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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2024

Ein besonderer Thriller (Highlight)

Murder in the Family
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Das Buch hat ein interessantes Cover und einen ansprechenden Klappentext. Beides hat mich aber nicht ansatzweise darauf vorbereitet, dass mich hier augenscheinlich ein Thriller so ganz anderer Art erwartet. ...

Das Buch hat ein interessantes Cover und einen ansprechenden Klappentext. Beides hat mich aber nicht ansatzweise darauf vorbereitet, dass mich hier augenscheinlich ein Thriller so ganz anderer Art erwartet. Cara Hunter hat hier wirklich mal etwas außergewöhnliches gewagt. So etwas habe ich in dieser Form bisher noch nicht gelesen.
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Darum geht’s: Wer hat Luke Ryder getötet? Der Cold Case aus dem Jahr 2003 wird 20 Jahre später neu aufgerollt. In der True-Crime-Show INFAMOUS sichten sechs Experten erneut die Beweise. Das Ziel: den Täter im TV vor einem Millionenpublikum zu entlarven.
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Die Grundidee ist spannend. Das Versprechen, miträtseln und den Fall vielleicht sogar vor den Experten lösen zu können, hat mich neugierig gemacht. Klar wollte ich da sofort mitmischen. Ein erster Blick ins Buch hat mich aber verunsichert. Denn was ist das? Es gibt keinen normalen, fortlaufenden Text. Vielmehr setzt sich alles aus authentischem Material zusammen. Wir haben Drehbeschreibungen, Zeitungsausschnitte, E-Mails, Chatverläufe und vor allem puren Dialog-Schlagabtausch. Wie soll ich das denn bitte lesen, habe ich mich gefragt. Und so kam es mir zunächst wie ein großes Abenteuer vor, mich auf diese Story einzulassen.
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Der Lesefluss hat sich überraschend schnell eingestellt. Hat man sich erst mal an den Aufbau gewöhnt, fluppt es einfach. Ich war ruckzuck gefesselt und gefühlt wirklich mittendrin und hautnah dabei. Das Setting sorgt für einen Eventcharakter. Es ist wie ein Happening. Wie früher, als man sich wirklich noch zu festen Sendezeiten vor dem Fernseher versammelt hat. Hier ist es auch so, dass man quasi von Folge zu Folge mitfiebert. Die Handlung folgt einem typischen Serien-Spannungsbogen. Es gibt immer neue, unfassbare Enthüllungen und den ein oder anderen Cliffhanger, der mich fast wahnsinnig gemacht hat. Nur gut, dass ich in dem Fall nicht den nächsten Sendetermin abwarten musste, sondern sofort lesen konnte, wie es weitergeht.
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Das Konzept, eine TV-Sendung in Buchform zu packen, hat mich fasziniert und schnell in den Bann gezogen. Aus der innovativen Idee ist ein absolut genialer Plot entstanden. Natürlich habe ich wie verrückt versucht mitzurätseln und mir den Kopf zerbrochen, wie alles zusammenhängt und wo es letztendlich hinführt. Eventuell hatte ich dabei auch mal den Hauch der richtigen Lösung im Kopf. Mit überraschenden Wendungen bin ich aber ständig wieder auf andere Fährten gelockt worden. Ständig werden neue verborgene Details aufgedeckt. Die dadurch erzeugte Hochspannung hält sich bis zum Schluss.
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Der Thriller kommt einerseits besonders innovativ und wie noch nie dagewesen daher. Andererseits ist er aber ein waschechter Klassiker, der eigentlich nur eine andere Verpackung bekommen hat und dadurch eben neu erscheint. Die Geschichte würde sicherlich auch in einer üblichen Whodunit-Erzählweise sehr gut funktionieren. Mit dem Manko, dass sie dann aber wohl in der Masse ähnlicher Bücher untergehen würde.
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Fazit: MURDER IN THE FAMILY lebt von der nicht alltäglichen Art der Darstellung. Cara Hunter weicht vom normalen Weg ab. Dadurch wird der Thriller zum außergewöhnlichen Leseerlebnis. Trotzdem hoffe ich, dass diese Herangehensweise jetzt nicht reihenweise kopiert wird. Dann würde der Reiz des Besonderen nämlich verloren gehen und der einmal erzielte Effekt sich schnell abnutzen. Als Einzelband in dieser Form ist das Buch für mich allerdings ein echtes Highlight.

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Veröffentlicht am 08.02.2024

Solide Reihen-Fortsetzung

Gewittermann
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APFELMÄDCHEN war im vergangenen Jahr der Auftakt der Reihe um die schwedische Kommissarin Idun Lind. Dieser Thriller hat mir so gut gefallen, dass die angekündigte Fortsetzung GEWITTERMANN auch prompt ...

APFELMÄDCHEN war im vergangenen Jahr der Auftakt der Reihe um die schwedische Kommissarin Idun Lind. Dieser Thriller hat mir so gut gefallen, dass die angekündigte Fortsetzung GEWITTERMANN auch prompt auf meiner WuLi gelandet war. Das Cover ist wieder sehr ansprechend und passend zum ersten Band gestaltet. Auf rund 500 Seiten entfaltet sich dann eine Handlung in bester skandinavischer Krimi-Tradition.
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Darum geht’s: Bei minus 22 Grad wird auf der gefrorenen Ostsee eine Leiche gefunden. Dem Rentner Evert Holm wurde vor Eintritt des Todes der Penis abgeschnitten. Die Suche nach dem Täter führt Kriminalkommissarin Idun Lind ins Rotlichtmilieu.
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Auch mit ihrem zweiten Thriller konnte mich Tina N. Martin überzeugen. Der Schreibstil ist wieder flüssig und leicht zu lesen, was das Buch absolut alltagstauglich macht. Von Beginn an wird gut Spannung aufgebaut. Dabei ist der Fall komplex konstruiert. Es gibt verschiedene Handlungsstränge. Zunächst schwebt über allem ein großes Fragezeichen. Wo ist der gemeinsame Nenner? Berührungspunkte ergeben sich Stück für Stück durch Fragen hier und Nachforschungen dort. Die Kommissare liefern überwiegend gängige Ermittlungsarbeit ab. Am stärksten sind Idun und Tareq aber dann, wenn sie mal weniger regelkonform vorgehen und sich selbst in Gefahr bringen. Diese Passagen haben mir besonders viel Spaß gemacht und eine Extraportion Schwung in die Geschichte gebracht. Kurz vor Schluss kommt dann die überraschende Wendung, die zum finalen Showdown führt. Da werden dann alle losen Fäden geschickt und schlüssig zusammengeführt.
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GEWITTERMANN ist für mich ein grundsolider Schweden-Thriller, wie ich sie immer wieder gerne lese. Ich würde sagen: Da macht man nix verkehrt mit.

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Veröffentlicht am 04.02.2024

Dark Academia, Schottland, Shakespeare

A Midsummer's Nightmare
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Meine Fantasy-Mission 2024 geht weiter. Und direkt habe ich mir mit diesem Urban-Fantasy Roman die nächste Perle rausgepickt. Angesprochen haben mich alleine schon die Shakespeare-Vibes im Titel. Der Klappentext ...

Meine Fantasy-Mission 2024 geht weiter. Und direkt habe ich mir mit diesem Urban-Fantasy Roman die nächste Perle rausgepickt. Angesprochen haben mich alleine schon die Shakespeare-Vibes im Titel. Der Klappentext erinnert ansatzweise an “If we were Villains”. Der Fantasy-Touch, der noch hinzukommt, hat mich besonders neugierig gemacht. Und schon war klar, dass ich diese Geschichte unbedingt lesen möchte.
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Darum geht’s: Auf der schottischen Insel Hilma proben die Studierenden der altehrwürdigen Elite-Universität für eine Shakespeare-Aufführung. Währenddessen entdecken vier Mitglieder der Theatergruppe ihre übernatürlichen Fähigkeiten - und den rachsüchtigen Geist eines Mädchens.
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Schon das Vorwort bzw. die Triggerwarnung hat mich in ihren Bann gezogen. Hier sind es “Pucks Worte zum Geleit”, die mich gleich in die richtige Stimmung versetzt und auf wichtige Themen in diesem Buch vorbereitet haben. Die Geschichte beginnt dann wie eine ganz normale Uni-Story. Aber schon bald hält Stück für Stück der Fantasy-Anteil Einzug und nimmt stetig zu. Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf. Das Geschehen wird in ein absolut tolles und atmosphärisches Setting platziert. Zwischen Sagen, Mythen, Grusel und Crime werden immer wieder Shakespeare-Zitate eingebunden. Aber so leichtgängig, selbstverständlich und fast schon nebenbei, das Schauspiel-Laien sich hier nicht abgeschreckt fühlen müssen. Darüber hinaus fließen weitere interessante Themen mit ein. Es wird queer. Hauptcharakter Ari durchläuft noch den Identitätsfindungsprozess. Freundschaft und Vertrauen spielen dabei eine wichtige Rolle. Und eine schöne und im Kontext glaubhaft erzählte Slow Burn-Romance gibt es noch obendrauf.
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Für mich war dieses Buch in seiner Vielschichtigkeit etwas ganz Besonderes und deshalb auch ein echtes Highlight. Ich habe den Roman absolut genossen, das Geschehen in mich aufgesogen und die Geschichte in mein Herz geschlossen. Von mir gibt es deshalb eine ganz fette Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 02.02.2024

Ein schwieriger Fall

Das dunkle Versteck
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“Nordermoor” war vor einer gefühlten Ewigkeit der erste Krimi, den ich von Arnaldur Indridason gelesen habe. Es war damals gleichzeitig auch meine erste Begegnung mit dem Genre des Island-Krimis. In der ...

“Nordermoor” war vor einer gefühlten Ewigkeit der erste Krimi, den ich von Arnaldur Indridason gelesen habe. Es war damals gleichzeitig auch meine erste Begegnung mit dem Genre des Island-Krimis. In der Folge habe ich noch weitere Krimis von Indridason gelesen, den Autor danach aber jahrelang aus den Augen verloren. Die Neuerscheinung von “Das dunkle Versteck” hat mich wieder auf ihn aufmerksam gemacht.
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Darum geht’s: Halla findet nach dem Tod ihres Mannes eine Waffe in der Garage und gibt sie bei der Polizei ab. Die Spurensicherung findet heraus, dass aus dieser Waffe der tödliche Schuss in einem ungeklärten Mordfall stammt. Der pensionierte Kommissar Konráð ermittelt privat, denn er erinnert sich, dass sein Vater auch so eine Waffe hatte…
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“Das dunkle Versteck” hat sich als Teil 5 einer mir bis dato unbekannten Reihe herausgestellt. Aber ihr wisst ja, dass ich nicht fies vorm Quereinsteigen bin. Allerdings hatte ich doch das Gefühl, dass mir viel Vorwissen aus Kommissar Konráðs komplexer Welt fehlt. Dass ich etwas Schwierigkeiten mit dem Buch hatte, kann aber auch an anderen Faktoren gelegen haben. Zum einen gibt es hier sooo viele Personen. Und die haben dann auch noch komplizierte isländische Namen. XY, der unter dem Namen Z bekannt ist. Ich habe leicht den Überblick verloren. Ich sage es selten, aber hier hätte ich ein Personenregister echt mal gut gebrauchen können. Auch die Handlung ist sehr komplex. Es gibt Verbindungen hier und da und alles wird auch noch so verschachtelt erzählt. Besonders verwirrt haben mich die verschiedenen Zeitebenen, die aber weder durch direkte Datumsangaben noch durch Kursivdruck kenntlich gemacht sind.
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Aus oben genannten Gründen war es für mich schwer, dem Handlungsverlauf zu folgen und ihm gerecht zu werden. Das Buch erweckt mit unter 400 Seiten den Eindruck, als könnte man es mal eben so locker weglesen. Das gilt vielleicht für absolute Kenner der Reihe. Ansonsten muss man sich hier schon Zeit nehmen und beim Lesen sehr aufmerksam bei der Sache sein. Indridasons Schreibstil ist flüssig, wenn auch recht trocken und sachlich, hat mir aber insgesamt gut gefallen. Wenn ich Zeit hatte, einen größeren Abschnitt im Buch zu lesen, war das fürs Verständnis sehr förderlich. Die Story ansich ist nicht unspannend, wenngleich bei mir keine besondere Spannung aufgekommen ist. Außerdem packt Indridason viele heiße Eisen, darunter Themen wie Kindesmissbrauch und Korruption. Auch der Protagonist, Kommissar Konráð, ist eine interessante und vor allem ambivalente Persönlichkeit. Nimmt man alles zusammen, kann ich nicht behaupten, dass das Buch schlecht ist. Eher würde ich sagen, dass mein Kopf gerade eher auf einen flotten Krimi-Read eingestellt gewesen wäre. Und das ist dieser Krimi für meinen Geschmack definitiv nicht.

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Veröffentlicht am 30.01.2024

Moralisch tiefgründig

Yellowface
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YELLOWFACE von Rebecca F. Kuang war der Juli-Read im Reese Whiterspoon-Bookclub. Das Buch hat meine Neugier geweckt, so dass ich es mir prompt besorgt und losgelesen habe.
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Die Protagonistin ist June ...

YELLOWFACE von Rebecca F. Kuang war der Juli-Read im Reese Whiterspoon-Bookclub. Das Buch hat meine Neugier geweckt, so dass ich es mir prompt besorgt und losgelesen habe.
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Die Protagonistin ist June Hayward, eine von unzähligen Autor*innen in der großen weiten Publishingwelt. Während nennenswerte Erfolge ausbleiben, geht es bei ihrer Freundin Athena Liu richtig ab. Bestseller. Netflix-Vertrag. Als Athena auf ganz profane Art und Weise stirbt, ergreift June aus einem Impuls heraus die Gelegenheit und eignet sich Athenas neuestes Manuskript an…
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Eine interessante Geschichte hat Rebecca Kuang da mit YELLOWFACE zu Papier gebracht. Der Einstieg ist leicht und fluffig und ich war schnell in der Story drin. Die hat sich im Folgenden dann anders entwickelt, als ich es erwartet hatte. Sie wird nämlich extrem vielschichtig und wirft immer neue Sichtweisen und viele Fragen auf. Damit muss man sich schon in Ruhe auseinandersetzen und immer wieder neu reflektieren. Der Roman liest sich also nicht mal eben so zwischen Tür und Angel.
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Den Ansatz der Handlung finde ich genial. Kann man aus einer von jemand anderem geschriebenen Geschichte etwas eigenes machen - oder bleibt es trotz Veränderungen Ideenklau? Kuang geht aber noch etliche Schritte weiter. Es geht um das Verlagswesen, Social Media, kulturelle Hintergründe und Rassismus. Ein ganz schönes Brett an Themen. Das liest sich nicht mal so eben zwischen Tür und Angel. Hinzu kommt, dass June eine schwierige und sehr ambivalente Protagonistin ist. Sie ist wahrlich keine Sympathieträgerin. Lichte Momente macht sie mit extremen Aktionen zunichte. Des Öfteren habe ich gedacht, dass Sie den ganzen Shitstorm verdient hat.
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Fazit: YELLOWFACE bewegt sich zwischen Genie und Wahnsinn. Krass, was hier alles drinsteckt. Man durchlebt beim Lesen ein ständiges Wechselbad der Gefühle und wird mit tiefgründigen moralischen Fragen konfrontiert. Gibt es auf alles eine zufriedenstellende Antwort? Eindeutig Nein.

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