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Veröffentlicht am 01.12.2021

Albert Entwistle – der Postbote mit dem großen Herzen

Das geheime Leben des Albert Entwistle
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Albert Entwistle lebt ein sehr unauffälliges Leben. So seltsam das für einen Postboten sein mag, so intensiv bemüht er sich, quasi unsichtbar zu sein. Für ihn völlig unerwartet eröffnet ihm seine Chefin, ...

Albert Entwistle lebt ein sehr unauffälliges Leben. So seltsam das für einen Postboten sein mag, so intensiv bemüht er sich, quasi unsichtbar zu sein. Für ihn völlig unerwartet eröffnet ihm seine Chefin, dass er mit seinem nächsten Geburtstag in Rente gehen muss – und der steht kurz bevor. Dann stirbt auch noch seine Katze und Albert verliert völlig den Halt. Er beschließt, dass es Zeit wird, etwas zu ändern. Und so knüpft er zaghaft Kontakt zu seinen Mitmenschen. Albert staunt, was das alles ins Rollen bringt, zumal er endlich den Mut fasst, nach seiner Jugendliebe George zu suchen …

Matt Cain nimmt uns auf eine wunderbare und gefühlvolle Reise mit. Er zeigt uns mit viel Einfühlungsvermögen und ohne moralischen Zeigefinger, dass Liebe allumfassend ist, es unterschiedliche Formen und Arten gibt, aber keine besser oder schlechter als die andere ist. An vielen kleinen Geschichten zeigt er dies. Von der jungen Nicole, die den Eltern ihres Freundes nicht gut genug zu sein scheint, über die beiden schwulen Nachbarn, der einsamen Nachbarin bis zu seinen Kollegen, jeder hat seine eigene, ganz außergewöhnliche Geschichte und Liebe, die Albert zum Nachdenken und Handeln bringt. Viele der Szenen kennt man vermutlich selbst aus seinem Umfeld. Aber so „serviert“, sieht man sie mit anderen Augen.

Mich hat enorm bewegt, wie lang Albert sein Leben so führte, wie es andere von ihm erwartet haben. Dass selbst der Tod der Mutter ihm keine Freiheit brachte, machte mich sehr traurig. Wie der Autor Albert dann aber pünktlich zu seiner Pensionierung Mut fassen lässt, ihn neue Wege gehen lässt, sich und andere überrascht – das ist einfach wunderschön geschrieben.

Dabei ist hier nicht alles eitel Sonnenschein. Wie im richtigen Leben tauchen immer neue Schwierigkeiten auf und dennoch ergibt alles ein schönes Bild – vielleicht gerade auch mit und wegen der traurigen Szenen, der Rückschläge, der Verluste und der unveränderbaren Dinge.

Man lernt so viele wunderbare Figuren kennen, dass man gern Teil der Story wäre. Selbst die weniger Netten haben ihren eigenen Charme und bereichern sowohl die Geschichte, als auch den Leser/Hörer ungemein. Die Rückblicke in Alberts Kindheit und Jugend sind wohldosiert und helfen, die Zusammenhänge zu verstehen. Man fiebert auf beiden Zeitebenen mit Albert mit.

Manche Szenen sind ein bisschen arg märchenhaft und manche Zufälle sind mir zu krass. Dennoch ist das Buch exakt so, wie es ist, perfekt. Ich bin komplett darin versunken, habe gelacht und geweint und festgestellt, dass selbst ich manche Dinge hin und wieder von einem anderen Blickwinkel aus betrachten sollte.

Das Buch ist ein Hochgesang auf die Liebe. Ob die Liebe zwischen (Groß-)Mutter und Kind/Enkel, die Liebe zwischen Mann und Frau, die Liebe zwischen Gleichgeschlechtlichen, die Liebe der Jugend, die Liebe im Alter, die Liebe zum Haustier oder welche Liebe auch immer – es ist die Liebe, um die es geht. Reine Liebe kann niemals falsch sein. Aber Vorurteile sind es immer!

Hans Jürgen Stockerl hat die Story wunderbar eingelesen. Es war großartig, ihm zu lauschen. Ich konnte mich komplett auf ihn einlassen, auf seine Stimme, seine Worte, die Geschichte und die Gefühle.

Ist das Buch „übertrieben“? Wahrscheinlich! Ist das Buch zauberhaft? Auf alle Fälle! Ist das Buch lesenswert? Oh ja!

Ganz klare fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 19.11.2021

Sehr schwach!

Die Verlorenen
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Jonah Colley sucht seit zehn Jahren seinen Sohn Theo. Er glaubt nicht daran, dass er ertrunken ist. Sein bester Freund Gavin, zu dem der Kontakt inzwischen abgebrochen ist, meldet sich plötzlich wieder ...

Jonah Colley sucht seit zehn Jahren seinen Sohn Theo. Er glaubt nicht daran, dass er ertrunken ist. Sein bester Freund Gavin, zu dem der Kontakt inzwischen abgebrochen ist, meldet sich plötzlich wieder und will Jonah in einem verlassenen Lagerhaus treffen. Doch dort findet Jonah nicht Gavin, sondern eine Falle …

Über lange Strecken dreht sich meiner Meinung nach die Story im Kreis. Mir fehlt hier eine Art Vorankommen. Die neuen Erkenntnisse und was Jonah herausfindet, macht den Wust nur noch dicker, bringt aber niemanden in Richtung Lösung. Das mag dem einen oder anderen gefallen, mich stresst das.

Hinzu kommt, dass mir die Handlungen oftmals sehr unlogisch vorkommen. Von wem? So gut wie von jeder Figur im Buch! Die Erklärung, wie Tote wieder lebendig werden können, hat mir den Atem verschlagen. Entweder sind in London alle Polizisten unfähig oder dies ist der unglaubwürdigste Thriller aller Zeiten. Vermutlich letzteres!

Das Ende ist unbefriedigend. Hier wird eindeutig darauf hingearbeitet, einen Anschluss an weitere Bände zu schaffen. Das mag ich gar nicht. Schön, wenn eine Reihe zusammenhängt, aber nicht schön, wenn Fäden lose herumhängen oder mit hässlichen Knoten zusammengeflickt werden.

Hätten die Figuren wenigstens Tiefe, könnte das etwas ausgleichen. Doch sie sind blass und keine liegt mir sonderlich am Herzen, außer Theo. Ich suchte vergebens nach Spannung und habe tatsächlich das Gegenteil gefunden – Entspannung. Ich hatte das Gefühl, so ziemlich jede Figur hatte entweder Schlaftabletten oder Beruhigungsmittel eingeworfen. Alles dümpelte selbst an den spannendsten Stellen recht geruhsam vor sich hin. Für einen Serienauftakt ist dieser Teil einfach zu schwach und kann mich nicht dazu animieren, fieberhaft auf den nächsten Band zu warten, um herauszufinden, ob „alles noch gut wird“.

Die Idee ist okay, es gibt wunderbare Sätze und Stellen, aber nichts passt richtig zusammen. Mit viel gutem Willen gebe ich drei Sterne – Johannes Steck hat sich sehr viel Mühe gegeben, den Thriller so gut wie nur möglich dastehen zu lassen. Zaubern kann er halt aber auch nicht.

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Veröffentlicht am 18.11.2021

Ein genialer King, ganz ohne Monster und Übernatürlichem, aber dennoch voller Thrill

Billy Summers
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Billy Summers will nach diesem lukrativen Auftrag sein Leben und seine Identität ändern. Sein Job: Auftragsmorde. Doch diesmal kommt alles anders. Obwohl er der Beste seines Faches ist, tappt er um ein ...

Billy Summers will nach diesem lukrativen Auftrag sein Leben und seine Identität ändern. Sein Job: Auftragsmorde. Doch diesmal kommt alles anders. Obwohl er der Beste seines Faches ist, tappt er um ein Haar in eine tödliche Falle. Auf seiner Flucht nimmt sein Leben eine unerwartete Wendung. Er rettet Alice das Leben. Was soll er nun tun? Die Antwort ist nicht einfach zu finden – aber sie findet Billy.

War Stephen Kind anfangs noch der typische Horrorautor, der mit Monstern und Wahnvorstellungen arbeitete und damit eindeutig ins Schwarze traf, hat sich sein Fokus im Laufe der Jahre verändert. Der Stil ist nach wie vor unfassbar gut, doch die Mittel, die Werkzeuge, sind anders. Mir gefällt das sehr, doch könnte der eine oder andere Fan diese Elemente hier vergebens suchen. Das einzige Monster im Buch ist der Mensch mit der großen Palette der Grausamkeiten, zu denen er fähig ist. Das geht von Krieg über Auftragsmord bis zu Gruppenvergewaltigungen und all den Gräueltaten dazwischen.

Mich hat Billy Summers sehr bewegt. Mal wieder ist es King gelungen, mein Herz mit meinem Verstand streiten zu lassen. Sympathie für einen Auftragskiller zu haben, ist schon eine schwierige und schwer zu verkraftende Sache. Billys Geschichte nimmt aber einen Verlauf, mit dem ich so nie gerechnet hätte. Sein Hintergrund rechtfertigt ganz sicher nicht das Töten von Menschen, dennoch kann man nachvollziehen, wieso er zu dem wurde, der er ist. Und trotz aller entsetzlichen Taten ist Billy ein Gerechtigkeitsfanatiker und achtet sehr darauf, keine unschuldigen Menschen zu töten.

Wie er hereingelegt wird, wie er sein Leben durch Flucht zu retten versucht, was die Begegnung mit Alice auslöst und wie die ganze Sache endet – es ist so typisch King, so ergreifend, so verwirrend und so in sich schlüssig, dass einem fast der Atem wegbleibt. Billy Summers ist eine ganz außergewöhnliche Figur, aber man hat sie real vor Augen. Die unterschiedlichen Rollen, die Billy einnimmt, sind genial. Dass King diesmal auf all das verzichtet, für das er bei vielen steht, erfreut mich sehr. Denn trotz der fehlenden Monster ist hier sehr wohl das Böse in unterschiedlichsten Varianten vertreten. Und das vielleicht sogar erschreckender, als jede mystische Figur es sein könnte.

Das Ende – es ist so typisch King und doch so unerwartet, so anders, so atemberaubend und so schmerzlich, dass ich im ersten Moment sehr wütend auf meinen Lieblingsautoren war. Doch inzwischen habe ich ihm verziehen und finde seinen Einfall nicht nur in sich stimmig, sondern auch genial. Ja, ich bin mal wieder begeistert! Fünf Sterne! Und könnte ich es, gäbe es für David Nathan noch mal fünf Sterne extra obendrauf! Er ist definitiv der beste Sprecher für Kings Bücher, den man sich denken kann.

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Veröffentlicht am 16.11.2021

Glühwein hilft immer …!

Morgen, Klufti, wird's was geben
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Die Erika landet aufgrund Kluftis Schusseligkeit im Krankenhaus. Und das kurz vor Weihnachten. Klar, dem Klufti geht die Erika sowieso ab, aber das kann ja nicht sein, der Langhammer übertreibt doch bestimmt, ...

Die Erika landet aufgrund Kluftis Schusseligkeit im Krankenhaus. Und das kurz vor Weihnachten. Klar, dem Klufti geht die Erika sowieso ab, aber das kann ja nicht sein, der Langhammer übertreibt doch bestimmt, die Erika kann doch heim, dekorieren, kochen, backen und alles für den Besuch vom Yoshi vorbereiten …! Oder nicht? Es kommt, wie es kommen muss …!

Ich bin nicht der typische und riesige Kluftinger-Fan, aber dieses Weihnachtskatastrophenkalenderbüchlein gefällt mir super gut! Ganz gleich, was passiert, der Klufti merkt nicht, dass er einen Murks nach dem nächsten baut und macht einfach weiter, wie bisher! Wird schon schiefgehen! Oder jemand – die Erika am besten – kommt und holt ihn aus seinen Fettnäpfchen raus. Aber irgendwie klappt das diesmal so gar nicht und der Klufti muss sich immer neue … Erklärungen … einfallen lassen. Herrlich schräg und so plump, dass es doch wieder lustig ist! Das hat mit Schadenfreude allerding gar nichts zu tun, denn für mich sind die Reaktionen „drumrum“ das Köstliche. Wie der Yoshi neue Wörter lernt und das Erlebte verarbeitet und umsetzt, wie die China-Touristen auf die „Tradition“ anspringen und der Yoshi deutlich macht, dass Asiaten nicht alle gleich sind, wie die Erika tapfer so tut, als wüsste sie nicht, wie schlimm es bei ihr daheim gerade zugehen wird, wie der Glühwein … glüht! Ach ja, es ist schon wirklich herrlich und ich denke, beim ersten Glühwein in dieser Vorweihnachtszeit werde ich schon vor dem ersten Schluck ganz breit grinsen!

Ja, manche Stellen sind ein wenig plump und sehr vorhersehbar, aber dennoch finde ich das Büchlein eine tolle Idee und sehr gelungen. Dass jedes der exakt vierundzwanzig Kapitel eine Katastrophe beinhaltet, passt zum Kluftinger du macht das Buch zu einem ganz besonderen „Adventskalender“. Wer mag, kann täglich eins der Kapitel lesen – aber es schnurpst sich auch „am Stück“ super weg. Anspruchsvoll ist das Büchlein nicht, will und soll es auch gar nicht sein. Dafür ist es kurzweilig und unterhaltsam. Nur sind es recht wenig Seiten in ziemlich kleinem Format für einen stolzen Preis. Deshalb vier Sterne.

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Veröffentlicht am 13.11.2021

Ich sag Sie das, wie es ist

Wo kommen wir denn da hin
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Nach dem Erfolg der Online-Oma Renate Bergmann bekommt nun der Offline-Opa Günter Habicht durch Torsten Rohde eine Plattform. Der schnoddrige Frührentner nervt seine Frau, ach, die ganze Familie und auch ...

Nach dem Erfolg der Online-Oma Renate Bergmann bekommt nun der Offline-Opa Günter Habicht durch Torsten Rohde eine Plattform. Der schnoddrige Frührentner nervt seine Frau, ach, die ganze Familie und auch noch alle anderen in der Umgebung mit seiner Art und Weise. Noch pingeliger kann man kaum sein! Gesetz hier, Regel da, Verordnung hin, Vorschrift her – der alte Kautz weiß alles besser und sorgt für Ordnung. Meint er jedenfalls.

Man weiß fast nicht, ob man lachen oder weinen soll. Ja, da erkennt man so viel wieder! Den eigenen Nachbar, ältere Semester in der eigenen Familie und hin und wieder doch tatsächlich auch sich selbst! Ach Du Schreck! Wer ehrlich ist, findet im einen oder anderen Kapitel dieses Büchleins definitiv die eine oder andere Macke vom Günter, die er/sie/es an sich selbst schon bemerkt hat. Das ist so ähnlich, wie mit dem Autofahrer, der über den Fußgänger schimpft, aber kaum steigt er aus dem Auto und wird selbst zum Fußgänger, machen die Autofahrer alles falsch! Herrlich! Und beängstigend! Aber auf alle Fälle unterhaltsam!

Sowohl Günter als auch die anderen Charaktere sind wunderbar gezeichnet. Dass Oma Bergmann hin und wieder auftaucht, ist ein süßer Kniff, der mir sehr gefällt. Manche wiederkehrenden Gags, quasi runnig gags, nutzen sich nur leider irgendwann ab. Auch ahnt man an manchen Stellen, was kommen wird. Aber als leichte Kost nach einem schweren Tag ist das Buch hervorragend geeignet.

Spaß hatte ich, wenn ich auch mehr schmunzeln als lachen musste. Aber für vier Sterne reicht das allemal! Fragt sich nur, was in den folgenden Bänden „behandelt“ werden soll. Irgendwie hat man das Gefühl, der Günter Habicht hat auf diesen 240 Seiten alles, aber auch wirklich alles besprochen.

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