Profilbild von Jessi2712

Jessi2712

Lesejury Profi
offline

Jessi2712 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jessi2712 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.04.2026

Ich sag nööö zu Hazel

Hazel sagt Nein
0

Worum geht’s?

Hazel Blum hat’s nicht leicht. Erst zieht die ganze Familie aus Brooklyn ins beschauliche Riverburg, und dann kommt der Direktor am ersten Schultag nach den Ferien mit einer schier unglaublichen ...

Worum geht’s?

Hazel Blum hat’s nicht leicht. Erst zieht die ganze Familie aus Brooklyn ins beschauliche Riverburg, und dann kommt der Direktor am ersten Schultag nach den Ferien mit einer schier unglaublichen Forderung. Jedes Jahr sucht er sich eine Schülerin aus, mit der er eine sexuelle Beziehung eingeht, und dieses Jahr hat er sich Hazel ausgeguckt. Doch Hazel ist die Erste, die Nein! sagt. Und ab da nehmen die Ereignisse ihren Lauf, die nicht nur Hazels Zukunft betreffen, sondern die ihrer gesamten Familie.

Wie war’s?

Ich wollte „Hazel sagt Nein“ mögen, ehrlich. Leider ist es das erste Buch dieses Jahr, das ich nach ca. 2/3 abbrechen werde, weil es mich quasi in eine Leseflaute befördert hat.
Warum? Die Idee hat eigentlich jede Menge Potenzial, metoo ist ja nach wie vor aktuell und es hätte wirklich ein fesselndes Buch werden können.
Mir hat es aus zwei Gründen nicht gefallen. Die metoo-Story plätschert seicht dahin, die Charaktere bleiben für mich insgesamt eher farblos und blass. Irgendwie konnte ich mich nicht mit einer einzigen Person in diesem Buch identifizieren. Unglaubwürdig finde ich vor allem den Einstieg, in welcher Welt würde ein Schulleiter so plump mit einer solchen Forderung daherkommen? Kurz gesagt: Ich kaufe der Autorin ihre Story nicht ab.
Was mir außerdem so gar nicht gefällt, ist die deutsche Übersetzung. Okay, vielleicht bin ich als Literaturübersetzerin ein bisschen überkritisch, aber hier holpert und rumpelt es wirklich an allen Enden und ich könnte mir vorstellen, dass unter großem Zeitdruck gearbeitet wurde oder die Kollegin einfach keinen Zugang zum Text gefunden hat.

Fazit

Für mich war Hazel leider ein Nein!!! mit drei Ausrufezeichen und es gibt ausnahmsweise mal keine Leseempfehlung von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.04.2026

»Du hast keine Familie, du hast ein Unternehmen«

Yesteryear
0

Worum geht’s?

Natalie lebt auf der Yesteryear-Ranch den perfekten Traum. Mit ihrem wunderbaren Ehemann Caleb und ihrer großen Kinderschar präsentiert sie ihren tausenden von Instagram-Followern die perfekte ...

Worum geht’s?

Natalie lebt auf der Yesteryear-Ranch den perfekten Traum. Mit ihrem wunderbaren Ehemann Caleb und ihrer großen Kinderschar präsentiert sie ihren tausenden von Instagram-Followern die perfekte Familie, selbstgebackenes Sauerteigbrot inklusive. Niemand ahnt, wie es hinter den Kulissen aussieht. Ihr Ehemann ist eine Dumpfbacke, der rein gar nichts auf die Reihe bekommt, wenn sie nicht selbst das Ruder in die Hand nimmt und die Milchkühe reihenweise um die Ecke bringt, weil er als Farmer nicht zu gebrauchen ist. Schwiegervater Dough interessiert sich im Grunde nur für seine politische Karriere. Vor allem ihre älteste Tochter ist genervt von der ständigen Filmerei. Die wütenden Weiber nehmen jeden neuen Instagram-Beitrag genau unter die Lupe. Und dann ist da auch noch der ominöse Vorfall zwischen ihrem Ehemann Caleb und Produzentin Shannon.

Eines Tages wacht Natalie morgens auf und irgendwie stimmt plötzlich so rein gar nichts mehr. Ihr Haus sieht nicht mehr aus wie ihr Haus, obwohl es ihr vage bekannt vorkommt. Auch Ehemann Caleb wirkt wie aus der Zeit gefallen und ist plötzlich der autoritäre Gebieter. Und ihre Kinder erkennt Natalie nicht wieder. Vorbei der perfekte Alltag, in dem sich Nannys um alles kümmern, ab sofort muss Natalie selbst Hand anlegen, Wäsche waschen und im Hühnerstall anpacken. Was ist passiert und gibt es einen Weg in ihr gewohntes Leben?

Wie war’s?

Die Story lässt sich schwer in irgendeine Schublade einordnen, kann mich jedenfalls nicht erinnern, schon mal etwas Vergleichbares gelesen zu haben. Geschickt verwebt Caro Claire Burke Gegenwart, Vergangenheit und schließlich auch die Zukunft. Auf die Auflösung müssen die Leser ziemlich lange warten und irgendwie war das auch der Punkt, der mich am Buch am allerwenigsten überzeugen konnte, es wirkte mir am Ende zu konstruiert und ziemlich weit hergeholt.
Alles andere, vor allem die großartig gelungene Übersetzung von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn, der ständige Spagat zwischen schöner heiler Scheinwelt (wie Shannon es Natalie im Streit an den Kopf wirft »Du hast keine Familie, du hast ein Unternehmen«) und trauriger Realität hat mich wirklich überzeugt.

Fazit

Auch wenn mich die Auflösung hier nicht voll überzeugen konnte, macht man mit »Yesteryear« bestimmt nichts falsch, unterhaltsame Lesestunden sind garantiert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2026

Nur die Harten kommen in den Garten

The Ordeals
0

Worum geht’s?
Sophia de Winter, eine Illusionistin, möchte unbedingt ihrem Onkel entfliehen, dem Sammler, an den sie seit Kindesbeinen durch einen magischen Vertrag gebunden ist. Ihr einziger Ausweg: die ...

Worum geht’s?
Sophia de Winter, eine Illusionistin, möchte unbedingt ihrem Onkel entfliehen, dem Sammler, an den sie seit Kindesbeinen durch einen magischen Vertrag gebunden ist. Ihr einziger Ausweg: die Ausbildung an der magischen Elite-Akademie Killmarth für Illusionisten, Botaniker, Maskierer und Alchemisten. Doch zwischen ihr und dem Studium dort stehen die Ordeals, die gnadenlosen Aufnahmeprüfungen, denen sich alle Hoffnungsvollen (Studienanwärter) stellen müssen. Nur die Härtesten unter ihnen werden am Ende einen der begehrten Studienplätze ergattern.

Wie war’s?
Fantasy ist eigentlich so gar nicht mein Beuteschema. Irgendwie haben mich Kurzbeschreibung und das prächtige Cover trotzdem sofort in ihren Bann gezogen und dieser etwas ungewohnte Ausflug wurde mit spannenden Lesestunden belohnt.
Man taucht beim Lesen sofort in die magische Welt ein, angefangen von der ersten Begegnung mit Alden Locke im Pub, den Sophia so unauffällig wie möglich über den ersten Ordeal, die sogenannte Feuerprobe, aushorchen will, über die Aufnahme an der Akademie und die Prüfungen, die von Mal zu Mal schwieriger werden und einen Hoffnungsvollen nach dem anderen das Leben kosten.
Ob Gargoyles, Werwölfe oder Vampire, die Autorin hat hier tief in die Trickkiste gegriffen und es kommt praktisch alles vor, was zu einem gelungenen Fantasy-Abenteuer gehört. So eine Art Kreuzung aus Harry Potter (aber in düster) und Twilight.

Fazit
Von mir fünf Sterne und eine Leseempfehlung. Und nach dem Cliffhanger am Ende wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als auch zu Band zwei zu greifen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2026

Man sollte mal wieder ...

Ich erzähle von meinen Beinen
0

Worum geht’s?

»Ich erzähle von meinen Beinen« von Cornelia Travnicek ist ein Buch, das sich kaum in irgendeine Schublade einordnen lässt.

Protagonistin Wally hat mächtig Stress. Bei ihrer neunjährigen ...

Worum geht’s?

»Ich erzähle von meinen Beinen« von Cornelia Travnicek ist ein Buch, das sich kaum in irgendeine Schublade einordnen lässt.

Protagonistin Wally hat mächtig Stress. Bei ihrer neunjährigen Tochter Vallie wurde kürzlich ADHS diagnostiziert. Matthias, ihr Göttergatte, denkt irgendwie nie so richtig mit, sieht alles ganz locker und entspannt und bekommt scheinbar gar nicht mit, dass Wally kurz vor dem kompletten Zusammenbruch steht.

Denn das Leben kann so anstrengend sein. Während ihr Gehirn in Dauerschleife rotiert, sie ständig überlegt, was man mal wieder sollte (Haushalt, Sport, Job, Körperpflege, Gesundheit, später sogar gehen oder atmen) und ob sich das alles im Leben überhaupt irgendwie ausgeht, stellt sie fest, dass sie ihrer Tochter gar nicht so unähnlich ist und schluckt heimlich die Tabletten, die sie eigentlich ihrer Tochter geben sollte (außer besserem Schlaf tut sich allerdings nicht viel). Stück für Stück nimmt die Überforderung durch Mental Load, ADHS und Burnout immer mehr zu, bis am Ende auch noch die Flut kommt und Wally zusammenbricht.

Wie war’s?

Das Buch hat mich vor allem wegen des ungewöhnlichen Titels und der ADHS-Thematik interessiert. Da ich in meinem engen Umfeld jemanden mit ADHS habe (und obwohl wir seit 25 Jahren zusammen sind immer mal wieder ein großes Fragezeichen im Kopf habe, was bestimmte Dinge angeht), hatte ich gehofft, es würde mir helfen, vieles besser zu verstehen. Und ja, das tut es tatsächlich. Es öffnet einem die Augen dafür, wie das ADHS-Hirn nun mal so funktioniert. Nicht krank, aber eben anders als andere. Über die zahlreichen Parallelen meines Umfeldes mit Wally und Vallie musste ich immer wieder grinsen, ob das „am liebsten ohne Socken unterwegs sein“ oder „kopfüber auf dem Sofa liegen“.

Fazit

Wally und ihre Beine waren ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen. Ein Buch, das für mehr Verständnis gegenüber ADHS-Betroffenen sorgt und das man deshalb jedem nur ans Herz legen kann, der sich für das Thema interessiert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2026

Namen sind Schall und Rauch ... oder?

Die Namen
0


Worum geht’s?

Die erste Entscheidung im Leben, bei der wir selbst meistens nichts mitzureden haben, ist bekanntlich der eigene Vorname.
Florence Knapp greift in ihrem sehr berührenden Debüt »Die Namen« ...


Worum geht’s?

Die erste Entscheidung im Leben, bei der wir selbst meistens nichts mitzureden haben, ist bekanntlich der eigene Vorname.
Florence Knapp greift in ihrem sehr berührenden Debüt »Die Namen« die Grundidee auf, welche Auswirkungen ein anderer Vorname auf das eigene Leben haben könnte.
Wir begegnen Cora, der Protagonistin, gefangen in einer lieblosen Ehe mit dem gewalttätigen, despotischen Gordon. Sie soll den Namen des neugeborenen Sohnes auf dem Standesamt eintragen lassen. Für ihren Mann gibt es da gar keinen Grund für Diskussionen oder Überlegungen: das Kind wird Gordon heißen, so wie er, denn dieser Vorname wird in seiner Familie seit Generationen vom Vater an den Sohn vererbt. Doch auf dem Weg zum Amt kommen Cora Zweifel. Will sie wirklich die Tradition fortführen und riskieren, dass der Sohn genauso wird wie sein schrecklicher Vater? Sie selbst würde ihn am liebsten Julian nennen, gleichbedeutend mit Himmelsvater. Ihre kleine Tochter Maia ist für Bear, denn ein Bär ist kuschelig, lieb und mutig. In drei Handlungssträngen werden dann Versionen eines Lebens erzählt, das hätte sein können: für einen Julian, Bear oder eben Gordon.

Wie war’s?

Ich habe diesen Roman innerhalb von drei Tagen weggesuchtet und bin immer noch total beeindruckt. Wenn es überhaupt einen Kritikpunkt gibt, dann, dass für meine Begriffe eine Triggerwarnung wegen der oft schwer zu ertragenden Gewaltszenen in Coras Ehe durchaus nicht geschadet hätte, soll ja LeserInnen geben, die mit dem Thema so ihre Probleme haben.
Alles andere ist einfach großartig. Die Grundidee (war hat sich nicht schon mal insgeheim gefragt, ob das eigene Leben mit einem anderen Vornamen vielleicht ganz anders verlaufen wäre?), die Umsetzung, die Konsequenzen von Coras Entscheidung (kann sie ihren Sohn wirklich lieben, wenn sie sich ihrem Mann fügt und dessen Vornamen wählt? Und was blüht ihr wohl, wenn sie gegen seinen ausdrücklichen Befehl handelt und ihn anders nennt?). Am Ende der Geschichte hatte ich wirklich einen dicken Kloß im Hals.
Keine Rezension ohne Erwähnung von Lisa Kögeböhn, die diesen Roman so gekonnt ins Deutsche übertragen hat. Ohne sie wäre der Lesegenuss wahrscheinlich nur halb so groß gewesen. Die Übersetzung liest sich wie aus einem Guss, rund, wortgewaltig und voller großartiger Bilder (»Sie staubwedelt sich beim Sprechen mit der Zunge Krümel von den Lippen«). Bei solchen Sätzen hat man sofort Bilder im Kopf und kann sich noch besser in die Story einfühlen.

Fazit

Genug geschwärmt, ich bin absolut hin und weg. »Die Namen« ist bisher 2026 ein absolutes Highlight. Von mir die volle Leseempfehlung, ich gehe jetzt noch ein bisschen darüber nachdenken, ob mein Leben anders verlaufen wäre, wenn sich meine Mutter durchgesetzt hätte und ich heute Sarah heißen würde statt Jessica.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere