Profilbild von Alia-S

Alia-S

Lesejury Star
offline

Alia-S ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Alia-S über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.08.2021

Überwältigend und leidenschaftlich - was für ein toller Reihenauftakt

Boston Belles - Hunter
0

Die 18-jährige Sailor Brennan will als Bogenschützin an den nächsten olympischen Spielen teilnehmen. Sie trainiert täglich hart, hat das College deswegen verschoben und lässt sich auch nicht auf Jungs ...

Die 18-jährige Sailor Brennan will als Bogenschützin an den nächsten olympischen Spielen teilnehmen. Sie trainiert täglich hart, hat das College deswegen verschoben und lässt sich auch nicht auf Jungs ein. Aber ihr fehlt ein Sponsor, um ihren Bekanntheitsgrad zu vergrößern. Da kommt ihr das Angebot, sich für 6 Monate um den skandalträchtigen Hunter Fitzpatrick zu kümmern, gerade recht. Der Sohn aus reichem Haus ist erneut aus der Rolle gefallen und hat mit einem Sexvideo von ihm und mehreren anderen mal wieder traurige Berühmtheit erlangt. Sein Vater engagiert Sailor als Mitbewohnerin und Aufpasserin Hunters und will sich im Gegenzug um ihre Sportkarriere kümmern. Sein Sohn verpflichtet sich zu 6 Monaten Zölibat und Abstinenz. Ansonsten wird er sein Erbe verlieren. Zähneknirschend lassen sich beide auf den Deal ein.

Was für ein überwältigender Start in eine neue Reihe! L.J. Shen legt hier eine Geschichte vor, die mich in großen Teilen überwältigt hat. Mit Sailor und Hunter ist es ihr erneut gelungen, zwei Protagonisten zu kreieren, die den Leser*innen viel abverlangen. Hunter ist anfangs ein selbstgefälliger, arroganter Idiot, der es liebt, ein Frauenheld zu sein. Selten habe ich einem jungen Mann so sehr ein paar deutliche Worte sagen wollen. Natürlich spielen seine dysfunktionale Familie und das toxische Klima, in dem er aufwuchs, eine prägnante Rolle. Insofern ist seine Rebellion nachvollziehbar und es wird deutlich, dass er nur akzeptiert und geliebt werden will.

Sailor ist in einer liebenden, wenn auch etwas beängstigenden Familie mit einem in der Unterwelt bekannten Vater aufgewachsen. Mit ihrem brennenden Ehrgeiz versucht sie, andere Geheimnisse ihrer Jugend zu kompensieren. Auf den ersten Blick wirkt sie wenig fraulich und vielleicht unscheinbar, doch welch innere Stärke und Größe sie hat, wird mehr und mehr deutlich. Insofern ist sie das perfekte Gegenstück zu Hunters Eskapaden.

Wie oft schon haben wir Romane gelesen, in denen die Frau unter der harten Schale des Bad Boys seine Weichheit und Verletzlichkeit erkennt und versucht, ihn mit ihrer Liebe zu heilen. Aber was L.J. Shen daraus macht, ist ein intensives und überwältigendes Buch, das mich Wort für Wort gefesselt hat. Sie taucht tief ein in das Innere ihrer Protagonisten und bringt sie mir so nahe, als würde ich sie persönlich kennen. Normalerweise bin ich kein Fan von New Adult Romance, aber Sailor und Hunter sind vielleicht erst 18 und 19 Jahre alt und haben dennoch das, was man als „alte Seele“ bezeichnet. Es gibt ältere Erwachsene, die nicht diese Reife und Abgeklärtheit zeigen, die diese beiden jungen Menschen im Verlauf der Story erlangen.

Bei allem Drama gibt es etliche Szenen, die mich zum Lachen gebracht haben. Vor allem, wenn einige Figuren aus vergangenen Serien auftauchen. Baron „Vicious“ Spencer zum Beispiel von den Sinners of Saint stellt hier den Vater von Hunters Freund Vaughn dar. Was habe ich diese Reise geliebt! Schade, dass die Geschichte von Sailors Eltern Sparrow und Troy bisher nicht auf Deutsch veröffentlicht wurde. Das wäre vermutlich ein ebensolches Lesevergnügen wie das vorliegende Buch. Auch die hitzigen Wortgefechte zwischen Sailor und Hunter sprühen vor Angriffslust und Leidenschaft. Sailor schenkt ihm nichts und selbst wenn ich manchmal die Augen rollen musste, weil Hunter in praktisch jedem Satz eine sexuelle Anspielung versteckte, musste ich doch lächeln. Die knisternde Erotik entwickelt sich zwar langsam, aber beständig. Die unvermeidliche Explosion ist absolut heiß und passt haarscharf zu den beiden.

Ich kann es kaum erwarten, bis der nächste Band der Boston-Belles-Reihe im November erscheint. Die Geschichte von Hunters eiskaltem Bruder Willian verspricht weitere Lesefreuden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.08.2021

Die Geschichte bleibt hinter den Erwartungen und Laynes Fähigkeiten zurück

Man of the Year - Scandal Love
0

Nach zwei Amtszeiten als Bürgermeister New Yorks will Robert Davenport demnächst bei den
Wahlen zum Gouverneur antreten, um seine politische Karriere voranzutreiben. Dass er von der Presse zum „Man of ...

Nach zwei Amtszeiten als Bürgermeister New Yorks will Robert Davenport demnächst bei den
Wahlen zum Gouverneur antreten, um seine politische Karriere voranzutreiben. Dass er von der Presse zum „Man of the Year“ gekürt wurde, erhöht seine Chancen ganz sicher. Für seine Abschiedsfeier engagiert er die Eventplanerin Adeline Blake. Nicht ganz uneigennützig, hat doch sein Wahlkampfmanager herausgefunden, dass sie die Tochter des bisherigen Amtsinhabers ist. Vor Jahren war sie immer für einen Skandal gut und ein beliebtes Opfer der Paparazzi. Doch sie verschwand vom Bildschirm und nun soll Robert mit ihrer Hilfe herausfinden, wie man ihrem ungeliebten Vater so schaden kann, dass er die Wahl verliert. Nur will Robert sie nicht ohne ihr Wissen benutzen, sondern sich eine Zukunft mit ihr zusammen aufbauen.

Dafür müsste Adeline ihm aber vertrauen. Doch aufgrund der Erfahrungen mit ihrem verhassten Vater und dem ganzen Politzirkus sieht sie dafür keine Basis. Robert muss sich entscheiden, wie sein weiterer Lebensweg aussehen soll.

Dieses Buch einer von mir normalerweise sehr geschätzten Autorin lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück. Ich finde es immer wieder erfrischend, dass ihre Protagonisten nicht die üblichen Bad Boys sind, über die man in jedem zweiten Buch liest. Auch Robert ist einer der „Guten“, was in der Politik sicher ein goldenes Einhorn ist. Zumal zum Zeitpunkt meiner Lektüre gerade der New Yorker Gouverneur mit zahlreichen hässlichen Vorwürfen konfrontiert wird. Also ein brisantes und aktuelles Thema, nicht nur in den USA. Allerdings scheinen Laynes Helden damit zu weichgespült, ohne Ecken und Kanten. Am Beispiel Roberts zeigt sich, dass es natürlich schwierig ist, nicht in einer Schlammschlacht mitmischen zu wollen, um den Gegner um jeden Preis zu besiegen. Aufrichtig zu bleiben und das den Wählern auch zu vermitteln, ist vermutlich eine persönliche Grundhaltung, die viele Politiker vergessen haben. Stattdessen spielen Intrigen und Manipulationen eine zunehmende Rolle.

Adeline ist dagegen eine starke Figur, die sich nicht scheut, einer Person des öffentlichen Lebens auch mal geradeheraus ihre Meinung zu sagen. Das führt zu amüsanten Wortgefechten, geführt mit spitzer Zunge, aber ab und zu auch durchaus verletzend. Aufgrund Adelines Vergangenheit für mich absolut nachvollziehbar und nur allzu menschlich. Ihr zur Seite stehen mit ihren zwei besten Freundinnen tolle Nebencharaktere, die ihre eigenen Geschichten verdient hätten.

Wie immer bei Lauren Layne nimmt das unvermeidliche und leider auch vorhersehbare Drama gegen Ende des Buches nicht zu viel Raum ein. Hier zeigt sich wieder, wie sinnvoll es ist, wenn Menschen offen und ehrlich miteinander sprechen.

Dennoch fehlt es mir ein bisschen an allem - Chemie, Wortwitz, erotischer Anziehung, Tiefe, Spannung. Selbst wenn man nicht sehr am politischen Alltag interessiert ist, hätten der Story mehr Hintergrund und Ausarbeitung gutgetan. So bleibt alles ein wenig oberflächlich und zu schnell erzählt. Im Gedächtnis wird mir dieses Buch leider nicht bleiben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.07.2021

Kommt nicht ganz an die Vorgänger heran, dennoch lesenswert

Most Wanted Boss
0

Die schüchterne Briefträgerin Noelle soll gemeinsam mit ihren Freunden aus ihrem Wohnhaus vertrieben werden. Der Eigentümer, Malcolm Blackberg, will es abreißen lassen und einen modernen Wohnblock errichten. ...

Die schüchterne Briefträgerin Noelle soll gemeinsam mit ihren Freunden aus ihrem Wohnhaus vertrieben werden. Der Eigentümer, Malcolm Blackberg, will es abreißen lassen und einen modernen Wohnblock errichten. Alle Versuche, ihn davon abzubringen oder ihm das Haus sogar abzukaufen, sind bisher fehlgeschlagen. Noelle nimmt all ihren Mut zusammen und macht sich mit einem Video, das die Bewohner gemeinsam gedreht haben, auf dem Weg zu ihm. Sie ist fest überzeugt, ihn mithilfe dieses Films von seinem Vorhaben abzubringen. Durch eine Verwechslung hält Malcolm sie allerdings für seinen neuen Coach, der ihm Führungsqualitäten beibringen soll. Zu diesem Training wurde er nämlich von einem Gericht verpflichtet, da er einen Mitarbeiter angegriffen hat. Noelle sieht ihre Chance und nutzt sie.

Zunächst hatte ich erhebliche Mühe, in dieses Buch zu finden. Schon die ersten Kapitel fand ich staubtrocken und fast ein wenig langatmig. Verwöhnt von den ersten vier Teilen der „Most-Wanted-Reihe“, hatte ich hohe Erwartungen an diesen Band. Tief Luft geholt, nochmal gestartet und dann hat tatsächlich der Funke gezündet. Staubtrocken - ja, aber ein derart trockener Humor, dass ich aus dem Kichern nicht mehr herausgekommen bin.

Der mürrische und rücksichtslose Menschenfeind Malcolm ist ein perfekter Protagonist für eine romantische Komödie. Alle hassen ihn, also hasst er alle anderen. Oder: er hasst alle, also hassen alle ihn. Egal, wie man es dreht und wendet - er schert sich einen Dreck um andere Menschen oder deren Meinung. Und dann steht die kleine Noelle vor ihm. Ein Mädchen vom Land, eine kleine Maus, die Blusen mit Schleifen trägt (mit Igelmuster!) und ganz naiv glaubt, dass ein Video das Herz dieses Mannes erweichen kann. Und wir sprechen hier von 20 (zwanzig!) Stunden Filmmaterial…Natürlich ist das völlig realitätsfremd, denn im wahren Leben werden wirtschaftliche Interessen immer überwiegen, so traurig das auch ist.

Schön war es auf jeden Fall, einige Protagonisten der anderen Bände wiederzusehen, die sich in die Initiative der Bewohner einbringen. Wie immer bei Annika Martin sind auch die Nebenrollen gut besetzt und tragen viel zum Charme ihrer Bücher bei.

Nichtsdestotrotz hat die Geschichte ihre Längen und hätte gerne 50 Seiten weniger haben können. Auch für die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden braucht man Geduld. Natürlich müssen Held und Heldin nicht gleich auf Seite 23 miteinander ins Bett springen und es hat durchaus zu Noelles Charakter gepasst, aber ein bisschen mehr Tempo hätte es sein dürfen. Zumal mich die erotischen Szenen auch nicht umgehauen haben…Die waren so trocken wie der Humor.

Eine Gegensätze-ziehen-sich-an-Romanze, die nicht an die Vorgänger herankommt, aber dennoch gut unterhält. Wer die anderen Teile gelesen hat, sollte auch dieses hier mitnehmen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.06.2021

Frech und urkomisch, aber auch bittersüß

Sex/Life
0


B.B. Easton, Schulpsychologin, verheiratet und Mutter von zwei Kindern, ist enttäuscht über das eingeschlafene Sexualleben mit ihrem Ehemann Ken. Sie fängt an, in einem geheimen Tagebuch die Eskapaden ...


B.B. Easton, Schulpsychologin, verheiratet und Mutter von zwei Kindern, ist enttäuscht über das eingeschlafene Sexualleben mit ihrem Ehemann Ken. Sie fängt an, in einem geheimen Tagebuch die Eskapaden mit den Freunden ihrer Jugend niederzuschreiben. Bis sie im Chat mit ihrer besten Freundin Sara auf die Idee kommt, dass es ganz hilfreich wäre, wenn Ken lesen würde, was sie so schreibt. Vielleicht würde ihm das auf die Sprünge helfen. Das tut es tatsächlich, denn Ken liest heimlich mit…

Gleich vorneweg - ich habe mich köstlich amüsiert. Easton schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Offenherzig, frech, ohne jede Zurückhaltung und mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Ihr Wortwitz ist grandios, ihre Vergleiche teils zum Schreien komisch. Und ich konnte mich sooo gut selbst wieder erkennen. Die vier Männer, die sie für ihr Tagebuch heranzieht, hätten auch meine Wahl als Teenager sein können. Bis auf Ken allesamt Bad Boys, wie sie im Buche stehen - Skinhead, Punker, Heavy-Metal-Musiker. Also genau die, vor denen meine Mutter mich immer gewarnt hat und die auch schon mal Hausarrest (völlig zwecklose Erziehungsmaßnahme) oder andere Strafandrohungen mit sich brachten (genauso sinnlos, denn verliebte Teenager finden immer einen Weg).

Denen gegenüber steht der brave Ken mit einem Abschluss in Rechnungswesen, der sie völlig umhaut und den sie auch als Ehemann und Vater ihrer Kinder wählt. Trotz seiner ruhigen, manchmal regelrecht langweiligen Art, die ihn als Roboter erscheinen lässt. B.B. fragt sich immer häufiger, ob ihre Entscheidung für ihn wirklich richtig war. Dabei erwartet sie - in ihren Augen - gar nicht viel. Sinnlichere Erotik, einem Kosenamen, mal ein Kompliment, ein Tattoo mit ihrem Namen als ultimativen Liebesbeweis.

Als Ken im Verlauf der Geschichte tatsächlich aus sich herauskommt und beginnt, sich zu dem Mann zu verändern, den sie sich wünscht, muss sich B.B. fragen, ob sie wirklich auf dem richtigen Weg war. Oder ob auch sie an sich arbeiten muss und ihren Gatten so akzeptiert, wie er eben ist. Denn im Gegensatz zu ihren Ex-Freunden bietet er ihr all das, was für ein gemeinsames Leben elementar ist und Bestand haben kann.

Das ist der Punkt, an dem das Buch auch Tiefgründigkeit zeigt. Wir alle kennen sicher das Problem, mit etwas eigentlich Gutem in unserem Leben nicht zufrieden zu sein. Das Gefühl zu haben, dass da mehr sein könnte. Den Wunsch, aus Mustern auszubrechen und etwas Verrücktes zu tun. Ob das mehr Zufriedenheit bringt, lasse ich mal dahingestellt. Es könnte auch mit Bedauern enden und unwiderruflich weg sein.

Was den Spaßfaktor noch erhöht hat: B.B. hat zwei Tagebücher geschrieben. Ein etwas übertrieben geschöntes für Ken und ein geheimes, in dem sie schildert, wie es wirklich war. Da wird aus dem gut aussehenden Mann schon mal jemand mit schlechten Zähnen oder miesem Körpergeruch.

Ich habe nicht nur Tränen gelacht, sondern tatsächlich auch geweint, als Easton gegen Ende des Buches unerwartet ernst wird. Und das macht ein wirklich gutes Buch aus - alle Gefühlsebenen der Leser*innen anzusprechen.

„Sex/Life“ ist romantische Komödie, Erotikroman (ja, sehr offenherzig, aber heutzutage nicht mehr wirklich schockierend), Tagebuch und Memoiren vereint in einer Geschichte. Es könnte mit der Vielzahl an Bad Boys fast als Warnung für junge Frauen dienen. Andererseits MUSS Frau solche Erfahrungen einfach machen. Ich kann es nur weiterempfehlen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.06.2021

Fesselnde Fortsetzung der Dumont-Saga

Deluxe Love
0

Seraphine Dumont bleibt nach den Umzügen ihrer Brüder in die USA alleine in Paris zurück.
Mehr denn je ist sie davon überzeugt, dass ihr verstorbener Vater von ihrem Onkel Gautier
ermordet wurde, um das ...

Seraphine Dumont bleibt nach den Umzügen ihrer Brüder in die USA alleine in Paris zurück.
Mehr denn je ist sie davon überzeugt, dass ihr verstorbener Vater von ihrem Onkel Gautier
ermordet wurde, um das Unternehmen komplett an sich zu reißen. Zur Seite steht ihr nur ihr
Cousin Blaise, dem sie allerdings nicht vertraut. Zu sehr hat er sie in ihrer Teenagerzeit enttäuscht
und ihr Herz gebrochen. Blaise hingegen ist fest entschlossen, Seraphine zu beschützen. Selbst wenn es bedeutet, sich gegen seine verhasste Familie zu stellen.

Karina Halle spricht im Nachwort dieses Buches davon, wieviel leichter es ihr gefallen sei, diesen
zweiten Teil der Dumont-Saga zu schreiben. Und das merkt man der Geschichte deutlich an. Erneut ist es eine Mixtur aus Romanze, Drama und Action, wobei ich feststelle, dass es ihr am besten gelingt, diese Action so zu Papier zu bringen, dass ich mich wie im Kino fühle. Viele der Familiengeheimnisse, die im ersten Band eher angedeutet wurden, werden hier klarer und bestimmen Großteile der Handlung. Was da an die Oberfläche tritt, ist erschreckend. Selten
habe ich die Bösewichte eines Buches so gehasst wie hier, was zeigt, wie gut die Autorin sie kreiert hat.

Auch die Protagonisten sind besser ausgearbeitet. Seraphine und Blaise fühlen sich beide als Außenseiter. Sie passt als indischstämmige Adoptivtochter schon optisch nicht in ihre Familie und wird von ihrem Onkel und seiner Seite der Familie verächtlich und als nicht zugehörig behandelt. Dass sie sich völlig alleine und einsam fühlt, macht ihr schwer zu schaffen. Blaise ist dieses Gefühl vertraut, hat er sich doch in seiner gesamten Kindheit und Jugend so gefühlt. Mehr als einmal hat er körperliche und seelische Gewalt erfahren und sich in sich selbst zurückgezogen. Hinzu kommt die ständige Rivalität mit seinem Bruder Pascal, der auf der Seite seines Vaters zu stehen scheint. Außerdem ist es für Cousin und Cousine schwer, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen. Auch wenn sie nicht blutsverwandt sind, widerspricht ihre Anziehung doch jedem moralischen Kodex der Gesellschaft.

Gut getan hat diesem zweiten Teil auch, dass es deutlich weniger erotische Szenen gibt als zuvor. Zwar spürt man die Spannung zwischen beiden auf jeder Seite, aber sie entlädt sich erst relativ spät. Erst als Seraphine in Lebensgefahr gerät, weil sie der Wahrheit zu nahe kommt, akzeptiert sie Blaise Liebe und Unterstützung.

Karina Halle schildert überzeugend und fesselnd, wie abgrundtief böse Menschen sein können, wenn es um Geld und Macht geht. Sie verspricht im Nachwort, dass wir Pascal im letzten Teil der
Saga lieben werden. Das kann ich mir zwar beim besten Willen nicht vorstellen, aber es erhöht die Spannung und Erwartung auf jeden Fall. Zudem bin ich gespannt, ob und wie es endlich gelingen wird, Onkel Gautier zur Strecke zu bringen. Ich kann es kaum erwarten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere