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Veröffentlicht am 27.02.2026

Tausendmal berührt.... (Klaus Lage)

New Promises
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Fast scheint es, als würde mit dem Auftauchen von Cole Jacobs der Schnee schmelzen, denn der Schauspieler ist wohl das, was als "hot" zu bezeichnen ist. Während die Mädels in Green Valley ihm reihenweise ...

Fast scheint es, als würde mit dem Auftauchen von Cole Jacobs der Schnee schmelzen, denn der Schauspieler ist wohl das, was als "hot" zu bezeichnen ist. Während die Mädels in Green Valley ihm reihenweise zu Füßen liegen, soll Izzy ihm ein paar Nachhilfestunden im Skifahren geben. An Talent und aufgeblasenbem Ego mangelt es nicht und Cole hat mehr seine soziale Medienpräsenz im Kopf, als sich auf die Piste zu konzentrieren. Zunächst ist Izzy auch immun gegen den Charmebolzen, aber dann scheint auch ihr Herz zu schmelzen. Das sieht Will gar nicht gerne und es beginnt ein imaginäres Wettrennen abseits der Piste....


"Hot & Spicy" - wenn zwei Attribute auf Cole Jabos zutreffen, dass wohl diese beiden. Wo er auftaucht, ist Starrummel an der Tagesordnung und auch in Green Valley gibt es keine Ausnahme - bis auf Izzy. Die kann nämlich nur entnervt mit den Augen rollen, wenn Mr Netflix auf der Bildfläche erscheint und sein Zahnpastalächeln anknipst. Was sich zunächst nach einer amüsanten Lovestory anhört, verläuft schon bald im Sand der Banalitäten und wirkt nicht immer echt.

Die Schmuckausgabe von "New Promises" greift mit der äußeren Gestaltung alles auf, was für eine gedankliche Auszeit in Green Valley notendig ist, um sich direkt vor Ort einzufinden. Das aufwendig gestaltete Cover mit Goldfolienprägung, raffinierter Ausstanzung und coloriertem Vorsatzblatt ist ein echter Eyecatcher. Im Inneren setzt sich dieser positive Eindruck fort – mit liebevollen Details wie farbigen Illustrationen, stimmungsvollen Kapiteleinstiegen mit Landschaftsmotiven sowie zusätzlichen Extras wie Rezepten und Plakaten. Optisch ist diese Ausgabe somit ein echtes Highlight und lädt zum gemütlichen Schmökern mit einer heißen Schokolade, dicker Sahnehaube und Schokostreuseln ein.

Inhaltlich erzählt Lilly Lucas die Geschichte von Izzy und Will, die sich ein Katz-und-Maus-Spiel liefern, auch mal gepfefferte Schlagabtausche führen und dabei durch Höhen und Tiefen gehen. Themen wie geplatzte Träume, Enttäuschungen, Selbstfindung und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben sind nachvollziehbar und schaffen emotionale Anknüpfungspunkte, die sich jedoch nicht durchgängig durch den Roman ziehen.

Allerdings gelingt es der Autorin nicht immer, die Leserschaft vollständig mitzunehmen. Manche Szenen und Dialoge wiederholen sich, wodurch die Handlung künstlich in die Länge gezogen wird. Will zeigt teilweise ein problematisches Verhalten, betreibt aktives Bedhopping und geht sogar dazu über, Izzy mit abfälligen Bemerkungen aus ihrem Schneckenhaus zu holen, um eine Reaktion von ihr zu erhalten. Izzy wirkt oft sehr naiv und zeigt wenig Selbstachtung - nicht immer nachvollziehbar und glaubwürdig Ihre Tätigkeit als Skilehrerin bleibt eher oberflächlich in der und wird nur wie ein zufälliger Einwurf eingesetzt, sodass keine Einblicke in ihre eigetnliche Arbeitund die damit verbunden Aufgaben möglich sind.

Die Schmuckausgabe punktet vor allem durch ihre herausragende Gestaltung und atmosphärische Aufmachung. Inhaltlich bleibt der Roman oft hinter seinen Möglichkeiten zurück: anstatt miteiander zu reden, werden die Missverständnisse immer weiter angeheizt und sorgen dafür, dass sich Klischees ungehindert ausbreiten können. Dadurch entstehen etwas zu vielen Längen und formen sich Figuren, die nicht überzeugen können und deren Entwicklungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft werden.

Selbst der kleine Aufreger zum Schluss wirkt irgendie zu aufgesetzt und am Ende haben sich doch wieder alle lieb.


Neutrale 3 Sternchen

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Highlight 2026 !

Der Fährmann
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"Fährmann, hol über !" - diese Worte prägen den Alltag von Hannes. Als Fährmann ist er die Verbindung zwischen Mensch und Natur, setzt mit seinem Floß die Naturgesetze außer Kraft und ist dazu da, Grenzen ...

"Fährmann, hol über !" - diese Worte prägen den Alltag von Hannes. Als Fährmann ist er die Verbindung zwischen Mensch und Natur, setzt mit seinem Floß die Naturgesetze außer Kraft und ist dazu da, Grenzen zu überwinden, die die Salzach geschaffen hat. Seit Kindheitstagen ist er mit Annemie und Elisabeth befreundet, doch für den jungen Mann kann es keine Hochzeit geben. Der Brauch schreibt vor, dass der Fährmann keine Familie haben darf, da sein Tun mit vielel Risiken behaftet ist. Je mehr die drei den Kinderschuhen entwachsen, desto mehr wird ihre Freundschaft auf die harte Probe gestellt. Denn Hannes' Herz schlägt für Elisabeth, während sich Annemie fast vor Sehnsucht nach ihm verzehrt. Doch das Leben hat seine eigenen Pläne, denn nicht nur eine arrangierte Ehe beeinflusst den Lauf der Dinge, auch Hass, Neid, Gewalt und Missbrauch prägen den Lebensweg, bis der Krieg seine Schatten auf beiden Seiten des Flusses wirft...


Es gibt historische Romane, die zwar eindrucksvoll geschreieben sind, jedoch das Herz nicht wirklich berühren. Und dann gibt es die Bücher von Regina Denk, die mit einer ungeahnten Wucht die Leser:innen mit dem tosenden Lauf der Salzach fortreißen und sie vergessen lassen, dass sie im Hier und Jetzt ein Buch lesen. Es ist, als würde mit dem Übersetzen von der einen Seite des Flusses auf die ansere Seite ein Tor in die Vergangenheit geöffnet werden, durch das die Leser:innen schreiten, um die Menschen wahrhaftig vor Ort zu erleben.

"Der Fährmann" ist eine eindringliche Erzähung, die sich weit weg vom Mainstream bewegt und gerade deswegen so unter die Haut geht. Die Worte hinterlasen beim Lesen tiefe Spuren, tun physisch als auch psychisch weh und zeigen in sehr realen Bildern, was Menschen bereit sind zu ertragen, wenn es einen Rückhalt gibt, der sich Freundschaft nennt.

Denk scheut sich nicht, auch die unbequemen Wahrheiten auszusürechen, die das Leben ihrer Hauptfiguren prägen: Härte, physische und psychische Gewalt, (Macht-)Missbrauch , Entbehrungen, Hilflosigkeit und die Stellung der Frau in der dörfllichen Gemeinschaft werden von ihr mit kraftvollen Worten zu einer Erzähung zusammengefügt, die mehr ist als nur eine Geschichte.

Während Hannes, Elisabeth und Annemie den Kinderschuhen entwachsen und sich den Traditonen und Verpflichtunge beugen müssen, werden ihre Charaktereigenschaften nicht nur durch äußere Einflüsse, sondern auch durch starke Gefühle geformt. Aufbegehren und sich zur Wehr setzen sind einfach nicht an der Tagesordnung und wer sich trotzdem den gängigen Gepflogenheiten widersetzt, der bekommt am eigenen Leib zu spüren, wer das Sagen hat.

Denk gelingt es, die Leser;innen mit ihren Beschreibungen direkt an die Ufer der Salzach zu führen - das Tosen des Wassers trägt die Geschichte, während der Geruch von Harz, Moos, und frischem Heu die Schönheit der Gegend betont. Doch unter diesem vermeintlich idyllischen Deckmantel schwelt es. Die dunkle Seite der Seele, von Hass, Neid und Gier zerfressen, schwört auf Rache und die Autorin scheut sich nicht, verstörende und provokative Wesensveränderungen mit der Sehnsucht nach Harmonie und Liebe zu zu verbinden. Es ist kein Heimatroman und doch spielt Heimatverbundenheit in diesem Drama eine große Rolle. Dazu tragische, melancholische Momente und am Ende die Gewissheit, dass Freundschaft das Band ist, das alles zusammenhält.

Der Roman lebt von seiner Authentizität, die sich nicht nur in Figuren und Schauplätzen widerspiegelt, sondern auch das Leben so beschreibt, wie es wirklich gelebt worden ist. Es entsteht ein Erzählkunstwerk, das sich sprachlich und inhaltlich auf höchstem Niveau befindet und ein echter Stern am Bücherhimmel ist.

Eine starke Geschichte, die berührt, lange nachlinkgt und schon jetzt d a s Lesehighlight 2026 ist !

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Bis Seite 200 ein Pageturner, danach ein Flop :-(

Die Wahrheit ruht im Sempachersee
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Die Winteridylle wird jäh zerschnitten, denn am Sempachersee verenden zu Hauf Vögel. Während Eva in geheimener Mission unterwegs ist, scheint Cem anderen Ermittlungswegen nachzuegehen. Was beide nicht ...

Die Winteridylle wird jäh zerschnitten, denn am Sempachersee verenden zu Hauf Vögel. Während Eva in geheimener Mission unterwegs ist, scheint Cem anderen Ermittlungswegen nachzuegehen. Was beide nicht ahnen - diese Ermittlungen werden anders ausgehen als erwartet und mehr von ihnen abverlangenen, als sie jemals zu ertragen bereit gewesen sind. Doch wer zieht wirklich die Fäden und hat ein Interesse daran, dass nicht nur der winterliche See für immer schweigt ?



Was passiert, wenn die Gier nach Geld und Macht die inneren Dämonen antreibt, schreibt Monika Manosur in ihrem neuen Krimi. Zunächst liest sich der Plot auch wie das sprichwörtlich geschnittene Brot, denn die Seiten fliegen nur so durch die Finger und die Handlung ist mit einem Spannnungsbogen versehen, der die Leser:innen in Schach hält. Bis Seite 200 wird der Öko-Thriller wirklich zu einem klaustrophobischen Nervenzerrer, der von raffiniertem Thrill und subtiler Bösaritigkeit lebt.

Die Figuren können bis zu diesem Zeitpunkt überzeugen und gerade Cem kann seine emotionale Zerrissenheit so real vermitteln, dass mitunter die Tränen fließen. Doch dann legt Manosur den Schalter um und damit geht auch manchmal die Logik flöten. Die Handlung wird schräg und ist voller absurder Szenen, die wenig glaubhaft dargesetllt und vollkommen überladen sind. Es wirkt fast so, als habe sie zu viele Agentenfilme angeschaut, sich dort Ideen geholt, diese allesamt für gut befunden und regelrecht in ihre Handlung gepresst, um zwanghaft ihre Gescichte zu pushen.

Dabei hat sie dies nicht nötig, denn die Grundzüge des Plots sind an und für sich schon aufreibend genug, sorgen für Gesprächsstoff und bringen den ein oder anderen Gedankengang auf den Weg, um selbst etwas genauer hinzuschauen, wenn es um das Ausschlachten der Umwelt aus Profitgier geht.

Das Buch verliert immer mehr an Raffinesse, überschlägt sich an Ereignissen und Mansour kann weder mit eTiming noch mit emotionaler Erlebbarkeit punkten. Der Thriller wird somit zur Farce und verliert seinen Reiz. Nach dem sehr guten Start in die Handlung wäre deutlich mehr drin gewesen, um die brisanten Themen auch wirklich glaubhaft zu verpacken.

2,5 Sternchen

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Wir erschrecken über unsere eigenen Sünden, wenn wir sie an anderen erblicken. (Goethe)

Fünf Fremde
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Stürmischer Seegang lässt die Fähre auf den Wellen hüpfen wie ein kleines Spielzeugboot. Die Passagier:innen stemmen sich mutig gegen den Wind und werden zu einer kleinen eingeschworenen Zweckgemeinschaft. ...

Stürmischer Seegang lässt die Fähre auf den Wellen hüpfen wie ein kleines Spielzeugboot. Die Passagier:innen stemmen sich mutig gegen den Wind und werden zu einer kleinen eingeschworenen Zweckgemeinschaft. Als es plötzlich heißt „Frau über Bord!“ tritt dieses Ereignis etwas los, was scheinbar ungeahnte Kräfte entwickelt. Denn noch ahnen 5 Passagier:innen nicht, dass das Schicksal ein mieser Verräter ist…

Sie.Kann.Es Einfach ! Romy Fölck ist die ungekrönte Königin der Spannung und des Thrills, wenn es darum geht, ihre Leser:innen an die Seiten zu fesseln und sie mit dem Wind durch die Handlung zu peitschen.

Was zunächst nach einer zufälligen Begegnung aussieht, entpuppt sich schon bald als menschliche Tragödie, die dreißig Jahre zurückliegt. Der Mikrokosmos Neuwerk ist dabei wie geschaffen für ein Kammerspiel, das unter die Haut geht und menschliche Abgründe zu Vorschein bringt.

Alle Figuren sind wunderbar ausgearbeitet und gerade bei Annika fällt es unglaublich leicht, sich an ihre Seite zu stellen und mir ihr auf Spurensuche zu gehen. Die Perspektivenwechsel und Rückblenden in das Jahr 1995 bringen eine Dynamik in die Handlung, die die Lesenden in atemlose Spannung versetzt und Panik in Echtzeit erleben lässt.

Die Handlungsstränge verflechten sich ineinander wie die Strähnen eines Zopfes und genau diese Dichte ist es, die den Reiz des Buches ausmacht. Mit jeder gelesenen Seite wird die Spannung immer größer, die die Leserschaft nicht mehr aus ihren Klauen lässt.

Das vermeintlich zufällige Aufeinander treffen der Figuren im Buch wird nach und nach zu einem Schaulaufen der Lügen und Geheimnisse. Diese sind wie Ungeziefer und kriechen denjenigen nach, die sie mit der Macht der Verzweiflung versuchen, immer wieder zu unterdrücken und unter den Deckmantel des Schweigens und Verdrängens zu vergessen.

Bis zum Showdown sind die Lesenden in einem erstklassig inszenierten Racheepos gefangen, das von raffiniertem Thrill und subtiler Bösartigkeit lebt.

Chapeau !

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Spagat zwischen Wissen und Gewissen

Genie und Gewissen
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Können Künstler;innen der NS-Zeit wirklich unbelastet sein ?

Dieser Frage geht Michael Wolffsohn anhand des wohl prominentesten Dirigenten nach und nimmt die Vita des Herbert von Karajan unter die Lupe. ...

Können Künstler;innen der NS-Zeit wirklich unbelastet sein ?

Dieser Frage geht Michael Wolffsohn anhand des wohl prominentesten Dirigenten nach und nimmt die Vita des Herbert von Karajan unter die Lupe. wer auf ein reißerisches Enthüllungbuch hofft, wird enttäuscht sein, denn diese Veröffentlichung legt zwar den Finger in die Wunde, ist aber sachlich, fachlich und menschlich immer korrekt, sodass die Lesenden Daten und Fakten erfahren, ohne dass von Karajan an den Pranger gestellt oder glorifiziert wird.

Wolffsohn scheut sich nicht, Konfrontationen einzugehen und deckt dabei ein interessantes Bild auf, das den Künstler als einen politisch eher desinteressierten Menschen beschreibt, der mit und für die Musik lebt und neben Noten das Vorankommen auf der Karriereleiter im Sinn hat.

Letztendlich bleibt es den Leser;innen selbst überlassen, sich ein eigenes Urteil über de Mann zu bilden, der wie so viele in dieser Zeit zwischen Wissen und Gewissen entscheiden musste. - 3,5 Sternchen

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