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Veröffentlicht am 14.11.2019

Deutsche Geschichte, zerbrechliches Porzellan und zwei wunde Seelen

Ein neues Blau
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Mitte der 1980er: Die 18jährige Anja soll Gesellschafterin für Lili Kuhn werden. Anja hat nicht allzu große Lust dazu und Lilis Idee war das ebenfalls nicht. Die alte Dame ist gern für sich und spricht ...

Mitte der 1980er: Die 18jährige Anja soll Gesellschafterin für Lili Kuhn werden. Anja hat nicht allzu große Lust dazu und Lilis Idee war das ebenfalls nicht. Die alte Dame ist gern für sich und spricht nicht so viel und schon gar nicht über sich selbst. So unterschiedlich die beiden sind, so gut passen sie zusammen. Die eine öffnet sich der anderen und es kommen erstaunliche Dinge zutage.

Die Sprecherinnen für Lili und Anja sind mit Eva Meckbach und Nina Lilith Völsch sehr gelungen getroffen. Beiden Stimmen lauschte ich sehr gern. Sie sind angenehm und treffen die jeweilige Situation emotional wunderbar. Was ganz banal beginnt, wird unmerklich rasend schnell hochspannend. Man möchte gar nicht mehr aufhören, denn nichts ist langweilig oder uninteressant.

Dabei ist der Wechsel zwischen den beiden Zeitebenen immer sehr passend und harmonisch. Anjas Part ist dabei sehr kurz. Es geht in der Hauptsache um Lili und die Gründe, warum sie ist, wie sie ist, was sie erlebt hat und wie die Vergangenheit noch immer auf ihr lastet. Lili ist die Tochter eines nicht praktizierenden Juden und einer Christin. Die Mutter stirbt früh, im jüdischen Glauben gilt Lili als Nicht-Jüdin, da die Religion von der Mutter „vererbt“ wird. Doch Jahre später gilt sie als Halbjüdin. Und das hat Folgen.

Lilis Liebe zu diversen Dingen, besonders zu Porzellan, ist wunderbar beschrieben. Auch die Freundschaft und innige Verbundenheit zu Takeshi rühren tief und nachhaltend an. Man lernt nebenbei viel über Porzellan, Tee und die Problematik der Kriege und dem Judentum. Dabei geht es nicht nur um Lili, aber sie steckt einfach mittendrin. Um sie kreist quasi alles. Und Anja mit ihrer ganz eigenen Problematik lernt, über ihren Tellerrand hinaus zu sehen. Das passt als Sinnbild sehr gut zu der Schale, die in der Geschichte eine besondere Rolle spielt.

Der Schreibstil ist bei Lilis Part sehr ruhig und sanft, bei Anja sehr viel wilder und zum Teil auch aggressiv. Das passt zu den Figuren und zu dem, was sie zu erzählen haben.

Ein wundervolles Buch, dennoch reicht es nicht ganz für fünf Sterne. Aber vier gebe ich aus tiefstem Herzen.

Veröffentlicht am 13.11.2019

Vermutlich eher was für Erwachsene …

Mats und Murat (inkl. CD der VDSIS-Jungs)
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… denn die Kids könnten doch glatt glauben, man kommt immer irgendwie auch ohne Lernen und ohne Regeln fein raus.

Die Rap-Songs von Mats und Murat wurden von den VDSIS-Jungs Dustin und Xaver eingesungen. ...

… denn die Kids könnten doch glatt glauben, man kommt immer irgendwie auch ohne Lernen und ohne Regeln fein raus.

Die Rap-Songs von Mats und Murat wurden von den VDSIS-Jungs Dustin und Xaver eingesungen. Für mich ist das ein einziger Song und fünf Strophen, aber das ist auch nicht so wild. Wer es nicht kennt – VDSIS ist „Von der Straße ins Studio“, einem deutschen Rap-Projekt für Kinder und Jugendliche. Seit der Gründung nahmen schon mehr als 7000 Kids an den Aktivitäten wie Auftritten, Videodrehs, und Workshops teil.

Die Zeichnungen/Illustrationen von Karl-Heinz (K.H.) Schrörs sind zauberhaft. Sie sind nicht zu modern, aber auch nicht zu sehr Wilhelm Busch. So eine wunderbar gelungene Mischung aus beidem, würde ich sagen.

Tom Gerhardt hat die beiden Lausbuben Max und Moritz in unsere Zeit gebracht. So ganz glücklich bin ich mit dem Verlauf der Story nicht. Sie passt jedoch zu Tom Gerhardt und vermutlich auch zu den unbelehrbaren Kids, die es leider immer wieder gibt. Die Reime sind eher lang ausgefallen, nicht so kurz und knapp und auf den Punkt, wie bei Busch.

Mir fehlt ein bisschen das gute Ende – hier haben die Jungs am Ende einfach nichts gelernt und das finde ich schade und auch nicht wirklich „moralisch vertretbar“. So werden es leider nicht die vollen fünf, sondern „nur“ vier Sterne.

Veröffentlicht am 13.11.2019

Zwei folgenschwere Tage in Thalbach

Der Sprung
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Manu steht auf dem Dach. Eine Anwohnerin informiert die Polizei. Feuerwehr und Rettungskräfte jeder Art rücken an, das Viertel steht Kopf, alles ist anders und eine ganze Reihe Menschen, die mehr oder ...

Manu steht auf dem Dach. Eine Anwohnerin informiert die Polizei. Feuerwehr und Rettungskräfte jeder Art rücken an, das Viertel steht Kopf, alles ist anders und eine ganze Reihe Menschen, die mehr oder weniger direkt mit Manu zu tun haben oder hatten, werden in einen Strudel gezogen, der ihr Leben verändert …

Anfangs hatte ich ein paar kleine Probleme, mich in die Story zu finden. Die einzelnen Kapitel sind mit dem Namen derjenigen Person versehen, die darin die Hauptrolle spielt. Insgesamt werden sehr viele Namen genannt (mehr als 20 – da muss man sehr aufpassen) und man ahnt zunächst nicht, wer wie mit Manu zu tun hat und warum. Nach und nach erklären sich die Zusammenhänge. Es zeichnet sich ab, wie wir alle durch jede unserer Handlung eine Art Kettenreaktion auslösen. Mal ist sie kleiner, mal größer, aber irgendwie verbindet uns jede unserer Handlungen mit endlos vielen Personen. Aber nicht nur das – diese Personen finden auch wieder untereinander Berührungspunkte, und seien sie auch noch so klein. Es ist ein wunderbares Netz, das hier gesponnen wurde.

Durch diesen Stil mit den Kapiteln der einzelnen Figuren sieht man Manu und ihr Handeln aus unterschiedlichen Perspektiven. Es gibt keinen allwissenden Erzähler im üblichen Sinne und das ist einzigartig zu lesen. Jede Figur hat ein eigenes, nicht wirklich leichtes Schicksal. Alle haben einen prall gefüllten Lebensrucksack, der ihnen mehr oder weniger schwer zu schaffen macht. Der eine stürzt ab, der andere steigt auf, die eine sprengt alle Ketten, die nächste verliert alles – Simone Lippert hat die ganze Bandbreite des Lebens in dieses wunderbare Büchlein gepackt, ohne lächerlich zu werden oder unlogische Wendungen einzubauen.

Sehr oft ist das Buch melancholisch, traurig und dunkel, aber insgesamt geht es mitten ins Herz, lässt auch immer wieder lachen und am Ende erkennen, dass alle Hochs und Tiefs haben und man selbst nicht besser oder schlechter als andere dran ist. Jeder kann sich in der einen oder anderen Figur zumindest ein bisschen wiederfinden.

Das Ende ist quasi ein explodierendes Munitionslager. Alles ist danach anders, nichts mehr, wie bisher. Viele lose Enden bleiben übrig und dennoch ist das Buch komplett und rund. Das muss man erst mal so hinbekommen! Und immer wieder gibt es Momente, die fast schon philosophisch sind. So zum Beispiel, wenn Henry Lukas fragt, was ihn tröstet und dieser dann meint, dass nichts so bleiben wird, wie es ist und dies noch ausführt. Einfach super schön und für mich auch wirklich ein tröstender Gedanke, gerade im Hinblick auf die Geschichte der beiden. Oder wie Moosbach aufzählt, was er schon so alles verschwinden hat sehen. Da fehlen mir die Worte, um zu sagen, wie wunderschön dies geschrieben ist.

Störend empfand ich, dass viele Fragesätze ohne Fragezeichen waren und auch der Ausdruck „Anfang Jahr“ oder „Anfang Monat“ kam öfter vor – für mich klingt das nach einem Fehler. Doch diese beiden Punkte wiegen nicht sehr schwer und das Büchlein hat mich so sehr bewegt und berührt, dass ich die vollen fünf Sterne geben möchte. Es ist eines meiner Jahreshighlights, definitiv!

Veröffentlicht am 12.11.2019

Öle für Haut und Sinne

Das kleine Buch: Pflegende Körperöle
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Wie bei allen Büchlein der Serie „Das kleine Buch“ bekommt man auch hier kompakt zusammengefasst die wichtigsten Informationen zu pflegenden Körperölen und ein paar Rezepte, wie man selbst welche herstellen ...

Wie bei allen Büchlein der Serie „Das kleine Buch“ bekommt man auch hier kompakt zusammengefasst die wichtigsten Informationen zu pflegenden Körperölen und ein paar Rezepte, wie man selbst welche herstellen kann.

Gestartet wird mit Informationen rund um Öle und Fette, deren Gewinnung, der Unterscheidung von Mengen-, Funktions- und Wirkstoffölen, Ansatzöle und Ätherische Öle. Die Rezeptbeispiele nehmen nur wenig Raum ein, doch das ist völlig in Ordnung, da man selbst sehr schön experimentieren kann. Wichtig ist das Wissen, das dabei hilft, die einzelnen Komponenten sinnvoll und wirkungsvoll richtig zusammenzustellen.

Alles ist verständlich erklärt und man merkt die Leidenschaft, die Ursula Gerhold hineingesteckt hat. Die Fotos hat Michael Gerhold gemacht und damit ausdrucksstark die Texte unterstützt. Das Büchlein ist ideal, um erste Einblicke in die Materie zu nehmen und auszuloten, ob man sich tiefer einarbeiten möchte.

Von mir bekommt „Pflegende Öle“ vier Sterne.

Veröffentlicht am 11.11.2019

Molas Autobiografische Erzählung

90er Reloaded
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Dass ich von diesem Buch etwas anderes erwartet habe, liegt vermutlich an mir. Ich ging davon aus, dass der Schwerpunkt auf den 90ern insgesamt, VIVA und Boygroups liegt, nicht dass ich eine „Autobiographie“ ...

Dass ich von diesem Buch etwas anderes erwartet habe, liegt vermutlich an mir. Ich ging davon aus, dass der Schwerpunkt auf den 90ern insgesamt, VIVA und Boygroups liegt, nicht dass ich eine „Autobiographie“ von Mola Adebesi lesen werde.

Nun denn, ist passiert! Doch muss ich sagen, dass das ganz heftig viel Selbstbeweihräucherung drin steckt und ich beim Lesen deshalb immer wieder stockte. Die Bücher von Nilz Bokelberg sind da wesentlich unterhaltsamer und beziehen sich auf die Zeit, das Feeling, die Musik – nicht auf den Moderator.

Für eingefleischte Mola-Fans ist das natürlich genau richtig so. Es gibt viel zu lesen rund um alles, was mit ihm und seiner Tätigkeit beim Musiksender VIVA zu tun hat. Er lässt sich über alles aus – für meinen Geschmack tatsächlich zu sehr auf sich selbst bezogen, nicht auf Fakten, Tatsachen, Zahlen, Daten. Das vermisse ich definitiv in diesem Buch. Molas Kindheit, Molas Werdegang, Molas Begegnungen mit den Stars der 90ern damals und heute, Mola damals, Mola heute. Mola rundum! Er lässt für mich den Eindruck entstehen, dass die 90er ohne ihn nie stattgefunden hätten. Das ist mir ein bisschen zu sehr drüber.

Es gibt auch eine Menge Fotos aus den 90ern – und damit eine regelrechte Fotostrecke von Mola als Kind bis Mola heute. So liest sich auch das Buch. Sprachlich nicht gerade ausgefeilt, eher salopp - wie Mola eben war und ist. Seine Lebensgeschichte unterbricht sozusagen immer wieder die interessanten Dinge rund um den Lifestyle der 90er. Dennoch bekommt der Leser einiges serviert, das er vielleicht so noch nicht über diese Zeit wusste. Interessant ist es schon, nur nicht hitverdächtig.

Mich konnte Mola Adebisi leider nicht so intensiv in die 90er zurückbeamen, wie ich das erhofft hatte. Dazu war das zu sehr Selbstdarstellung. Aber wie gesagt, das kann auch mit falschen Erwartungen zusammenhängen. Trotzdem reicht es bei mir nur für drei Sterne.