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Veröffentlicht am 12.05.2017

Die perfekte Mischung aus Spannung und Humor.

Ragdoll - Dein letzter Tag (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 1)
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Schon mit mit dem Prolog hat mich dieses Buch gepackt. Er ist nicht aus der Sicht der Ermittler geschrieben, sonder gibt einen anderen Blickwinkel. So bekommt man schnell einen Überblick über die Ereignisse, ...

Schon mit mit dem Prolog hat mich dieses Buch gepackt. Er ist nicht aus der Sicht der Ermittler geschrieben, sonder gibt einen anderen Blickwinkel. So bekommt man schnell einen Überblick über die Ereignisse, aber eben trotzdem auch persönliche Eindrücke. Ich war von der ersten Seite an gefesselt.
Nach und nach wird man dann mit dem Ermittlerteam bekannt gemacht -und jeder Ermittler ist eine Type für sich.
Da haben wir zunächst Wolf, den verbitterten Einzelgänger, an dem die letzten Jahre -und besonderes der letzte große Fall- nicht spurlos vorbeigegangen sind.
Dann gibt es die toughe Baxter, die nie um eine Antwort verlegen ist, keinen Schlagabtausch scheut und mit ihrer brüsken Art bloß niemanden zu nah an sich heran lassen will.
Der dritte im Bunde ist Frischling Edmunds. Dies ist sein erster Fall und er wird von den alten Hasen viel verarscht und rumgescheucht. Er lässt sich aber nicht unterkriegen und erkämpft sich mit unermüdlichem Einsatz und guten Instinkten schnell seinen Platz im Team.

Die Dynamik im Team ist spannend und auch das Geplänkel zwischen den Ermittlern ist großartig und erfrischend. Und so ist trotz des spannenden Falls ist immer viel Platz für eine ordentliche Portion Humor. Das bereichert dieses Buch um eine weitere Facette, den man nicht in jedem Thriller findet.

"Da er [Wolf] an jenem Morgen (und auch an allen anderen in den vergangenen vier Jahren) seine Liegestütze vergessen hatte, dachte er..." (aus Ragdoll von Daniel Cole, S. 99)

Eine weitere Besonderheit des Thrillers ist, das auch die Medien hier eine große Rolle spielen. Man begleitet die Reporterin (und Ex- Frau von Wolf) Andrea und bekommt so Einblicke in die Arbeit der Presse und kann einen Blick hinter die Kulissen werfen. Und was da (zumindest in diesem Buch) abläuft, ist wirklich erschreckend. Ich war schockiert über die Skrupellosigkeit der Medien, die keine Moral kennt und für eine hohe Einschaltquote alles tun würde.

"Ein Mann ohne Feinde ist ein Mann ohne Prinzipien." (S.304)

Der Fall ist auf jeden Fall sehr spannend und wird nach und nach immer persönlicher. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, was auch an dem sehr flüssigen Schreibstil lag.
Die Weiterentwicklung der Charaktere hat mir auch gut gefallen. Man bekommt als Leser ein immer komplexeres Bild der einzelnen Personen und ihren Beziehungen zueinander.

Absolutes Highlight war aber der trockene, britische Humor.
"Will er fliehen oder sich umbringen?" "Vierter Stock, ich würde sagen fünfzig-fünfzig" (S. 203)

Fazit:

Mit "Ragdoll" hat Daniel Cole hier einen grandiosen Thriller abgeliefert. Spannend von der ersten bis zur letzen Seite, interessante Charaktere und unerwartete Wendungen. Auch den Schluss fand ich gelungen.

"Zum Schluss wird dir klar [...], dass es keine "Guten" gibt. Es gibt nur solche, die einfach noch nicht weit genug in die Enge getrieben wurden" (aus "Ragdoll von Daniel Cole, S.403)

Veröffentlicht am 09.05.2017

Eine faszinierende wie beängstigende Idee. Leider fehlt teilweise die Spannung.

AchtNacht
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Kurzmeinung:
Ein Anfang mit Sogfaktor. Danach herrscht leider nur mäßige Spannung. Die Handlung wirkt konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Die Grundidee ist aber sehr interessant.
Gegen Ende wird ...

Kurzmeinung:
Ein Anfang mit Sogfaktor. Danach herrscht leider nur mäßige Spannung. Die Handlung wirkt konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Die Grundidee ist aber sehr interessant.
Gegen Ende wird es dann auch wieder spannender und die Auflösungen ist sehr gelungen.


Meine Meinung:
Der Klappentext klingt so spannend, da war ich sofort neugierig. Und was für eine gruselige, aber zugleich faszinierende Idee -eine Todeslotterie. Wer würde bei so etwas mitmachen, wer würde so etwas glauben?
Ein Ansatz mit viel Potential, das leider nur ansatzweise ausgeschöpft wurde.

Der Anfang ist noch ziemlich gut. Man findet leicht in die Geschichte hinein und ist sofort neugierig, was wohl passieren wird.
Doch schon nach dem ersten Viertel lässt das Buch dann deutlich nach.
Die Charaktere sind leider nicht sehr interessant und auch die Handlung dreht sich irgendwie im Kreis.
Der arbeitslose Ben wird von der Todesfee als AchtNächter bestimmt. Ebenso wie die Psychologiestudentin Arezu.
Ben war mir von Anfang an nicht sehr sympathisch und ist für mich die ganze Zeit irgendwie blass geblieben. Ein komplexer Charakter sieht anders aus.
Da hatte die junge Arezu mit ihren Narben und Geheimnissen schon mehr Ecken und Kanten zu bieten. Aber auch ihr fehlt irgendwie die Tiefe und sie hat mich einfach nicht berührt.
Die Bösewichter sind da schon um einiges Interessanter gewesen und von ihnen konnte ich mir viel besser ein Bild machen. Da kam bei mir als Leser mehr an; da haben sich bei mir teilweise richtig die Nackenhaare aufgestellt, bei so viel Kaltblütigkeit.

Zwischendurch hat der Handlung dann leider die Spannung komplett gefehlt, denn es drehte sich viel im Kreis. Ben und Arezu auf der Flucht vor dem Mob. Sie fliehen mal hierhin und mal dahin. Aber sehr abwechslungsreich oder aufregend fand ich das nicht. Teilweise musste ich mich zwingen weiterzulesen. Das sollte eigentlich bei keinem Buch so sein, aber erst recht nicht bei einem Thriller.
Herr Fitzek bedient sich außerdem einige Male beim beliebten Schema F. Das kann man mal machen, sehr zur Spannung beitragen tut das aber leider nicht.

Auch der Schreibstil konnte mich nicht überzeugen. Da gab es viele Phrasen, überflüssige Einschübe in unnötigen Klammern. Oder Stilperlen wie diese:
"Dafür war seine innere Lebensuhr zurückgestellt; von Sommer- auf Verzweiflungszeit." (AchtNacht, S. 338)
Und auch einige logische Fehler sind mir beim Lesen störend aufgefallen. Das hätte ich vom sogenannten "Meister des Wahns" nicht erwartet.

Lichtblicke waren aber die psychologischen Betrachtungen des Grundszenarios. Wie sich die Idee der Todeslotterie verbreitet. Wie sich ein Mob bildet, welche Legitimierung sie für ihr Verhalten finden. Wie weit der einzelne rechtschaffene Bürger gehen würde.
Auch das Verbreiten von Gerüchten um die Gejagten und die regelrechte Diffamierung von Ben sind sehr interessant und auch glaubwürdig dargestellt. Das hat bei mir als Leserin dann auch Gefühle ausgelöst. Ich wurde wütend ob dieser Ungerechtigkeit, diesen teils offensichtlichen Falschmeldungen, die von der Masse trotzdem geglaubt wurden und denen Ben als Beschuldigter wenig entgegenzusetzen hatte. Wie solche Geschichten im Netz ein Eigenleben entwickeln können.
Da konnte ich wirklich mitschwingen und war ganz in der Geschichte drin, was sonst leider eher selten der Fall war.

(Achtung: Bezug aufs Ende. Wer da empfindlich ist wegen Spoilern, bitte überlesen)
Zum Ende hin nimmt die Geschichte dann aber noch mal richtig Fahrt auf und überrascht mit einigen cleveren Wendungen.
Die Auflösung hat mir auch gut gefallen und war durchaus glaubwürdig. Es bleiben keine Fragezeichen übrig und die Geschichte findet einen guten Abschluss.


Fazit:
Ein nur mäßig spannender Thriller mit an den Haaren herbeigezogenem Plot und einigen logischen Fehlern. Auch die Charaktere sind eher einfach und es fehlt die Nähe zum Leser.
Die Grundidee ist aber sehr interessant und daraus ergeben sich auch teilweise spannende Betrachtungen. Auch Die Auflösung ist gelungen und das Ende hat mir sehr gut gefallen.

Veröffentlicht am 06.05.2017

Ein starkes Debüt mit aktuellen Themen.

Ellbogen
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Kurzmeinung:
Was für ein großartiges Debüt. Zugegeben, an die teilweise sehr grobe, aggressive Sprache musste ich mich erst gewöhnen. Aber dieser Stil passt einfach zu der Geschichte, die erzählt wird ...

Kurzmeinung:
Was für ein großartiges Debüt. Zugegeben, an die teilweise sehr grobe, aggressive Sprache musste ich mich erst gewöhnen. Aber dieser Stil passt einfach zu der Geschichte, die erzählt wird und verschmilzt so zu einem stimmigen Gesamtbild. Eine Geschichte, die aktueller kaum sein könnte und Einblicke gibt, in die Perspektivlosigkeit und das Reinrutschen in eine Abwärtsspirale aus Diebstahl, Gewalt und Flucht.

Meine Meinung:
Was mir als erstes als sehr besonders bei diesem Buch aufgefallen ist, ist die Sprache. Der Umgangston ist teilweise sehr grob und roh, dadurch aber auch sehr echt.
Hazal redet Klartext. Es ist in dem Buch abgeduckt, was ihr gerade durch den Kopf geht. Das ist manchmal nicht schön, aber auf jeden Fall "echt". An die Wortwahl musste ich mich erstmal gewöhnen, aber es passt eben zu dem, was erzählt wird und von wem erzählt wird und ergibt insgesamt ein stimmiges Bild.

Die Charaktere sind trotz der groben Sprache fein beobachtet und genau portraitiert.
Zunächst ist da Hazals Familie. Ihre Eltern sind sehr streng, wenig liebevoll und engen Hazal sehr ein. Auch die Religion und die Anforderungen, was von einem muslimischen Mädchen erwartet wird, spielen im Familienleben eine große Rolle.
Insgesamt bekommt der Leser einen interessanten Einblick in die türkische Kultur, das Familiengefühl, die Religion und das Frauenbild.

"Das erste, was ich nach dem Sprechen gelernt habe, war das Lügen." (Ellbogen, S. 119)

Hazal ist eine sehr coole Protagonistin, die irgendwie immer ein bisschen trotzig und frech wirkt. Aber gleichzeitig ist sie auch nachdenklich und verletzlich. Sie sieht, wie sehr die Religion sie einengt, wie die Frauen benachteiligt werden.
Sie tut knallhart und tough, aber eigentlich ist sie unsicher. Vor allem wenn sie über ihren Schwarm Mehmet redet, kann man das spüren.

"Einsamkeit kann man nicht teilen." (Ellbogen, S. 93)

Nach und nach lernt man Hazal besser kennen, sieht den weichen Kern hinter der harten Schale.
So zum Beispiel, wenn plötzlich in einem Nebensatz erwähnt wird, dass sie mehrmals versucht hat sich das Leben zu nehmen.

"Vielleicht ist Normalsein wirklich das Schlimmste, das einem passieren kann." (Ellbogen, S. 158)

Man taucht immer mehr ab in ihre Welt, die teils aus Selbstmitleid, teils auch aus echter Perspektivlosigkeit besteht. Sehr glaubwürdig gerät man mit ihr in diese Abwärtsspirale aus Ablehnung und Frustration, die zunächst zu Ladendiebstahl und dann zu roher Gewalt führt.

Wir fliehen mit Hazal nach Istanbul und sind mit ihr gemeinsam enttäuscht, weil dort doch nicht alles so toll ist, wie erhofft. Und auch Mehmet ist nicht der Traumprinz, den sie sich ausgemalt hatte.
Ab hier hat mich das Buch dann so richtig in seinen Bann gezogen, da Hazal eine sehr spannende Entwicklung durchmacht und der Charakter an Tiefe gewinnt. Das ist sehr interessant und durch die Ich- Perspektive sehr gut mitzuverfolgen.

Fazit:
Insgesamt steckt in diesen knapp 300 Seiten so viel drin. Das Buch ist Entwicklungsroman, Milieustudie, Gesellschaftskritik. Und ist dabei hoch aktuell, wenn Themen wie Migration, Integration und kulturelle Identität angesprochen werden. Aber auch Vorurteile und Ängste gegenüber Flüchtlingen, die politische Situation in der Türkei und Erdogan Gegner dort und Anhänger hier werden thematisiert.
Das alles ist aber gut verpackt in einer Geschichte, die unterhält, die anders ist und frisch.

Ein großartiges Debüt. Nah, authentisch, frech und vielseitig. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 24.04.2017

Spannende Idee, aber die Umsetzung ist leider nicht sehr gelungen

Der Circle
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Kurzmeinung:
Eine interessante Idee aber eine misslungene Umsetzung. Blasse Charaktere, eine vorhersehbare, oft dröge Handlung und eine Protagonistin, die mir einfach nur auf die Nerven gegangen ist. ...

Kurzmeinung:
Eine interessante Idee aber eine misslungene Umsetzung. Blasse Charaktere, eine vorhersehbare, oft dröge Handlung und eine Protagonistin, die mir einfach nur auf die Nerven gegangen ist.
Nach der Hälfte habe ich das Buch abgebrochen.


Meine Meinung:
Z aller erst muss ich gleich sagen, dass ich dieses Buch nach der Hälfte abgebrochen habe. Mir hat so gar nicht gefallen, da war mir meine Lesezeit dann zu schade für. Aber natürlich kann ich dadurch auch nur die erste Hälfte des Buches bewerten. Dieser Text ist also keine klassische Rezension, wie ich sie sonst schreibe. Sondern eher meine persönliche Begründung, warum ich das Buch abgebrochen habe. So, wäre das geklärt. Jetzt also zum Buch.
Ich habe mir von diesem Buch viel versprochen. Die Idee fand ich wirklich sehr spannend, da der Anfang so einer Entwicklung ja schon heute zu sehen ist. Und ich hatte eigentlich auch richtig Lust auf eine gute Dystopie.
Doch dann habe ich die Protagonistin Mae kennengelernt. Und die ist mir leider so unglaublich auf die Nerven gegangen. So naiv und unbedarft kann doch wirklich niemand sein. Und wie alle anderen Charaktere so sehr von oben herab mit ihr (und dadurch irgendwie auch mit dem Leser) gesprochen haben. Das konnte ich wirklich nicht ertragen und es hat mich beim Lesen regelrecht aggressiv gemacht.
Dann noch ihre verworrenen Männergeschichten. Erst trifft sie den einen Typen, verliebt sich natürlich direkt und holt ihm netterweise gleich mal einen runter. Was er natürlich film, denn es darf ja nichts privat bleiben. Das findet die arme Mae dann doch irgendwie blöd, obwohl sie den Circle doch sonst echt super findet.
Dann trifft sie den nächsten Typen, der ja ach so super mysteriös ist, der sie auch eigentlich ziemlich schlecht behandelt und sie nicht so richtig beachtet. Aber als er sie dann will, schläft Mae natürlich trotzdem sofort mit ihm. Er ist doch schließlich so geheimnisvoll. Ach ja, und super gut sieht er natürlich auch aus.
Dann das ganze unglaubwürdige Konzept des "Circles". Alle Mitarbeiter sollen gefühlt ihre ganze Zeit damit verbringen, jeden Mist von sich im Netz zu posten und alles zu liken und zu kommentieren. Und das noch neben ihrer normalen Arbeitslast. Dafür bleiben die engagierten Mitarbeiter auch gerne die ganze Nacht auf, ist ja klar. Ein Problem hat damit natürlich auch niemand. Und in Frage gestellt oder kritisch betrachtet wird schon mal gar nichts. Auch sämtliche medizinische Daten werden ohne mit der Wimper zu zucken an den Konzern weitergegeben.

Das alles war mir einfach viel zu schablonenhaft und unglaubwürdig. Die Idee fand ich, wie gesagt, ganz spannend, aber so ohne jede Tiefe dargestellt. Einfach plakativ, dröge, langweilig. Da hat mir eindeutig ein differenzierter Blick gefehlt.
Auch die Charaktere bleiben blass und ohne Tiefe, die Handlung ist vorhersehbar und auch der Schreibstil konnte mich nicht begeistern.
Im Nachhinein kann ich es gar nicht glauben, dass ich mich bis zur Hälfte des Buches durchgekämpft habe. Aber dann konnte ich es einfach nicht mehr ertragen.

Ich weiß natürlich nicht, wie es danach weitergeht. Vielleicht hat Dave Eggers dann ja noch mal die Kurve bekommen und die Geschichte grandios weiterentwickelt und fabelhaft zu Ende geführt. Das kann ich jetzt nicht beurteilen. Und das ist der Grund, warum ich so gut wie nie Bücher abbreche. Weil ich nie die Hoffnung aufgeben will, dass mich das Buch vielleicht doch noch begeistern könnte. Aber "der Circle" hat in mir einfach so einen Widerwillen ausgelöst und da war mir meine Lesezeit einfach zu schade.
Einen Stern gibt's für die wirklich interessante Idee. Aber die Umsetzung ist meiner Meinung nach leider missglückt.

Ich bin allerdings gespannt auf die Verfilmung mit Emma Watson. Der Trailer hat mir eigentlich wirklich gut gefallen und war mit der Grund, warum ich zu diesem Buch gegriffen habe.

Veröffentlicht am 11.04.2017

Roses Dämonen und ein Fälle- Wirrwarr

Selfies
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Kurzmeinung:

Zwei alte Fälle, zwei neue Fälle und ein Blick in Roses Seelenleben.
Der Autor nicht in Topform und das Buch nicht so spannend, wie gewohnt. Dennoch ein solider Thriller mit starkem Fokus ...

Kurzmeinung:

Zwei alte Fälle, zwei neue Fälle und ein Blick in Roses Seelenleben.
Der Autor nicht in Topform und das Buch nicht so spannend, wie gewohnt. Dennoch ein solider Thriller mit starkem Fokus auf die Täter und ihre Motive.


Zum Buch:

Die Handlung des Buches kurz zusammenzufassen gestaltet sich hier schwieriger, als sonst, denn es wird in vier Fällen parallel ermittelt und dann gibt es auch noch den Handlungszweig um Rose.
Ich versuche es trotzdem mal in aller Kürze.

Fall 1, der alte Fall:
Eine Grundschullehrerin wird mit einem stumpfen Gegenstand geschlagen und durch Genickbruch getötet.

Fall 2, der aktuelle Fall, mit Parallelen zu Fall 1:
Eine ältere Dame wird im Park erschlagen. Auch sie stirbt an dem Schlag ins Genick. Außerdem findet man an ihr Urinspuren.

Fall 3:
Eine Reihe junger Frauen werden überfahren. Der Täter begeht jedes Mal Fahrerflucht.

Fall 4:
Der kommt erst sehr viel später ins Spiel und dazu möchte ich nichts sagen, um nicht zu viel zu verraten.

Fall Rose:
Rose kämpft immer noch mit dem letzten Fall des Teams, der dunkle Erinnerungen in ihr wachgerufen hat. Ihre eh schon angeschlagene Psyche verkraftet das dann nicht mehr und so kommt es zu ihrem Zusammenbruch.


Irgendwie spielt der zweite Weltkrieg auch noch eine Rolle. Und das Sozialamt. Und mit Hardy geht es natürlich auch noch weiter. Außerdem wirft Mona Carl zwischendurch ganz schön aus der Bahn. Und auch andere alte Bekannte tauchen wieder auf.

Man sieht schon, dass Sonderdezernat Q hat hier wirklich viel zu tun. Und Carl, Assad und Gordon müssen dieses Mal auch noch auf die Unterstützung von Rose verzichten. Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, müssen sie sich auch noch mit einem aufdringlichen Reporter-Team vom Fernsehen herumschlagen.


Meine Meinung:

Mit den vier verschiedenen Fällen und dem Fokus auf Rose hat der Autor es in diesem Band etwas zu gut gemeint, finde ich. Nimmt man dazu auch noch die vielen kleinen Nebenschauplätze, dann ergibt sich für den Leser ein etwas unübersichtliches Gespann vieler Handlungsstränge, die irgendwie auch noch alle miteinander verknüpft sind. Das muss man dann erstmal für sich entwirren und durchschauen, so dass die Spannung nicht so richtig aufkommen will. Ich muss leider sagen, dass dieser Band der erste aus der Reihe war, der mich nicht absolut fesseln konnte.

Schade fand ich auch, dass bei dem Fahrerflucht- Fall schon so früh klar war, wer dahinter steckt. Das war der eh schon wenig vorhandenen Spannung nicht grade zuträglich.
Zwar ist der starke Fokus auf die Täter und ihre Vergangenheit, ihre Motive mal ganz interessant, hat mir aber im Verlauf des Buches zu sehr Überhand genommen. Am Ende war ich von den ewig gleichen Gedanken der Täter eher genervt. Besonders schade auch, dass es dafür weniger Platz für die Zankereien der Keller- Bewohner Carl und Co gab.

Auch die Verknüpfungen der Fälle wirkten an mancher Stelle ein bisschen zu gewollt und dadurch unglaubwürdig. Kommissar Zufall hat hier ab und zu eine zu große Rolle gespielt. Wirklich schade, denn das der Autor gut konstruierte Fälle und schlaue Auflösungen entwickeln kann, hat er schon wiederholt bewiesen.

In "Selfies" steht neben den Ermittlungsarbeiten die Entwicklung des Charakters "Rose" im Vordergrund. Die Idee, den drei Protagonisten je einen Band zu widmen, finde ich richtig gut. Allerdings geht Rose Geschichte in dem Fälle- Wirrwarr leider etwas unter. Dabei hätte "der Fall Rose" großes Potential gehabt. Leider wurde das nicht voll ausgenutzt.
Dennoch, die Idee ist gut und die Umsetzung auch nicht schlecht. Schon in den letzten Bänden gab es ja zahlreiche Andeutungen und Roses merkwürdiges Verhalten ist dem aufmerksamen Leser nicht verborgen geblieben. Immer wieder ist Rose "verschwunden" und in die Rolle der Yrsa geschlüpft. In "Selfies" erfahren wir die Hintergründe dazu. Wir tauchen ein in Roses düstere Kindheit und erkennen nach und nach die Dämonen, die sie seit dem begleiten. Dieser Ausflug in Roses Innenwelt war wirklich sehr spannend und hätte für mich gerne noch mehr Raum einnehmen dürfen.

Einer der Gründe warum ich die Reihe so gerne lese, ist die Interaktion zwischen den Charakteren. Jeder Ermittler ist ein ganz besonderer Typ, hat seine Ecken und Kanten und Eigenarten. Da ist der grummelige Carl, Assad mit seinem klebrigen Tee und seinen Kamel- Vergleichen. Der etwas unbeholfene Gordon. Das Geplänkel zwischen den Ermittlern bringt Witz in die Spannung der Fälle. Das gefällt mir bei Thrillern immer sehr gut, wenn es zwischendurch auch ein paar heitere Momente gibt. Und von denen gibt es in diesem Band auch wieder welche. Vielleicht nicht ganz so viele, wie in den letzten Fällen. Aber da sind sie dennoch und ich habe die Entwicklungen um das Q-Team auch dieses mal wieder gerne verfolgt.

Fazit:

Für mich der schwächste Band der Reihe. Dennoch ein solider Thriller und für Fans von Carl und Co ein Muss. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Buch und hoffe, dass Adler-Olsen dann wieder zu seiner gewohnten Form zurückfindet.