Cover-Bild Der letzte weiße Mann
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13,00
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 160
  • Ersterscheinung: 15.08.2023
  • ISBN: 9783832166953
Mohsin Hamid

Der letzte weiße Mann

Roman
Nicolai von Schweder-Schreiner (Übersetzer)

Als Anders eines Morgens erwacht, stellt er fest, dass er sich verwandelt hat: Er ist nicht mehr weiß. Vollkommen erschüttert schließt er sich in seiner Wohnung ein, meldet sich krank. Nur Oona erzählt er von seiner Verwandlung, einer guten Freundin und gelegentlichen Geliebten. Irgendwann wagt er sich wieder hinaus in die Welt und zur Arbeit. »Wenn mir das passiert wäre, ich hätte mich umgebracht«, sagt sein Chef.
Immer mehr Berichte über ähnliche Verwandlungen tauchen auf: Die weiße Mehrheit im Land scheint zur Minderheit zu werden. Und sie fühlt sich bedroht. Steht ein Umsturz der bestehenden Ordnung bevor? Bald herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände in der Stadt. Oona, mittlerweile selbst verwandelt, steht Anders zur Seite, in den Wirren dieser Zeit werden sie zu einem Liebespaar. Schließlich gibt es kaum mehr weiße Menschen in der Stadt, Anders’ Vater stirbt schwerkrank als der letzte weiße Mann. Die Unruhen klingen ab – aber gelingt es den Menschen nun, einander wirklich zu sehen?

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Lesejury-Facts

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  • Paperboat hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2025

Interessanter Grundedanke, sehr anstrengender Schreibstil

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"Der letzte weiße Mann " von Mohsin Hamid hat mich vom Grundgedanken her neugierig gemacht.
Dieser erinnert stark an Kafkas "Die Verwandlung" und ist doch besonders:
Hier wacht eines Morgens der junge ...

"Der letzte weiße Mann " von Mohsin Hamid hat mich vom Grundgedanken her neugierig gemacht.
Dieser erinnert stark an Kafkas "Die Verwandlung" und ist doch besonders:
Hier wacht eines Morgens der junge Mann namens Anders auf und stellt mit Entsetzen fest, dass er sich in einen dunkelhäutigen Mann verwandelt hat. Er reagiert fast panisch, verlässt seine Wohnung nicht, meldet sich krank. Nur seiner alten Schulfreundin/Geliebten Oona erzählt er davon.
Doch irgendwann muss Anders das Haus doch wieder verlassen, er muss Geld verdienen. Sein Chef sagt im direkt ins Gesicht: "Wenn mir das passiert wäre, ich hätte mich umgebracht."
Auch seine Umgebung scheint ihn mit der veränderten Hautfarbe anders wahrzunehmen:
"Er wusste nicht, was die Leute dachten, ob sie überhaupt irgendetwas dachten, und wahrscheinlich bildete er sich die Feindseligkeit und Ablehnung in ihren Blicken nur ein."

Nach und nach häufen sich die Berichte über ähnliche Verwandlungen, mit der Zeit verwandelt sich die weiße Mehrheit im Land und scheint zu einer Minderheit zu werden . In der namenlosen Stadt herrschen bald bürgerkriegsähnliche Zustände.
Anders Vater stirbt schließlich schwerkrank als "der letzte weiße Mann". Die Unruhen klingen ab, doch wie geht das Leben weiter?

Ich bin bei diesem Buch etwas zwiegespalten. Den Grundgedanken fand ich sehr interessant. Bei einigen Sätzen gibt es viel Stoff zum Nachdenken:

"... und suchte in seinem Blick nach etwas Weißem, irgendwo musste es doch sein, vielleicht in seinem Gesichtsausdruck, aber da war nichts, und je länger er hinsah, desto weniger weiß kam er sich vor, als wäre das Suchen danach das genaue Gegenteil von Weißsein, als rückte es dadurch nur noch weiter weg, es ließ ihn verzweifelt wirken, unsicher, so als gehörte er nicht hierher, wo er doch hier geboren war ...."

"... sagte Anders, er sei nicht sicher, ob er noch derselbe Mensch sei, anfangs hatte er das Gefühl gehabt, unter der Oberfläche immer noch er selbst zu sein, wer auch sonst, aber so einfach war das nicht, wie die Menschen um einen herum sich verhielten, beeinflusste ja auch, wie man war, wer man war ..."

Leider blieben für meinen Geschmack die Charaktere zu oberflächlich, die Protagonistin*innen blieben mir seltsam fern.
Auch der Plot ist an sich grundsätzlich gut. Der Roman zeigt zwar auf, wie unlogisch es ist, den Wert und die Identität eines Menschen allein anhand seiner Hautfarbe festzulegen – aber für mein Empfinden fehlt es hier noch an Tiefe in der Ausarbeitung; man hätte aus diesem Thema noch mehr herausholen können.

Mein zweiter Kritikpunkt betrifft den Schreibstil des Autors. Die sehr in die Länge gezogenen Sätze, nur mit Kommata getrennt, fand ich sehr anstrengend zu lesen.

Final vergebe ich 3⭐️

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Veröffentlicht am 27.09.2023

Trotz Kritikpunkten ein sehr lesenswertes Buch!

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Anders wacht eines Morgens auf und erschreckt sich, als er seine Hand zum Nachttisch ausstreckt. Ein dunkelhäutiger Arm greift nach seinem Klugfon, als würde dieser Arm zu einem Fremden gehören. Anders ...

Anders wacht eines Morgens auf und erschreckt sich, als er seine Hand zum Nachttisch ausstreckt. Ein dunkelhäutiger Arm greift nach seinem Klugfon, als würde dieser Arm zu einem Fremden gehören. Anders hat sich verändert, ist von einem weißen zu einem schwarzen Mann geworden. Er schaut in den Spiegel und sieht einen Fremden. Auch von seinen Freunden wird er nicht mehr als der erkannt, der er ist. Einzig seine Freundin Oona hält zu ihm und ist ihm in seiner Aussätzigkeit eine Stütze. Von Bekannten wie Fremden wird Anders gleichermaßen gemieden, durch seine Hautfarbe ist er gleichzeitig sichtbar geworden für jene, die seine Dunkelhäutigkeit als Bedrohung wahrnehmen, und unsichtbar für alle, die den ursprünglichen Anders kannten.
In der ganzen Stadt gibt es weitere Fälle von spontaner Verwandlung. Genau wie Anders wachen morgens Menschen auf und haben dunkle Haut. Diese Veränderung wird als Bedrohung wahrgenommen. Die verbliebenen Weißen gründen Bürgerwehren, Geschäfte werden geplündert, Menschen trauen sich nicht mehr aus ihren Häusern. Wie sehr verändert sich die eigene Persönlichkeit durch eine solche Veränderung? Der einstmals weiße Anders bewegt sich seit seiner Veränderung zögerlicher, vorsichtiger durch die Welt, um nicht in den versteckten oder offenen Rassismus zu rennen, der ihm entgegenwabert. Von den Menschen in seiner Umgebung ist er zu der Bedrohung degradiert worden, die er nie war. Erst als die Majorität ins Gegenteil umschlägt und es mehr schwarze als weiße Menschen gibt, beruhigt sich zitternd die Situation wieder.

Ich bin bei diesem Buch etwas zwiegespalten. Der Grundgedanke der Idee hat mich zum Lesen verführt, der Schreibstil hingegen war für mich gewöhnungsbedürftig. Vor allem die in die Länge gezogenen Sätze fand ich recht anstrengend. Die Protagonist:innen des Buches bleiben ungewöhnlich distanziert. Ein wenig mehr Tiefe zum Aufbau einer emotionalen Bindung zu den Figuren wäre dem Buch sicher zugute gekommen, um das zu bewirken, was es vermutlich beabsichtigt hat – dass sich in diesem Perspektivwechsel jeder wiederfinden soll. Trotz der Kritikpunkte aber ein sehr lesenswertes Buch!