Keine leichte Kost, aber lesenswert
Mit "Sommer 24" liefert der vielfach preisgekrönte Schriftsteller und habilitierter Orientalist Navid Kermani einen anspruchsvollen Roman über unsere Zeit ab, gepackt in das Jahr 2024, ein Jahr des Umbruchs.
Sein ...
Mit "Sommer 24" liefert der vielfach preisgekrönte Schriftsteller und habilitierter Orientalist Navid Kermani einen anspruchsvollen Roman über unsere Zeit ab, gepackt in das Jahr 2024, ein Jahr des Umbruchs.
Sein Freund Rudolf, selbst Holocoust-Überlebender, driftet politisch in die rechte Ecke ab, sympathisiert mit der AFD , verteidigt Israels Angriffe im Gazastreifen. Er wählt schließlich den Freitod. In USA besteht die Wiederwahl von Trump bevor, unterstützt von Elon Musk. Kriege rücken näher. Dazu kommt, dass sich seine Freundin von ihm trennt und ihn als Macho bezeichnet, aber auch sonst wird sein Leben durch eine von ihm selbst verfasste Geschichte heftig durcheinandergewirbelt.
Der Roman ist keine leichte Kost, es braucht seine Zeit, ihn vollständig in sich aufzunehmen. Denn auf den 160 Seiten steht viel, und noch viel mehr zwischen den Zeilen. Mit messerscharfem Verstand analysiert Kermani nicht nur die Welt und die Politiker (dabei nimmt er unter anderem Bezug auf seine Rede vor dem Deutschen Bundestag), sondern auch sich selbst. Gibt es Möglichkeiten, auszusöhnen und zu versöhnen? Oder muss man einfach aushalten? Sprachlich gesehen ist der Roman ein Meisterwerk, lässt uns Kermani durch seine Sprache an seinen Gedanken teilhaben, dazwischen immer nimmt er auch Rückblick auf vergangene Ereignisse.
Ein eindringliches Werk, das man sehr aufmerksam lesen muss! Ein Werk, das zum Nachdenken anregt! Ein Werk, das ich sehr gerne weiterempfehle! Ein Werk, das mich veranlasst, seine Lesung im März zu besuchen!