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Veröffentlicht am 09.05.2026

Wenn Gold glänzt und Geheimnisse brennen

Das Geheimnis des Sonnenkönigs
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Palastflure, verbotene Säle, ein Sonnenkönig mit düsterem Geheimnis und mittendrin Marwa, die eigentlich nur tanzen will. Klingt nach Märchen? Ja. Aber nach einem, bei dem unter dem Goldstaub ordentlich ...

Palastflure, verbotene Säle, ein Sonnenkönig mit düsterem Geheimnis und mittendrin Marwa, die eigentlich nur tanzen will. Klingt nach Märchen? Ja. Aber nach einem, bei dem unter dem Goldstaub ordentlich Schmerz, Sehnsucht und Gefahr lauern.

Marwa hat mich direkt erwischt. Diese Mischung aus Dienstmagd, heimlichem Traum und körperlicher Schwäche macht sie nicht zur typischen Fantasyheldin, die mal eben mit wehenden Haaren alles niederkämpft. Sie kämpft anders. Leiser. Mit zusammengebissenen Zähnen, kaputtem Herzen und diesem sturen kleinen Funken Hoffnung, der einfach nicht ausgehen will. Genau das mochte ich sehr.

Der Sonnenkönig bringt dann natürlich diese herrliche Portion geheimnisvolle Majestät mit. Einerseits Hilfe, Wärme, Macht. Andererseits dieses Gefühl: Moment mal, Freundchen, warum bist du so nett und was versteckst du hinter deinem königlichen Glanz? Da sitzt man gedanklich schon mit hochgezogener Augenbraue im Palast und wartet darauf, dass irgendwo ein sehr teurer Vorhang Feuer fängt.

Die Atmosphäre passt wunderbar zum Genre. Opulent, märchenhaft, ein bisschen gefährlich und mit diesem 1001 Nacht Gefühl, das sofort Bilder im Kopf malt. Sand, Seide, Licht, Schatten, verbotene Räume und Herzklopfen inklusive. Für mich lebt die Geschichte vor allem von Marwas Verletzlichkeit und der Frage, ob Heilung hier wirklich ein Geschenk ist oder vielleicht doch eher eine Rechnung mit sehr fiesem Kleingedruckten.

Ein Buch für alle, die Fantasy mit Gefühl mögen, gern durch goldene Paläste schleichen und bei geheimnisvollen Königen grundsätzlich erst mal skeptisch werden. Zurecht übrigens. Das Herz sagt ja, der Kopf flüstert: Lauf lieber noch nicht barfuß ins Sonnenlicht.

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Veröffentlicht am 09.05.2026

Wenn ein stilles Leben plötzlich Geschichte erzählt

Stunden wie Tage
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Manchmal sind es nicht die lauten Heldengeschichten, die am tiefsten treffen, sondern die leisen Leben, die fast übersehen werden. Stunden wie Tage hat mich genau dort erwischt. In einem Schöneberger Mietshaus, ...

Manchmal sind es nicht die lauten Heldengeschichten, die am tiefsten treffen, sondern die leisen Leben, die fast übersehen werden. Stunden wie Tage hat mich genau dort erwischt. In einem Schöneberger Mietshaus, zwischen Treppenhaus, Kriegslärm, Alltagsgeräuschen und unausgesprochenen Ängsten, entfaltet Shelly Kupferberg eine Geschichte, die behutsam erzählt und trotzdem schwer im Herzen liegt.

Martha E. ist keine Figur, die sich in den Vordergrund drängt. Sie wirkt zunächst schlicht, sparsam, pflichtbewusst und fast unscheinbar. Doch gerade diese stille Art macht sie so eindringlich. Ich mochte, wie sich ihr Leben langsam öffnet, wie hinter der zerlumpten alten Frau nach und nach eine Vergangenheit sichtbar wird, die voller Verantwortung, Nähe und Schmerz steckt.

Besonders berührt hat mich die Verbindung zu Liane Berkowitz. Dieses junge, neugierige, lebenshungrige Mädchen, das mitten in einer grausamen Zeit Liebe, Mut und Widerstand findet, bringt Licht in die Geschichte, aber auch eine Traurigkeit, die lange nachhallt. Die wahre historische Grundlage macht das Lesen noch intensiver, weil man spürt, dass hinter diesen Seiten echte Schicksale stehen.

Der Stil ist ruhig, fein und eher zurückhaltend. Wer großes Drama erwartet, könnte den Einstieg etwas langsam finden. Für mich passte diese leise Erzählweise aber sehr gut zum Thema. Sie gibt den Figuren Würde und lässt Raum für das, was zwischen den Zeilen steht.

Stunden wie Tage ist ein bewegender, stiller und kluger Roman über Erinnerung, Menschlichkeit, Mut und darüber, wie viel Geschichte in einem einzigen Haus wohnen kann.

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Veröffentlicht am 09.05.2026

Königinnen, Kronen und verdammt viel Haltung

Königinnen zwischen Fremde und Vaterland
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Mittelalter, Königstöchter, Zwangsehen und politische Machtspiele. Klingt erstmal nach trockenem Seminarraum mit knarzenden Stühlen, entpuppt sich aber als ziemlich faszinierender Blick auf Frauen, die ...

Mittelalter, Königstöchter, Zwangsehen und politische Machtspiele. Klingt erstmal nach trockenem Seminarraum mit knarzenden Stühlen, entpuppt sich aber als ziemlich faszinierender Blick auf Frauen, die viel mehr waren als nur hübsch platzierte Figuren auf dem dynastischen Schachbrett.

Michael Borgolte erzählt von Königinnen und Prinzessinnen, die ihre Heimat verlassen mussten, um an fremden Höfen Ehen zu schließen, Bündnisse zu sichern und politische Ruhe herzustellen. Romantik? Eher selten. Machtpolitik? Jede Menge. Und genau da wird es spannend, weil diese Frauen trotz fremdbestimmter Wege nicht einfach verschwanden, sondern Einfluss gewannen, Kultur mitbrachten, Religion prägten und manchmal erstaunlich viel Bewegungsfreiheit entwickelten.

Besonders stark ist, dass hier nicht nur große Linien der europäischen Geschichte sichtbar werden, sondern auch einzelne Schicksale. Ingeborg von Dänemark, Sophia von Ungarn oder die russische Prinzessin, die sich Heinrich IV. widersetzte, bleiben nicht als Namen im Staub alter Urkunden liegen. Sie bekommen Kontur, Haltung und manchmal eine Wucht, bei der man kurz das Buch senkt und denkt: Meine Güte, was für Frauen.

Natürlich ist das kein Sachbuch für nebenbei. Man muss sich auf die mittelalterliche Welt, ihre Begriffe und Verflechtungen einlassen. Aber wer Geschichte mag, bekommt hier kein angestaubtes Königinnenalbum, sondern ein kluges, bewegendes und ziemlich aktuelles Buch über Herkunft, Fremde, Macht und Selbstbehauptung.

Für mich ein starkes Stück Geschichtsschreibung mit Kopf, Herz und ordentlich Krone im Nacken.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Wenn Mutterschaft keine einfache Antwort kennt

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Zwischen Meereslicht, Ferienhaus und flirrendem Urlaubsgefühl legt sich in diesem Roman von Anfang an etwas Unruhiges über die Seiten. Es ist diese Art von Helligkeit, die nicht wärmt, sondern alles gnadenlos ...

Zwischen Meereslicht, Ferienhaus und flirrendem Urlaubsgefühl legt sich in diesem Roman von Anfang an etwas Unruhiges über die Seiten. Es ist diese Art von Helligkeit, die nicht wärmt, sondern alles gnadenlos sichtbar macht. Linn reist mit dem Wunsch an, bald schwanger zu sein, und gleichzeitig mit einer Angst, die sich kaum greifen lässt. Der eigene Körper wird hier nicht romantisiert, sondern als Ort von Sehnsucht, Kontrolle, Zweifel und Erwartung gezeigt.

Mich hat besonders berührt, wie Dita Zipfel diese Spannung zwischen Linn und Eva erzählt. Da ist Neid, Abwehr, Faszination und irgendwann etwas, das weicher wird. Eva steht scheinbar auf der anderen Seite, als Mutter, als Frau mit Kind, mit Alltag, mit Geduld und müden Händen voller Sand. Doch je näher sich die beiden kommen, desto mehr bröckeln diese einfachen Bilder.

Der Roman fühlt sich stellenweise zart an und im nächsten Moment wieder scharfkantig. Genau das mochte ich. Es geht nicht nur um Kinderwunsch, sondern auch darum, wem Frauenkörper gehören, welche Rollen Frauen erfüllen sollen und wie still man manchmal gegen das eigene Leben ankämpft. Nicht alles ist bequem, manches ist schräg, manches verstört, aber gerade dadurch bleibt die Geschichte hängen.

Für mich ist Es ist hell und draußen dreht sich die Welt kein Roman zum gemütlichen Weglesen, sondern einer, der unter der Haut weiterarbeitet. Wütend, klug, seltsam schön und mit einer weiblichen Verbundenheit, die nicht laut sein muss, um kraftvoll zu sein.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Mondstaub, Menschheitsträume und ganz großes Staunen

Auf dem Weg zum Mond
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Manchmal reicht schon ein Blick zum Mond und plötzlich fühlt man sich wieder wie ein kleiner Junge, der viel zu lange aus dem Fenster starrt und sich fragt, was da oben eigentlich los ist. Genau dieses ...

Manchmal reicht schon ein Blick zum Mond und plötzlich fühlt man sich wieder wie ein kleiner Junge, der viel zu lange aus dem Fenster starrt und sich fragt, was da oben eigentlich los ist. Genau dieses Gefühl packt Auf dem Weg zum Mond ziemlich gekonnt am Schlafanzipfel.

Das Buch nimmt einen mit von den legendären Apollo-Missionen bis zum heutigen Artemis-Programm und macht dabei klar: Der Mond ist nicht nur romantische Deko am Nachthimmel. Der alte Kerl wird wieder richtig spannend. Und zwar so spannend, dass man beim Lesen fast erwartet, gleich selbst einen Helm aufgesetzt zu bekommen.

Besonders stark ist, dass hier nicht nur von Raketen, Technik und großen Plänen erzählt wird. Es geht auch um die Menschen dahinter. Um Astronauten, Kosmonauten, Wissenschaftler und diese ziemlich verrückte Frage: Wie bereitet man sich auf ein Leben an einem Ort vor, an dem schon der Gang zur Haustür eher nach Überlebenskurs klingt?

Die Testanlagen auf der Erde fand ich dabei besonders faszinierend. Da wird plötzlich greifbar, wie viel Planung, Mut und Wahnsinn in solchen Missionen steckt. Man liest nicht nur über den Mond, man spürt ein bisschen, wie gewaltig dieser nächste Schritt ist.

Dazu passt die typische National-Geographic-Wucht natürlich perfekt. Informativ, bildstark, neugierig machend und nie so trocken, dass man heimlich nach Kaffee Nummer drei greifen muss. Dieses Buch hat dieses schöne Gefühl von: Komm, wir gucken mal, wie Zukunft eigentlich aussieht.

Für Raumfahrt-Fans sowieso ein Treffer. Für neugierige Menschen aber genauso. Auf dem Weg zum Mond ist ein Sachbuch mit Staub an den Stiefeln, Sternen in den Augen und ordentlich Herz für das große Abenteuer Menschheit.

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