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Veröffentlicht am 20.04.2026

Zurück zu den Wurzeln

Halber Stein
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Iris Wolff hat in den letzten Jahren mit ihren Büchern für Aufsehen und Begeisterung gesorgt, besonders "Lichtungen" hatte mir sehr gefallen. Nun hat der Verlag mit "Halber Stein" das Debüt der Autorin ...

Iris Wolff hat in den letzten Jahren mit ihren Büchern für Aufsehen und Begeisterung gesorgt, besonders "Lichtungen" hatte mir sehr gefallen. Nun hat der Verlag mit "Halber Stein" das Debüt der Autorin nachträglich übersetzt und veröffentlicht.

Sine kehrt nach 20 Jahren in ihre Heimat zurück, zur Beisetzung ihrer geliebten Großmutter Agneta. Je länger sie den Ort erkundet, in dem sie aufgewachsen ist, und sich mit den Menschen unterhält, die zurück geblieben sind, desto stärker werden die Erinnerungen an Erlebnisse und Emotionen.

Die Themen, die der Roman aufgreift, werden einem bekannt vorkommen, wenn man sich mit dem Werk der Autorin auskennt. Rein sprachlich kann man hier schon sehr gut das Potential erkennen, dass Frau Wolffs Bücher später einmal ausmachen wird.

Allerdings fehlt dem Buch etwas der Antrieb und das Fesselnde. So fiel es mir schwer, angesichts der vielen beschreibenden Worte am Ball zu bleiben.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Kein James Bond

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Ich weiß, was uns das Agentenkino vermittelt, ist weit ab der Normalität, geschweige denn Realität. Ich habe auch keine absurden Gadgets oder schnellen Autos mit Schleudersitz erwartet. Etwas mehr Spannung ...

Ich weiß, was uns das Agentenkino vermittelt, ist weit ab der Normalität, geschweige denn Realität. Ich habe auch keine absurden Gadgets oder schnellen Autos mit Schleudersitz erwartet. Etwas mehr Spannung und Drive hätte ich mir aber schon gewünscht.

Dabei fängt die Story um BND-Außendienstmitarbeiter Germeshausen gut an, der auf einer Party der Sowjets in Rom den deutschen Vorzeigepoeten anwirbt.

Die Mauer ist gefallen, das politische Niemandsland zwischen Ost und West hängt in der Schwebe. Alle sind zum Aufbruch bereit.

Das Setting ist spannend, hat Potential und wird auch mit interessanten Figuren gefüttert. Aber der Autor nutzt das leider so gar nicht aus.

Stattdessen plätschert die Geschichte dahin, dreht ein paar irre Pirouetten und kommt trotzdem nicht ans Ziel. Oder das Ziel wird den Leser nicht offenbart. Mir jedenfalls hat sich das Ende nicht erschlossen.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Existentiell, aber nicht feministisch

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Wenn man in den letzten Wochen von diesem Buch gehört hat, wurde mit den verschiedensten Wörtern um sich geworfen. Feministisch sei es, existentiell, Vergleiche mit Margaret Atwoods Romanen wurden angeführt, ...

Wenn man in den letzten Wochen von diesem Buch gehört hat, wurde mit den verschiedensten Wörtern um sich geworfen. Feministisch sei es, existentiell, Vergleiche mit Margaret Atwoods Romanen wurden angeführt, die das Buch, wenn wir ehrlich sind, nicht ganz halten kann. Aber solche Werbekniffe finde ich den Neuveröffentlichungen gegenüber auch immer sehr unfair, schüren sie doch Erwartungen, die das Buch gar nicht halten kann, die es aber auch nie erfüllen wollte!

Dabei ist "Ich, die ich Männer nicht kannte" für sich allein betrachtet wirklich kein schlechtes Buch. In vielen Aspekten hat es mich zu recht beeindruckt und gefesselt.

"Die Kleine" wächst als einziges Mädchen unter 39 fremden frauen in einem Käfig auf. Vor dem Gitter patroullieren drei Wärter, das Licht erlischt nie in diesem Keller und Zuneigungsbekundungen wie Körperkontakt sind streng verboten. Bis eines Tages ein Alarm ertönt, die Männer verschwinden und die Frauen plötzlich auf sich gestellt sind, in einer Welt, die sie nicht mehr kennen.

Das Buch ist ein wahrer Dystopietraum und weckt gerade am Anfang teilweise sehr beklemmende Gefühle in mir. Am Beispiel dieser jungen Frau, die Zeit ihres Lebens nie einen eigenen Namen erhält, kann man sehr genau beobachten, was der Entzug von menschlichen Einflüssen auf den Körper und Geist bewirken.

Mir gefielen sowohl die Innensichten der "Kleinen" als auch die Dynamik der Frauengruppe und ihre Wanderungen durch diese so fremde Welt. Insgesamt entsteht so ein Roman, der uns sehr viel über Menschlichkeit erzählt. Als feministisches Manifest würde ich es hingegen nicht unbedingt bezeichnen.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Komm an Bord

Flut aus schwarzem Stahl
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Anthony Ryan entführt uns immer wieder in fremde Welten, diesmal geht es nach Ascarlia. Wer seine Reihe "Der stählerne Bund" gelesen hat, dem wird dieses Buch ein wenig wie Heimkommen sein, denn "Flut ...

Anthony Ryan entführt uns immer wieder in fremde Welten, diesmal geht es nach Ascarlia. Wer seine Reihe "Der stählerne Bund" gelesen hat, dem wird dieses Buch ein wenig wie Heimkommen sein, denn "Flut aus schwarzem Stahl" knüpft lose daran an.

Ascarlia ist das Reich der Schwesterköniginnen, ein loser Inselverbund, der von Stammesoberhäuptern regiert und durch die direkten Beauftragten der Königinnen, ihre Vellihre, kontrolliert wird. Dieser mehr oder weniger sicherer Frieden wird von einer unbekannten Macht bedroht, die sich aus dem Westen anschleicht- dort, wo es angeblich nichts mehr gibt.

Anthony Ryan hat es einfach drauf, den Leser in mehreren Perspektiven in eine unheimlich komplexe, brutale und doch fesselnde Welt zu entführen, ihn förmlich einzusaugen und 600 Seiten später vollkommen emotional zerstört aber gücklich wieder auszuspucken.

Ja, es sind anfangs unheimlich viele Namen, an die man sich gewöhnen muss (keine Sorge, nicht alle bleiben lange relevant oder am Leben) und das gesellschaftliche und Glaubenssystem ist nicht ganz leicht zu verstehen. Aber dafür liebt man die High Fantasy doch, oder?

Für diejenigen, die seine vorhergehenden Bücher gelesen haben, verbirgt die Geschichte auch einiges an mehr oder weniger versteckten Hinweisen und Anknüpfungspunkten. Aber alle werden zum Schluss mit einem gigantischen Showdown und dem übelsten Cliffhanger aller Zeiten belohnt!

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Einatmen, loslesen

Einatmen. Ausatmen.
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Nachdem mich Maxim Leos erster Roman "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" so begeistert hat, konnte ich an seinem neuen Buch natürlich nicht vorbei. Auch, wenn es nicht ganz die Stärken seines Vorgängers ...

Nachdem mich Maxim Leos erster Roman "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" so begeistert hat, konnte ich an seinem neuen Buch natürlich nicht vorbei. Auch, wenn es nicht ganz die Stärken seines Vorgängers erreicht, so ist es doch im Großen und Ganzen eine unterhaltsame Lektüre.

Diesmal geht es um Marlene, die kurz vor der ersehnten Beförderung zur Vorstandsvoristzenden steht, würde ihr nicht ihre unterkühlte Art im Wege stehen. Deshalb wird sie zum Achtsamkeitsseminar in die ruhigen Wälder Brandenburgs geschickt, wo Coach Alex Grow sie auf ihre kommende Aufgabe vorbereiten soll. Für den steht nebenbei die gesamte Existenz seiner Coachingagentur auf dem Spiel. Vermasselt er diesen Job, ist er pleite. So prallen zwei vollkommen unterschiedliche Welten und Typen aufeinander und müssen zusehen, dass sie miteinander klar kommen.

Der Zwist zwischen Karrierezielen und Entschleunigung ist unterhaltsam, könnte allerdings ein wenig mehr Aufmerksamkeit vertragen. Mit Alex und Marlene haben wir zwar zwei sehr interessante Charaktere, die im Laufe der Geschichte jedoch etwas stereotyp wirken. Aufgelockert wird das Ganze zum Glück durch die Nebenfiguren, die die Story zwar vom eigentlichen Thema ablenken, gleichzeitig aber die Emotionalität pushen.

Ist der Roman in seiner Gesamtheit originell? Nicht wirklich. Trotzdem bekommt man hier eine Wohlfühlgeschichte, die einen über die eigenen Werte und den Sinn seines (beruflichen) Strebens nachdenken lässt.

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