Profilbild von kati-katharinenhof

kati-katharinenhof

Lesejury Star
offline

kati-katharinenhof ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit kati-katharinenhof über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2021

Was man als Kind geliebt hat, bleibt im Besitz des Herzens bis ins hohe Alter (Khalil Gibran)

Wo wir Kinder waren
0

Einst war die Puppenfabrik Langbein das Aushängeschild in Sonneberg. Die Wurzeln reichen zurück bis in die Kaiserzeit, aber von dem Glanz und dem Erfolg ist nichts mehr übrig geblieben. Zwei Kriege, die ...

Einst war die Puppenfabrik Langbein das Aushängeschild in Sonneberg. Die Wurzeln reichen zurück bis in die Kaiserzeit, aber von dem Glanz und dem Erfolg ist nichts mehr übrig geblieben. Zwei Kriege, die deutsche Teilung, die Umwandlung in einen VEB und dann die Wiedervereinigung haben nicht nur an der Fabrik genagt, sondern auch auch den Langbein-Erben. Außer verbitterten Menschen und dem Streit um den Nachlass scheint kein Band sie zu verbinden. Erst als eine eine Auktion im Internet eine seltene Langbein-Puppe zum Vorschein bringt, rückt die Vergangenheit mit aller Macht in den Fokus und weckt die Chance auf einen Neubeginn...



"Wo wie Kinder waren" entführt den Leser in das Spielzeugwunderland von Sonneberg und lässt das geschäftige Treiben in der alten Puppenfabrik wieder lebendig werden. Die Nähmaschinen rattern, der Geruch von Vinylmasse und Pappmache liegt in der Luft und über allem liegt der Zauber einer längst vergangenen Zeit, in der das Handwerk des Puppenmachers hochangesehen gewesen ist.

Die Figuren verfügen über ein unglaubliches Charisma und begeistern den Leser mit einer sympathische Ausstrahlung und einem großen Herz für Puppen und Spielzeug. Man wird wieder zum Kind und möchte so gerne mit der Anita-Pupe spielen, Trost von einem der kuscheligen Teddy gespendet bekommen oder Abenteuer im Zoo erleben, wenn Affen und Krokodile, Zebras und Papageien unter den Händen der fleißigen Mitarbeitenden der Puppenfabrik entstehen.

Die Autorin zeichnet farbenfrohen und plastische Bilder, sodass es den Leser unendlich leicht fällt, sich direkt vor Ort einzufinden und die aufregende Zeitreise anzutreten. Die technischen Neuerungen und Erfindungen der jeweiligen Ära werden schön in den Verlauf der Geschichte eingebunden und man staunt über den Zeppelin am Himmel, die ersten Automobile auf den Straßen und die ersten Fernsehgerät, die Einzug in die Wohnzimmer halten.

Das Leben und Wirken der Familie Langbein über mehr als hundert Jahre wird von Kati Naumann als mitreißende Geschichte erzählt und man merkt gar nicht, wie die Zeit verstreicht. Gerade noch hat die Puppenfabrik ihre Tore geöffnet und die ersten Aufträge sind zu verzeichnen, da steht auch schon der Erste Weltkrieg vor der Tür und macht die großen Träume zunichte. Der Verfall der Währung, der zunehmende politische Wandel bis hin zum Zweiten Weltkrieg, der Teilung Deutschlands und der Zwangsenteignung durch das DDR-Regime - das alles läuft wie eine extrem gut recherchierte Dokumentation in bewegten Bildern vor dem Leser ab und man wächst direkt in die Firmengeschichte und Fehden mit hinein. Liebe, Lügen, Intrigen und Hoffnung schwingen immer mit, wenn Kati Naumann über Langbein-Tradition erzählt und den Leser das fast vergessen Handwerk des Puppenmachers näherbringt. Fast meint man, bei den einzelnen handwerklichen Schritten dabei zu sein und mitzuerleben, wie aus vielen Einzelteilen eine wunderschöne Puppe wird. Erinnerungen an die eigene Kindheit werden wach und lassen die verblassten Bilder aus dem Buch mit den eigenen Wahrnehmungen verschmelzen. Kati Naumann gelingt es, die einzelnen Episoden und Erinnerungen wie in einem Leporello aneinanderzufügen und so nostalgische Gefühle effektvoll zu entfalten.

Die Langbein-Nachkommen müssen über den drohenden Verlust des Traditionsunternehmens feststellen, dass sie doch mehr verbindet, als entzweit. Die gemeinsam erlebten Kindheitserinnerungen sind fest im Herzen verankert und legen den Grundstein für ein neues Miteinander. Ein mitreißender Familienroman, der vielen Fragen nach Schuld und Verlust nachgeht, aber auch die Hoffnung auf einen Neubeginn weckt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.01.2021

Familie: Wo das Leben seinen Anfang nimmt und die Liebe niemals endet

Weiter als der Ozean
0

Edna McAlister hat es nach dem Tod ihres geliebten Mannes nicht leicht und kümmert sich nach allen Kräften um die Versorgung ihrer drei jüngsten Kinder. Tochter Laura, die älteste, arbeitet bereits als ...

Edna McAlister hat es nach dem Tod ihres geliebten Mannes nicht leicht und kümmert sich nach allen Kräften um die Versorgung ihrer drei jüngsten Kinder. Tochter Laura, die älteste, arbeitet bereits als Hausmädchen auf einem Anwesen. Als Edna schwer erkrankt, reißt man ihr die Kinder buchstäblich aus der Hand und bringt sie in einem Waisenhaus unter. Noch bevor Laura das Sorgerecht für ihre Geschwister beantragen kann, sind diese bereits auf einem Schiff Richtung Kanada unterwegs und sollen dort für den Rest ihres Lebens als Arbeistkräfte eingesetzt werden. Laura wendet sich an den jungen Anwalt Andrew Frasier, bei dessen Eltern sie in Stellung gewesen ist und gemeinsam finden sie heraus, dass es bei der Emigration der Kinder einige Ungereimtheiten gibt...


"Weiter als der Ozean" befasst sich mit dem Thema Kinderemigration zu 'Beginn des 20.Jahrhunderts und Autorin Carrie Turnansky bietet dem Leser eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle im Verlauf ihres Romans.

Die Szenen, wie man Lauras Geschwister gegen ihren Willen zuerst ins Waisenhaus verfrachtet und dann voneinander trennt, um sie später wie ein Möbelstück regelrecht zu verschachern, gehen mir sehr zu Herzen und ich leide mit den Kinder mit, wenn ich von ihrem Schicksals lese. Dass die zweifelhafte Praktik zur damaligen Zeit üblich gewesen ist, um sich den Schutzbefohlenen zu entledigen, schürt meine Wut und meinen Zorn, denn wie kann man kleinen Kinderseelen nur etwas so grausames antun.

Laura ist eine echte Kämpfernatur, die sich durchzusetzen weiß - für die damalige Zeit noch unüblich, aber sie lässt sich nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen. Unerschütterlich in ihrem Glauben und an das Gute im Menschen wagt sie sich an die Mission, ihre Geschwister wieder zu finden und nach Hause zu bringen.

Mir Andrew Fraiser hat ihr die Autorin einen feschen und gleichzeitig distinguierten Mann an die Seite gestellt, der sich für Recht und Gesetz einsetzt und ebenfalls Rückhalt im christlichen Glauben findet.

Die Suche nach den Kindern ist wie der Wellengang auf See....mal peitschen die Emotionen hoch und schlagen richtige Wellen, mal gibt es ruhigere Momente, in denen der Leser durchschnaufen und neue Kräfte sammeln kann. Die Bilder von den misshandelten Kindern aber brennen sich tief im Herzen fest und wecken mein Mitleid mit den armen kleinen Kinderseelen, die fernab ihrer Heimat keine Liebe und Zuwendung erfahren.

Carrie Turansky lässt ihren Figuren viel Raum, um sich und ihre Charaktereigenschaften zu entfalten, damit sie für den Leser wie gute Freunde werden, um die aufregende und beschwerliche Reise nach Kanada, die Suche nach den Kindern und das Kämpfen um die Rückkehr der Geschwister hautnah zu erleben.

Das offene Ende lässt natürlich die Frage im Raum schweben, ob es Laura und Andrew gelingen wird, Grace zu finden und in den Schoß der Familie zurück zu holen.Die Neugier auf den Fortsetzungsroman ist somit geweckt und ich kann es kaum erwarten, die Geschichte weiterzuverfolgen.

Ein unglaublich abwechslungsreicher Roman, der die christlichen Werte mit einem Hauch Abenteuer und Liebe verbindet und so für wundervolle und aufregende Lesemomente sorgt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2021

Die Welt ist ein schönes Buch. Aber es nützt dem nichts, der es nicht lesen kann.

Secret Citys Italien
0

Mit "Secret Citys Italien" entdeckt man 60 charmante Städte, die fernab von Trubel, Massentourismus und Kommerz den Italienliebhaber und -Kenner verzaubern und mit Charme und Esprit ihre Geschichte erzählen.

Auf ...

Mit "Secret Citys Italien" entdeckt man 60 charmante Städte, die fernab von Trubel, Massentourismus und Kommerz den Italienliebhaber und -Kenner verzaubern und mit Charme und Esprit ihre Geschichte erzählen.

Auf einer Reise von Nord nach Süd, von Ost nach West entdeckt man Glurns , die Perle des Vinschgaus und fühlt sich wie in einer historischen Filmkulisse. Das Wort Entschleunigung nimmt von einem Besitz und man fängt sofort an, Seele und Füße baumeln zu lassen. Ganz im Süden lebt der barocke Traum, denn Noto verzaubert mit seiner üppigen Bauweise und Palästen, die sich wie die Perlen einer Perlenkette aufreihen und in der Sonne Siziliens ihre ganze Pracht entfalten. In Mittelitalien laden warme Quellen dazu ein, sich ein Gratisbad in den Naturwannen zu gönnen, in denen sich einst schon Cicero vom stressigen Leben in Rom erholt hat. Wer es lieber fantastisch im wahrsten Sinne des Wortes mag, der sollte auf seiner Entdeckungstour den Giardino di Bomarzo besuchen, denn der Zauberpark bietet fantasievolle Skulpturen und geheimnisvolle Figuren, die den Betrachter faszinieren und ins Staunen versetzen.

Der Reisebildband ist eine sehr gelungene Komposition aus sonnigen Farben und mediterranem Flair, zeigt ehrwürdige Baumgreise ebenso wie geschichtsträchtige Ruinen, verbindet Orte der Spiritualität mit überwältigender Architektur, verströmt einen Duft von Leichtigkeit und Lebenslust und lässt zauberhafte Aromen durch die Luft wabern.

Das Buch lässt unbekannte Sehenswürdigkeiten wie kleine Glühwürmchen in der Nacht aufleuchten und weckt so den Zauber von Naturkino und Panoramabildern, von künstlerischen Spitzenleistungen und kleinen stillen Wundern. Dem Reiz dieser ausdrucksstarken Bilder und informativen Texte zu widerstehen ist somit fast unmöglich und das Fernweh ist geweckt.

Das Buch ist Balsam für alle Sinne, denn 60 Städte bieten einzigartige Momente zum träumen, entdecken, genießen, innehalten, wohlfühlen und glücklichsein

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 26.01.2021

"Um acht am Mond"

Helenes Versprechen
0

Nach fast 10 Jahren stehen sich Helene und ihr Sohn wieder gegenüber, doch das Band, was einst Mutter und Sohn unzertrennlich machte, scheint gerissen zu sein. Moritz verhält sich abweisend und seine Mutter ...

Nach fast 10 Jahren stehen sich Helene und ihr Sohn wieder gegenüber, doch das Band, was einst Mutter und Sohn unzertrennlich machte, scheint gerissen zu sein. Moritz verhält sich abweisend und seine Mutter ist ihm fremd geworden. Doch tief im Innern kann er nicht vergessen, dass seine Mutter im ein Versprechen gegeben hat, als sie ihn damals fortgeben musste, damit er überleben konnte...."Um acht beim Mond". Unterdessen hadert Helene mit sich und ihrer Entscheidung und kann nicht vergessen, was in den letzten 10 Jahren sich ereignet hat. Wird der Neuanfang in Amerika gelingen ?


Mit "Helenes Versprechen" tauchen wir tief ein in die Lebensgeschichte einer jüdischen Kinderärztin, deren Schicksal zu Herzen geht und den Leser emotional an die Seiten bindet. Doch um ehrlich zu sein, gefällt mir der Erzählstrang in den Jahren ab 1923 in Frankfurt um ein Vielfaches besser, weil ich hier ganz schnell Zugang zu Helene und ihren Gefühlen finde und es mir so leichter fällt, mich mit ihr zu identifizieren. Hier zeigt die Autorin unglaublich viel Fingerspitzengefühl, um das Thema Judenverfolgung in Frankfurt in ihre fiktiven Ereignisse miteinzubauen und schlägt so das dunkelste Kapitel Deutschlands wieder auf, um den Leser mit all dem Schrecken und der Angst daran teilhaben zu lassen. Auch beschreibt sie das alte Frankfurt mit unglaublich plastischen Bildern, sodass die historische Kulisse regelrecht vor den Augen des Lesers entsteht und so für eine Stadtbesichtigung der besonderen Art sorgt.

Der Wechsel hinüber nach Amerika ins Jahr 1947 bedeutet einen Schnitt, nicht nur in der Zeit und in den Ereignissen, sondern auch in der Erzählweise. Irgendwie entgleiten mir die Figuren und der Zugang zu ihnen scheint mit der Reise über den großen Teich an Nähe verloren zu haben. Hier wirkt Helene steif und unnahbar, ihre Gefühls- & Gedankenwelt wird zwar offengelegt, aber da ist irgendiwe eine unsichtbare Wand, die den Leser immer wieder davon abhält, sich ganz in sie hineinzuveretzten. Dabei bietet der Konflikt zwischen Mutter und Sohn so unglaublich viele Möglichkeiten, um das sich wieder annähern so richtig mitzuerleben. Hier bleibt über weite Strecken der Leser jedoch nur ein stiller Beobachter.

Der Roman büßt leider seinen Reiz ein, was ich unglaublich schade finde, denn die Geschichte ab der Überfahrt im Jahr 1947 hat mir laut Klappentext etwas anderes suggeriert. Die Figuren wirken in meinen Augen zu bemüht und manchmal zu energisch, um sich ihren Platz in meinem Leserherz zu sichern. Gerade mit Helenes Schwester Marlis habe ich meine liebe Not, denn sie ist sehr egoistisch und ich kann ihre Entscheidungen und Handlungen nicht immer gut heißen.

Trotzdem ist dieses Buch 4 Sterne wert, denn es ist ein wichtiges Dokument gegen das Vergessen

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.01.2021

Ein Leben zwischen Tüll und Tränen

Die Brautflüsterin
0

Sanna Lindström ist vielen aus der VOX-Serie "Zwischen Tüll und Tränen" bekannt und dort verzaubert sie nicht nur ihre Bräute mit Charme, Esprit und ihrem süßen schwedischen Akzent, sondern wie weiß auch ...

Sanna Lindström ist vielen aus der VOX-Serie "Zwischen Tüll und Tränen" bekannt und dort verzaubert sie nicht nur ihre Bräute mit Charme, Esprit und ihrem süßen schwedischen Akzent, sondern wie weiß auch die Zuschauer mit ins Boot zu nehmen, ihnen ein paar pastellige Momente im Wohnzimmer zu verschaffen und so für Brautfeeling und Herzklopfen zu sorgen.

Doch dass Sannas Leben nicht immer von Scheinwerfer erhellt und mit Sonnenglanz beschienen ist, wissen die wenigsten und Sanna gibt hier einen ganz tiefen Einblick in die dunkelste Zeit ihres Lebens. Sie bricht mit dem Tabu und bringt ihre Erkrankung ans Tageslicht, weil diese schwere Zeit der Depressionen sie geformt und geprägt haben.

Doch aus den dunklen Tag gibt es einen Pfad zurück ans Licht und den geht sie gemeinsam mit ihrer Familie, denn nur gemeinsam können sie diesen Weg gehen. Aus jeder Zeile spricht die Liebe zu ihrer Heimat und ihrer Familie, die sie zu dem Menschen gemacht haben, der sie heute ist. Eine unglaublich empathische Frau, die mit offenem Herzen und dem Gespür für die Bedürfnisse der Menschen durchs Leben geht.

Die Idee, eigene Brautkleider zu entwerfen, ist zuerst nur ein kleines Sandkorn und entwickelt sich dann nach und nach zu einer schönen schimmernden Perle. Mit ganz viel Herzblut und Feuereifer entstehen Kleider, die die Schönheit einer Frau unterstreichen und genau das betonen, was sie so liebenswert macht. Denn für jede Braut gibt es das eine Kleid, dass Herzklopfen und Gänsehaut, Freudentränen und funkelnde Augen hervorruft.

Ein paar Einblicke in den Alltag, ein paar Tipps für die zukünftige Braut und die gängigen Schnitte für Brautkleide runden das Ganze ab und geben der Leserin das Gefühl, sich mitten in einem der mit Licht und Liebe gefüllten Ateliers zu befinden und bei einer Anprobe das Herz an eines von Sannas Kleider zu verlieren. Aus "Ja, das ist mein Kleid" wird hier eindeutig "Ja, das ist mein Leben" , an dem die sympathische Schwedin uns gerne teilhaben lässt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere