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Aglaja

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.09.2023

"Mutter - der Stein im Schuh"

Die Wahrheiten meiner Mutter
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Weil sie nicht daran teilhaben durfte, erschafft sich die Protagonistin das Leben ihrer Mutter im Geiste. Man hat sie aus der Familie ausgeschlossen, aber sie versteht nicht warum.
Diese Frage muss sie ...

Weil sie nicht daran teilhaben durfte, erschafft sich die Protagonistin das Leben ihrer Mutter im Geiste. Man hat sie aus der Familie ausgeschlossen, aber sie versteht nicht warum.
Diese Frage muss sie ergründen. Verzweifeltes Bemühen um Erklärung, das ihre Gedanken beherrscht und ihr den Schlaf raubt.
In ihrem Buch hat die Autorin alle Fragen, die es geben kann in einem zerrütteten Verhältnis zwischen Mutter und Tochter gestellt und beantwortet. Alle Aspekte aus allen Richtungen betrachtet, alle Möglichkeiten erwogen und gewogen, alles schon im Voraus gedacht, bedacht und gefühlt, alle Schmerzen durchlitten und ertragen.
In ihrem eigenen Leben musste sie Vater und Mutter vergessen, wenn sie glücklich sein wollte.
Sie ist nicht den Weg der Mutter gegangen, sie wollte nur das leben, was in ihr war. Ist es möglich, dass sich eine Mutter so radikal und herzlos von ihrem Kind trennen kann?
Sie muss die Antwort finden, um weiterleben zu können.

Ein Buch, dass manche bis in ihre Grundfesten erschüttern könnte.
Ein Buch, dass einen so schnell nicht mehr loslässt.

Die Umschlaggestaltung von Leif Nyland imaginiert perfekt die Stimmung Norwegens und die Stimmung des Buches.

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Veröffentlicht am 07.08.2023

Nach Hause kommen in ein fremdes Land

Terafik
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Nilufar, ein altpersischer Name wie aus Tausendundeiner Nacht.
Alles andere als ein Märchen ist Nilufars Leben. Die Mutter eine Deutsche, der Vater ein Iraner, hat sie mit all diesen Diskriminierungen ...

Nilufar, ein altpersischer Name wie aus Tausendundeiner Nacht.
Alles andere als ein Märchen ist Nilufars Leben. Die Mutter eine Deutsche, der Vater ein Iraner, hat sie mit all diesen Diskriminierungen zu kämpfen, die binationalen Kindern widerfahren und wenn sie noch so subtil sind. Die Mutter trennt sich buchstäblich über Nacht von ihrem Mann, der in den Iran zurückgeht. Das ist eingetroffen, vor dem sich Nilufar immer gefürchtet hat.
Sie hatte immer das Gefühl in einer unechten Familie, ja in einer unechten Welt zu leben, als seien die Beteiligten nur Schauspieler, sie ging davon aus hier nur provisorisch zu leben, als würde sie nur zufällig bei ihren Eltern leben. Sie bewegte sich durch die Welt, als sei alles nur gespielt.
Der Vater war ein schweigsamer Mann, der ihr das Gefühl gab innerlich abwesend zu sein.
Nach Abschluss ihres Studiums reist sie für drei Wochen in den Iran, auf der Suche nach innerer Heilung. Da sie dafür dringend Erklärungen von ihrem
Vater braucht, wagt sie den Schritt in eine andere Welt. Sie findet eine zweite
Heimat in einem Land, das vor vierzig Jahren von Verbrechern gekapert wurde, die es in eine blühende Kleptokratie verwandelt haben und in dem jedes falsche Wort lebensgefährlich sein kann.
Es ist nicht einfach mit diesem Buch zurecht zu kommen.

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Veröffentlicht am 02.08.2023

Das Leben ist ein Kampf

Das Pferd im Brunnen
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Walja, geboren im sowjetischen Russland, kommt mit acht Jahren nach Deutschland. Einige Jahrzehnte später macht sie sich mit ihren Erinnerungen auf den Weg, um zu ergründen wer sie ist. Sie findet die ...

Walja, geboren im sowjetischen Russland, kommt mit acht Jahren nach Deutschland. Einige Jahrzehnte später macht sie sich mit ihren Erinnerungen auf den Weg, um zu ergründen wer sie ist. Sie findet die Menschen ihrer Familie, jeden beladen mit dem Schicksal seiner Zeit.
In kristallklarer Sicht erkennen die Protagonistinnen, die verschiedenen Miseren des Lebens in den politischen Systemen und beschreiben sie, jede in ihrer Art.
Da ist Tanja die Urgroßmutter, allein, fast wortlos, ihr tägliches Leben in harter Arbeit bestreitend. Sie betet heimlich, weil beten in Russland verboten ist.
Ihre Tochter Nina, die von Kind an arbeiten musste, hat das Leben zornig gemacht. Zu fremden Kindern konnte sie zärtlich sein, doch nicht zu ihren eigenen. Ihr Sohn Mischa ist seiner Schwester Lena in den Westen gefolgt, wo er weder das deutsche Leben, noch die deutsche Sprache "verdauen" konnte, nach Russland zurückkehrte und letztendlich auch seine Schwester wieder zurückholt, in das Vertraute, das von Kind an Verinnerlichte.

Ein schmales Buch, voll an genauer Beobachtung, Überlegung, Erkenntnis über die Härte des menschlichen Lebens, meisterhaft zu Papier gebracht.
Szenische Miniaturen, die jede für sich stehen könnte.
Tiefe Einblicke in die Spielarten menschlichen Daseins, gefasst in Sätzen, die vom Verstehen des Leids und der Verzweiflung zeugen, ebenso, wie von der Groteske und Bizzarerie des sowjetischen Systems.
Glasklare Fakten einer gnadenlosen Realität, verpackt in Wortschöpfungen und Poesie einer schönen Sprache mit literarischer Qualität.

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Veröffentlicht am 08.06.2023

"Youkali, wo unser Land der Sehnsucht liegt..."

Die Zeitreisende
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Zeit für sich hat sie sich genommen, um ihr Leben zu überdenken, die schöne Künstlerin Ute Lemper ist sechzig geworden.
Wie eine Sphinx erschien sie, geheimnisvoll, streng ihr Privatleben hütend. In diesem ...

Zeit für sich hat sie sich genommen, um ihr Leben zu überdenken, die schöne Künstlerin Ute Lemper ist sechzig geworden.
Wie eine Sphinx erschien sie, geheimnisvoll, streng ihr Privatleben hütend. In diesem Buch öffnet sie sich, gibt Einblick in ihr Inneres, sowohl in ihre Gedanken als auch in ihre Gefühle. Kein kühles Aufzählen von Fakten und Ereignissen ist es geworden, im Gegenteil, sie überrascht mit völliger Offenheit.
Ute Lemper blickt hinter viele Kulissen und das nicht nur in der Theaterwelt, obwohl sie lichterloh brennt für ihre Kunst, sich verliert in Askese und Extase, läuft sie nicht mit Scheuklappen durch ihr Leben, sie steht mitten in der Realität, mit weit offenem Geist, nimmt sie wahr und reflektiert, was in der Welt vor sich geht.
Mit kraftvollen Sätzen und poetischem Blick beschreibt sie, was sie um sich herum wahrnimmt, mal mit ironischen, mal mit zornigen Untertönen, aber immer unendlich liebevoll, warmherzig und voller Verständnis. Manches was pathetisch klingen mag ist ihrer Kunst und ihrer großen Empathie geschuldet, strömt aus einem überquellenden Leben, aus einer grenzenlosen Kraft, aus Liebe, Inspiration und Fantasie, aus einer Obsession.
Ute Lemper hat in ihrer Autobiographie die Tore zu ihrem Inneren weit geöffnet, mehr braucht man über sie nicht zu wissen. Sie hat preisgegeben, was man in vielen anderen Memoiren vermisst. Das innere Feuer, das sie treibt, kommt auf jeder Seite zum Ausdruck.

Ich kannte vor dem Lesen ihres Buches nur ihren Namen und ein Bild von ihr, dann habe ich mir auf youtube "Youkali" angehört!
Eine bewundernswerte Frau!

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Veröffentlicht am 12.05.2023

nicht nur für Förster

Die Sache mit dem Wald
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Ein Buch über den Wald kann aus so vielen Sichtweisen geschrieben werden, dass es fast nicht möglich erscheint, sämtlichen Aspekten gerecht zu werden. Wieviel allein in den letzten hundert Jahren, aus ...

Ein Buch über den Wald kann aus so vielen Sichtweisen geschrieben werden, dass es fast nicht möglich erscheint, sämtlichen Aspekten gerecht zu werden. Wieviel allein in den letzten hundert Jahren, aus meist forstwirtschaftlicher Perspektive geschrieben wurde, davon geben die mehr als zweihundert Quellenangaben des Autors einen Überblick

Das Buch ist nicht nur für Förster von einem Forstmann geschrieben, jeder andere Mensch, der sich für die Thematik "Wald" interessiert wird mit profundem Wissen belohnt. Man muss sich im Klaren sein, dass man keine Waldromantik erwarten darf, oder Einblicke in die Verarbeitung des Waldes in der Literatur.
Der Autor ist Arzt und Diplomforstwirt, er hat einen Lehrstuhl für Wildökologie und Jagdwirtschaft an der TU Dresden inne. Dies zu wissen, hilft zu verstehen, von welcher Seite er sich hauptsächlich mit dem Thema "Wald"befasst. Als Wissenschaftler hat er sich fundiert mit den Fakten auseinandergesetzt und eröffnet dem Leser sein umfassendes Wissen und zeigt die Vielschichtigkeit der Problematiken auf.
Viele Veröffentlichungen in einschlägigen Fachzeitschriften bezeugen seine Leidenschaft für Forst und Wild.
Das vorliegende Buch ist ein Sachbuch von einem absoluten Kenner der Materie geschrieben.
Eine Bewusstmachung, welche Rolle der Wald für die Menschheit von Anfang an gespielt hat.

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