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Veröffentlicht am 01.12.2022

Mit Schirm, Charme und Melone

Hauptsache
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Mit dem Begleitbuch "Hauptsache" zur Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum öffnen sich vielseitige Ansichten zum Thema Kopfbedeckung und ermöglichen eine wunderschöne und interessante Zeitreise durch ...

Mit dem Begleitbuch "Hauptsache" zur Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum öffnen sich vielseitige Ansichten zum Thema Kopfbedeckung und ermöglichen eine wunderschöne und interessante Zeitreise durch die Epochen. Begleitet von einleitenden Sprichwörtern, in denen der Hut als solches eine Rolle spielt, betreten die Leser:innen die Ausstellung und spüren den Geist der Vergangenheit.

Napoleon wäre ohne seinen Zweispitz undenkbar, Pan Tau zaubert durch ein sanftes Streichen am Rand seiner Melone, die Pferderennen von Ascot werden zum Schauplatz ungewöhnlicher Hutkreationen und die Tracht wäre ohne Hut unvollkommen.

Das Buch ist sehr strukturiert aufgebaut, macht einen Einblick in die lange Geschichte der Kopfbedeckungen möglich und lässt die Leser:innen in das kunstvolle Handwerk hineinschnuppern. Neben den sehr interessanten Sachtexten, die nicht nur informativ sondern auch sehr lehrreich sind, ermöglicht der Bildband durch die teilweise sehr dekorativen Fotos einen Überblick über handwerkliches Geschick, filigrane Dekoration und prunkvolle Ausstattung der schmückenden Kopfbedeckungen.

Gerade die großformatigen Aufnahmen auf den Doppelseiten ziehen die Aufmerksamkeit auf sich: Flitter, Perlen, akkurates Stickwerk, filigrane Spitzenschleier,schillernde Pfauenfedern oder leuchtende Farben auf Samt - hier findet sich schnell der Lieblingshut, den man zu gerne einmal selbst als schmückende Kopfbedeckung tragen würde.

Es gibt aber auch Fotos, die aufgrund ihrer Schlichtheit und großer Aussagekraft berühren: Queen Elisabeth II. auf der Trauerfeier ihres verstorbenen Ehemannes, Porträts von Greta Garbo, Humphrey Bogart oder Prinzregent Luitpold - sie alle unterstreichen ihre Persönlichkeit mit einem Hut.

Leider sind manche Aufnahmen einfach zu klein geraten, um auf ihnen wirklich alle Details und Besonderheiten zu erkennen. Bei der Fülle an wunderschönen Kopfbedeckungen, die den Weg ins Buch gefunden haben, fällt die Auswahl sicherlich schwer, welche Hüte mehr in den Fokus der Betrachtenden rücken sollen. Aber so geht eben manchmal das ein oder andere Detail unter und ist nicht richtig zu erkennen.

Der Ausflug in die Welt der Hüte ist trotzdem mehr als gelungen und macht Lust, sich näher mit den Ausstellungstücken und der Ausstellung selbst zu befassen.

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Veröffentlicht am 30.11.2022

Mehr als ein Ausflugsziel und Badevergnügen

Der Starnberger See
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Gerade einmal 25 km von München entfernt, hat sich der Starnberger See im Verlauf der Zeit zu einem echten Magneten für Ausflügler:innen, Wassersportler:innen und Erholungssuchende gemausert. Er ist aber ...

Gerade einmal 25 km von München entfernt, hat sich der Starnberger See im Verlauf der Zeit zu einem echten Magneten für Ausflügler:innen, Wassersportler:innen und Erholungssuchende gemausert. Er ist aber auch gar so schön anzuschauen, wie er, eingebettet zwischen Bergen und idyllischer Landschaft, bei strahlend blauem Himmel für echte Postkartenmotive verantwortlich ist.

Der Starnberger See kann aber auch Geschichten erzählen und genau um die geht es im Buch. 60 Autor:innen haben Wissenswertes, Historisches und Beeindruckendes rund um, auf und in dem Gewässer zusammengetragen und für die Leser:innen ansprechend und informativ aufbereitet.

"Die Ente bleibt draußen"...ob sie wirklich nicht den Weg in die Badewanne von Loriots "Zwei Herren im Bad" gefunden hat? Da hilft wohl nur ein Ausflug nach Münsing, um die Skulptur ein wenig genauer in Augenschein zu nehmen und auf "Entenjagd" zu gehen :) Natürlich finden Schloss Possenhofen und Kaiserin Elisabeth ebenso Erwähnung wie die Roseninsel und das berühmte Gedenkkreuz im See für den Kini, aber auch eindrucksvollen Villen, die Volkssternwarte und Tradition und Brauchtum geben sich ein Stelldichein in diesem Buch.

Das Leben am Wasser, mit dem See und seiner einzigartigen Landschaft wird beleuchtet, ein zeitgeschichtlicher Exkurs und eine spannende geologische Spurensuche machen das Ganze komplett. Informative Schaubilder, gelungene fotografische Ansichten, Abdrucke von prächtigen Gemälden und eine wundervolle Sammlung historischer Postkarten zeigen, wie vielschichtig der See wirklich ist und daher mehr zu bieten hat, um als reines Ausflugsziel mit Badevergnügen zu gelten.

Was mich persönlich unglaublich stört sind zwei gravierende Druckfehler im Kapitel um Kaiserin Elisabeth auf S. 194/195, denn dort werden die Ereignisse kurzerhand um einhundert Jahre verschoben und finden somit im 20. Jahrhundert statt.

Ansonsten eine wunderschöne Kombination aus Bildband und Sachbuch, die den See unter blau-weißem Himmel richtig schön in Szene setzt.

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Veröffentlicht am 30.11.2022

Berechnend, düster und manchmal einfach zu viele offene Fragen

Wintersterben
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Eine watteweiche Schneedecke hüllt die Walliser Alpen ein, aber der heimelige Anblick trügt. Ein Leichenfund wirft Fragen über Fragen auf und nun ist es an Valeria Ravelli, die Hintergründe zur Tat herauszufinden ...

Eine watteweiche Schneedecke hüllt die Walliser Alpen ein, aber der heimelige Anblick trügt. Ein Leichenfund wirft Fragen über Fragen auf und nun ist es an Valeria Ravelli, die Hintergründe zur Tat herauszufinden und den Mord aufzuklären. Sie hat aber nicht damit gerechnet, dass sie scheinbar gegen eine Wand des Schweigens rennt, denn die Dorfbewohner:innen von Steinberg schweigen sich aus. Die Frage ist : Warum ? Während Valeria kleinste Spuren zusammensucht und dabei auf eine illustre Wintergesellschaft stößt, die sich mit einem grausamen Spiel die Zeit vertreibt, wird aus der Ermittlerin eine Gejagte im Wettlauf gegen die Zeit...


Es gibt Bücher, die ziehen mich mit ihrem verheißungsvollen Klappentext und ihrem Cover regelrecht magisch an - so auch hier. Die tief verschneite Alpenlandschaft, der düstere unheilschwangere Himmel und die Zeilen auf dem Buchrücken wecken meine Neugier auf das Buch und lassen mich regelrecht in den ersten Kapiteln "verschwinden" .

Die atmosphärische Stimmung und das ständige Gefühl in Nacken, von einer fremden Person beobachtet zu werden, sorgen für Kribbeln in den Fingerspitzen und erzeugen schon so was wie Nervenkitzel. Doch je mehr ich lese, desto mehr schrumpft diese Kribbeln und auch die Spannung taut weg wie Schnee in der Sonne. Warum ? Ich kenne den Vorgängerband nicht und dadurch scheinen mir wichtige Informationen zu fehlen, die in Bezug auf Valeria wichtig wären, um diese oder jene Handlung von ihr zu verstehen. Zwar bekomme ich als Leserin immer wieder mal eine Hinweis auf etwas, was ihr zugestoßen ist, aber es erfolgt keine Auflösung. Schade, denn so finden sich Quereinsteiger;innen nicht oder nur bedingt in der Handlung zurecht und ihnen bleiben diese Details verborgen. Hier hätte ich mir ein wenig Aufklärung gewünscht, um mich in Valeria besser hineinversetzen zu können.

Die Handlung selbst verliert auch an Spannung, da es in der Abfolge einige Ereignisse gibt, die sich mir nicht logisch erschliessen wollen. So fiebere ich zum Beispiel der Lösung des Rätsel um das Verschwinden von Valerias Bruder und dessen kryptische Botschaft hin, aber dieser Faden bleibt genau so lose in der Luft hängen wie die Tatsche, dass der Mörder zwar enttarnt wird, aber die Leser;innen vollkommen darüber im Unklaren gelassen werden, wie nun weiter mit ihm verfahren wird. Warum befinden sich auf dem Gelände, auf dem Valeria ermittelt, Unmengen von Schnee, während am Rande des Geländes plötzlich grüne Wiesen auftauchen und der Schnee nur noch in kleinen Fleckchen zu finden ist. Auch ist das Ende mehr als ärgerlich - es kommt im gestreckten Galopp daher und endet so abrupt in der Tatsache, dass es eben nicht mehr weitergeht und unendlich viele Fragen offen bleiben. Neugier auf das nächste Buch zu wecken ist ja gut und schön, aber diesen offenen Schluss finde ich einfach nur überzogen und unnötig.

Schade, denn das Buch hat so unglaublich gut begonnen und die Mittel dazu, ein echtes Highlight zu werden, aber davon ist am Ende leider nicht viel übrig geblieben

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Veröffentlicht am 30.11.2022

Informativer Schmuckband

Der Alpenwald
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Schon der Anblick des Buches ist ein echtes Highlight, denn der Einband mit seinen pastelligen Farben und den eingedruckten Strukturen der Holzmaserung greift perfekt die Thematik auf und wirkt wie ein ...

Schon der Anblick des Buches ist ein echtes Highlight, denn der Einband mit seinen pastelligen Farben und den eingedruckten Strukturen der Holzmaserung greift perfekt die Thematik auf und wirkt wie ein Handschmeichler, der immer wieder dazu verführt, das Buch in die Hand zu nehmen und die Strukturen zu erfühlen.

Auch die Schmuckblätter im Innenteil greifen die Holzmaserung wieder auf und vermitteln das Gefühl, dass die Geschichte des Alpenwaldes von einer würzigen, nach Harz und ätherischen Ölen duftenden Note begleitet wird.

Die vielfältigen Themen reichen von Daten und Fakten über Nutzung und Gesetze bis hin zum Lebensraum Wald und werden in sehr interessant aufbereitet Sachtexten vermittelt. Das Buch gleicht einer Enzyklopädie des Waldes und ermöglicht einen sehr breitgefächerten Einblick in Flora und Fauna, der Alpen.

Der intensive Waldspaziergang wird mit wunderschönen detailreichen Fotos noch zusätzlich untermalt, Schaubilder und Steckbriefe wecken die Neugier der Betrachtenden und vermitteln auf den Punkt das sehr umfangreiche Wissen. Hier hat sich der Autor unglaublich viel Gedanken gemacht, wie er die Geheimnisse der Natur und die Faszination für den Lebensraum Alpenwald seinen Leser;innen aufschlussreich und unterhaltsam zugleich weitergibt und in ihnen die Neugier und Begeisterung für dieses Buch weckt.

Das Buch ist eine wunderschöne Geschenkidee - an sich selbst und für alle, die die Alpen und ihre Wälder lieben

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Veröffentlicht am 28.11.2022

Im Wein liegt Wahrheit, im Punsch die Erleuchtung ?

Perchtoldsdorfer Punsch
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Von wegen besinnliche Vorweihnachtszeit - in Perchtoldsdorf werden nicht nur die Buden des Weihnachtsmarktes beheizt, sondern auch die Stimmung. Was sich da vor der Nase von Winzerin Charlotte ereignet, ...

Von wegen besinnliche Vorweihnachtszeit - in Perchtoldsdorf werden nicht nur die Buden des Weihnachtsmarktes beheizt, sondern auch die Stimmung. Was sich da vor der Nase von Winzerin Charlotte ereignet, ist alles andere als hinnehmbar. Wie soll auch wischen den Diskussionen um das Edelbordell, der verkopften Mitgliedern der Heimatpartei und dem feigen Anschlag auf den Pfarrer Lichterglanz und Weihnachtszauber entstehen. Charlotte kehrt dem Budenspektakel den Rücken und steckt mittendrin in den Ermittlungen....


Ich liebe diese weinselige Krimi-Serie, denn sie ist so herrlich anders - unkonventionell, weltoffen und immer up to date schickt Christian Schleifer seine Charlotte wieder ins Rennen, um wieder Ordnung in Perchtoldsdorf herzustellen. Dabei sind die Themen aktueller denn je und sprechen die Leser:innen direkt an, denn hier gilt es nicht nur mal eben einen Mordfall zu lösen. Vielmehr regt der Autor die Fans dieser Reihe an, sich mit dem Inhalt des Romans auseinanderzusetzen und eigene Überlegungen anzustrengen.

Charlotte und Andrea sind mir im Verlauf der Vorgängerbände ans Herz gewachsen und es fühlt sich direkt an, als würde man in den Freundeskreis des Pärchens herzlich aufgenommen und mit in die Ermittlungen einbezogen werden. Dabei ist zwar nicht immer der Spannungsbogen straff gezurrt, aber das macht Schleifer mit Einfallsreichtum und interessanten Charakteren wieder wett.

Es ist immer wieder erschreckend zu lesen, wie einfach sich Menschen vor den braunen Karren spannen lassen und bereitwillig nachplappern, was ihnen an stumpfsinnigen Parolen vorgekaut wird. Auch wenn sich Hass und Hetze ausbreiten, gelingt es Schleifer immer wieder, den Bogen zu einem unterhaltsamen Krimi zu schlagen, ein bisschen Augenzwinkern zwischen den Seiten zu platzieren und so eine unterhaltsame Lektüre vor seiner Leserschaft auszubreiten.

Für so viel gute Unterhaltung kann es nur 5 Sternchen geben :)

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