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Veröffentlicht am 24.03.2026

Nur die Harten kommen in den Garten

The Ordeals
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Worum geht’s?
Sophia de Winter, eine Illusionistin, möchte unbedingt ihrem Onkel entfliehen, dem Sammler, an den sie seit Kindesbeinen durch einen magischen Vertrag gebunden ist. Ihr einziger Ausweg: die ...

Worum geht’s?
Sophia de Winter, eine Illusionistin, möchte unbedingt ihrem Onkel entfliehen, dem Sammler, an den sie seit Kindesbeinen durch einen magischen Vertrag gebunden ist. Ihr einziger Ausweg: die Ausbildung an der magischen Elite-Akademie Killmarth für Illusionisten, Botaniker, Maskierer und Alchemisten. Doch zwischen ihr und dem Studium dort stehen die Ordeals, die gnadenlosen Aufnahmeprüfungen, denen sich alle Hoffnungsvollen (Studienanwärter) stellen müssen. Nur die Härtesten unter ihnen werden am Ende einen der begehrten Studienplätze ergattern.

Wie war’s?
Fantasy ist eigentlich so gar nicht mein Beuteschema. Irgendwie haben mich Kurzbeschreibung und das prächtige Cover trotzdem sofort in ihren Bann gezogen und dieser etwas ungewohnte Ausflug wurde mit spannenden Lesestunden belohnt.
Man taucht beim Lesen sofort in die magische Welt ein, angefangen von der ersten Begegnung mit Alden Locke im Pub, den Sophia so unauffällig wie möglich über den ersten Ordeal, die sogenannte Feuerprobe, aushorchen will, über die Aufnahme an der Akademie und die Prüfungen, die von Mal zu Mal schwieriger werden und einen Hoffnungsvollen nach dem anderen das Leben kosten.
Ob Gargoyles, Werwölfe oder Vampire, die Autorin hat hier tief in die Trickkiste gegriffen und es kommt praktisch alles vor, was zu einem gelungenen Fantasy-Abenteuer gehört. So eine Art Kreuzung aus Harry Potter (aber in düster) und Twilight.

Fazit
Von mir fünf Sterne und eine Leseempfehlung. Und nach dem Cliffhanger am Ende wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als auch zu Band zwei zu greifen.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Man sollte mal wieder ...

Ich erzähle von meinen Beinen
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Worum geht’s?

»Ich erzähle von meinen Beinen« von Cornelia Travnicek ist ein Buch, das sich kaum in irgendeine Schublade einordnen lässt.

Protagonistin Wally hat mächtig Stress. Bei ihrer neunjährigen ...

Worum geht’s?

»Ich erzähle von meinen Beinen« von Cornelia Travnicek ist ein Buch, das sich kaum in irgendeine Schublade einordnen lässt.

Protagonistin Wally hat mächtig Stress. Bei ihrer neunjährigen Tochter Vallie wurde kürzlich ADHS diagnostiziert. Matthias, ihr Göttergatte, denkt irgendwie nie so richtig mit, sieht alles ganz locker und entspannt und bekommt scheinbar gar nicht mit, dass Wally kurz vor dem kompletten Zusammenbruch steht.

Denn das Leben kann so anstrengend sein. Während ihr Gehirn in Dauerschleife rotiert, sie ständig überlegt, was man mal wieder sollte (Haushalt, Sport, Job, Körperpflege, Gesundheit, später sogar gehen oder atmen) und ob sich das alles im Leben überhaupt irgendwie ausgeht, stellt sie fest, dass sie ihrer Tochter gar nicht so unähnlich ist und schluckt heimlich die Tabletten, die sie eigentlich ihrer Tochter geben sollte (außer besserem Schlaf tut sich allerdings nicht viel). Stück für Stück nimmt die Überforderung durch Mental Load, ADHS und Burnout immer mehr zu, bis am Ende auch noch die Flut kommt und Wally zusammenbricht.

Wie war’s?

Das Buch hat mich vor allem wegen des ungewöhnlichen Titels und der ADHS-Thematik interessiert. Da ich in meinem engen Umfeld jemanden mit ADHS habe (und obwohl wir seit 25 Jahren zusammen sind immer mal wieder ein großes Fragezeichen im Kopf habe, was bestimmte Dinge angeht), hatte ich gehofft, es würde mir helfen, vieles besser zu verstehen. Und ja, das tut es tatsächlich. Es öffnet einem die Augen dafür, wie das ADHS-Hirn nun mal so funktioniert. Nicht krank, aber eben anders als andere. Über die zahlreichen Parallelen meines Umfeldes mit Wally und Vallie musste ich immer wieder grinsen, ob das „am liebsten ohne Socken unterwegs sein“ oder „kopfüber auf dem Sofa liegen“.

Fazit

Wally und ihre Beine waren ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen. Ein Buch, das für mehr Verständnis gegenüber ADHS-Betroffenen sorgt und das man deshalb jedem nur ans Herz legen kann, der sich für das Thema interessiert.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Namen sind Schall und Rauch ... oder?

Die Namen
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Worum geht’s?

Die erste Entscheidung im Leben, bei der wir selbst meistens nichts mitzureden haben, ist bekanntlich der eigene Vorname.
Florence Knapp greift in ihrem sehr berührenden Debüt »Die Namen« ...


Worum geht’s?

Die erste Entscheidung im Leben, bei der wir selbst meistens nichts mitzureden haben, ist bekanntlich der eigene Vorname.
Florence Knapp greift in ihrem sehr berührenden Debüt »Die Namen« die Grundidee auf, welche Auswirkungen ein anderer Vorname auf das eigene Leben haben könnte.
Wir begegnen Cora, der Protagonistin, gefangen in einer lieblosen Ehe mit dem gewalttätigen, despotischen Gordon. Sie soll den Namen des neugeborenen Sohnes auf dem Standesamt eintragen lassen. Für ihren Mann gibt es da gar keinen Grund für Diskussionen oder Überlegungen: das Kind wird Gordon heißen, so wie er, denn dieser Vorname wird in seiner Familie seit Generationen vom Vater an den Sohn vererbt. Doch auf dem Weg zum Amt kommen Cora Zweifel. Will sie wirklich die Tradition fortführen und riskieren, dass der Sohn genauso wird wie sein schrecklicher Vater? Sie selbst würde ihn am liebsten Julian nennen, gleichbedeutend mit Himmelsvater. Ihre kleine Tochter Maia ist für Bear, denn ein Bär ist kuschelig, lieb und mutig. In drei Handlungssträngen werden dann Versionen eines Lebens erzählt, das hätte sein können: für einen Julian, Bear oder eben Gordon.

Wie war’s?

Ich habe diesen Roman innerhalb von drei Tagen weggesuchtet und bin immer noch total beeindruckt. Wenn es überhaupt einen Kritikpunkt gibt, dann, dass für meine Begriffe eine Triggerwarnung wegen der oft schwer zu ertragenden Gewaltszenen in Coras Ehe durchaus nicht geschadet hätte, soll ja LeserInnen geben, die mit dem Thema so ihre Probleme haben.
Alles andere ist einfach großartig. Die Grundidee (war hat sich nicht schon mal insgeheim gefragt, ob das eigene Leben mit einem anderen Vornamen vielleicht ganz anders verlaufen wäre?), die Umsetzung, die Konsequenzen von Coras Entscheidung (kann sie ihren Sohn wirklich lieben, wenn sie sich ihrem Mann fügt und dessen Vornamen wählt? Und was blüht ihr wohl, wenn sie gegen seinen ausdrücklichen Befehl handelt und ihn anders nennt?). Am Ende der Geschichte hatte ich wirklich einen dicken Kloß im Hals.
Keine Rezension ohne Erwähnung von Lisa Kögeböhn, die diesen Roman so gekonnt ins Deutsche übertragen hat. Ohne sie wäre der Lesegenuss wahrscheinlich nur halb so groß gewesen. Die Übersetzung liest sich wie aus einem Guss, rund, wortgewaltig und voller großartiger Bilder (»Sie staubwedelt sich beim Sprechen mit der Zunge Krümel von den Lippen«). Bei solchen Sätzen hat man sofort Bilder im Kopf und kann sich noch besser in die Story einfühlen.

Fazit

Genug geschwärmt, ich bin absolut hin und weg. »Die Namen« ist bisher 2026 ein absolutes Highlight. Von mir die volle Leseempfehlung, ich gehe jetzt noch ein bisschen darüber nachdenken, ob mein Leben anders verlaufen wäre, wenn sich meine Mutter durchgesetzt hätte und ich heute Sarah heißen würde statt Jessica.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Von Kröten und Schwiegermüttern

Jetzt gerade ist alles gut
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Worum geht’s?
Das Auto für den Sommerurlaub am Atlantik ist gerade fertig gepackt, als der Erzähler urplötzlich schwer erkrankt. Stunden später steht fest, dass er sich wegen einer kleinen Verletzung am ...

Worum geht’s?
Das Auto für den Sommerurlaub am Atlantik ist gerade fertig gepackt, als der Erzähler urplötzlich schwer erkrankt. Stunden später steht fest, dass er sich wegen einer kleinen Verletzung am Finger eine Sepsis zugezogen hat, er landet im Krankenhaus und sein Leben hängt unerwartet am seidenen Faden.
Nach seiner Entlassung und während des langwierigen Genesungsprozesses stellt er sein ganzes Leben auf den Prüfstand, beschließt, künftig achtsamer durch den Alltag zu gehen, ein Sammler von schönen Momenten zu werden.

Wie war’s?
Eine Bewertung, mit der ich mich wirklich schwertue. »25 letzte Sommer«, das erste Buch von Stephan Schäfer, hat mich letztes Jahr sehr begeistert. Man konnte sich gut in die Geschichte einfühlen, die Charaktere hatten Tiefe, wirkten glaubwürdig.
Bei »Jetzt gerade ist alles gut« sah das leider schon ganz anders aus. Die Geschichte plätschert flach und ohne jeden Tiefgang so dahin. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus beschließt der Erzähler, bewusst zu leben, so will er nach Jahren endlich seine Schwiegermutter besser kennenlernen, radelt spontan mit ihr ans Meer, beobachtet die Krötenwanderung, trinkt mit seinem Sohn Espresso und philosophiert über die Zukunft. Kleine, zusammenhanglose Episoden, die mich leider so gar nicht abholen konnten. Das Ganze kommt einem vor wie ein bemüht zusammengeschusterter Achtsamkeitsratgeber, hier habe ich in mancher Lifestyle-Zeitschrift schon bessere Impulse gefunden.

Fazit
Ich persönlich kann dieses Buch leider so gar nicht empfehlen. Nebenbei bemerkt ist ein Preis von 22 Euro für dieses nicht mal 180 dünne Büchlein, das man problemlos in zwei Stunden gelesen hat, wirklich nicht gerechtfertigt. Um wenigstens etwas Positives dazu zu sagen: Das Cover ist großartig und macht sich wirklich toll als Hingucker im Regal. Davon abgesehen hätte ich in der Zeit lieber selbst die Kröten beobachtet, als dieses Buch zu lesen.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Es ist verflucht noch eins nicht leicht, ein Mensch zu sein

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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Soeben habe ich mit einem dicken Kloß im Hals das Buch »Wenn die Kraniche nach Süden ziehen« von Lisa Ridzén behandelt und bin immer noch ganz verzaubert.

Worum gehts?

Bo (89) leidet. Seine Frau lebt ...

Soeben habe ich mit einem dicken Kloß im Hals das Buch »Wenn die Kraniche nach Süden ziehen« von Lisa Ridzén behandelt und bin immer noch ganz verzaubert.

Worum gehts?

Bo (89) leidet. Seine Frau lebt jetzt in einem Pflegeheim für Demenzkranke. Er selbst bleibt allein zurück, kommt dank täglicher Besuche vom Pflegedienst gerade eben noch so allein zurecht. Wirklich Halt gibt ihm nur sein Hund Sixten, doch nun ist sein Sohn Hans der Meinung, er könne sich nicht mehr angemessen um ihn kümmern und will ihm das Tier wegnehmen.

Wie wars?

Ein Buch, bei dem einem die Worte fehlen. Man schmunzelt, lacht und weint abwechselnd.

Bos Erinnerungen an sein bisheriges Leben, an seine gemeinsame Vergangenheit mit Friederika und an den "Alten", also seinen eigenen Vater, zum dem er ein durchaus problematisches Verhältnis hatte, sind so geschildert, dass man sich sehr gut einfühlen kann, warmherzig, oft komisch und manchmal eben auch tragisch. Auch seine enge Freundschaft mit Ture, dem Kollegen aus der Sägemühle, der ein Geheimnis mit sich herumträgt, das erst ganz gegen Ende des Buches gelüftet wird.

Beeindruckend fand ich Bos Gedanken über das Leben. So fragt er sich immer wieder, was eigentlich mit seinem Sohn los ist, der immer an der Schwelle zum Burnout steht, es immer so schrecklich eilig hat, während ihm selbst soclhe Probleme trotz jahrelanger Schufterei in der Sägemühle völlig fremd sind.

Auch der Umgang mit dem Thema letzte Lebensphase und unweigerlich bevorstehendes Ende ist sehr gut gelungen. Es wurde für meine Begriffe sehr deutlich, wie anders und unaufgeregt man in Schweden damit umgeht, das habe ich hier in Deutschland schon ganz anders erlebt. Sterben ist und bleibt ein ganz normaler Teil des Lebens.

Fazit:

Von mir eine unbedingte Leseempfehlung, 10 von 5 Sternen und auch die Übersetzung der Kollegin Ulla Ackermann ist prima gelungen. Man sieht (vor allem, wenn man selbst Schwedisch spricht) immer wieder die Sprache des Ausgangstextes durchblitzen, aber immer sehr gekonnt und niemals aufdringlich.

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