Fragen, die bleiben und Antworten, die zu spät kommen
In Pepper erzählt Nils Mohl eine leise, zugleich intensive Coming-of-Age-Geschichte über Identität, Familie und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Im Mittelpunkt steht die 17-jährige Pepper, die ihren Vater ...
In Pepper erzählt Nils Mohl eine leise, zugleich intensive Coming-of-Age-Geschichte über Identität, Familie und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Im Mittelpunkt steht die 17-jährige Pepper, die ihren Vater nie kennengelernt hat und beschließt, diese Lücke endlich zu füllen. Mit einem roten Notizbuch voller Fragen macht sie sich auf die Suche nach einem Mann, der ihr fremd ist und ihr doch fehlen könnte.
Ruhig, poetisch und manchmal fast nachdenklich tastend begleitet der Roman Pepper auf ihrem emotionalen Weg. Durch eine direkte Ansprache an den Vater vermittelt die Erzählung eine zudem eine große Nähe und macht die innere Zerrissenheit der Protagonistin gut spürbar. Zwischen Hoffnung, Unsicherheit und vorsichtiger Neugier entsteht dadurch ein feinfühliges Porträt einer jungen Frau, die verstehen möchte, wo sie hingehört. Pepper selbst wirkt authentisch und vielschichtig. Ihre Entscheidungen sind nicht immer rational, aber nachvollziehbar. Sie werden getragen von ihren tiefen Sehnsucht nach Antworten. Gerade diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit macht sie greifbar. Auch Kimme, der Vater, bleibt bewusst kantig und unperfekt. Die Annäherung zwischen beiden verläuft dabei leise und manchmal unbeholfen, aber ist genau dadurch glaubwürdig. Besonders stark ist zudem die ungewöhnliche Figurenkonstellation rund um die Altherren-WG und das Altersheim. Die Begegnungen zwischen Generationen bringen Wärme, Humor und nachdenkliche Momente in die Handlung und geben der Geschichte eine eigene Farbe. Gleichzeitig bleiben einzelne Nebenfiguren sowie familiäre Konflikte stellenweise etwas im Hintergrund, wodurch manche emotionale Entwicklung schneller abgeschlossen wirkt, als erwartet. Tagebucheinträge und musikalische Elemente strukturieren den Roman zusätzlich und unterstreichen die melancholische Grundstimmung. Dadurch entsteht ein sehr stimmungsvolles Leseerlebnis, das weniger von der Handlung selbst und eher von innerer Entwicklung getragen wird.
Ein sensibler, nachhallender Jugendroman über das Erwachsenwerden und die Frage, ob Herkunft das eigene Leben bestimmt. Mit poetischer Sprache, authentischen Figuren und einer bittersüßen Atmosphäre erzählt Nils Mohl eine Geschichte, die eher leise berührt als laut überrascht.