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Veröffentlicht am 14.02.2026

Thriller oder Fantasy?

Böser, böser Wolf
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"Böser, böser Wolf" von Alexandra Benedict ist ein anderer Krimi!

Die Krimiautorin Katie findet sich eingesperrt in einer Kammer. Flucht aussichtslos. Ihr Entführer, ein Mensch mit einer Wolfsmaske zwingt ...

"Böser, böser Wolf" von Alexandra Benedict ist ein anderer Krimi!

Die Krimiautorin Katie findet sich eingesperrt in einer Kammer. Flucht aussichtslos. Ihr Entführer, ein Mensch mit einer Wolfsmaske zwingt sie dazu, Märchen neu zu interpretieren, um ihm Vorlagen für Morde zu liefern. Andernfalls wird er sie selbst töten. Nachdem sie miterlebt, wie es ihrer "Vorgängerin" ergeht, lässt sie sich auf das Spiel ein und hofft, in ihren Märchen genug Hinweise für die Polizei einzuflechten.. In einem zweiten Handlungsstrang begleiten wir die Ermittlerin Detective Lyla Rondell, die hauptverantwortlich eine Serie von Morden aufklären soll. Morde, nach denen die Presse den Täter als "Grimm-Ripper" bezeichnet.

Ich hatte schon andere Werke von Alexandra Benedict gelesen, die mir alle gut gefallen haben. Ich mag ihre präzise Sprache, ihre Art Gefühle zu vermitteln und Atmosphäre zu erzeugen. Benedict gibt den Lesern abseits der eigentlichen Handlung auch in jedem Werk weitere Rätsel auf, die es zu lösen gilt. Hieran bin ich bisher allerdings in jedem Werk kläglich gescheitert. Die Auflösung bleibt uns die Autorin schuldig...

Auch beim vorliegenden Krimi ist mir der Einstieg leicht gefallen. Es ist spannend geschrieben, die bildhaften Beschreibungen der Örtlichkeiten lassen das Kopfkino rattern. Die Protagonist*innen sind ihren Rollen entsprechend sympathisch oder eben auch nicht. Bis dahin also alles gut! Trotzdem hat mich "Böser, böser Wolf" irgendwann verloren: Ab einem bestimmten Punkt ist mir die Handlung zu sehr ins Fantasy-Genre abgedriftet, einem Genre, das ich nicht mag und auch nicht lese.. Das ist aber mein subjektiver Eindruck, andere Lesende mögen diesen Krimi vielleicht gerade deshalb..

Lesende mit einem Hang zu Fantasy werden diesen Krimi gerne lesen, an diese richtet sich auch meine Empfehlung. Für mich war es nur bedingt etwas (wegen der bereits erwähnten Fantasy), Aufbau und Story waren trotzdem durchdacht und gut konstruiert. Daher gibt es von mir heute nur 3 Sterne!

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Ein Zeitzeugnis der speziellen Art

Lovely Rita
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"Lovely Rita" von Frank Goosen hat mir Spaß gemacht!

Rita Urbaniak ist die Wirtin vom Haus Himmelreich, einer kleinen Kneipe im Pott. Nach vielen Jahren will sie die Stammkneipe vieler Menschen schließen. ...

"Lovely Rita" von Frank Goosen hat mir Spaß gemacht!

Rita Urbaniak ist die Wirtin vom Haus Himmelreich, einer kleinen Kneipe im Pott. Nach vielen Jahren will sie die Stammkneipe vieler Menschen schließen. Am Vortag der offiziellen Schließungsfeier kommt ein Journalist, der über das legendäre Haus Himmelreich berichten will, aber Rita ist nicht da. Nur ihre Ziehtochter Verena, die sie vor Jahren aufgenommen hat, ist da. Verena kennt zwar ihre Mutter Chris, die Schwester von Rita, die Frage nach ihrem Vater blieb bisher unbeantwortet. Am Tresen haben drei Stammgäste ihren Platz, die dem Journalisten erst einmal beibringen, dass ein Bier vor dem Trinken geerdet werden muss.

Der Ich-Erzähler berichtet uns über seine Unterhaltungen mit den Gästen, mit Verena und beobachtet das Geschehen in der Kneipe. Da ist Gisela, die das weltbeste Pils zapft, ohne den Hahn zuzudrehen und Anna, die immer nur zwei Wacholder trinkt. Bei seinen Gesprächen erfährt er immer mehr über Rita und ihre Vergangenheit. Jeder der drei Stammgäste am Tresen trägt etwas bei. Da sind der Lange, Willi Trommer und der Käpt'n. Jeder für sich ein Unikat. Besonders der Käpt'n wirft mit Stammtischparolen nur so um sich.

Mir hat der feine Humor des Buches gut gefallen. Die Gespräche im Haus Himmelsreich sind unglaublich lebensecht, die passenden Charaktere kann man sich gut vorstellen. Den einen mag man, andere nicht. Ein wenig Nostalgie kommt auf, Gibt es doch so gut wie keine dieser urigen Kneipen mehr. Schade eigentlich, denn dort konnte man im wahrsten Sinne des Wortes "dem Volk aufs Maul" schauen.. Rita, Chris und Verena sind Frauen, die ihren Weg gehen. Besonders Chris nimmt nicht einmal auf ihre Tochter Rücksicht.

Die Lesenden erwartet ein ereignisreicher und unterhaltsamer Abend im Haus Himmelreich, begleitet vom WDR4, der aufgrund der demographischen Entwicklung nun auch englische Titel spielt.

Mir hat dieser Roman sehr viel Spaß gemacht. Er ist ein Zeitzeugnis der speziellen Art. Ein Buch, das ich gerne weiterempfehle. Dialektkenntnisse sind nicht nötig, aber manchmal von Vorteil. Gute 4 Sterne für dieses andere Zeitdokument und die Geschichten aus dem Leben!

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Satire vom Feinsten

Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter
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Mit "Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter" hat Wolfgang Schorlau eine kleine, aber umso feinere, Geschichte abgeliefert. Sie ist einerseits zum Brüllen komisch, und leider trotzdem ...

Mit "Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter" hat Wolfgang Schorlau eine kleine, aber umso feinere, Geschichte abgeliefert. Sie ist einerseits zum Brüllen komisch, und leider trotzdem so nah an der Wahrheit.

Karsten Richter, ein Mann aus der Gas-Lobby soll Wirtschaftsminister werden, die Lobby freut sich. Endlich mal ein Mann, der ihre Interessen vertritt. Noch vor seiner Ernennung und Vereidigung grätscht Karsten Richter allerdings seine eigene Mutter dazwischen, nennt ihn eine Öko-Sau und plant eine Pressekonferenz. Ihr Sohn macht ihr Kummer, trotz ihrer Erziehung (sie ist Klimaaktivistin der ersten Stunde) hat er mit Klimafragen keine Verträge, im Gegenteil. Der Kanzler droht: Pfeif Deine Mutter zurück oder Du wirst kein Minister! Aber dann wird Karstens Mutter entführt und er sieht seine Chance, indem er auf Zeit spielt und mit den Entführern handelt...

Schorlau betont in seinem Vorwort, alle Personen seien erfunden, auch wenn die Lesenden Ähnlichkeiten feststellen sollten. Und Ähnlichkeiten findet der aufmerksam Lesende mehr als genug! In lockerer Sprache nimmt uns der Autor auf eine Reise in die Mitte der Politik. Wir begleiten den Minister in spe durch Verhandlungen mit den Lobbyisten, Pressekonferenzen, Mitarbeitergespräche und vieles mehr. Satire vom Feinsten! Ich habe viel gelacht bei der Lektüre, aber auch einiges wiedererkannt, was mich unglaublich wütend gemacht hat.

Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und es hat sich definitiv gelohnt. Auch das Ende war klug konstruiert, auch wenn ich so etwas fast schon erwartet habe....

Wer Satire mag, wird dieses kleine Büchlein lieben! Ich empfehle es sehr gerne weiter und gebe volle 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Mord in der Psychotherapie

Die weiße Dame
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"Die weiße Dame" von Yngra Wieland ist der Auftakt einer Reihe um die Psychotherapeutin Salome Liebeskind. Es ist ein Krimi, der anders ist als üblich.

Eva Sternberg, Psychotherapeutin in Praxisgemeinschaft ...

"Die weiße Dame" von Yngra Wieland ist der Auftakt einer Reihe um die Psychotherapeutin Salome Liebeskind. Es ist ein Krimi, der anders ist als üblich.

Eva Sternberg, Psychotherapeutin in Praxisgemeinschaft mit Salome Liebeskind, wird in der Praxis brutal ermordet aufgefunden. War ihr Lebensgefährte der Täter? Oder vielleicht auch ein Patient? Julian Christ, der ermittelnde Kommissar, hat unter anderem auch Salome in Verdacht. Salome beginnt mit eigenen Nachforschungen und stellt fest, dass sie ihre Kollegin eigentlich gar nicht richtig kannte. Dann findet sie in der Kirche die Leiche des Pfarrers, kurz darauf wird auch der Bürgermeister ermordet aufgefunden.

Anfangs hatte mich der Titel des Krimis irritiert, er erklärt sich aber im Verlauf des Buches und passt auch sehr gut. Auch das Cover passt, hat doch Eva Sternberg eine ausgefallene Liege in ihrem Behandlungszimmer stehen. Yngra Wieland baut die Spannung im Roman kontinuierlich auf. Dass einige der Charaktere sehr suspekt sind war recht schnell klar, aber wie alles zusammenhängt wird erst zum Ende aufgelöst, logisch und nachvollziehbar. Über den Kommissar, der seine Nachfragen an Salome gleichzeitig als eine Art Therapiestunde nutzt, musste ich oft schmunzeln. Auch Salomes Freundin Waltraud mit ihrer überschäumenden Art hat dem Krimi zwischen all der Tragik eine gewisse Leichtigkeit verschafft. Der letzte Teil des Romans war traurig, musste aber zur Auflösung genau so sein. Sprachlich hat mich die Autorin überzeugt, sie transportiert die Emotionen der Protagonist*innen sehr gut. Die Zerrissenheit Salomes zwischen ihrem Beruf und der damit verbundenen EInfühlsamkeit und der Spannung , ihre Ermittlungen voranzutreiben, ist sehr gut dargestellt.

Ich werde diese Reihe jedenfalls im Auge behalten und hoffe auf eine baldige Fortsetzung. 4 gute Sterne und eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Einstein vs. Lenard

Einstein im Bade
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Physik hat mir in der Schule nie Spaß gemacht, der Roman "Einstein im Bade" von Daniel Mellem dagegen schon!

Es war einmal in Bad Nauheim, dem Kurort im Wetteraukreis. Dort führt seit Generationen Familie ...

Physik hat mir in der Schule nie Spaß gemacht, der Roman "Einstein im Bade" von Daniel Mellem dagegen schon!

Es war einmal in Bad Nauheim, dem Kurort im Wetteraukreis. Dort führt seit Generationen Familie Kleeberger das Hotel Zum rastenden Kranich. Es ist beschaulich dort, das Hotel ist in die Zeit gekommen. Die Gästezahlen lassen spürbar nach. Doch dann findet in Bad Nauheim die Versammlung Deutscher Naturforscher mit über zweitausend Teilnehmenden statt. Alle Hotels müssen unentgeltlich Gäste aufnehmen. Unter anderen Gästen werden im Rastenden Kranich sowohl Albert Einstein als auch sein Konkurrent Philipp Lenard einquartiert. Kleeberger sieht als seine Aufgabe und Chance, den Streit zwischen den beiden zu schlichten. Seine Stammgäste darf er dabei natürlich nicht vernachlässigen.

Kleeberger ist schon ein besonderer Typ! In seinem Eifer um den Ruf seines Hotels als Oase der Ruhe stolpert er von einem Missgeschick in das nächste. Teilweise richtig komisch lässt uns der Autor an seinen Bemühungen teilhaben. Nebenbei erfahren wir auch einiges über das bisherige Leben des jetzt 68-jährigen Kleeberger. Seine Versuche, es allen recht zu machen sind wirklich gut beschrieben. Dazu bedient ich der Autor einer Sprache, die genauso aus der Zeit gefallen ist wie Kleeberger und sein Hotel. Er geht nicht durch das Foyer, nein ergeht durch das Vestibül! Allein diese Sprache macht den Roman zum Lesevergnügen! Dazu lernt nicht nur Kleeberger einiges über die Realivitätstheorie.

Den Kongress der Physiker hat es tatsächlich gegeben, die Handlung um die Personen ist Fiktion. Mir hat der Roman Spaß gemacht!

Eine Leseempfehlung auch für Nichtphysiker und 5 Sterne gibt es von mir für diesen unterhaltsamen Roman!

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