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Veröffentlicht am 22.10.2025

Werder im Blut, Humor im Herzen

Thomas Schaaf
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Werder Bremen – allein der Name klingt nach grün-weißer Leidenschaft, Weserwind und einer Bratwurst auf der Tribüne. Und mitten in diesem Fußball-Universum: Thomas Schaaf. Dieses Buch ist kein klassischer ...

Werder Bremen – allein der Name klingt nach grün-weißer Leidenschaft, Weserwind und einer Bratwurst auf der Tribüne. Und mitten in diesem Fußball-Universum: Thomas Schaaf. Dieses Buch ist kein klassischer Heldenmythos, sondern eine wunderbar bodenständige, ehrliche und witzige Reise durch vier Jahrzehnte Bundesliga-Geschichte – erzählt mit der Trockenheit, die nur Schaaf selbst so charmant hinbekommt. Daniel Cottäus, Chefreporter der „DeichStube“, hat hier keine plumpe Lobhudelei geschrieben, sondern eine echte Liebeserklärung an einen Mann, der Fußball lebt, ohne je laut zu werden.

Die Kombination aus Fakten, Anekdoten und feinem Humor trifft einfach ins Schwarze. Ich hab beim Lesen ständig zwischen Gänsehaut und Grinsen gewechselt – vor allem, wenn Schaaf über die legendären Duelle mit Rehhagel, Ailton oder Micoud plaudert. Dieses Buch riecht förmlich nach Kabinenluft, frisch gemähtem Rasen und kaltem Bier nach dem Spiel. Dabei ist es nicht nur für Werder-Fans spannend, sondern für alle, die den Fußball lieben, der noch Charakter hatte – bevor PR-Agenturen und Datenanalysten das Ruder übernahmen.

Cottäus schafft es, den Menschen hinter dem Trainer sichtbar zu machen: den leisen Anführer, der lieber Ergebnisse sprechen ließ als Schlagzeilen. Die Kapitel lesen sich flüssig, mit journalistischem Biss und viel Herzblut. Das Vorwort von Otto Rehhagel rundet das Ganze perfekt ab – König Otto adelt seinen einstigen Schüler mit Worten, die echt und verdient klingen.

Kurz gesagt: Diese Biografie ist wie ein gut gespielter Pass – präzise, überraschend und mit richtig viel Gefühl. Und dass von jedem Exemplar ein Euro an den Verein Trauerland e.V. geht, zeigt: Schaaf bleibt selbst im Ruhestand einer, der Verantwortung übernimmt. Ganz klar: 5 Sterne – weil diese Geschichte einfach „Werder pur“ ist.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Schatten zwischen Traum und Erwachen

A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2)
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Zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Traum und Realität spannt Ava Reid erneut ein poetisches Netz aus Mythen, Schmerz und Sehnsucht. Effy kehrt nach Llyr zurück, fest entschlossen, ihren Platz in einer ...

Zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Traum und Realität spannt Ava Reid erneut ein poetisches Netz aus Mythen, Schmerz und Sehnsucht. Effy kehrt nach Llyr zurück, fest entschlossen, ihren Platz in einer Welt zu finden, die Frauen noch immer skeptisch beäugt. Ihre inneren Narben sind frisch, die Erinnerungen an vergangene Schrecken allgegenwärtig. Trotzdem geht sie ihren Weg – leise, aber unbeirrbar. Und dann ist da Preston, der selbst droht, in den Tiefen seiner Träume zu ertrinken.

Was Ava Reid hier erschafft, ist keine einfache Fortsetzung, sondern eine tiefgehende Reflexion über Heilung, Identität und die Macht von Geschichten. Ihre Sprache ist so kunstvoll wie ein feiner Schleier, der sich um das Herz legt – melancholisch, aber tröstlich. Immer wieder verschwimmen Traum und Wirklichkeit, und als Leserin weiß man nicht mehr, was real ist und was sich nur im Inneren abspielt. Genau darin liegt die Magie dieses Buches: Es fordert heraus, sich auf das Ungewisse einzulassen.

Trotz der poetischen Stärke trägt die Handlung stellenweise etwas Schwere. Einige Passagen wirken träumerisch entrückt, fast zu sehr, als dass man klar greifen könnte, was geschieht. Doch vielleicht ist genau das beabsichtigt – ein Spiegel der brüchigen Psyche der Figuren. Am Ende bleibt ein Gefühl, als hätte man durch Nebel gelesen: traurig, schön, heilsam. Ein würdiger, wenn auch stiller Abschluss einer außergewöhnlich literarischen Dilogie.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Fit für Sattel, Stall und Muskelkater

Fit fürs Reiten
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Da steht man also als Papa am Reitplatz, während der Sohn lässig trabt und die Tochter elegant durchs Gelände schwebt – und man selbst überlegt, ob man beim Aufsteigen eher sich oder das Pferd verrenkt. ...

Da steht man also als Papa am Reitplatz, während der Sohn lässig trabt und die Tochter elegant durchs Gelände schwebt – und man selbst überlegt, ob man beim Aufsteigen eher sich oder das Pferd verrenkt. Genau da setzt „Fit fürs Reiten“ an. Nina Maruhn bringt mit Witz, Know-how und einem sympathischen Augenzwinkern auf den Punkt, was viele unterschätzen: Reiten ist eben kein gemütliches Sitzen auf einem Pferd, sondern Ganzkörpersport vom Feinsten!

Besonders gut gefallen hat mir, dass Maruhn nicht mit Fachchinesisch um sich wirft. Stattdessen erklärt sie locker, wie man Muskeln stärkt, Fehlhaltungen korrigiert und den eigenen Körper so einstellt, dass die Kommunikation mit dem Pferd flüssiger wird. Sogar die Ernährung bekommt ihren Platz – und nein, leider meint sie nicht Bier und Currywurst nach dem Reitturnier.

Die bebilderten Übungen sind nachvollziehbar, die Workouts gut abgestimmt und das Ganze wirkt, als hätte man seine persönliche Trainerin im Wohnzimmer. Mein Sohn hat direkt ein paar Übungen ausprobiert („Papa, du musst tiefer in die Knie!“ – danke, mein Rücken weiß es jetzt auch), und meine Tochter schwört seitdem auf die Mobility-Routine.

Ein kleiner Minuspunkt: Wer schon länger Fitness macht, hätte sich vielleicht ein paar schwierigere Varianten gewünscht. Für Einsteiger und Freizeitreiter ist es aber ideal – motivierend, humorvoll und praxisnah. Und wenn ich ehrlich bin: Nach zwei Wochen war meine Haltung beim Zuschauen auch schon besser. Fit fürs Zuschauen quasi.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Raben, Runen und richtig viel Rambazamba

Kreuzweg der Raben
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Es riecht nach kaltem Stahl, altem Blut und nassem Leder – und mittendrin steht er: Geralt, der wohl wortkargste Charmebolzen, den die Fantasy je gesehen hat. Sapkowski hat es mal wieder geschafft, mich ...

Es riecht nach kaltem Stahl, altem Blut und nassem Leder – und mittendrin steht er: Geralt, der wohl wortkargste Charmebolzen, den die Fantasy je gesehen hat. Sapkowski hat es mal wieder geschafft, mich in seine düster-verrückte Welt zu saugen. Und das, obwohl der Anfang eher nach „Hexer-Bootcamp“ klingt. Junge Hexer, harter Drill, ein Mentor mit mehr Geheimnissen als ein dunkler Magierturm – und schon ist man drin im Sumpf aus Monstern, Intrigen und Schwertgeklirre.

Was mir besonders gefällt: Dieser Band kratzt an Geralts Ursprüngen, ohne zu sehr in Selbstmitleid oder Heldentum zu verfallen. Stattdessen gibt’s deftige Sprüche, absurde Situationen und die Art von Magie, die nicht glitzert, sondern beißt. Preston Holt ist ein Mentor, den man gleichzeitig umarmen und erschlagen möchte, und Vrai Natteraven? Eine Mischung aus Schachspielerin, Sirene und wandelnder Katastrophe.

Sapkowski schreibt wie ein alter Hexer mit zu viel Met im Blut – lakonisch, bissig, mit einem Augenzwinkern. Es gibt Absätze, bei denen ich lachen musste, während gleichzeitig jemand den Kopf verliert (im wahrsten Sinne). Aber zwischen all dem Blut und Chaos steckt eben auch Philosophie: Was bedeutet es, ein Monster zu sein – oder das Monster zu jagen?

Kleine Schwäche: Einige Kapitel wirken etwas zerhackt, als hätte der Autor selbst mitten im Kampf kurz eine Pause gebraucht. Doch unterm Strich ist das wieder feinster Witcher-Stoff – roh, rau, mit Herz und Hieb. Der Großmeister zeigt, dass er’s noch draufhat, auch wenn die Serie dagegen plötzlich ziemlich blass wirkt.

Ein düsteres, dreckiges Vergnügen, das nach Metall schmeckt und nach mehr schreit.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Zwischen zwei Welten und keinem Zuhause

Wohin du auch gehst
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Ein stilles, aber intensives Buch, das leise unter die Haut geht. Fonthes erzählt mit poetischer Klarheit von Migration, Identität und dem zarten Aufbegehren gegen familiäre und kulturelle Zwänge. Bijoux ...

Ein stilles, aber intensives Buch, das leise unter die Haut geht. Fonthes erzählt mit poetischer Klarheit von Migration, Identität und dem zarten Aufbegehren gegen familiäre und kulturelle Zwänge. Bijoux ist eine Figur, die sich vorsichtig aus der Enge ihrer Herkunft löst – und doch nie wirklich ankommt. Zwischen London und Kinshasa, zwischen Vergangenheit und Zukunft, sucht sie nach einem Ort, an dem sie einfach sie selbst sein darf.

Was mich besonders berührt hat, war die Zerrissenheit zwischen Schuld und Sehnsucht, Liebe und Verlust. Der Roman entfaltet seine Kraft nicht in lauten Momenten, sondern in den Zwischentönen – in Blicken, Erinnerungen und ungesagten Worten. Fonthes schreibt mit einer Sensibilität, die fast weh tut, und gleichzeitig mit der Dringlichkeit einer jungen Frau, die wissen will, wer sie wirklich ist.

Manchmal blieb mir der Text etwas zu zurückhaltend, fast zu behutsam, wo ich mir mehr emotionale Wucht gewünscht hätte. Doch gerade diese Zurückhaltung macht ihn auch glaubwürdig und echt. „Wohin du auch gehst“ ist kein Roman, den man einfach weglegt. Er begleitet einen – wie das Gefühl einer Stadt, die nie ganz zur Heimat wurde, oder einer Liebe, die zu gefährlich war, um sie auszusprechen.

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