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Veröffentlicht am 03.08.2019

Keine starke Protagonistin im Finale

Die Bastardtochter
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„Die Bastardtochter“ von Petra Schier ist der dritte Band ihrer Kreuz-Triologie (Band eins: „Die Eifelgräfin“, Band zwei: „Die Gewürzhändlerin“). Die Autorin selbst gibt am Ende zwar an, man könne die ...

„Die Bastardtochter“ von Petra Schier ist der dritte Band ihrer Kreuz-Triologie (Band eins: „Die Eifelgräfin“, Band zwei: „Die Gewürzhändlerin“). Die Autorin selbst gibt am Ende zwar an, man könne die Teile auch in umgekehrter Reihenfolge lesen, da würde ich jedoch nicht zustimmen. Im finalen Buch wurde auf sehr viele vergangene Ereignisse Bezug genommen, die wichtig für die Geschichte sind. Nicht zuletzt das Motiv des Antagonisten ist stark in der Vergangenheit verankert, aber erstmal zum Anfang:

Protagonistin ist Enneleyn, die uneheliche Tochter des Grafen Johann von Manten. Er hat sie als Tochter anerkannt, sodass sie mit ihm und seiner Frau Elisabeth in seinem Haushalt in Koblenz lebt (Die Geschichte dieses Paares beinhaltet vor allem der erste Band der Reihe). Gesellschaftlich haftet Enneleyn jedoch immer noch ein Makel an und so ist sie mehr als bereit den charmanten Ritter Guntram von Eggern zu heiraten. Es dauert jedoch nicht lange, bis sich zeigt, dass ihr Ehemann, statt liebevoll und einfühlsam, brutal und hinterhältig ist. Enneleyn scheint nur eine Figur in seinem bösartigen Plan zu sein.

Der andere Protagonist, neben Enneleyn, ist Anton Bongert, der Bruder der Gewürzhändlerin Luiza (ihre Erlebnisse sind vor allem dem zweiten Band der Trilogie zu entnehmen) und selbst ein Kaufmann. Die Geschichte wird im Wechsel aus seiner und Enneleyns Perspektive erzählt. Diese Methode soll eigentlich dazu dienen, dass der Leser sich in diese beiden Charaktere gut einfinden kann. Bei mir hat das leider nicht geklappt.
Natürlich trägt allein Enneleyns Charakter, ihr Stolz und vor allem ihre Schicksalsergebenheit und Gottsfurcht die Geschichte. Doch ich war auf jeder Seite entsetzt, was sie über sich ergehen lässt, wie untätig sie ist und wie sie sich selbst immer tiefer in die Opferrolle fallenlässt. Entgegen entsprechender Komplimente, die sie erhält, war sie keine starke Frau, was ein krasser Gegensatz zu den ersten beiden Bänden der Reihe ist. Elisabeth und Luzia lassen sich darin nichts gefallen, treten für sich ein und sind wirklich stark. Enneleyn ist natürlich ob ihres Ehemannes nur zu bedauern, aber kein Charakter mit dem ich mich identifizieren oder ihn bewundern könnte.

Der Leser bleibt die ganze Zeit dran, weil er vor allem Guntrams Plan aufdecken will. Hierzu hat Petra Schier auch in schöner Regelmäßigkeit Hinweise eingestreut, sodass man sich nicht durch das Buch durchquälen muss. Aufgrund von Enneleyns Passivität zieht sich die Erzählung allerdings sehr in die Länge. Erst am Ende, als sie aktiv wird, wird es nochmal spannend und auf einmal geht alles ganz schnell. Trotzdem wäre es angenehmer, wenn man auch bei dem persönlichen Erzählstrang von Anfang an neugierig und voll freudiger Erwartung die Seiten umschlägt.

Als einen kleinen Missgriff empfinde ich außerdem die Sprache eines kleinen spanischen Jungen, der deutsch lernt. Vermutlich um die Authentizität zu erhöhen, gibt die Autorin seine deutschen Sätze exakt wieder, mit allen falschen Konjugationen, Aussprachen und auch wie er sich selbst korrigiert. Das ist bereits nach kurzer Zeit anstrengend und so nervig für den Leser, dass ich seine wörtliche Rede gerne überspringen wollte. Der Plan, dass es authentisch oder niedlich erscheinen könnte, ist an mir leider ins Gegenteil verkehrt.

Erwähnenswert, aber ohne Einfluss auf meine Beurteilung, ist für die komplette Trilogie definitiv noch die mystische Komponente. Es gibt eine Reliquie, mit der Dinge geschehen und die Ereignisse auslöst, welche nicht rational erklärbar sind. Im besten Fall sollte dies etwaigen Leser gefallen, da es ein wichtiges Motiv der Geschichte ist. Mir sagt es nicht so sehr zu, aber die tollen Charaktere in den ersten beiden Bänden und die spannende Handlung konnte darüber hinwegtragen. In „Die Bastardtochter“ ist das leider nicht gelungen.

Abgesehen von einer Stadtkarte zu Beginn des Buches, findet sich zum Schluss noch ein Personenregister mit Hinweis auf historische Persönlichkeiten. Außerdem ist auf der letzten Seite ein mittelalterliches Rezept von einem Gericht angegeben, das im Buch vorkommt, sowie eine neuzeitliche „Übersetzung“, die das Nachkochen erleichtert. Eine hervorragende und amüsante Idee! Zu der Mahlzeit kann ich leider noch kein Feedback geben, werde es aber definitiv ausprobieren.

Insgesamt hat mir das Finale leider nicht so gut gefallen, wie die ersten beiden Bände. Enneleyn ist für meinen Geschmack keine interessante Protagonistin und durch ihren zurückhaltenden Charakter wurde die Geschichte stark gelähmt. Die Grundidee war allerdings spannend und ich habe mich gefreut, die Charaktere und ihren Humor wiederzutreffen. Daher komme ich zu 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 17.07.2019

Wieder eine mitreißende Geschichte des Erzählmeisters

Das Fundament der Ewigkeit
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„Das Fundament der Ewigkeit“ bildet den dritten Teil in Ken Folletts Kingsbridge-Reihe. „Die Säulen der Erde“ spielt rund 400 Jahre zuvor, „Die Tore der Welt“ rund 200. Die beiden vorherigen Bände sind ...

„Das Fundament der Ewigkeit“ bildet den dritten Teil in Ken Folletts Kingsbridge-Reihe. „Die Säulen der Erde“ spielt rund 400 Jahre zuvor, „Die Tore der Welt“ rund 200. Die beiden vorherigen Bände sind daher absolut irrelevant, um dieses Buch lesen und genießen zu können. Es werden zwar Personen erwähnt, die vor hunderten von Jahren dort lebten, aber darüber hinaus besteht keine Gemeinsamkeit - außer einer der Handlungsorte.

Die Handlung beginnt im Jahre 1558 in England und erzählt dessen Geschichte auf circa 1200 Seiten bis zum Jahr 1620. Protagonist ist Ned Willard, der durch einige Schicksalsschläge in die Dienste von Prinzessin Elizabeth Tudor tritt. Auf Jahrzehnte begleitet er die spätere Königin durch die umstürzlerischen Religionskriege in Europa als Spion in ihrem Geheimdienst.

Wie keinem anderen Autor gelingt es Follett mal wieder verschiedenste Personen mit authentischen Motiven und Geschichten zu entwerfen und diese auf dem Spielbrett der Weltpolitik zusammenzuführen. Während ich mich zu Beginn noch ab und zu fragte, warum ich jetzt von einer scheinbar uninteressanten Person lesen musste, wurde es kurze Zeit später offensichtlich, fast schon zwingend, wie wichtig sie doch war. Besonders interessant dabei ist, dass es nicht immer Adlige oder hochrangige Kleriker sein müssen. Nein, auch die Tochter eines Druckers kann ungeahnt großen Einfluss auf die Geschicke der Politik haben. Das gefällt mir besonders gut, denn mit diesem kleinen Rädchen im großen Getriebe, kann sich der Leser einfacher identifizieren, als mit einem Grafen, Diplomaten oder Bischof. Doch auch diese waren stets lebendig gezeichnet und man konnte mit ihnen mitfühlen, bangen oder sie hassen. Trotz der Vielzahl an Personen hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, nicht zu wissen, um wen es gerade geht.

Wenn man Ken Follett eines definitiv nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnde Recherche. Nicht umsonst vergehen Jahre zwischen dem Erscheinen seiner Werke. Auch hier merkt man auf jeder Seite, wie intensiv er sich mit der Materie auseinander gesetzt hat. Gepaart mit seinem lebendigen Erzählstil lernt der Leser so auf unterhaltsame Weise etwas über Englands und Europas Geschichte. Jedes Mal habe ich mich gefreut, wenn bekannte historische Personen die Bühne betreten haben, seien es Francis Drake, Robert Cecil oder Guy Fawkes.

Das Buch wird in fünf Teile unterteilt, zwischen denen immer viele Jahre bis Jahrzehnte vergehen. Dieses Mittel ist gut geeignet, um die Erzählung an den richtigen Punkten zu straffen, wenn historisch nicht allzu viel Interessantes passiert ist. Es verbleiben trotzdem eine Menge erzählenswerter Ereignisse und trotz der Straffung gab es eine Stelle, die ich ermüdend fand: Die Seeschlacht gegen die spanische Armada. Follett beschrieb die Schiffe, die Mannöver, den Seegang und den Wind viel zu detailverliebt, sodass ich hier gerne vorwärts geblättert hätte. Dies ist allerdings mein einziger Kritikpunkt und ich halte es für eine erstaunliche Leistung, dass ich in so einem umfangreichen Buch nur an einer Stelle die Aufmerksamkeit verlor.

Jeder Teil beginnt mit einem ganzseitigen Bild, das Aufschluss über den Inhalt des kommenden Abschnitts gibt. Hier ist vor allem der Stil sehr gut gewählt. Die Szenen wirken wie (gedruckte) Holzschnitte – passend zur damaligen Zeit und eine Darstellungsart, die man zudem häufig in Geschichtsbüchern als zeitgenössische Eindrücke findet.
Im Einband finden sich zudem liebevoll gezeichnete Karten von Kingsbridge und Westeuropa. Die Ausstattung wird ergänzt durch ein allgemeines Personenverzeichnis zu Beginn und ein Verzeichnis der historischen Persönlichkeiten am Ende des Buches. Gewünscht hätte ich mir hier außerdem noch Anmerkungen zur historischen Korrektheit, darüber hinaus hat mir aber keine Ausstattung gefehlt. Ein Glossar war überflüssig, da die wenigen ungewöhnlichen Worte immer im Text erklärt wurden. Überraschenderweise wirkte dies keines falls störend. Dies führe ich vor allem auf die Feinheit zurück, dass es nicht in der wörtlichen Rede erklärt wurde. Warum sollten sich zwei Personen im 16. Jahrhundert auch gegenseitig Begriffe erklären, die für sie alltäglich sind? Follett hat dies stattdessen durch die Erzählstimme vornehmen lassen: Eine ganz kleine Finesse mit großer Wirkung.

„Fundament der Ewigkeit“ ist direkt bei Erscheinen in meinen Besitz gewandert. Dennoch habe ich mehr als 1,5 Jahre gebraucht, um es zu lesen. Warum? Wie oben bereits erläutert, vergehen Jahre zwischen Folletts Büchern. Nun hatte ich schon wieder drei Jahre gewartet seit „Kinder der Freiheit“ und wusste, wenn ich es jetzt lese, würde wieder sehnsüchtig warten. Es erschien mir plausibler, die Wartezeit jetzt zu verlängern und dafür die folgende zu verkürzen. Unlogisch? Vielleicht. Natürlich stiegen mit der Zeit auch meine Erwartungen immer weiter und ich schob es aus einem neuen Grund vor mir her: Angst vor Enttäuschung. Doch diese war unbegründet.
„Fundament der Ewigkeit“ ist mal wieder eine mitreißende Erzählung von seinem Meister seines Fachs. Der geschichtliche Hintergrund ist spannend gewählt und die Personen authentisch herausgearbeitet. Für eine einzige zähe Stelle auf so vielen Seiten empfinde ich es nicht als angebracht, einen ganzen Stern abzuziehen.
Somit komme ich zusammenfassend zu 5 von 5 Sternen. Ken Follett ist und bleibt ein hervorragender Autor und ich kämpfe erneut gegen eine lange, lange Wartezeit.

PS: Es sollte keinen Einfluss in meine Bewertung finden, aber ich möchte es nicht unerwähnt lassen: Ein Preis von 36,00€ für ein gebundenes Buch hat damals nicht nur bei mir einen Aufschrei ausgelöst. Ich wollte es boykottieren und auf das Taschenbuch warten, wurde dann aber unerwartet mit dem gebundenen Exemplar beschenkt. Wenn Bastei Lübbe diese Preispolitik fortsetzt, wird sich meine Wartezeit demnächst wohl jedes Mal noch um 1,5 Jahre erhöhen – bis zum Taschenbuch.

Veröffentlicht am 11.07.2019

Tolle Fortsetzung – ich liebe die Legenden!

Fire & Frost, Band 2: Vom Feuer geküsst
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„Fire & Frost- Vom Feuer geküsst“ von Elly Blake ist der zweite Teil ihrer „Fire & Frost-Reihe“ nach „Vom Eis berührt“. Diese Rezension enthält daher Spoiler zu Band eins, nicht aber zu Band zwei.
Nach ...

„Fire & Frost- Vom Feuer geküsst“ von Elly Blake ist der zweite Teil ihrer „Fire & Frost-Reihe“ nach „Vom Eis berührt“. Diese Rezension enthält daher Spoiler zu Band eins, nicht aber zu Band zwei.
Nach der Zerstörung des Frostthrons ist der Minax frei und streift mordend durch Tempesien. Sein innigstes Ziel bleibt aber Ruby. Um ihn zu besiegen, muss sie ohne Arcus an den Hof der Feuerkönigin ins verfeindete Sudesien reisen. Ihr Begleiter ist der Fireblood Kai, der sie ihre Welt und ihre Gefühle in einem neuen Licht betrachten lässt.

Auch der zweite Teil ist vollständig aus der Sicht von Ruby geschrieben. Dies empfand ich als sehr angenehme Abwechslung, da aktuell viele Jugendbücher mit wechselnder Perspektive zwischen weiblichem und männlichem Protagonisten arbeiten. Hier war es sehr einfach, sich in Ruby hineinzuversetzen und die Erzählung hatte einen angenehmen Fluss ohne harte Brüche, sodass ich innerhalb von wenigen Tagen durch war.

Wie auch bei Band eins habe ich mir alle Szenen, in denen Legenden erzählt werden mit einem Post-it markiert – was ich sonst nie tue. Das erwies sich nun als sehr praktisch, da zwischen Band eins und zwei bei mir fünf Monate lagen. Anhand der Post-its konnte ich mir die Hintergrundstory nochmal schnell und einfach ins Gedächtnis rufen. Die Lore der Geschichte ist wirklich umwerfend, ein ganz großer Pluspunkt! Elly Blake hat sich viele Gedanken über den Hintergrund gemacht, über Prophezeiungen und Legenden, und lässt eine Welt entstehen, die nicht nur kreativ, sondern auch schlüssig ist.

Die Beziehung zwischen Ruby und Arcus und auch zwischen Ruby und Kai ist sehr wichtig für die Geschichte. Trotzdem hat Elly Blake es geschafft, nur so viel Lovestory einzubringen wie nötig. Es war genau so viel um interessant zu bleiben, aber auch nicht zu viel, als dass es genervt hätte oder von der Hauptgeschichte abgelenkt. Diese Gratwanderung gelingt nicht vielen Autoren, daher ein großes Lob!

In Teil eins hatte ich ein wenig angekreidet, dass es ein paar Längen gibt. Diese sind in Band zwei vollständig verschwunden. Es passiert immer etwas oder ein wichtiges Ereignis steht kurz bevor. So wollte ich das Buch kaum aus der Hand legen.

Den kleinen Punktabzug gibt es diesmal leider für das Ende. Einige offene Punkte verbinden sich, aber vieles wirkt etwas zu zufällig und zu „einfach“ für die Geschichte. Bei so vielen Problemen und Konfliktpotenzial hat sich für meinen Geschmack alles etwas zu leicht ineinandergefügt.

Positiv erwähnen möchte ich noch die Gestaltung des Endes. Es gab viele Situationen in denen die Autorin einen richtig gemeinen Cliffhanger hätte setzen können. Hat sie aber nicht! Natürlich ist noch einiges offen, da es ja einen dritten Band gibt, aber die Handlung, die für Band zwei anvisiert war, wurde abgeschlossen und es kann mit Teil drei ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Diese Handhabung gefällt mir sehr gut, wirkt sie doch zum einen nicht so künstlich und zum anderen fällt der Einstieg in den Anschlussteil dadurch umso leichter.

Zusammenfassend komme ich zu 4 von 5 Sternen. Die wunderbare Lore und die mitreißende Geschichte werden nur vom faserigen Ende etwas abgeschwächt. Der dritte Teil der Reihe, „Von der Dunkelheit geliebt“, ist bereits erschienen und ich freue mich riesig darauf, das Finale zu lesen!

Veröffentlicht am 25.06.2019

Unverbrauchtes Thema, Schreibstil verbesserungsfähig

Dunkler Hass
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In „Imago. Dunkler Hass“ von Matthias Bürgel ermittelt Marius Bannert in Konstanz im Fall eines Serienmörders, der junge Frauen verstümmelt. Als er nicht mehr weiterweiß, bittet er den pensionierten LKA-Ermittler ...

In „Imago. Dunkler Hass“ von Matthias Bürgel ermittelt Marius Bannert in Konstanz im Fall eines Serienmörders, der junge Frauen verstümmelt. Als er nicht mehr weiterweiß, bittet er den pensionierten LKA-Ermittler Falk Hagedorn um Hilfe. Dieser sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl. Gemeinsam kommen sie dem Täter immer weiter auf die Spur bis Hagedorns Tochter verschwindet.

Der Roman ist in viele kurze Kapitel unterteilt. Zum einen ist es sehr angenehm zu lesen, da man immer mal ein Kapitel dazwischenschieben kann. Da mit den Kapiteln häufig Perspektive, Handlungsort und manchmal auch das Jahr der Handlung variiert, kann es aber auch anstrengend zu verfolgen sein. Mir persönlich hat dies keine Probleme bereitet. Im Gegenteil: Die Perspektiven der beiden Ermittler und vor allem die des Täters und seine Geschichte kennenzulernen, war sehr interessant und auf diese Art einfach zu erreichen. Da zu Beginn jedes Kapitels auch der Handlungsort und – falls abweichend von der Gegenwart – der Zeitpunkt in der Vergangenheit angegeben wird, konnte ich mich gut zurechtfinden.

Besonders positiv ist die Hintergrundgeschichte des Täters hervorzuheben. Diese war für mich neu und unverbraucht, der Täter dadurch nicht so klischeebehaftet, wie sonst in dem Genre. Der Autor hat die psychologischen Aspekte gut recherchiert, die Entwicklung ist dadurch glaubhaft und fast schon nachvollziehbar.

Etwas klischeehafter ist dafür Falk Hagedorn. Ein (körperlich) traumatisierter Kriminalbeamter, unhöflich und direkt, ein wenig verbittert, aber unfähig, die Arbeit hinter sich zu lassen. Trotzdem mochte ich ihn wirklich gerne. Bei ihm weiß man, woran man ist. Ich fand es außerdem für die Story sehr interessant, dass er im Rollstuhl sitzt. Nicht nur, dass es auf Barriere-Probleme des "normalen" Rollstuhlfahrers aufmerksam macht, auch schränkt es Hagedorn in seiner speziellen Arbeit immens ein. Er lässt sich aber nicht unterkriegen und macht das Beste draus. Das finde ich bewundernswert.

Im Vergleich dazu, hatte Marius Bannert leider etwas zu wenig Profil für mich. Gut gefallen hat mir der Aspekt, dass er eigentlich nicht führen und im Büro versauern will, sondern ein Praktiker, ein "Anpacker" ist - das macht ihn sympathisch. Darüber hinaus sind aber wenige andere Charakterzüge von ihm ans Licht gekommen. In einer eventuellen Fortsetzung würde ich mir hier noch etwas mehr Tiefe wünschen.

Direkt in den ersten Kapiteln, aber auch im weiteren Verlauf merkt man, dass Matthias Bürgel vom Fach kommt. Es sind vielleicht nur Kleinigkeiten, aber die Polizeiarbeit erscheint durch gewisse Aspekte sehr viel realistischer als bei einigen seiner Autorenkollegen. Wenn es um die Leichenbeschreibung geht ist allerdings vorsichtig geboten: Nichts für schwache Mägen – auch wenn ich mich da eigentlich für abgehärtet halte.

Mein größter Kritikpunkt ist leider der Schreibstil. Die Dialoge wirken zum Teil künstlich, wie ein Schauspiel, das vor dem und für den Leser aufgeführt wird. Mehr als einmal habe ich gedacht „So redet doch niemand!“. Dies verhindert die Immersion in die Geschichte leider etwas. Hinzukommen einige Ausdrücke, die sich wiederholen und Erklärungen, die für den Leser unnötig sind. Es werden sehr früh Hinweise auf den Täter eingestreut, sodass dieser leider auch recht früh bekannt ist. Bezüglich Schreibstil und Unvorhersehbarkeit sehe ich daher noch großes Verbesserungspotenzial für die Zukunft.

Ich habe mich lange Zeit schwergetan, ob ich 3 oder 4 Sterne vergebe. Die Hintergrundgeschichte des Täters und die unverbrauchte Thematik habe ich sehr begrüßt, allerdings konnten sie den Schreibstil nicht ausgleichen. Ich komme daher zu 3 von 5 Sternen, sehe aber sehr viel Potenzial in dem Autor, sodass ich für einen zweiten Teil offen wäre.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Spannung
Veröffentlicht am 16.06.2019

Eine Familie mit vielen Geheimnissen

Das Mädchen aus Mantua
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„Das Mädchen aus Mantua“ ist der Name, mit dem die junge Witwe Celestina Ruzzini in Charlotte Thomas Roman bedacht wird. Gemeinsam mit ihrer Stiefschwester ist sie nach Padua gekommen, vorgeblich um eine ...

„Das Mädchen aus Mantua“ ist der Name, mit dem die junge Witwe Celestina Ruzzini in Charlotte Thomas Roman bedacht wird. Gemeinsam mit ihrer Stiefschwester ist sie nach Padua gekommen, vorgeblich um eine Zeit bei ihren Verwandten zu leben, doch Celestina hat ganz eigene Pläne: Verkleidet als Mann will sie Zugang zur Universität erhalten und Medizin studieren.

Das Buch ist in vier Teile unterteilt, die zeitlich allerdings nahtlos ineinander übergehen. Sie beginnen mit einer ganzseitigen Zeichnung, die zunächst noch medizinischen Bezug hat, später aber eher dekorativen Charakter. Diese Teile sind regelmäßig in kurze Abschnitte unterteilt, welche ebenfalls eine kleine Grafik im Zeilenbeginn haben. Beim Lesen ist das eine angenehme Abwechslung für das Auge.

Die Kapitel sind überwiegend aus Celestinas Perspektive geschrieben, viele allerdings auch aus der eines Mannes namens Timoteo Caliari, den sie kennenlernt, sowie manche aus der ihrer und seiner Familienmitglieder. Zudem lesen wir über einen Täter und seine Opfer, denn der Roman hat – für mich absolut überraschend, einen sehr hohen und spannenden Krimianteil. Da der Klappentext selbst kein Wort dazu verrät, will ich hier nicht auf dessen Inhalt eingehen. Dieser Handlungsstrang nimmt auf jeden Fall sehr viel Platz ein und hat mir wahnsinnig gut gefallen, da er die Spannung stets hochhält, der Leser zum miträtseln eingeladen ist und ich bis zum Ende nicht wusste, wer alles dahintersteckt. Man könnte das Buch fast schon als historischen Kriminalroman titulieren – dann wäre es sicher nicht so peinlich lange auf meinem SUB verstaubt.

Eine weitere, gehörige Portion Spannung entsteht dadurch, dass scheinbar jeder in Celestinas und Timoteos Familie ein Geheimnis hat. Häufig schleicht sich nachts oder auch tagsüber jemand aus dem Haus und in den Perspektivwechseln erfährt der Leser gerade genug, um zu wissen, wer es ist, kann aber immer noch viel spekulieren, was derjenige versteckt.

Auch den Anteil an Liebesgeschichte kann ich lobend erwähnen. Ich befürchtete davon viel zu viel und zu schnulzig, aber das war nicht der Fall. Die Liebe spielte zwar von Beginn an und dauerhaft eine Rolle, aber nicht zu aufdringlich. Celestinas Medizinstudium, der Kriminalfall und die anderen Geheimnisse hatten immer einen mindestens genauso wichtigen Anteil.

Sehr gut gefallen hat mir außerdem der zeitliche Verlauf. Trotz der über 500 Seiten, war die Geschichte straff geschrieben. An den richtigen Stellen wurden Tage bis Wochen übersprungen, sodass es keine Längen oder zähe Passagen gab. Zu Beginn eines neuen Abschnitts wurde beispielsweise mit „am selben Abend“ oder „einige Wochen später“ in Kombination mit der Angabe des Monats klar bezeichnet, wie viel Zeit vergangen war, sodass der Leser die Geschehnisse gut einordnen konnte.

Etwas zwiegespalten bin ich über eine Methodik der Autorin. Im Laufe des Romans gibt es Fußnoten, die fremdartige Begriffe und vor allem lateinische Buchtitel oder Aussprüche erklären beziehungsweise übersetzen. Dadurch entfällt ein Glossar. Auf der einen Seite hat mir das gut gefallen, weil man beim Lesen historischer Romane meistens vorher nicht weiß, welche Worte im Glossar erklärt werden, dadurch zum Teil vergebens hin und her blättert und der Lesefluss somit entweder durch das Blättern oder durch die unbekannten Worte gestört wird. Im Falle der Fußnoten muss man nicht blättern und weiß sofort, dass und welche Erklärungen vorliegen. Beim Lesen empfand ich diese Unregelmäßigkeit im Schriftbild trotzdem störend, auch wenn es in Summe sicher nicht mehr als zehn Fußnoten gab. Hinzu kommt allerdings, dass ich die meisten dieser Erklärungen unnötig fand. Nicht zwingend, weil ich wusste, was es bedeutet, sondern vielmehr, weil es zum Beispiel für die Geschichte irrelevant ist, wie eine einmal erwähnte medizinische Abhandlung im deutschen heißt. Gerade für solche Fälle bietet sich ein Glossar an: Wenn man es genau wissen will, kann man nach hinten blättern, wenn nicht, kann man ungestört weiterlesen.

Wer sich das Buch aufgrund des italienischen Settings ausgesucht hat, sei außerdem gewarnt: Celestinas Lebens spielt sich so gut wie ausschließlich zwischen Universität, Krankenhaus und ihrer Unterbringung ab. Die Geschichte hätte genauso gut in einem anderen Land mit einer prestigeträchtigen Universität stattfinden können. Die italienische Kultur und Lebensweise kommen nicht wirklich zum Ausdruck.

Was mir zuletzt noch jedes Mal Freude bereitet hat, war, von bekannten Gelehrten und berühmten Medizinern zu lesen. Während Girolamo Fabrizio und William Harvey selbst in dem Roman auftreten, werden Galilei und andere Wissenschaftler zumindest erwähnt. Sehr gut wurde außerdem die damalige medizinische Ausbildung erläutert. Hier hat man wieder viel gelernt, was ich an historischen Romanen sehr schätze. Vor dem Lesen empfehle ich, sich Bilder des anatomischen Theaters in Padua anzuschauen. Das ist sehr interessant und hilft bei der Vorstellung der Romanhandlung.

Zusammenfassend haben mir vor allem der Kriminalfall und die ganzen Geheimnisse sehr gut gefallen. Ich wollte stets weiterlesen und herausfinden was passiert war. Daher komme ich zu 4 von 5 Sternen.