Cover-Bild Im ersten Licht
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27,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Hanser, Carl
  • Themenbereich: Belletristik - Biografischer Roman
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 416
  • Ersterscheinung: 17.02.2026
  • ISBN: 9783446282971
Norbert Gstrein

Im ersten Licht

Roman
Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstreins überwältigender neuer Roman

Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes Leben zerbrechlich in diesem Roman, der mit einem Axthieb beginnt: Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens. Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens? Mit einem furchtlosen Blick in die Vergangenheit stellt sich »Im ersten Licht« dieser großen Frage der Gegenwart.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Im Krieg kann man nicht unbeteiligt bleiben

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Auf dem Cover ein Pferd, das seitlich nach hinten blickt. Auf der Rückseite die Information, dass es unter anderem um kriegsversehrte Männer geht in dem Buch. Ein erstes Hineinlesen und es beginnt gleich ...

Auf dem Cover ein Pferd, das seitlich nach hinten blickt. Auf der Rückseite die Information, dass es unter anderem um kriegsversehrte Männer geht in dem Buch. Ein erstes Hineinlesen und es beginnt gleich mit der Beschreibung schrecklicher Entstellungen im Gesicht. Ob das ein Buch für mich sein könnte? Da habe ich länger überlegt und war mir nicht so sicher.

Doch nun habe ich es gelesen und bin sehr froh darüber, denn es ist definitiv eines meiner Jahreshighlights! Diese Tiefgründigkeit, diese Sprache! Wie sich subtil und gleichzeitig wirkstark gewisse Metaphern immer wieder wiederholen, geschickt eingeflochten in den Fortgang der Erzählung. Von der Welt, die einmal so unschuldig gewesen war und es nie wieder sein würde. Von dem einst jungen Adrian, ein Jahr jünger als das Jahrhundert, nie als Soldat im Krieg gewesen, und doch würde auch er seine Unschuld verlieren. Vom titelgebenden ersten Licht des Tages, in dem die Ruhe der Nacht endet, in dem Kriege beginnen, in dem Verräter hingerichtet werden, oder doch Unschuldige?

Es ist ein Buch, das in mir gedanklich und emotional noch lange nachwirken wird - und ein eindringliches Plädoyer, die Schrecken der Kriege - aller Kriege! - niemals zu vergessen. Ein Thema, das gerade in der jetzigen Zeit erschreckend aktuell ist! Im ersten Weltkrieg wurden so viele Menschen verstümmelt oder getötet, ebenfalls im zweiten, in jedem anderen Krieg und auch jetzt passiert das jeden Tag!

Das Buch selbst ist in drei Teile gegliedert und jeder davon ist einem jungen Mann gewidmet, der das Leben von Adrian auf die eine oder andere Art stark geprägt hat.

Adrian Reiter - der selbst nie reitet, genauso, wie er nie in den Krieg ziehen muss - ist ein "Davongekommener", ein "Verschont-Gebliebener", oder nicht? Und heißt das gleichzeitig, er sei unschuldig geblieben und es klebe kein Blut an seinen Händen? Kann man unbeteiligt bleiben in solchen Zeiten, und wo beginnt die moralische, rhetorische, tatsächliche Mittäterschaft?

1901 geboren ist Adrian am Anfang des 1. Weltkrieges noch zu jung, um eingezogen zu werden, doch der Krieg dauert mehrere Jahre und der besorgte Vater, ein Kriegsgegner und Sozialist, sieht den Zeitpunkt, an dem auch sein Sohn einrücken würde müssen, immer näher kommen. Das will er unbedingt verhindern und sorgt mit einer Axt und mangelhafter Wundversorgung für eine Beinverletzung des Sohnes, die diesem ein lebenslanges Hinken bescheren, aber ihm gleichzeitig die Soldatenlaufbahn ersparen würde.

So begegnen wir kurz nach dem ersten Weltkrieg einem jungen Mann, der fröhlich mit seiner Freundin am Seeufer entlang marschiert und in einer Pension dort untergebrachte ehemalige Soldaten kennen lernt, die speziell im Gesicht schreckliche Entstellungen als Folge der Kriegsverletzungen aufweisen, einer davon Ernest Eller. Hier werden sie vor den öffentlichen Blicken versteckt, ihre Familien schämen sich für sie, manche täuschen lieber vor, der versehrte Sohn wäre am Schlachtfeld den Heldentod gestorben. Den Weg in die Gesellschaft zurück werden die wenigsten von ihnen wieder finden, fast alle werden sich früher oder später das Leben nehmen.

Im zweiten Teil ist Adrian mittlerweile Lehrer für Geschichte (und Englisch) und der zweite Weltkrieg naht heran. Vermutlich als Kompensation dafür, selbst nie im Krieg gewesen zu sein, schwärmt er vor seinen Schülern in höchsten Tönen von militärischen Ehren, heldenhaften Kämpfen und dem Reiterbataillon, und macht sich damit mitschuldig, naive junge Menschen für den Krieg zu begeistern. Insbesondere sein Lieblingsschüler Martin Baumgartner meldet sich freiwillig (was dessen Vater dem Lehrer nie verzeihen wird), wird zum Soldaten, zum Täter, zum Verzweifelten. Sucht immer wieder den ehemaligen Lehrer auf, wenn er ein paar Tage aus dem Krieg nach Hause kommt, wie ein lebendiges Mahnmal für dessen Mitschuld.

Schließlich geht es im dritten Teil um die andere Seite. Die beiden großen Kriege sind vorbei, seit einigen Jahrzehnten herrscht Frieden, und Adrian reist nach England, besucht dort ehemalige Bunker und lernt Vivian kennen, die jüngere Schwester von Teddy Stephen, der sich nach öffentlicher Beschämung durch das Überreichen einer weißen Feder durch die Suffragetten freiwillig als Soldat im ersten Weltkrieg gemeldet hat, entsetzt in einer aussichtslosen Schlacht fliehen wollte und dafür als Deserteur von den eigenen Kameraden erschossen wurde, im ersten Licht des Tages. Wie ist das im Nachhinein zu beurteilen? War er ein Held? Ein Verräter? Einfach ein Mensch, dem alles zu viel wurde?

In diesem umfangreichen und tiefgründigen Roman betrachten wir die erschütterndsten Kriege des 20. Jahrhunderts durch die Augen von Adrian Reiter ein bisschen von außen und sind doch tief drinnen. Emotional zeigt das Buch, dass es nicht möglich ist, ganz außen vor zu bleiben, selbst wenn man nicht aktiv in den Krieg zieht. Wir sind immer Teil des Kollektivschicksals unserer Umgebung, dieses berührt uns, und wir haben eine Verantwortung für alles, was wir tun, unterlassen und bezeugen. Und Krieg ist es schrecklich, es gibt keine Sieger.

Es ist ein überwiegend männlich dominierter Blick auf das Kriegsgeschehen und im Zentrum stehen klar (mehrheitlich junge) Männer als Kriegsbegeisterte, Zwangsverpflichtete, Soldaten, Deserteure, Opfer, Täter, Mitläufer, Zuschauer. Die wenigen Frauen, die im Roman vorkommen, nehmen eher Nebenrollen ein, und das Leid, das der Krieg auch über Frauen bringt, ist nur sehr am Rande Teil dieses Romans. Das ist keine Schwäche des sehr guten Buches, da kein Buch alles behandeln kann.

Insgesamt ist es ein großartiges, vielschichtiges, bildendes und nachdenklich machendes Werk, für das man sich Zeit nehmen sollte, um es in seiner Tiefgründigkeit wirken zu lassen. Auf fast jeder Seite finden sich bemerkenswerte Gedanken und eine eingängige Sprache, das Buch ist äußerst dicht und reichhaltig an Querverbindungen und subtilen Bezügen. Man könnte damit problemlos ein ganzes Semester eines literaturwissenschaftlichen Universitätsseminars füllen, und hätte am Ende noch immer nicht alles Diskussionswürdige besprochen. Dabei schafft der Autor aber gleichzeitig den Spagat, so unterhaltsam zu schreiben, dass es nie langweilig wird - auch wenn es sich insgesamt schon klar um ein anspruchsvolles Werk der gehobenen Literatur handelt, dem ich viele Buchpreise wünsche!

Ich kann es allen, die sich für Zeitgeschichte und hochwertige Literatur interessieren, vor detaillierten Schilderungen von Elend und Verstümmelungen nicht zurückschrecken und sich auf ein besonderes Werk einlassen wollen, von Herzen empfehlen. Für mich war es das erste Werk dieses bemerkenswerten Autors, es wird aber sicher nicht das letzte gewesen sein!

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Adrian Reiter

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Dieser Roman zeigt das vergangene Jahrhundert anhand eines Mannes, der 1901 geboren wurde. Adrian Reiter, ein Mann, der nicht agiert, sondern beobachtet. Mehrere Begegnungen prägen sein Leben. Es sind ...


Dieser Roman zeigt das vergangene Jahrhundert anhand eines Mannes, der 1901 geboren wurde. Adrian Reiter, ein Mann, der nicht agiert, sondern beobachtet. Mehrere Begegnungen prägen sein Leben. Es sind Menschen, die vom Krieg zerrüttet und beschädigt sind. Das gilt für den ersten wie für den zweiten Weltkrieg.

Das Buch ist teilweise bedrückend und ich habe lange gebraucht hineinzukommen. Dabei erzählt Norbert Gstrein von Anfang an präzise und mit Intensität.
Aber der Protagonist ist so zurückhaltend und passiv. Erst im dritten und letzten Teil des Buches habe ich das Gefühl endlich angekommen zu sein, als Adrian beginnt sich zu öffnen.

Das Buch ist nicht einfach, aber von Bedeutung, da es zeigt, wie Krieg das Leben der Menschen nachhaltig beeinflusst.