Hat Stärken und Schwächen
Mercy SeatKurzmeinung:
Ein sehr großes Thema: Rassismus, ein Todesurteil aufgrund der Hautfarbe, ein Junge, der seine letzten Tage vor seiner Hinrichtung schildert. Leider konnte das Buch bei mir persönlich nicht ...
Kurzmeinung:
Ein sehr großes Thema: Rassismus, ein Todesurteil aufgrund der Hautfarbe, ein Junge, der seine letzten Tage vor seiner Hinrichtung schildert. Leider konnte das Buch bei mir persönlich nicht das halten, was ich mir von der Geschichte versprochen habe. Wegen des wichtigen Themas und den starken Abschnitten über den Verurteilten ist es aber trotzdem lesenswert.
Meine Meinung:
Ein Buch mit einem unglaublich wichtigem Thema, mit sehr viel Potential. Ich wünschte, ich hätte es mehr mögen können. Aber irgendwie hat es mich nicht so richtig berühren können.
Wills Abschnitte sind mir echt unter die Haut gegangen, aber davon gab es so wenig. Und die anderen Abschnitte haben mir einfach zu oft gewechselt. Ingesamt wird die Geschichte aus Sicht von 9 verschiedenen Personen erzählt. Und das sind mit einfach zu viele Perspektiven, zu viele Wechsel, als das ich da mit jemandem wirklich hätte mitfühlen können. Dadurch sind für mich die Gefühle und Motive der einzelnen Personen manchmal auch zu sehr an der Oberfläche geblieben.
Dieses Buch befasst sich wirklich mit krassen Themen. Todesstrafe. Rassismus. Ein Junge, der aufgrund seiner Hautfarbe sterben muss. Man bekommt Einblicke in seine Gedanken, wie er seine letzten Tage au Erden erlebt. Das ging mir wie gesagt wirklich unter die Haut. Aber man lernt auch viele andere Charaktere kennen. Den Pfarrer, der nicht weiß, wie er dem Jungen und seinen Eltern helfen kann, welchen Rat er geben soll und wie er Trost spenden kann. Die Wutbürger, die nichts haben, außer ihrem Hass. Den Vater, der seinen Sohn im Krieg verloren hat und nicht weiß, wie er es seiner Frau sagen soll. Alles sehr ergreifende Schicksale und bedrückende Ereignisse. Durch die vielen und schnellen Perspektivwechsel ist mir aber trotzdem keine der Personen so wirklich nahe gekommen und die Stimmung kam nicht so richtig bei mir an. Vielleicht war das aber auch ganz gut so. Vielleicht hätte ich die Lektüre anders auch gar nicht ertragen, gerade weil es um so unglaublich bewegende Themen geht.
Sehr gut transportiert hat das Buch aber die (auch teils gespaltene) Stimmung in der Gesellschaft zu der Zeit, und auch die Tatsache, dass trotz so gravierender Ereignisse und diesem schlimmen Schicksal von Will, jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat.
Fazit:
Ein Buch, das mich irgendwie gespalten zurücklässt. Ich habe mich im Vorfeld ein bisschen vor der Lektüre gefürchtet, weil ich Angst vor diesem bewegenden Thema hatte. Angst, dass es mich zu sehr mitnimmt. Dann auch noch vor dem Hintergrund, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Doch dann ist quasi das Gegenteil passiert: Das Buch konnte mich nur in seltenen Momenten wirklich berühren. Vielleicht war es ganz gut so, weil man so dieses schwierige Thema leichter ertragen konnte. Dennoch: dieses Thema darf wehtun, finde ich. Es darf (und sollte vielleicht sogar) bewegend, aufrütteln und erschüttern.
Durch die vielen Perspektivwechsel und die an der Oberfläche bleibenden Schilderungen wurde da meiner Meinung nach Potential verschenkt.
Dennoch lohnt sich die Lektüre, um sich ein Bild von der gesellschaftlichen Stimmung in den Südstaaten der 1940er zu machen. Um sich mit dem Thema Rassismus und dieser grenzenlosen Ungerechtigkeit zu konfrontieren.