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Veröffentlicht am 19.10.2020

Rätselhaft und teuflisch gut

Der Teufel vom Brocken
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Es scheint ein ewiges Rätsel zu bleiben, wie die 9 Studenten auf grausame Weise ums Leben gekommen sind. Doch so leicht leicht sich Tomas Düvel nicht die Butter vom Brot nehmen. Denn kurz nach dem Mauerfall ...

Es scheint ein ewiges Rätsel zu bleiben, wie die 9 Studenten auf grausame Weise ums Leben gekommen sind. Doch so leicht leicht sich Tomas Düvel nicht die Butter vom Brot nehmen. Denn kurz nach dem Mauerfall steht so einiges auf dem Spiel, was den DDR- Kriminalen ins Wanken bringt und dieser mysteriöse Fall zerrt des Teufels Fratze ans Tageslicht...



"Der Teufel vom Brocken" ist wirklich diabolisch, grausam und trotzdem faszinierend, mitreißend und absolut spannend geschrieben. Eva- Maria Silber lässt den eisigen Wind am Brocken mit seiner klirrenden Kälte dem Leser regelrecht und die Haut kriechen, wenn es darum geht, diesen Fall zu lösen.

Sie verlangt dem Leser einiges ab, denn die grausame Szenen im Wald sind wirklich sehr bildlich beschrieben, sodass man die barbarisch zugerichteten Leichen direkt vor dem inneren Augen sieht. Wahrlich kein schöner Anblick, der sich einem bietet, wenn man die im Todeskampf erstarrten Glieder, verzerrten Gesichtszüge und geschändeten Körper so sieht.

Der Roman beginnt schon direkt mit einem Paukenschlag und lässt über den gesamten Verlauf nicht an Spannung nach - im Gegenteil. Die Seiten fühlen sich an, als wären sie zum Zerreißen gespannt, so sehr spürt man den Nervenkitzel und den Thrill, der durch die Schreibende hier mit 1A - Umsetzung transportiert wird. Die angespannte Atmosphäre auf dem Brocken und bei den Ermittlungsarbeiten springt auf den Leser über und so kann man gar nicht anders, als sich in die zusammengewürfelte Truppe aus Ost-& Westermittlern zu mischen und jedem noch so kleinem Hinweis nachzugehen.

Die Figuren überzeugen durch sehr individuelle Charakterzüge, die sorgfältig ausgearbeitet worden sind und die die ganze Bandbreite der individuellen Persönlichkeit widerspiegeln. Vom fiesen, schmierigen Typen, über den Grenzer, dessen bisheriges Leben komplett zusammenfällt, bis hin zur taffen Kommissarin, die wie ein Fels in der Brandung steht, ist hier alles zu finden, was das Herz begehrt.

Der rätselhafte Fall ist abwechslungsreich angelegt, spielt mit den geschichtlichen Ereignissen rund um den Mauerfall und mündet schließlich in einen hochspannenden Krimi, dessen Seiten man regelrecht durchsuchtet, weil man des Rätsels Lösung unbedingt wissen will.

Eine perfekte Mischung aus verschneiter Winterlandschaft am Brocken, grausamen Vorfällen und eine Zeitreise in die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit - absolut empfehlenswert !

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2020

Tod auf der Insel

Inselkälte
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Im "Klabautermann" geht der Tod um, denn der Wirt Thilo Larsen wird erschlagen aufgefunden. Für Hella und ihren Kollegen beginnen die Ermittlungen, doch diesmal ist nicht der Täter das Phantom, sondern ...

Im "Klabautermann" geht der Tod um, denn der Wirt Thilo Larsen wird erschlagen aufgefunden. Für Hella und ihren Kollegen beginnen die Ermittlungen, doch diesmal ist nicht der Täter das Phantom, sondern das Opfer. Denn die Kommissare müssen feststellen, fass Thilo Larsen unter falscher Identität auf Spiekeroog gelebt hat und sein Lebenswandel mehr als leichtlebig zu bezeichnen ist. Doch was steckt hinter der Tarnung und wer hat dem Wirt den Schädel eingeschlagen ?



Rieke Husmann lässt mit "Inselkälte" den eiskalten Inselwinter in das heimische Wohnzimmer einziehen und der Leser ist froh, sich in eine warme Decke einkuscheln zu können und so dick eingemummelt den Fall lösen zu können, wenn auf Spiekeroog die klirrend kalte Luft einem dem Atem nimmt.

Hella ist mittlerweile im fünften Monat schwanger und kämpft immer noch an der Front mit Kollege Enno, der ziemlich hinterfotzig an ihrem Stuhl sägt. Der Typ ist dermaßen unsympathisch, dass die Abneigung gegen ihn schon regelrecht aus den Seiten tropft. Aber Hella weiß ihm diesen Giftzahn zu ziehen und so wieder halbwegs die Wogen zu glätten.

Mit Alina Becker darf eine neue, junge Kommissarin mit ermitteln, die mir sehr, sehr gut gefällt. Sie hat eine schnelle Auffassungs- & Kombinationsgabe, bringt hilfreiche Ideen und Ermittlungsansätze mit ein und ist so eine Bereicherung für das Team und den Roman. Dass sie sich langsam aber sicher nicht nur in das Herz von Lars Mattes, sondern auch in das Leserherz schleicht, ist nicht von der Hand zu weisen. Die junge Frau überzeugt mit Kompetenz und Sympathie und ich würde mir wünschen, in Zukunft mehr von ihr zu lesen.

Der Fall glänzt mit vielen kleinen Hinweisen, Verdachtsmomenten und zweifelhaften Aussagen, die nicht nur die Kommissare ins Grübeln bringen, sondern auch beim Leser für angestrengtes Nachdenken und Stirnkrausen sorgen. Kann sich das wirklich alles so zugetragen haben ? Manche Ereignisse fügen sich allzu glatt ineinander und machen die Kommissare eher stutzig, als dass sie sich über die Ermittlungsergebnisse freuen. Da wird hier noch einmal nachgehakt, da noch einmal genauer hinterfragt und es beginnen langsam aber sicher die Alibis zu wackeln und in sich zusammenzufallen.

Der Krimi ist sehr temporeich angelegt, hat zwischendurch immer wieder kleine Verschnaufpausen, um das gerade Gelesene zu verarbeiten und so die eigenen Ermittlungsergebnisse zu notieren. Ich mag das Zusammenspiel von Inselidylle, winterlicher Kälte und Ermittlungen, die auf Hochtouren laufen und so den Leser immer in Schach halten.

Bis zum Aufdecken der Tat kommt nie Langeweile auf, der Spannungsbogen ist kontinuierlich gestrafft und die Autorin spielt mit den Gefühlen und Gedanken ihrer Protagonisten, die sich im Verlauf des Romans immer weiter entwickeln und ihre Ecken und Katen dem Leser präsentieren dürfen. Das macht alles sehr authentisch und glaubwürdig.

"Inselkälte" ist wieder ein aufregender Ostfrieslandkrimi, der Küstenflair und Mordszenario perfekt miteinander kombiniert.

Absolute Leseempfehlung !

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.10.2020

Wenn der Humor mit dem Holzhammer verteilt wird...

Das Glück in vollen Zügen
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Nicht für alles Geld der Welt möchte Marie ihr Leben im Bauwagen am Ammersee eintauschen. Aber um Job und Privatleben unter einen Hut zu bekommen, bleibt ihr nur eine Wahl übrig - sie muss pendeln. Das ...

Nicht für alles Geld der Welt möchte Marie ihr Leben im Bauwagen am Ammersee eintauschen. Aber um Job und Privatleben unter einen Hut zu bekommen, bleibt ihr nur eine Wahl übrig - sie muss pendeln. Das würde Marie ja noch in Kauf nehmen, aber die notorische Unpünktlichkeit der Bahn und so manch Spleen ihrer Mitreisenden machen ihr das Leben schwer. Besonders einer nagt heftig an ihrem Nervenkostüm, dabei sieht er doch so richtig zum Anbeißen aus...



Wenn ich ein Buch in die Hand nehme, das mir als romantischste Liebeskomödie des Sommers angekündigt wird, dann erwarte ich Schmetterlinge im Bauch, Kloß im Hals, Herzklopfen pur und ...ja, Romantik. Aber "Das Glück in vollen Zügen" ist für mich alles, bloß nicht romantisch und von einer Liebeskomödie ist das Buch auch ganz weit entfernt.

Irgendwie sind die Gags zu gewollt, der Humor wird mit dem Holzhammer verteilt - es fehlen nur noch die Lacher aus der Konserve und schon fühlt man sich wie in einer amerikanischen Sitcom. Das ganze Buch ist überfrachtet mit Slapsticks und Gags, die nicht zünden, mit chaotischen Protagonisten, denen ich ab und an gerne mal den Kopf zurecht rücken würde, damit sie nicht halb so kopflos durch das Leben stürzen und mit völlig sinnfreien "Gastauftritten" von sogenannten Promis, die ich nicht gebraucht hätte und die für den Fortgang der Erzählung absolut nicht von Bedeutung sind.

Marie und Johannes tun sich auch recht schwer damit, endlich mal Farbe zu bekennen und machen sich dadurch das Leben nur unnötig schwer. Wer jetzt auf Dating-Apps und Partnerbörsen steht, der findet sicherlich seinen Spaß an diesem Buch, aber mein Fall ist diese Art der "Unterhaltung" jetzt nicht.

Es gibt zwar Themen im Roman, die durchaus nachdenklich stimmen und ein bisschen Tiefgang vermitteln, aber der überwiegende Teil der Geschichte ist sehr seicht und oberflächlich, sodass mir hier die Romantik und der Lesespaß wirklich abhanden gekommen sind - schade

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Veröffentlicht am 17.10.2020

Leider der bisher schwächste Krimi der Autorin

Nebel im Aargau
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Im Schweizer Mittelland geht Frau Hippe um und lässt ihre Sense in einer Reihe von mysteriösen Todesfällen kreisen. Was zunächst nach Suiziden aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen nach einem ...

Im Schweizer Mittelland geht Frau Hippe um und lässt ihre Sense in einer Reihe von mysteriösen Todesfällen kreisen. Was zunächst nach Suiziden aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen nach einem ausgefeilten Plan des Täters. Als Andrinas Arbeitskollege Lukas in den Fokus der Ermittler gerät, weil er Täterwissen haben könnte, zwingt das Andrina dazu, selbst in die Ermittlungen mit einzuschreiten. Sie ahnt nicht, dass sie schon bald selbst in Lebensgefahr schwebt...



Ich liebe die Krimis aus der Feder von Ina Haller und bin immer neugierig, welche tollen Ideen sie zu Papier gebracht hat, um ihre Leser regelrecht an die Seiten zu ketten. Weiß sie doch wie keine andere, die Schönheiten der Schweizer Landschaft mit den grausamen Taten und Gedanken ihrer Täter in Einklang zu bringen. Doch mit "Nebel im Aargau" ist ihr dieses Mal nicht der große Wurf gelungen, denn die Geschichte ist sehr einfach und schematisch gestaltet, der Täter recht schnell enttarnt und die Idee für die Umsetzung der Mordserie ist tatsächlich ein uralter Hut. Leider hat man das alles schon einmal gelesen und ich bin ziemlich enttäuscht, dass der neue Krimi sich in so einem Gesums verliert, denn es fehlt hier einfach an allem - Spannung, Nervenkitzel, gute Ideen, tolle Figuren - nichts davon ist zwischen den Seiten zu finden

So kommt schnell gähnende Langeweile auf, die Akteure stehen sich manchmal selbst im Weg und wirken deplatziert. Packende Szenen, begeistertes Mitermitteln und Rätselraten suche ihr hier leider vergebens, denn es passiert zwar immer wieder etwas, aber dadurch, dass man sich den Verlauf den Buches schon im Vorfeld denken kann, bleibt der Nervenkitzel auf der Strecke. Lediglich auf den letzten 30 Seiten packt Ina Haller noch einmal ein bisschen Drama und Action in die Szenen, aber diese retten den Krimi auch nicht mehr.

"Nebel im Aargau" ist leider der bisher schwächste Krimi der Autorin und ich hoffe, es kommen wieder richtige Krimiknaller nach.

Hier kann ich keine Leseempfehlung aussprechen, so leid es mir tut.

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Veröffentlicht am 13.10.2020

Atemberaubend schön

Wilde Isar
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"Wilde Isar" ist ein spektakulärer Bildband über den wohl prägendsten Fluss Bayerns, der wie kein anderer die Menschen fasziniert und immer wieder hinaus in die Natur lockt.

Von der Quelle im Karwendelgebirge ...

"Wilde Isar" ist ein spektakulärer Bildband über den wohl prägendsten Fluss Bayerns, der wie kein anderer die Menschen fasziniert und immer wieder hinaus in die Natur lockt.

Von der Quelle im Karwendelgebirge bis hin zur Mündung in die Donau bei Deggendorf legt der wilde Fluss 300 km zurück und entfaltet so seine ganze Schönheit. Von Menschenhand geformt, aber an manchen Stellen doch wild und unbezähmbar, ist dieser Fluss Lebensader und Wirtschaftsfaktor zugleich.

In atemberaubend schönen Bildern wird hier die Magie der Natur eingefangen und der flüchtige Moment des Augenblicks für immer festgehalten. So entstehen grandiose Portraits eines Flusses, der augenschmeichelnde Landschaften durchfließt, der im Winter bizarre Eisgemälde entstehen lässt, der kraftvoll und ursprünglich sich den Weg durch Klammen und Felsen bahnt und so immer wieder neue Bilder in die Natur meißelt..

Flora und Fauna werden durch den Fluss geprägt - Kuckuck, Haubentaucher und Kröten sehen in der Isar eine schier unerschöpfliche Nahrungsquelle. Moore entstehen und sind so Habitat für seltene Pflanzen.

Dieser Bildband ist eine Hommage an die Heimat der Fotografen, ein Denkmal an die Natur, die mit ihrem immerwährenden Wechselspiel aus Licht und Schatten neue Bilder zeichnet.

Einfangen und in hervorragender Qualität präsentiert, zaubern die Naturfotografen wahre Sehnsuchtsmomente, wenn eine dünne Nebelschicht über der Isar schwebt und die ersten Sonnenstrahlen alles in herbstlich warmes Licht tauchen. Wenn die blühende Heide im orangeroten Licht der Morgenröte regelrecht entflammt, hält man vor Ehrfurcht vor der Schöpfung den Atem an. Abstrakte Winterlandschaften verzaubern den Betrachter und zeigen die Schönheit der verborgenen Winkel unter einer pudrig zarten Schneedecke.

Dieses Buch ist ein kleines Juwel für alle, die die Natur lieben und die die Schönheit der Isar immer wieder neu entdecken möchten. Ein Bildband, den man immer wieder gerne anschaut, dabei Neues entdeckt und der für kleine Auszeiten vom stressigen Alltag sorgt.

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