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Veröffentlicht am 05.04.2026

Es könnte erschreckende Realität sein

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Ich kannte bisher weder den Autor Stfean Ahnhem, noch seine Reihe um Fabian Risk. Trotzdem bin ich in Reihe von hinten eingestiegen und habe das Hörbuch "Wellengrab" gelesen von Davis Nathan gehört und ...

Ich kannte bisher weder den Autor Stfean Ahnhem, noch seine Reihe um Fabian Risk. Trotzdem bin ich in Reihe von hinten eingestiegen und habe das Hörbuch "Wellengrab" gelesen von Davis Nathan gehört und wurde nicht enttäuscht, da der Krimi auch ohne Vorkenntnisse gut hörbar und in sich abgeschlossen ist.

Fabian Risk und seine Tochter Matilda sind mit dem Boot vor der Küste Schwedens unterwegs und plötzlich wird dort alles dunkel. Ein Blackout? Zurück in Helsingborg muss Risk feststellen, dass es eine Reihe merkwürdiger Ereignisse gegeben hat. Eine Bank wurde ausgeraubt, ein Kind einer alten Bekannten entführt. Gibt es Zusammenhänge zwischen den Fällen? Was hat der Stromausfall damit zu tun?

Mit knapp 17 Stunden ist das Hörbuch nicht gerade als kurz zu bezeichnen, trotzdem hat es mich nie gelangweilt. Ahnhem baut die Spannung langsam auf und steigert die Handlung immer mehr bis zum Showdown. Viele Charaktere treten auf, es erfordert schon einiges an Aufmerksamkeit, um nicht den Faden zu verlieren. Ahnhem setzt in seinem Krimi nicht auf Action, er erzählt unaufgeregt und trotzdem fesselnd. Fabian Risk und seine Kollegen sind gut beschrieben, jede/r für sich ein Unikat! Ahnhem versteht es gut, eine beklemmende Atmosphäre zu vermitteln und mir ist es schwer gefallen, das Hörbuch zu unterbrechen. Bei 17 Stunden geht es leider nicht anders. Trotzdem war ich nach Pausen sofort wieder mittendrin! Auch wenn es relativ schnell klar wird, was für ein großer Plan hinter allem steckt, ist es spannend zu verfolgen, ob und wie der Fall gelöst wird. Hierbei hat mich besonders das Schicksal der Kinder berüht. Die Auflösung ist logisch und der Krimi insgesamt gut konstruiert. Durch die wechselnden Perspektiven (darunter auch die der Täter) war ich den Ermittlern immer einen kleinen Schritt voraus, was die Spannung noch erhöht hat.

David Nathans Vortragsweise passt gut zur Story. Er trägt akzentuiert und lebendig vor, hält die Spannung hoch. Einige seiner Betonungen fand ich etwas seltsam, warum hebt er am Ende eines Satzes z.B. die Stimme immer wieder nach oben?

Ich werde die Reihe demnächst von Teil 1 an beginnen, um mehr über Fabian Risk und seine Fälle zu erfahren. Das vorliegende Hörbuch hat mir gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter. Gute 4 Sterne für diesen soliden und spannenden Fall, der hoffentlich nie so eintreten wird!

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Ein Leben voller Geheimnisse

Madame Lazare
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Tadhg Mac Dhonnegain ist nicht umsonst für sein Werk "Madame Lazare" mit dem Preis Irish Language book of the year ausgezeichnet worden. Wer sich für Irland, seine Geschichte und Mythen interessiert, ...

Tadhg Mac Dhonnegain ist nicht umsonst für sein Werk "Madame Lazare" mit dem Preis Irish Language book of the year ausgezeichnet worden. Wer sich für Irland, seine Geschichte und Mythen interessiert, sollte hier unbedingt zugreifen.Für mich ist ein wweiteres Highlight!

Lavana ist die Enkelin von ihrer Großmutter und ihrem Großvater nach dem Tod ihrer Mutter im jüdischen Glauben großgezogen worden. Ihre Großmutter Hana die Shoa in Estland überlebt, weigert sich aber, darüber zu sprechen. Nach dem Tod des Großvaters kümmert sie sich um Hana, kann aber nichts von ihr erfahren. Hana wird immer verwirrter und beginnt im Schlaf seltsame Worte in einer fremden Sprache zu murmeln. Lavana forscht nach und rfährt, dass es sich hierbei um Irisch (Gälisch) handelt. Aber was hat diese Sprache mit der Vergangenheit in estland zu tun?

Wir bgleiten ein Mädchen namens Muread ab dem Jahr 1937 mit ihrer Familie auf einer Aran-Insel vor Galway in Irland, erleben Lavanas Nachforschungen um das Geheimnis ihrer Großmutter 2015 in Brüssel und in einem dritten Zeitstrang ab 2015 wie Lavana von ihren Großeltern Hana und Samuel großgezogen wird. Die Sprache, in der uns der Autor die Geschichte erzählt, ist etwas Besonderes! Er versteht es, die Gefühle der unterschiedlichen Protagonist*innen sehr empathisch zu transportieren. Auch die örtlichen Gegebenheiten, besonders in Irland, sind unglaublich atmosphärisch beschrieben. Als Lesender riecht man die Luft, hört die Wellen, hört die alten Gedichte und hat dazu irische Folklore im Ohr. Wir erleben das streng katholische Irland der 40er Jahre, aber auch gleichzeitig die jüdischen Bräuche und Abläufe in Lavanas Jugend. Im Verlauf des Romans tauchen wir immer mehr in die Welt von Hana/Muread/Mémé ein, in die wir bereits im Prolog hineingeworfen werden. Der Plot ist interessant konstruiert und fesselnd zu lesen.Der Roman insgesamt hat "nur" 300 Seiten, diese Seiten haben es aber in sich und sind dabei aber auch gut lesbar, poetisch und fesselnd.

Der Roman enthält sehr viele Sätze in gälisch, jüdisch, aber auch französisch. Alle sind in einem sehr umfangreichen Glossar erläutert. Im Ebook sind sie alle verlinkt, in der Printausgabe sollten die Lesenden ein Lesezeichen anbringen. Es lohnt sich! Links zu den Übersetzungen der Gedichte sind ebenfalls vorhanden. Ich spreche zwar französisch, von gälischer Aussprache hatte ich bisher keine Ahnung. Auch hierzu gibt es viele Erläuterungen und Aussprachehilfen.

Durch das wunderschöne Cover habe ich mich sofort wieder nach Irland versetzt gefühlt.Es passt wunderbar zur Story!

Ich habe diesen Roman sehr genossen und kann ihn auf jeden Fall weiterempfehlen, die Auszeichnungen hat der Autor verdient. 5 Sterne für dieses Highlight!

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Unbedingt das Nachwort lesen!

Die Hoteldetektivin
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"Die Hoteldetektivin" von Alexander Eden ist ein historischer Krimi, der im Jahr 1913 spielt.

Emma Stein arbeitet gemeinsam mit ihrem Vater als Hoteldetektivin im noblen Hotel Imperial in Berlin. Da ihr ...

"Die Hoteldetektivin" von Alexander Eden ist ein historischer Krimi, der im Jahr 1913 spielt.

Emma Stein arbeitet gemeinsam mit ihrem Vater als Hoteldetektivin im noblen Hotel Imperial in Berlin. Da ihr Vater immer vergesslicher wird, übernimmt sie immermehr seiner Aufgaben, damit er seine Arbeit nicht verliert. Eines Tages wird ein Hotelgast in seinem Zimmer tot aufgefunden. Die Polizei geht von Suizid aus, Emma hat Zweifel und rmittelt auf eigene Faust und bringt sich dabei selbst in Gefahr.

Teils fiktiv, teils an Realitäten angelehnt, schidert uns Alexander Eden das Geschehen in Berlin im Jahr 1913. Die Sprache ist leicht lesbar, die Charaktere werden bildhaft beschrieben. Emma, ihr Vater und auch Emil sind sehr sympathisch, der ermittelnde Kommissar ein Ekelpaket. Emma ist eine starke Frau, obwohl ihr ein strenger Wind entgegenweht. Die Story wird in der dritten Person aus der Sicht von Emma erzählt und lässt sich gut lesen, auch aufgrund der kurzen Kapitel. Die Spannung steigt langsam an, am Ende überschlagen sich dann die Ereignisse.

Die historischen Gegebenheiten erläutert Eden in einem sehr umfangreichen Nachwort, insgesamt ist der Krimi aber etwas zu sehr auf Kulinarik und ein wenig Wissenschaft reduziert. Ein Jahr vor Ausbruch des 1. Weltkriegs hätte von einem historischen Roman etwas mehr politische Hintergründe erwartet. Und: Gab es in Berlin 1913 tatsächlich schon soviel Staus von Autos, dass man sich ähnlich wie heute auf dem Rad nur gefährlich durchschlängeln konnte?

Wer einen leichten Krimi mit etwas historischem Hintergrund ohne allzu viel Politik sucht, wird diesen Krimi mögen. Für mich war es eine gute Abwechslung zwischen vom Inhalt eher schweren Büchern, daher gute 3 Sterne und eine bedingte Leseempfehlung je nach Erwartungshaltung!

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Über Widerstand und Zukunftsglaube

Nein sagen
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Mit "Nein sagen" hat Matthias Brandt ein kleines, aber nicht weniger wichtiges Buch geschrieben. Ich habe es als Hörbuch gehört, das er selbst eingelesen hat. Großartig!

Als Matthias Brandt 2025 gebeten ...

Mit "Nein sagen" hat Matthias Brandt ein kleines, aber nicht weniger wichtiges Buch geschrieben. Ich habe es als Hörbuch gehört, das er selbst eingelesen hat. Großartig!

Als Matthias Brandt 2025 gebeten wird, zur Erinnerung an die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 in der Gedenkstätte Berlin-Plötzensee eine Rede zu halten, will er zunächst ablehnen. Er hält diese Rede dann doch und ist froh, sie gehalten zu haben.

In seinem Buch erfahren wir viel aus seiner eigenen Biografie als Sohn von Willy und Rut Brandt. Er zeigt auf, dass Widerstand nicht Kampf bedeuten muss, dass es auch andere Wege des Widerstands gibt. Er analysiert Parallelen zwischen damals und heute, vergleicht die Nazis aus dem dritten Reich mit der AfD heute. Er vergleicht den Sprachgebrauch der Nazis mit dem der AfD und deren Umgang mit der Vergangenheit, wie die AfD ein Foto von Willy Brandt für eigene Wahlkampfzwecke benutzt hat. Brandt analysiert die Strategie der Partei, Wähler in eine Opfermentalität zu drängen um sie auf ihre Seite zu bringen. Er zeigt aber auch auf, wie seine Eltern den Glauben an die Demokratie und die Zukunft nie verloren haben und dass Widerstand nicht zwecklos ist. Er berichtet von Gesprächen mit Schülern eines Gymnasiums, die Hoffnung machen.

Brandt macht in seinem Buch deutlich, dass es sich lohnt für die Demokratie zu kämpfen: mit Worten und Diskussionen mit Andersdenkenden, die unter Umständen die Tragweite der jetzigen Situation noch nicht begriffen haben. Damit meint er nicht den Widerstand als Einzelner gegen Gruppen,für weniger mutige Menschen gibt es auch die Teilnahme an Demonstrationen um zu spüren, dass es Gleichgesinnte gibt. Es geht ihm nicht um Kampf, sondern um ein Eintreten für die Demokratie ohne Ausgrenzung jeder Art und Verschwörungstheorien.

Ein eindrucksvolles Werk, dass es sich zu lesen oder hören lohnt. Ein Werk, das nachdenklich macht und gleichzeitig die Aufforderung in sich trägt, aktiv zu werden. Brandt versucht mit diesem Werk, Menschen davon abzuhalten einfach wegzusehen. Leider werden bestimmte Gruppierungen dieses Buch weder lesen noch hören. Eine Möglichkeit wäre, dieses Werk als Pflichtlektüre in Schulen einzuführen, um möglichst viele junge Menschen zum Nachdenken zu bringen.

Eine absolute Lese- oder Hörempfehlung!

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Ein Blick hinter die Kulissen der Macht

Die Stockholm-Protokolle
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"Die Stockholm-Protokolle" von Moa Berglöf und Joakim Zander ist ein Thriller, der aus der Masse herausragt! Er ist der erste Teil einer Reihe.

Julia, eine äußerst engagierte Politik-Journalistin wird ...

"Die Stockholm-Protokolle" von Moa Berglöf und Joakim Zander ist ein Thriller, der aus der Masse herausragt! Er ist der erste Teil einer Reihe.

Julia, eine äußerst engagierte Politik-Journalistin wird von ihrer Rdaktion kaltgestellt, da sie mit ihren Ermittlungen offensichtlich in ein Wespennest gestochen hat. Sie muss einer hochbrisanten Sache in den höchsten Ebenen der Politik auf die Spur gekommen sein. Als ihr Partner Alfred , im politischen Geschäft unerfahren, überraschend zum Pressesprecher des schwedischen Ministerpräsidenten ernannt wird, sieht sie ihre Vermutung bestätigt.Sie ermittelt weiter, sagt Alfred aber nichts, weder von ihrer Kaltstellung, noch von ihren Ermittlungen.

Wir tauchen in diesem Thriller tief in die Ränkespiele der Macht ein. Es ist deutlich zu spüren, dass die Autor*innen selbst lang in diesem Bereich tätig waren. Die Ereignisse werden jeweils aus der Perspektive von Julia und von Alfred beschrieben. Die Charaktere der beiden so unterschiedlichen Menschen sind glaubwürdig dargestellt. Zum einen ist da Julia: sie hat Biss und lässt nicht locker. Ob man für ihr Verhalten Verständnis hat, ist wohl von der Betrachtung der Lesenden abhängig. Dann haben wir es mit Alfred zu tun, der sich in sein neues Arbeitsumfeld einfinden muss. Er muss zum Wolf werden, um nicht als Schaf unterzugehen.Seine Situation wird erschreckend realistisch dargestellt. Der Thriller steigrt sich langsam, dafür aber umso eindringlicher. bis zum (teilweise offenen) Ende. Die Lesenden können durch die leicht verständliche Sprache gut miträtseln. Im Verlauf der Story kommen immer mehr neue Personen in das Geflecht, das sich bis ins Europäische Parlament erstreckt, hinzu. Hier muss man aufmerksam lesen, um nicht den Überblick zu verlieren. Ein Personenverzeichnis am Ende des Thrillers wäre für manchen Lesenden eventuell hilfreich, würde aber auch zum Teil die Spannung wegnehmen.

Ich habe den Thriller genossen, auch wenn er sehr realistisch ist. Einige wenige Fragen bleiben offen, diee Lust darauf machen, den nächsten Teil (der hoffentlich nicht allzu lang auf sich warten lässt) zu lesen. Zitat aus dem Nachwort: "Dank an alle Politiker und politischen Beamten, in Schweden und international, die uns zu diesem Buch inspiriert haben. Einige von Euch werden sich vielleicht wiedererkennen. Das ist Absicht." Wie wahr, Parallelen sind durchaus erkennbar...

Eine absolute Leseempfehlung von mir nicht nur für politisch Interessierte und die verdienten 5 Sterne gibt es von mir für diesen Thriller!

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