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Veröffentlicht am 15.10.2021

Würdiger Abschluss

Das Schwarze Lied
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Vaelin al Sornas Abenteuer in den Westreichen finden nun mit "Das schwarze Lied" ein würdiges Ende.

Viele kennen die Dunkelklinge bereits aus der Rabenschatten-Reihe. Nun hat der Erfolgsautor mit der ...

Vaelin al Sornas Abenteuer in den Westreichen finden nun mit "Das schwarze Lied" ein würdiges Ende.

Viele kennen die Dunkelklinge bereits aus der Rabenschatten-Reihe. Nun hat der Erfolgsautor mit der Rabenklingen-Dilogie eine neue Geschichte um den Helden geschrieben, die man getrost auch ohne Vorkenntnisse lesen und genießen kann.

Die große Schlacht gegen Kehlbrand und seine Stahlhast ist verloren. Während sich Vaelin und seine Verbündeten zurückziehen, um ihre Kräfte zu sammeln und sich neu aufzustellen, breitet sich die Macht des selbsternannten Gottes immer weiter aus. Zudem kämpft unser Titelheld gegen die Kräfte, die ihm sein neu erlangtes, dunkles Lied verleiht.

Anthony Ryan hat einen ganz eigenen Schreibistil, der selbst eher ruhigere Abschnitte in epische Betrachtungen verwandelt. Seine Erzählung ist dabei so bildhaft, dass selbst die größten, verwirrendsten Schlachten im Kopf eine klar erkennbare Gestalt annehmen.

Dabei verliert er nie seine (zugegebenermaßen unzähligen) Figuren aus den Augen und schafft es trotz des Schlachtengetümmels, ihnen Tiefe und Charakter zu verleihen. Niemand wirkt blass oder austauschbar, zu jeder kann man eine Verbindung aufbauen.

Da sich die Geschichte ihrem fulminanten Ende nähert, nehmen natürlich die blutigen Auseinandersetzungen immer mehr zu, werden immer ausschweifender. Manches mal fragt man sich, ob es nicht einige blutige Details weniger hätten sein dürfen. Und trotzdem bleibt man gefesselt an die Seiten und fiebert dem letzten, endgültigen Showdown entgegen.

Anthony Ryan weiß eben, wie man epische Fantasy schreibt, und dieses Ende lässt darauf hoffen, dass wir bald mehr von ihm lesen können werden.

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Veröffentlicht am 15.10.2021

Loriot lässt grüßen

Barbara stirbt nicht
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Alina Bronsky hat ein großes Talent, ähnlich wie Loriot, den Finger auf die kleinen Alltagsprobleme der Menschen zu legen. Anders als beim Loriotschen typisch deutschen Mittelständler haben es Frau Bronsky ...

Alina Bronsky hat ein großes Talent, ähnlich wie Loriot, den Finger auf die kleinen Alltagsprobleme der Menschen zu legen. Anders als beim Loriotschen typisch deutschen Mittelständler haben es Frau Bronsky die eingebürgerten Osteuropäer angetan. Mit schwarzem Humor und Feingefühl widmet sie sich auch in ihrem neuesten Buch wieder einer solchen Bilderbuchfamilie.

Herr Schmidt wacht eines Morgens auf und muss plötzlich feststellen, dass seine Frau Barbara krank ist. Nun muss er die vielen kleinen Handgriffe übernehmen, die sie sonst, kaum sichtbar und vollkommen selbstverständlich für ihn, jahrezehntelang übernommen hat. Wie kocht man eigentlich Kaffee? Und was muss sonst noch erledigt werden, um den Haushalt am Laufen zu halten? Nach und nach beginnt so sein ganzes Weltbild zu wackeln.

Auf welchen Vorurteilen genau dieses Weltbild eigentlich aufgebaut ist und wie schnell es ins Wanken gerät, wenn man die Augen nicht mehr verschließen kann, zeigt dieser kurze, aber intensive Einblick in das Leben der Familie.

Es hat seine Vorteile, wenn man dieses Buch als Hörbuch genießt. Thomas Anzenhofer leistet ganze Arbeit, diesem Walter und seiner Familie eine Stimme zu verleihen. Allein Barbaras Ausruf "Ach, Walter!" löst bei mir ganze Bilderserien im Kopf aus (und sie alle tragen einen Hauch Loriot in sich).

Dabei ist die Geschichte nicht vordergründig humorvoll. Vielmehr schwankt man permanent zwischen Mitleid und Wut, je nachdem wie antiquiert Walters Ansichten gerade mal wieder sind. Und doch ruft Walter auch ein starkes Gefühl von Wiedererkennen hervor: Er wirkt wie ein älterer Verwandter auf einer unbequemen Familienfeier, dessen rassistische, unsoziale Ansichten man mit einem Lächeln versucht zu übergehen. er ist halt in einer anderen Zeit aufgewachsen, man ändert ihn doch eh nicht mehr.

Dass aber auch ein Rentner seine Einstellungen noch einmal ändern und überdenken kann, sich auf die wirklich wichtigen Dinge wie Familie und seine Frau besinnen kann, das beweist Walter einem letzten Endes doch. Und allein dafür hat dieses Buch Applaus verdient, denn es ist der Beweis, dass sich manchmal die Mühe auch lohnt, einem älteren Menschen noch etwas beibringen zu wollen. Unter dem richtigen Druck entstehen eben doch Diamanten (oder doch zumindest Katzengold).

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Veröffentlicht am 15.10.2021

Familie ist (nicht) alles

SCHWEIG!
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Wie wichtig Familie und Zusammenhalt ist, zeigt sich immer wieder an Weihnachten. Alle kommen zusammen, sitzen um den Baum und verbringen die besinnliche Zeit gemeinsam.

Dass es auch anders gehen kann, ...

Wie wichtig Familie und Zusammenhalt ist, zeigt sich immer wieder an Weihnachten. Alle kommen zusammen, sitzen um den Baum und verbringen die besinnliche Zeit gemeinsam.

Dass es auch anders gehen kann, zeigt die Geschichte um die beiden Schwestern Esther und Sue. Die beiden haben sich seit einem Jahr nicht mehr gesehen, als Esther einen Tag vor Heiligabend plötzlich vor Sues Haustür steht und ein Geschenk vorbei bringen möchte. Schnell wird klar, dass es in ihrer Welt nicht ganz so heiter aussieht, wie man aus den Schilderungen der beiden Schwestern schließen kann.

Dass sich die Schwestern beim Erzählen immer wieder abwechseln und teilweise auch die gleichen Szenen aus ihrer jeweiligen Perspektive betrachten, ist ein ebenso einfaches wie geniales Stilmittel. So baut sich extrem schnell eine beklemmende und gleichzeitig fesselnde Stimmung auf, die einen an die Seiten bindet und einen das Buch förmlich verschlingen lassen. Auch wenn anfangs nicht wirklich viel geschieht, denn die eigentliche Entwicklung läuft in den Köpfen der Figuren ab. Manch einer könnte bemängeln, dass dieses Buch nicht viel mit einem Thriller gemein hat, für mich ist es ein Kammerspiel par excellence, dass die Psychospielchen perfektioniert hat und mit dem Leser spielt, wie es ihm gefällt.

Die Figuren und ihre Enthüllungen lassen einen kapitelweise die Sympathien wechseln, mal hat man Mitleid mit der einen, ebenso schnell ist man aber auch wieder wütend oder entsetzt. es ist ein Wechselbad der Gefühle, das auf einen Gipfel zusteuert, den man so nicht erwartet.

Fazit: Ich bin kein typischer Thrillerleser, aber dieses Kammerspiel hat mich komplett gecatcht.

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Veröffentlicht am 15.10.2021

Auf Spurensuche

Das letzte Bild
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2016 erregten neue Spuren im Falle der 1970 gefundenen sogenannten Isdal-Frau die Aufmerksamkeit der deutschen Medien. Die Wurzeln der unbekannten Frauenleiche konnten mithilfe neuer Untersuchungsmethoden ...

2016 erregten neue Spuren im Falle der 1970 gefundenen sogenannten Isdal-Frau die Aufmerksamkeit der deutschen Medien. Die Wurzeln der unbekannten Frauenleiche konnten mithilfe neuer Untersuchungsmethoden bis nach Deutschland zurückverfolgt werden. Anja Jonuleit nimmt sich nun in ihrem neuen Roman diesem ungelösten Fall an und bietet dem Leser eine auf den wahren Fakten beruhende, fiktive Lösung an.

Eva, die mit dem Verfassen von Biografien ihren Lebensunterhalt verdient, entdeckt eines Tages in der Zeitung ein Phantombild, das ihr verblüffend ähnlich sieht, die Isdal-Frau. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei der Unbekannten um ihre verloren geglaubte Tante handelt und sie bricht auf nach Norwegen, um ihrer Geschichte auf den Grund zu gehen.

Dies ist mein erstes Buch von Frau Jonuleit und ich bin stark beeindruckt, mit welcher Sorgfalt hier Fakten mit Fiktion verknüpft und zu einer spannenden, aufschlussreichen Story verwoben werden; schnell verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie, ohne dass die Geschichte unglaubwürdig wirkt.

Da der Erzählstil recht autobiografisch und emotionslos gehalten ist, fällt es mir anfangs recht schwer eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Die aus Sicht von Eva geschilderten Ermittlungen liefern viele Fakten, anhand derer der Fall langsam "von hinten" aufgedröselt wird. Mit Eva kann ich wenig anfangen, ebenso mit den in ihrer Zeitschiene agierenden Figuren. Alle bleiben recht blass, der Fokus liegt klar auf den Daten und Erinnerungen, die nach und nach zu Tage gefördert werden.

Ganz anders erscheint mir da der zweite Erzählstrang, in dem die junge Marguerite dabei begleitet wird, wie sie sich auf die Suche nach ihrer verloren gegangenen Familie begibt und dabei quer durch Europa reist, bevor ihr Schicksal sie ins kalte Isdal bei Bergen führt. Nach und nach fiebert man immer mehr mit dieser einsamen Frau mit, spürt ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Liebe. Umso tragischer ist es, ihre Suche mitzuerleben, da man ja weiß, wie diese enden wird.

Während die Frauenfiguren hier als starke, selbstbestimmte Persönlichkeiten auftreten, geben die Männer dieser Geschichte ein umso schlechteres Bild ab. Stellenweise werden hier recht typische Klischees ausgewälzt, das hätte nicht unbedingt sein müssen. Andererseits betont es natürlich den Kontrast und hebt die Stärke Marguerites umso deutlicher hervor.

Alles in allem ist "Das letzte Bild" ein klug konstruierter Roman, der einer jungen Unbekannten eine wohlverdiente, wenn auch fiktive Identität verleiht und dem Leser gleichzeitig Aufklärung und ein Stück historisches Erbe näherbringt, über das für meinen Geschmack bisher viel zu sehr geschwiegen wurde.

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Veröffentlicht am 15.10.2021

New Adult oder Fantasy

Crave
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Meine Ansprüche an dieses Buch waren von Anfang an nicht besonders hoch: das Setting verspricht eine typische New Adult-Geschichte, die Zielgruppe ist ganz offensichtlich nicht älter als 18. Und doch hat ...

Meine Ansprüche an dieses Buch waren von Anfang an nicht besonders hoch: das Setting verspricht eine typische New Adult-Geschichte, die Zielgruppe ist ganz offensichtlich nicht älter als 18. Und doch hat mich das Versprechen einer fantastischen Geschichte in der Kälte Alaskas angezogen. Ich hätte es besser wissen sollen.

Die junge Grace wechselt mitten im Schuljahr an die Kadmere Academy, nachdem ihre Eltern bei einem schrecklichen Unfall ums Leben gekommen sind, da ihr Onkel dort Schulleiter ist und sie gemeinsam mit ihrer Cousine die Schule besuchen kann. Gleich am ersten Tag begegnet sie Jaxon, dem natürlich heißesten, coolsten Jungen der Schule, der sich in seltsamen Andeutungen ergeht und (natürlich) total Bad Boy-ig zu ihr ist. Schon bald passieren ihr lauter seltsame Dinge...

Natürlich wird schon auf den ersten 50 Seiten der Grundstein für die vorhersehbarste Dreiecksgeschichte aller Zeiten gelegt, die nächsten fast 300 Seiten muss man sich ansehen, wie Grace und Jaxon sich immer wieder "zufällig" über den Weg laufen, Heiß-und-kalt miteinander spielen und der Zucker dabei aus sämtlichen Zeilen quillt.

Das wäre alles noch erträglich, geht man von vornherein mit der Erwartung ran, dass es eben ein Jugendroman mit großer Lovestory ist, käme dabei nicht der Fantasy-Anteil vollkommen zu kurz. Es macht irgendwie den Anschein, als hätte die Autorin ihr Buch in zwei Teile geteilt: erst wird die Lovestory abgearbeitet und dann kann man sich ja irgendwann mal noch schnell dem Fantastischen widmen. Während Teil 1 fast unerträglich in die Länge gezogen wird und jede noch so unwichtige Begegnung ausgewälzt wird, fühlt sich Teil 2 fast schon überhastet an. Allein die große Auflösung hätte gerne ein paar mehr Informationen vertragen. Aber dafür hat man ja in den folgenden 4 (!!!) Teilen noch genug Zeit. Nicht, dass ich dafür noch genug Geduld aufbringen würde.

Die Charaktere sind mir auch einfach viel zu blass gehalten. Grace soll wohl schlagfertig und mutig wirken, wird aber zum folgsamen Weibchen, sobald Jaxon seine Befehle verteilt. Und das kann er wirklich gut. Emotionen sind für ihn scheinbar ein absolutes Fremdwort, er muss sich ja schließlich immer "beherrschen". Die Nebenfiguren bleiben daneben so blass, dass sie hier nicht weiter erwähnt werden müssen.

Zu guter letzt noch kurz ein paar Worte zu dem Vergleich, dem sich dieses Buch ganz offensichtlich stellen muss: allein das Cover fordert es ja schließlich heraus, dass sich "Crave" mit "Twilight" messen muss. Und der Vergleich ist auch mit Blick auf die Handlung nicht von der Hand zu weisen. Die Parallelen sind offensichtlich, aber das scheint bei diesem Genre auch kaum überraschend.

Fazit:
Eindeutig nicht mehr das richtige Genre für mich.

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