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Veröffentlicht am 25.02.2026

Bis Seite 200 ein Pageturner, danach ein Flop :-(

Die Wahrheit ruht im Sempachersee
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Die Winteridylle wird jäh zerschnitten, denn am Sempachersee verenden zu Hauf Vögel. Während Eva in geheimener Mission unterwegs ist, scheint Cem anderen Ermittlungswegen nachzuegehen. Was beide nicht ...

Die Winteridylle wird jäh zerschnitten, denn am Sempachersee verenden zu Hauf Vögel. Während Eva in geheimener Mission unterwegs ist, scheint Cem anderen Ermittlungswegen nachzuegehen. Was beide nicht ahnen - diese Ermittlungen werden anders ausgehen als erwartet und mehr von ihnen abverlangenen, als sie jemals zu ertragen bereit gewesen sind. Doch wer zieht wirklich die Fäden und hat ein Interesse daran, dass nicht nur der winterliche See für immer schweigt ?



Was passiert, wenn die Gier nach Geld und Macht die inneren Dämonen antreibt, schreibt Monika Manosur in ihrem neuen Krimi. Zunächst liest sich der Plot auch wie das sprichwörtlich geschnittene Brot, denn die Seiten fliegen nur so durch die Finger und die Handlung ist mit einem Spannnungsbogen versehen, der die Leser:innen in Schach hält. Bis Seite 200 wird der Öko-Thriller wirklich zu einem klaustrophobischen Nervenzerrer, der von raffiniertem Thrill und subtiler Bösaritigkeit lebt.

Die Figuren können bis zu diesem Zeitpunkt überzeugen und gerade Cem kann seine emotionale Zerrissenheit so real vermitteln, dass mitunter die Tränen fließen. Doch dann legt Manosur den Schalter um und damit geht auch manchmal die Logik flöten. Die Handlung wird schräg und ist voller absurder Szenen, die wenig glaubhaft dargesetllt und vollkommen überladen sind. Es wirkt fast so, als habe sie zu viele Agentenfilme angeschaut, sich dort Ideen geholt, diese allesamt für gut befunden und regelrecht in ihre Handlung gepresst, um zwanghaft ihre Gescichte zu pushen.

Dabei hat sie dies nicht nötig, denn die Grundzüge des Plots sind an und für sich schon aufreibend genug, sorgen für Gesprächsstoff und bringen den ein oder anderen Gedankengang auf den Weg, um selbst etwas genauer hinzuschauen, wenn es um das Ausschlachten der Umwelt aus Profitgier geht.

Das Buch verliert immer mehr an Raffinesse, überschlägt sich an Ereignissen und Mansour kann weder mit eTiming noch mit emotionaler Erlebbarkeit punkten. Der Thriller wird somit zur Farce und verliert seinen Reiz. Nach dem sehr guten Start in die Handlung wäre deutlich mehr drin gewesen, um die brisanten Themen auch wirklich glaubhaft zu verpacken.

2,5 Sternchen

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Wir erschrecken über unsere eigenen Sünden, wenn wir sie an anderen erblicken. (Goethe)

Fünf Fremde
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Stürmischer Seegang lässt die Fähre auf den Wellen hüpfen wie ein kleines Spielzeugboot. Die Passagier:innen stemmen sich mutig gegen den Wind und werden zu einer kleinen eingeschworenen Zweckgemeinschaft. ...

Stürmischer Seegang lässt die Fähre auf den Wellen hüpfen wie ein kleines Spielzeugboot. Die Passagier:innen stemmen sich mutig gegen den Wind und werden zu einer kleinen eingeschworenen Zweckgemeinschaft. Als es plötzlich heißt „Frau über Bord!“ tritt dieses Ereignis etwas los, was scheinbar ungeahnte Kräfte entwickelt. Denn noch ahnen 5 Passagier:innen nicht, dass das Schicksal ein mieser Verräter ist…

Sie.Kann.Es Einfach ! Romy Fölck ist die ungekrönte Königin der Spannung und des Thrills, wenn es darum geht, ihre Leser:innen an die Seiten zu fesseln und sie mit dem Wind durch die Handlung zu peitschen.

Was zunächst nach einer zufälligen Begegnung aussieht, entpuppt sich schon bald als menschliche Tragödie, die dreißig Jahre zurückliegt. Der Mikrokosmos Neuwerk ist dabei wie geschaffen für ein Kammerspiel, das unter die Haut geht und menschliche Abgründe zu Vorschein bringt.

Alle Figuren sind wunderbar ausgearbeitet und gerade bei Annika fällt es unglaublich leicht, sich an ihre Seite zu stellen und mir ihr auf Spurensuche zu gehen. Die Perspektivenwechsel und Rückblenden in das Jahr 1995 bringen eine Dynamik in die Handlung, die die Lesenden in atemlose Spannung versetzt und Panik in Echtzeit erleben lässt.

Die Handlungsstränge verflechten sich ineinander wie die Strähnen eines Zopfes und genau diese Dichte ist es, die den Reiz des Buches ausmacht. Mit jeder gelesenen Seite wird die Spannung immer größer, die die Leserschaft nicht mehr aus ihren Klauen lässt.

Das vermeintlich zufällige Aufeinander treffen der Figuren im Buch wird nach und nach zu einem Schaulaufen der Lügen und Geheimnisse. Diese sind wie Ungeziefer und kriechen denjenigen nach, die sie mit der Macht der Verzweiflung versuchen, immer wieder zu unterdrücken und unter den Deckmantel des Schweigens und Verdrängens zu vergessen.

Bis zum Showdown sind die Lesenden in einem erstklassig inszenierten Racheepos gefangen, das von raffiniertem Thrill und subtiler Bösartigkeit lebt.

Chapeau !

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  • Spannung
Veröffentlicht am 17.02.2026

Spagat zwischen Wissen und Gewissen

Genie und Gewissen
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Können Künstler;innen der NS-Zeit wirklich unbelastet sein ?

Dieser Frage geht Michael Wolffsohn anhand des wohl prominentesten Dirigenten nach und nimmt die Vita des Herbert von Karajan unter die Lupe. ...

Können Künstler;innen der NS-Zeit wirklich unbelastet sein ?

Dieser Frage geht Michael Wolffsohn anhand des wohl prominentesten Dirigenten nach und nimmt die Vita des Herbert von Karajan unter die Lupe. wer auf ein reißerisches Enthüllungbuch hofft, wird enttäuscht sein, denn diese Veröffentlichung legt zwar den Finger in die Wunde, ist aber sachlich, fachlich und menschlich immer korrekt, sodass die Lesenden Daten und Fakten erfahren, ohne dass von Karajan an den Pranger gestellt oder glorifiziert wird.

Wolffsohn scheut sich nicht, Konfrontationen einzugehen und deckt dabei ein interessantes Bild auf, das den Künstler als einen politisch eher desinteressierten Menschen beschreibt, der mit und für die Musik lebt und neben Noten das Vorankommen auf der Karriereleiter im Sinn hat.

Letztendlich bleibt es den Leser;innen selbst überlassen, sich ein eigenes Urteil über de Mann zu bilden, der wie so viele in dieser Zeit zwischen Wissen und Gewissen entscheiden musste. - 3,5 Sternchen

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Dolce Vita, Drama und Traumurlaub

DUMONT Bildatlas Sizilien
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Sizilien ist mehr als nur eine italienische Insel - Sizilien ist ein Erlebnis und immer wieder anders. Unter der südliche Sonne warten nämlich jede Menge Drama, Melancholie und Dolce Vita darauf, aus den ...

Sizilien ist mehr als nur eine italienische Insel - Sizilien ist ein Erlebnis und immer wieder anders. Unter der südliche Sonne warten nämlich jede Menge Drama, Melancholie und Dolce Vita darauf, aus den den freien Tagen einen echten Traumurlaub werden zu lassen.

Der DuMont Bildatlas "Sizilien" zeigt mit eindrucksvollen Bildern, wie schön es tatsächlich in dieser Region ist und weckt die Lust auf Antikes, Altstadtflair und schwarze Lava. Jeder Ort hat seine eigene Geschichte, die ihn geprägt und so liebenswert gemacht hat.

Bei knurrendem Magen gibt es kaum einen besseren Ort als die traditionsreichen Märkte. Es verschmelzen Farben, Düfte und Stimmen zu einem lebendigen Schauspiel, das Besucher:innen sofort in seinen Bann zieht. Zwischen kunstvoll gestapelten Zitrusfrüchten, saftigen Tomaten und aromatischen Kräutern preisen Händler:innen lautstark ihre Ware an, während frischer Fisch direkt aus dem nahen Meer angeboten wird.

Hier begegnen sich Reisende und Einheimische auf Augenhöhe – alle auf der Suche nach authentischem Geschmack und echten Begegnungen. Ob knusprige Arancine, würzige Panelle oder ein Stück süße Cannoli: Die Märkte sind nicht nur Einkaufsorte, sondern Herz und Seele der sizilianischen Esskultur. Wer Sizilien wirklich erleben möchte, folgt am besten seinem Appetit und lässt sich treiben zwischen Capo, Vucciria und Ballarò.

Der Serviceteil ist sehr ausführlich gehalten und bietet alles, was das Urlauber:innenherz begehrt: Tipps zu Unterkunft und Verpflegung in jedweder Preisklase, Aktivitäten, die den Urlaub einzigartig werden lassen, Sehenswertes und Veranstaltungen, die von magisch über sportlich bin hin zu sinnlichen Highlights reichen.

Salz und Sonne auf der Haut, dazu der ikonische Soundtrack der Kinofilme "Der Pate" - ein unvergesslicher Urlaub wartet darauf, Momente zu schaffen, die in Erinnerung bleiben.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Der Autor überschätzt sich leider selbst

Die Waffen-SS
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Mit "Die Waffen-SS - Hitlers überschätzte Prätorianer" legt Klaus-Jürgen Bremm eine sachliche Ausarbeitun vor, die laut Klappentext als „Entzauberung eines Mythos“ verstanden werden will. Tatsächlich setzt ...

Mit "Die Waffen-SS - Hitlers überschätzte Prätorianer" legt Klaus-Jürgen Bremm eine sachliche Ausarbeitun vor, die laut Klappentext als „Entzauberung eines Mythos“ verstanden werden will. Tatsächlich setzt der Autor ein deutliches Zeichen gegen die Glorifizierung der Waffen-SS und bemüht sich, mit den überlieferten Heldennarrativen aufzuräumen. Seine Sprache ist über weite Strecken verbindlich, der Stil flüssig und gut lesbar. Besonders der Blick auf das Wirken ehemaliger Waffen-SS-Angehöriger im Nachkriegsdeutschland ist aufschlussreich und verdeutlicht, wie weitreichend Einflussnahmen auch nach 1945 noch möglich waren. Das beigefügte Bild- und Kartenmaterial unterstützt die Darstellung, bleibt qualitativ jedoch eher durchschnittlich.

Im weiteren Verlauf verliert Bremm jedoch zunehmend die notwendige Distanz. Seine Ausführungen werden spürbar wertender, teilweise provokativ im Ton. Seine zunehmende Schärfe gegenüber Personengruppen außerhalb der Waffen-SS wirkt stellenweise respektlos und unangemessen verallgemeinernd.

Problematisch ist zudem, dass Bremm der Leserschaft wenig Raum für eigene Urteilsbildung lässt. Seine Argumentation gerät mitunter unpräzise und verliert an sachlicher Ausgewogenheit. Für fachfremde Leserinnen und Leser fehlt es stellenweise an kontextueller Tiefe und differenzierter Einordnung; gleichzeitig setzt der Autor an anderen Stellen ein Vorwissen voraus, das nicht alle mitbringen dürften.

Nach dem Lesen des Buches bleibt der Eindruck eines ambitionierten Werkes mit berechtigtem Anliegen, das jedoch durch mangelnde Neutralität, argumentative Zuspitzungen und Schwächen in der Analyse deutlich an Überzeugungskraft einbüßt. Der Autor überschätzt sich leider selbst. Es gibt Sachbücher zu dieser Thematik, deutlich überzeugender und ausgewogener verfasst sind.

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