szenen dramatisch, ungeschönt und mit viel Blut geschrieben wurden. Auch wenn die damalige Zeit noch so brutal gewesen sein mochte, für die eine oder andere Handlung konnte ich gegen Ende kein Verständnis mehr aufbringen. Meine Gewaltbereitschaft war einfach ausgeschöpft. Auch, da ich für einen oder zwei Morde keinen Grund gesehen habe. Doch dies ist nur meine persönliche Ansicht.

Trotzdem kann ich das Buch nur empfehlen, da es mir einige Stunden fesselnde Lesefreude bereitet hat. Es ist ein historischer Roman, ohne viel Zahlen oder Geschichtsinfo, aber so ganz nebenbei erfährt der Leser über die Lebensumstände und auch über das dunkle Kapitel der verschleppten jüdischen Mädchen.

Veröffentlicht am 26.02.2018

Sylvia´s - nicht ganz leichter - Weg zu sich selbst

Die Kamelien-Insel
3 0

Eine Ehe, die gar nicht so perfekt ist, wie sie im ersten Augenblick scheint, ein Job, der zu viel Stress verursacht, Werte, die schnellstens überdacht werden wollen. Das sind ein paar der Zutaten zur ...

Eine Ehe, die gar nicht so perfekt ist, wie sie im ersten Augenblick scheint, ein Job, der zu viel Stress verursacht, Werte, die schnellstens überdacht werden wollen. Das sind ein paar der Zutaten zur Geschichte über „die Kamelien-Insel“, bzw. eigentlich über ihre Besitzerin Sylvia.

Sylvia, eine erfolgreiche Unternehmensberaterin, hat sich selbst versprochen, nie mehr arm werden zu wollen. Dementsprechend hart hat sie an ihrem Erfolg gearbeitet.

Mit ihrem Ehemann Holger scheint sie in dieser Hinsicht an einem Strang zu ziehen. Doch ist sie auch (noch) glücklich mit ihm? Beide sehen sich immer nur kurz zwischen ihren Terminen, die sie schon mal Tage voneinander trennen.

Als Sylvia eine Kamelien-Insel in der Bretagne erbt, zeigt sich der wahre Stand ihrer Ehe. Während Holger die Insel so schnell wie möglich zu Geld machen will, wird hingegen Sylvia von der Insel und den Menschen dort in ihren Bann gezogen.

Um die ganze Sache noch etwas komplizierter zu machen, verliebt sich Sylvia in den dort beschäftigten Gärtner Mael. Wie soll sie sich verhalten? Zu ihrem Mann stehen und um eine Ehe kämpfen, die es vielleicht nicht mehr wert ist? Die Sicherheit ihrer momentanen Existenz bewusst aufgeben, um in eine völlig ungewisse Zukunft zu gehen?

Tabea Bach zeichnet die relativ kurze Zeit im Leben von Sylvia sehr emotional, anschaulich und wunderbar angenehm lesbar. Ihr gelingt es, sowohl die Liebe zu Kamelien spürbar zu machen, als auch die Besonderheiten der Bretagne und ihren Bewohnern gefühlvoll, bewegend und fesselnd zu transportieren.

„Die Kamelien-Insel“ ist ein Roman, der mich sehr schnell aus dem Alltag geholt hat. Abzutauchen in eine andere Welt, mit Sylvia mitleiden, -lieben und –leben, war einfach und bildhaft, beinahe plastisch vorstellbar die Umgebung, die Menschen in der Bretagne. Einzig konnte ich hin und wieder die Blauäugigkeit oder Gutgläubigkeit von Sylvia, die ja selbst eine erfolgreiche Unternehmensberaterin ist, nicht ganz nachvollziehen. Meist bezog sich dies auf ihren Ehemann, was man wiederum damit entschuldigen könnte, dass man das naheliegende einfach nicht sieht oder wahrhaben will.

Alles in allem hat mich die Geschichte gefangen, es gibt Wendungen, die ich so nicht vorhergesehen hatte und meine Lust einen Sommerurlaub zu buchen, ist enorm in die Höhe geschnellt.

Veröffentlicht am 20.11.2018

Mystik, Gefühl, Dramatik und Spannung in einer Geschichte

Die Melodie der Schatten
2 0

Fiona und Aidan, das sind die zwei Hauptprotagonisten in „Die Melodie der Schatten“ von Maria W. Peter.

Die Kutsche der jungen Lady Fiona Hemington, Tochter eines Richters, wird auf der Reise zu ihrer ...

Fiona und Aidan, das sind die zwei Hauptprotagonisten in „Die Melodie der Schatten“ von Maria W. Peter.

Die Kutsche der jungen Lady Fiona Hemington, Tochter eines Richters, wird auf der Reise zu ihrer Tante in den Highlands überfallen. Nur durch Zufall oder Glück kann sie den Wegelagerern lebend entkommen. Nur mit Mühe kann sie sich zu einem abgelegenen, düster wirkenden Herrenhaus durchschlagen. Doch genauso wie das Haus wirkt auch der Hausherr auf sie, düster und einschüchternd.

Der Aufenthalt auf dem Anwesen Thirstane Manor ringt Fiona ungeahnte Stärke ab. Nicht nur, dass sie fürchtet den Verstand ganz zu verlieren, da sie nachts Geräusche und Stimmen wahrnimmt, nein auch der Laird selbst scheint mehr als ein Geheimnis hinter seiner abweisenden Fassade zu verbergen.

Laird Aidan nimmt Fiona in sein Haus auf, doch schon bald verfolgt er seine eigenen Ziele mit ihrer Anwesenheit. Welche Pläne will er in die Tat umsetzen? Was hat mit alledem Fiona zu tun, die noch nie zuvor in dieser Gegend gewesen ist.

Zwischen der jungen, unsicheren Fiona und dem verschlossenen, abweisenden Aidan beginnt sich ein Gefühl der Zuneigung, des gegenseitigen Verstehens zu entwickeln. Können sie sich gegenseitig Hilfe aus ihren jeweiligen Albträumen sein?

Je länger Fiona auf Thirstane Manor verweilt, desto mehr zeigt sich ihre Stärke. Ihre Entwicklung ist beträchtlich. Sie wird zur selbstbewussten jungen Frau, die auch den Mut aufbringt, ganz undamenhaft für Bedienstete einzustehen und sie zu verteidigen. Und ganz nebenbei beginnt sie ihre eigene Geschichte und Vergangenheit zu begreifen und verstehen.

Aidan, anfangs von der Idee Fiona für seinen Plan zu missbrauchen, schließt diese immer mehr in sein Herz. Langsam kann Fiona seinen Panzer aus Schmerz, Wut, Hass, Selbstbestrafung und Verzweiflung durchdringen. Auch er beginnt eine Entwicklung indem er sich schrittweise öffnet, sich seinen Dämonen stellt und für Fiona Verantwortung übernimmt.

Können diese beiden Protagonisten ihre jeweilige Vergangenheit gemeinsam heilen? Haben sie so vielleicht eine Chance auf eine friedliche Zukunft?

Der Schreibstil von Maria W. Peters ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Die Beschreibungen der Highlands immer wieder ein einprägsames Bild. Stimmungen und Gefühle werden dem Leser nachvollziehbar dargebracht, ebenso erfährt man Hintergrundinformationen über die damaligen Verhältnisse der Pächter und Großgrundbesitzer, ohne mit Jahreszahlen die Geschichte zu beschweren.

Ich gebe hierzu gerne eine uneingeschränkte Leseempfehlung für jene Leser ab, die historische Ansätze, Gefühle, mystische Aspekte, Spannung und auch Dramatik in einem Buch vereint sehen wollen.

Veröffentlicht am 19.12.2018

Kalter verschneiter Winter – heiße enge Hütte

Die Hütte im Schnee | Erotischer Roman
1 0

Svenja Mund gönnt in „Die Hütte im Schnee“ ihren beiden Protagonisten Wanda und Max ein paar Tage ungestörten, hemmungslosen Sex in einer eingeschneiten Hütte.

Wanda bleibt mit ihrem Wagen liegen, als ...

Svenja Mund gönnt in „Die Hütte im Schnee“ ihren beiden Protagonisten Wanda und Max ein paar Tage ungestörten, hemmungslosen Sex in einer eingeschneiten Hütte.

Wanda bleibt mit ihrem Wagen liegen, als sie von Max gefunden wird, der sich ein paar Wochen Ruhe und Abgeschiedenheit in der Hütte vorgenommen hat. Die Wetterverhältnisse zwingen Wanda bei Max zu bleiben. Schon nach kurzer Zeit entwickelt sich zwischen den beiden eine ungewöhnliche sexuelle Beziehung.

Max erzählt ein paar seiner Sexgeschichten, wobei Wanda ihre nur erzählen kann, wenn sie Max tief in sich spürt. Im Laufe der Geschichte erfahren wir nicht sehr viel über die Protagonisten selbst, ihr Charakter ist für mich nur schemenhaft dargestellt, doch dafür einiges über ihre sexuellen Vorlieben.

Wandas Fantasie ist hierbei die, die die meiste Beachtung findet. Auch entwickelt sie sich zum aktiven, fordernden Part, die ihre narzisstische Veranlagung ungeniert hervorkehrt.

Für die Erzählungen wird immer wieder der Dirty Talk verwendet, den ich hier passend finde. Von den sexuellen Praktiken her bewegen wir uns sehr oft in Wiederholungen, da ist eher Wandas Fantasie für Neuerungen gut. Auch darf dem Leser die Erwähnung und detaillierte Beschreibung von Austausch und Spielen mit Körperflüssigkeiten nicht unangenehm sein.

Der Schreibstil ist leicht lesbar, flüssig, bildhaft und verrucht erotisch gehalten. Das Cover ist ansprechend gestaltet und lässt einen kleinen Einblick in die Geschichte zu.

Als Fazit möchte ich anmerken, dass ich zwar persönlich mit dem Schluss nichts anfangen konnte, mir die Charaktere etwas zu schemenhaft waren und die Handlungen zu viele Wiederholungen aufwiesen, ich aber dennoch auch Spaß beim Lesen hatte. Leser, die sich nach einer romantisch-erotischen Geschichte sehnen, oder jene, die eine harte BDSM-Story erwarten, werden mit „Die Hütte im Schnee“ nicht glücklich werden. Doch allen dazwischen kann ich nur raten selbst reinzulesen und sich ein Bild zu machen.

Veröffentlicht am 14.12.2018

Reizende Idee, etwas zu geradlinig umgesetzt

Der traumhafte Stoffladen
1 0

Der Einzug in ihr altes Kinderzimmer zuhause bei ihrer Mutter soll für Theresa zu einem Neubeginn werden. Ihre Beziehung ist zerbrochen, sie hat ihr ungeborenes Kinder und den Job verloren. Fast zur selben ...

Der Einzug in ihr altes Kinderzimmer zuhause bei ihrer Mutter soll für Theresa zu einem Neubeginn werden. Ihre Beziehung ist zerbrochen, sie hat ihr ungeborenes Kinder und den Job verloren. Fast zur selben Zeit zieht auch ihr Bruder Friedrich wieder bei seiner Mutter ein. Mittels ihrer Jugendträume wollen die beiden Geschwister sich ihrer jetzigen Ziele und Wünsche klar werden.

Natürlich muss sich Theresa im Laufe des Buches zwischen zwei Männer entscheiden, doch in meinen Augen war die Entscheidung nicht wirklich schwer und auch zu schnell erzählt. Von dem einen Mann erfährt man nicht wirklich viel. Ich war irgendwie auch nicht neugierig was da so im Hintergrund bei ihm laufen könnte. Der andere Mann dagegen ist die Positivzeichnung mit einem Schatten, den man schon im Vorfeld als harmlos identifizieren kann.

Schön fand ich die Darstellung und Beschreibung der Arbeit im Stoffladen ihrer Tante. Hier kam für mich etwas mehr Gefühl rüber, als im privaten Strang mit Mutter oder den Männern. Die Darlegung der Geschwisterbeziehung möchte ich auch als gelungen beschreiben.

Positiv zu erwähnen ist für mich die Entwicklung von Theresa. Sie kommt als trauerndes Bündel zuhause an, entwickelt sich dann aber zur selbstbestimmten Frau, die endlich, nach Jahren, auch den Vorstellungen der Mutter die Stirn bieten kann.

Amanda Kissel verwendet einen Schreibstil, der den Leser schnell und leicht in die Geschichte finden lässt. Leider fehlt mir der Moment an dem ich das Gefühl habe, jetzt und unbedingt weiterlesen zu müssen, damit ich erfahre wie die Geschichte weitergeht.

„Der traumhafte Stoffladen“ ist auf einer reizenden Idee aufgebaut, das Cover verspricht Flair und Gefühl, das der Roman nicht unbedingt halten kann.

Trotz ein paar Kritikpunkte möchte ich die positiven nicht vernachlässigen und gebe eine Leseempfehlung als Urlaubslektüre, für einen kalten Wintertag vor dem Kaminfeuer. Einfach um Abzuschalten und an der Entwicklung einer jungen Protagonistin teilzunehmen.