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Aglaja

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Ein Buch, wie das Ballett "Boléro von Maurice Ravel. Ein Buch, über das man ein Buch schreiben könnte.

Mein Mann
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Ein Buch, aufgebaut ähnlich dem Ballett "Boléro" von Maurice Ravel. Eine ständige Wiederholung im gleichen Rythmus mit wachsendem Crescendo, bis zum dramatischen, misstönenden Paukenschlag der Wahrheit.
Der ...

Ein Buch, aufgebaut ähnlich dem Ballett "Boléro" von Maurice Ravel. Eine ständige Wiederholung im gleichen Rythmus mit wachsendem Crescendo, bis zum dramatischen, misstönenden Paukenschlag der Wahrheit.
Der Leser besteigt eine Wendeltreppe der Wochentage und Gedanken, deren immer geiche Spiralen sich im Raum nach oben bewegen, einer Höhe entgegenstreben, einem Endpunkt zu.
Eine Frau von vierzig Jahren, die vermeintlich alles hat, jagt einem Phantom hinterher, dem ewigen Verliebtsein. Sie hat sich durch ihre Ehe die Heilung von all ihren Ängsten versprochen. "In Wahrheit hat mir die Heirat keinen Frieden gebracht." "Verpflichtungen fand ich überall, aber die Liebe nirgends."
Ihr Leben sieht sie von außen, wie ein Theaterstück, in dem jeder eine Rolle spielt. Durch ihr Beharren in ihren inneren Defiziten nimmt sie sich die Chance, eine wahre, umhüllende, tiefe Liebe kennenzulernen, die nicht vom Äußeren lebt.
Ihr Leben ist wie ein Tanz auf einem Seil, gespannt zwischen griechischer Tragödie und Komödie, zum Lachen und zum Fürchten, von süßester Romantik bis zu klarster Berechnung, zwischen Intelligenz und Unreife, zwischen glasklarer Logik und tiefster Verunsicherung, zwischen Aufopferung und grenzenloser Egomanie. Ein Buch zwischen Ideal und Psychiatrie.
Ein Buch, über das man ein Buch schreiben könnte.

Das Buch hat ein anziehendes Cover von einer schönen jungen Frau, die erstaunliche Ähnlichkeit mit der Autorin selbst hat, so wie auch in dem Buch eigene Erfahrungen der Autorin ihren Niederschlag finden

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Trennung von Beziehung, Staat und Sprache

Samtene Scheidung
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Den großen Worten, die das Italienische Kulturinstitut Stuttgart, die auch vielleicht vermehrt aus einer linguistischen Warte im interkulturellen Bereich heraus für dieses Buch gefunden hat, kann ich mich ...

Den großen Worten, die das Italienische Kulturinstitut Stuttgart, die auch vielleicht vermehrt aus einer linguistischen Warte im interkulturellen Bereich heraus für dieses Buch gefunden hat, kann ich mich leider nicht anschließen. Mir hat die intensivere Ausarbeitung, wenigstens eines der vielen, durchaus interessanten angesprochenenThemengefehlt und somit die direkte innere Interaktion mit der Protagonistin. Dadurch ging die anfänglich vorhandene Spannung des Buches verloren. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die wenigen linguistisch-soziologischen Einschübe und Hypothesen, die ein großes Thema für das Buch hätten sein können. Wie bei vielen Büchern der letzten Jahre, ahnt man auch hinter diesem Buch die Besuche von Kursen über das kreative Schreiben.

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Veröffentlicht am 23.08.2024

Fantasie entfaltet ihre Flügel, Abenteuer bahnt sich an

Klippo
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Ein wunderbares Buch mit einem traumhaft schönen Cover. Vom ersten Wort an zieht es die Kinder in seinen Bann. Von allem ist die Rede, was Kinder lieben, die Fantasie beginnt vom ersten Wort an ihre Flügel ...

Ein wunderbares Buch mit einem traumhaft schönen Cover. Vom ersten Wort an zieht es die Kinder in seinen Bann. Von allem ist die Rede, was Kinder lieben, die Fantasie beginnt vom ersten Wort an ihre Flügel zu entfalten. Abenteuer, Fantastisches, ein Tier, ein Junge ein Mädchen, Bösewichte, Geheimnisse, wunderbare Wörter, es gibt Piraten auf eisernen Schiffen, die aus dem Nebel auftauchen und ihre Geschützrohre mit einem hässlich knirschenden Geräusch aufrichten. Wer zittert nicht mit Klippo und dem Mädchen, wenn sie erscheinen?
Das Buch ist wunderbar geeignet, zum dramatischen Vorlesen.

Etwas ist mir gleich zu Anfang aufgefallen, ein kleiner Satz:
"...die meisten können nicht einmal richtig lesen."
Es ist von den Dorfkindern die Rede, die nicht die Fähigkeiten haben wie die Hauptperson Klippo.
Man sollte bedenken, dass es in der Welt Kinder gibt, die aus den verschiedensten Gründen nicht richtig lesen können, die sich von dieser Aussage herabgewürdigt fühlen könnten.

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Veröffentlicht am 20.08.2024

Leben im Laufe der Weltgeschichte

Nur nachts ist es hell
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Das neue Buch der Autorin ist die Fortsetzung ihrer Familiensaga von der Hofmühle aus ihrer Heimat, dem österreichischen Mühlviertel, das man auch ohne den vorangegangenen Band lesen kann.
Elisabeth, die ...

Das neue Buch der Autorin ist die Fortsetzung ihrer Familiensaga von der Hofmühle aus ihrer Heimat, dem österreichischen Mühlviertel, das man auch ohne den vorangegangenen Band lesen kann.
Elisabeth, die Tochter des Hauses ist ein Kind aus der Zeit der Belle Epoque.
Sie durfte Bildung geniessen, wurde von Kind an gefördert selbständig zu denken und gehörte zu den ersten Generationen von Frauen, die das Abitur ablegen durften. Auch konnte sie Medizin studieren, trotz vehementer Gegnerschaft von Seiten der Professoren, die generell der Frau die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Denken absprachen. Es ist eine Zeit, in der das Frauenwahlrecht als Entartung galt, wider die Natur der Frau.
Sie schreibt ihr Leben auf, das von den zwei großen Weltkriegen geprägt wurde. Sie verdeutlicht, welche Dramatik diese Katastrophen in das Leben der Menschen und deren Schicksal brachte und das es trotzdem weiterging.
Sie ist alt geworden und schreibt aus der Warte eines abgeklärten Menschen, der vieles versteht, weil er vieles gesehen und vieles erlebt hat.

Die Autorin lässt Elisabeth in einem meist sachlichen Ton schreiben, ohne Überschwang oder poetische Schwärmerei, sie ist Ärztin, und somit dem nüchternen Denken verpflichtet. Sie nimmt den Leser mit, in Geschichte und deren Geschichten.
Durch die Aneinanderreihung vieler biographischer Daten, geht öfter die unmittelbare Spannung verloren. Es fehlt dem Buch ein wenig an literarischer Inspiration und Esprit.

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Der Bär

Cascadia
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Zwei Schwestern leben mit ihrer totkranken Mutter auf der Insel San Juan, umgeben von Meer und uralten nordpazifischen Regenwäldern - Kaskadien. So paradiesisch ihr Wohnort ist, umso weniger paradiesisch ...

Zwei Schwestern leben mit ihrer totkranken Mutter auf der Insel San Juan, umgeben von Meer und uralten nordpazifischen Regenwäldern - Kaskadien. So paradiesisch ihr Wohnort ist, umso weniger paradiesisch ist ihre Lebenswelt. Vor allem die jüngere Schwester Sam, setzt alle ihre Erwartungen in das Weggehen von diesem Ort, diesen prekären Verhältnissen, ihrer verhassten, schlecht bezahlten Arbeit. Sie hängt an ihrer Schwester und orientiert sich in allem an ihr, ein fast symbiotisches Verhältnis. Sie geht davon aus, dass ihre Schwester genau so denkt wie sie, sie reden nicht darüber, so wie über vieles Wesentliche nicht geredet wird, aus Angst vor Verletzung. Doch eines Tages, mit dem Erscheinen eines Bären tut sich zwischen beiden eine Kluft auf, die Sam in Verzweiflung stürzt. Sie will unbedingt die Schwester zurückhaben, die sie vermeintlich all die vergangenen Jahre kannte. Sie fasst einen Plan, der in einer Katastrophe endet.

Die Autorin hat ein Buch geschrieben, das tief berührt, das im Gedächtnis bleibt. Sie hat von der ersten Seite an eine Spannung erzeugt, die den Leser atemlos läßt, bis zur letzten Seite. Es ist ein Buch über den Menschen in der Gesellschaft mit anderen und mit sich, ohne Halt an übergeordneten Entitäten, eingebettet in die Natur dieser Welt.

Den ursprünglichen amerikanischen Titel "The Bear" hätte ich als aussagekräftiger empfunden.

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