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Veröffentlicht am 28.02.2019

Vom ersten bis zum letzten Satz spannend und mitreißend geschrieben

Der Gesang der Bienen
4

„Der Gesang der Bienen“ zeigt uns Einblicke in das einfache Leben eines Zeidlers um das Jahr 1152. Der Leser erfährt beinahe nebenbei wie damals mit Bienen gearbeitet wurde, wie mühsam die Arbeit war. ...

„Der Gesang der Bienen“ zeigt uns Einblicke in das einfache Leben eines Zeidlers um das Jahr 1152. Der Leser erfährt beinahe nebenbei wie damals mit Bienen gearbeitet wurde, wie mühsam die Arbeit war. Seyfried, der Zeidler hat mit seiner Arbeit seine Frau Elsbeth und seine drei Kinder zu versorgen. Ein sehr beschauliches und bescheidenes Leben.

Elsbeth versteht sich auf einfache Heilkunst. Als sie versucht einem jungen Mädchen das Leben zu retten, nehmen die unglücklichen Zusammenhänge ihren Lauf, an deren Ende sie unschuldig zum Tode verurteilt wird. Seyfried kann einzig einen Aufschub erbeten um in der Zwischenzeit die Meinung der angesehenen Heilerin Hildegard einholen zu können. Doch die Zeit ist mehr als knapp bemessen. Seyfried muss sich sputen. Seine jüngste Tochter kommt bei Bauern in der Umgebung unter. Anna, ungefähr 14 Jahre, und Jasper, 8 Jahre müssen auf die Burg Staufen als Pfand.

Während Elsbeth im Turm bei schmutzigem Wasser und verdorbenen Lebensmittel ums Überleben kämpft, Seyfried sich seinen Weg durch allerlei Mühsal zu Hildegard nach Bingen bannt, um dort erneut auf die Geduldsprobe gestellt zu werden, muss Anna sich in der Burg behaupten und die Stärke einer Löwin entwickeln um für sich und ihren Bruder zu kämpfen.

Wird Hildegard dem Zeidler ein Schreiben für den Abt mitgeben, indem sie die Aufhebung des Todesurteils erbittet, fordert, oder würde dies bei den Männern der damaligen Zeit wenig Eindruck schinden? Wie kann Seyfried seiner Frau helfen? Kann Anna für sich und Jasper genug Kraft aufbringen? Schafft Elsbeth es im Turm zu überleben bis Seyfried zurückkommt? Wird das Urteil vielleicht früher vollstreckt? Egal wie man es wendet. Jede Seite ist dermaßen spannend, dass man das Buch nicht zur Seite legen möchte.

Der Schreibstil ist wunderbar leicht und flüssig lesbar. Die Erklärungen und Beschreibungen lassen beinahe von selbst farbenfrohe Bilder entstehen. Insgesamt ist die Geschichte mit starken Charakteren besetzt, die Handlungen nachvollziehbar, wenn auch nicht immer gutzuheißen. Die Geschichte selbst ist eher düster, wenig bis kein Witz und Humor, doch das passt für mich zu dieser Zeit und zur Rahmenhandlung. Die einzelnen Kapitel sind mir Datum und einem Countdown versehen, wie lange noch Zeit bis zur Hinrichtung von Elsbeth bleibt. Dies erhöht naturgemäß die Spannung noch ein Stück.

Ich kann hier eine Leseempfehlung für alle Freunde des historischen Romans geben, die beim Lesen nicht mit unzähligen Jahreszahlen, geschichtlichen Fakten und Daten gequält werden wollen. Der Leser erfährt einiges aus dem einfachen Leben aber auch einen kleinen Einblick in die Geschicke der großen Politik.

Veröffentlicht am 03.10.2018

Hoffnung, Angst, Liebe, Brutalität – geschickt verpackt

Als das Leben unsere Träume fand
4

Luca Di Fulvio ist vielen Lesern aus seinen vorigen Romanen bekannt. Für mich war „Als das Leben unsere Träume fand“ das erste Werk von ihm.

Zu Beginn erhält jeder Jugendliche eigene Kapitel. So kann ...

Luca Di Fulvio ist vielen Lesern aus seinen vorigen Romanen bekannt. Für mich war „Als das Leben unsere Träume fand“ das erste Werk von ihm.

Zu Beginn erhält jeder Jugendliche eigene Kapitel. So kann man sie kennenlernen und erfährt immer kleine Portionen aus ihrem Leben. Die Kapitel wechseln sich relativ rasch ab, man springt von einem Leben zum anderen. Immer mit einer gewissen Neugierde, was sich beim anderen Jugendlichen gerade abspielt.

Alles drei sind für ihr Alter sehr starke Persönlichkeiten, mit dem unbändigen Wunsch sich nicht unterkriegen zu lassen.

Rocco, der sich gegen die sizilianische Mafia entscheidet, muss aus diesem Grund nach Buenos Aires fliehen. Dort hofft er auf einen Neuanfang ohne Mafia-Strukturen. Ob sich sein Traum erfüllen wird?

Rosetta wiederum weigerte sich dem Baron ihrer Gegend ihr Land zu verkaufen. Nur knapp überlebt sie eine Vergewaltigung. Sie sieht ein, dass die Macht des Barons zu groß ist. Um seiner Rache zu entgehen bleibt auch ihr nichts anderes über, als nach Buenos Aires zu fliehen. Aber, ist sie dort in Sicherheit?

Die jüngste der drei Jugendlichen ist die Jüdin Raechel. Ihrem Vater hat sie es zu verdanken, dass sie Lesen und Schreiben kann. Als sie als Einzige ihrer Familie ein Pogrom überlebt, schließt sie sich einer Gruppe an, die junge Mädchen im Ausland als Hausmädchen oder dergleichen vermittelt. So zumindest die Annahme der Bevölkerung. Welche Hölle die Mädchen in Buenos Aires erwartet, erfährt Raechel schon am Weg dort hin. Kann sie entkommen? Wie nutzt ihr in so einem Leben ihre Kenntnis von Lesen und Schreiben?

Ob, und wie, sich die drei jungen Menschen auf ihrer Reise und ihrem neuen Leben begegnen, ist von Luca Di Fluvio geschickt in eine mitreißende Geschichte verpackt.

Ich kam mit seinem Schreibstil sehr gut zurecht. Das Buch ist fesselnd und bildreich – manchmal fast ein bisschen zu bildreich – geschrieben. Trotz seiner gewaltigen Seitenanzahl von über 760 beim Print kommt keine Langeweile auf. Man fiebert mit den Protagonisten derart mit, dass auch die eine oder andere Träne ihren Weg findet.

Einzig müsste ich anmerken, dass mir manchmal zu viele Sätze in einer anderen Sprache geschrieben waren. Da ich weder italienisch noch spanisch kann, musste ich auf eine Übersetzung hoffen, oder google bemühen. Im Laufe des Buches kommt es auch immer wieder zu Gewalt und Brutalität. Hierzu sei gesagt, dass diese Szenen dramatisch, ungeschönt und mit viel Blut geschrieben wurden. Auch wenn die damalige Zeit noch so brutal gewesen sein mochte, für die eine oder andere Handlung konnte ich gegen Ende kein Verständnis mehr aufbringen. Meine Gewaltbereitschaft war einfach ausgeschöpft. Auch, da ich für einen oder zwei Morde keinen Grund gesehen habe. Doch dies ist nur meine persönliche Ansicht.

Trotzdem kann ich das Buch nur empfehlen, da es mir einige Stunden fesselnde Lesefreude bereitet hat. Es ist ein historischer Roman, ohne viel Zahlen oder Geschichtsinfo, aber so ganz nebenbei erfährt der Leser über die Lebensumstände und auch über das dunkle Kapitel der verschleppten jüdischen Mädchen.

Veröffentlicht am 20.11.2018

Mystik, Gefühl, Dramatik und Spannung in einer Geschichte

Die Melodie der Schatten
3

Fiona und Aidan, das sind die zwei Hauptprotagonisten in „Die Melodie der Schatten“ von Maria W. Peter.

Die Kutsche der jungen Lady Fiona Hemington, Tochter eines Richters, wird auf der Reise zu ihrer ...

Fiona und Aidan, das sind die zwei Hauptprotagonisten in „Die Melodie der Schatten“ von Maria W. Peter.

Die Kutsche der jungen Lady Fiona Hemington, Tochter eines Richters, wird auf der Reise zu ihrer Tante in den Highlands überfallen. Nur durch Zufall oder Glück kann sie den Wegelagerern lebend entkommen. Nur mit Mühe kann sie sich zu einem abgelegenen, düster wirkenden Herrenhaus durchschlagen. Doch genauso wie das Haus wirkt auch der Hausherr auf sie, düster und einschüchternd.

Der Aufenthalt auf dem Anwesen Thirstane Manor ringt Fiona ungeahnte Stärke ab. Nicht nur, dass sie fürchtet den Verstand ganz zu verlieren, da sie nachts Geräusche und Stimmen wahrnimmt, nein auch der Laird selbst scheint mehr als ein Geheimnis hinter seiner abweisenden Fassade zu verbergen.

Laird Aidan nimmt Fiona in sein Haus auf, doch schon bald verfolgt er seine eigenen Ziele mit ihrer Anwesenheit. Welche Pläne will er in die Tat umsetzen? Was hat mit alledem Fiona zu tun, die noch nie zuvor in dieser Gegend gewesen ist.

Zwischen der jungen, unsicheren Fiona und dem verschlossenen, abweisenden Aidan beginnt sich ein Gefühl der Zuneigung, des gegenseitigen Verstehens zu entwickeln. Können sie sich gegenseitig Hilfe aus ihren jeweiligen Albträumen sein?

Je länger Fiona auf Thirstane Manor verweilt, desto mehr zeigt sich ihre Stärke. Ihre Entwicklung ist beträchtlich. Sie wird zur selbstbewussten jungen Frau, die auch den Mut aufbringt, ganz undamenhaft für Bedienstete einzustehen und sie zu verteidigen. Und ganz nebenbei beginnt sie ihre eigene Geschichte und Vergangenheit zu begreifen und verstehen.

Aidan, anfangs von der Idee Fiona für seinen Plan zu missbrauchen, schließt diese immer mehr in sein Herz. Langsam kann Fiona seinen Panzer aus Schmerz, Wut, Hass, Selbstbestrafung und Verzweiflung durchdringen. Auch er beginnt eine Entwicklung indem er sich schrittweise öffnet, sich seinen Dämonen stellt und für Fiona Verantwortung übernimmt.

Können diese beiden Protagonisten ihre jeweilige Vergangenheit gemeinsam heilen? Haben sie so vielleicht eine Chance auf eine friedliche Zukunft?

Der Schreibstil von Maria W. Peters ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Die Beschreibungen der Highlands immer wieder ein einprägsames Bild. Stimmungen und Gefühle werden dem Leser nachvollziehbar dargebracht, ebenso erfährt man Hintergrundinformationen über die damaligen Verhältnisse der Pächter und Großgrundbesitzer, ohne mit Jahreszahlen die Geschichte zu beschweren.

Ich gebe hierzu gerne eine uneingeschränkte Leseempfehlung für jene Leser ab, die historische Ansätze, Gefühle, mystische Aspekte, Spannung und auch Dramatik in einem Buch vereint sehen wollen.

Veröffentlicht am 26.02.2018

Sylvia´s - nicht ganz leichter - Weg zu sich selbst

Die Kamelien-Insel
3

Eine Ehe, die gar nicht so perfekt ist, wie sie im ersten Augenblick scheint, ein Job, der zu viel Stress verursacht, Werte, die schnellstens überdacht werden wollen. Das sind ein paar der Zutaten zur ...

Eine Ehe, die gar nicht so perfekt ist, wie sie im ersten Augenblick scheint, ein Job, der zu viel Stress verursacht, Werte, die schnellstens überdacht werden wollen. Das sind ein paar der Zutaten zur Geschichte über „die Kamelien-Insel“, bzw. eigentlich über ihre Besitzerin Sylvia.

Sylvia, eine erfolgreiche Unternehmensberaterin, hat sich selbst versprochen, nie mehr arm werden zu wollen. Dementsprechend hart hat sie an ihrem Erfolg gearbeitet.

Mit ihrem Ehemann Holger scheint sie in dieser Hinsicht an einem Strang zu ziehen. Doch ist sie auch (noch) glücklich mit ihm? Beide sehen sich immer nur kurz zwischen ihren Terminen, die sie schon mal Tage voneinander trennen.

Als Sylvia eine Kamelien-Insel in der Bretagne erbt, zeigt sich der wahre Stand ihrer Ehe. Während Holger die Insel so schnell wie möglich zu Geld machen will, wird hingegen Sylvia von der Insel und den Menschen dort in ihren Bann gezogen.

Um die ganze Sache noch etwas komplizierter zu machen, verliebt sich Sylvia in den dort beschäftigten Gärtner Mael. Wie soll sie sich verhalten? Zu ihrem Mann stehen und um eine Ehe kämpfen, die es vielleicht nicht mehr wert ist? Die Sicherheit ihrer momentanen Existenz bewusst aufgeben, um in eine völlig ungewisse Zukunft zu gehen?

Tabea Bach zeichnet die relativ kurze Zeit im Leben von Sylvia sehr emotional, anschaulich und wunderbar angenehm lesbar. Ihr gelingt es, sowohl die Liebe zu Kamelien spürbar zu machen, als auch die Besonderheiten der Bretagne und ihren Bewohnern gefühlvoll, bewegend und fesselnd zu transportieren.

„Die Kamelien-Insel“ ist ein Roman, der mich sehr schnell aus dem Alltag geholt hat. Abzutauchen in eine andere Welt, mit Sylvia mitleiden, -lieben und –leben, war einfach und bildhaft, beinahe plastisch vorstellbar die Umgebung, die Menschen in der Bretagne. Einzig konnte ich hin und wieder die Blauäugigkeit oder Gutgläubigkeit von Sylvia, die ja selbst eine erfolgreiche Unternehmensberaterin ist, nicht ganz nachvollziehen. Meist bezog sich dies auf ihren Ehemann, was man wiederum damit entschuldigen könnte, dass man das naheliegende einfach nicht sieht oder wahrhaben will.

Alles in allem hat mich die Geschichte gefangen, es gibt Wendungen, die ich so nicht vorhergesehen hatte und meine Lust einen Sommerurlaub zu buchen, ist enorm in die Höhe geschnellt.

Veröffentlicht am 13.05.2019

Lektüre zum Träumen, ohne Anspruch auf Tiefe

Die Kirschen der Madame Richard
2

Miriam entschließt sich völlig spontan während eines Urlaubs in Frankreich zu einem Hauskauf. Sie wird Besitzerin nicht nur eines alten Hauses, sondern auch eines großen, verwilderten Gartens mit über ...

Miriam entschließt sich völlig spontan während eines Urlaubs in Frankreich zu einem Hauskauf. Sie wird Besitzerin nicht nur eines alten Hauses, sondern auch eines großen, verwilderten Gartens mit über 50 Kirschbäumen. Von der Ernte dieser Kirschen will sie leben. Miriam ist einerseits eine sehr eigenständige, beinahe 50jährige Frau, andererseits in manchen Dingen eher unentschlossen. Alles was ihr Gefühlsleben betrifft versucht sie zu schützen. Sich nicht neuerlich verletzen zu lassen. Wird sie durch ihre Vorsicht die Liebe verpassen, wenn sie an die Türe klopft? Wie sieht das mit der vielen harten Arbeit im Kirschgarten aus? Schafft sie das alles allein? Bekommt sie Hilfe? Wie stehen die Einheimischen zu dieser verrückten Deutschen, die sich so einfach ohne Vorkenntnisse einen Kirschgarten kauft? Fragen, die im Laufe des Buches eine Antwort bekommen werden.

Ein paar Dorfbewohner kann Miriam von Beginn an für sich gewinnen. Da ist die flippige Paula in der Bäckerei, der Hotelbesitzer, der sich gleichzeitig als Bürgermeister herausstellt, Micheline, die Nachbarin oberhalb von Miriam und ihr Nachbar von gegenüber, der gutaussehende Philippe.

Wie Miriam sehr bald entdeckt, wissen in dem kleinen Dorf alle über alles Bescheid. Je länger sie dort lebt, desto mehr werden ihr Verknüpfungen zugetragen. Jeder Bewohner hat eine Verbindung zu einem anderen, der wieder zum nächsten usw. Die Netzwerkstruktur ist gewachsen und fest. Wird Miriam als Fremde hier einen Platz finden?

„Die Kirschen der Madame Richard“ von Tania Schlie ist ein sommerlicher Roman, der sehr gut gelungene Landschaftsbeschreibungen beinhaltet. Auch Stimmung und Flair der Orte, der Fester, der Situationen lassen den Leser ins Geschehen eintauchen. Er liest sich flüssig und leicht, wie eine Sommerbrise. Die einzelnen Kapitel tragen Überschriften, manchmal findet man vor einem neuen Kapitel auch einen Auszug aus dem Kirschtagebuch des Vorbesitzers von Miriams Haus. Nett gemacht, wenn für mich auch etwas überflüssig.

Wer hier Tiefgang oder anspruchsvolle Botschaft erwartet, wird wahrscheinlich etwas enttäuscht sein. Doch für den abendlichen Ausklang, zum Abschalten, oder einfach Genießen und Eintauchen eine mehr als passende Lektüre.