Zwischen Mondlichtgasse und Selbsterkenntnis
Der Laden in der MondlichtgasseEin Laden, der nur zwischen Vollmond und Neumond auftaucht? Ja, klingt erstmal wie der perfekte Ort, um nach Mitternacht Schokolade und Lebensweisheiten zu shoppen. Zwischen Fuchsgeistern, Süßigkeiten ...
Ein Laden, der nur zwischen Vollmond und Neumond auftaucht? Ja, klingt erstmal wie der perfekte Ort, um nach Mitternacht Schokolade und Lebensweisheiten zu shoppen. Zwischen Fuchsgeistern, Süßigkeiten mit Wunderwirkung und gebrochenen Herzen verteilt Hiyoko Kurisu hier eine geballte Dosis japanischer Seelenpflege – hübsch verpackt in sechs kleinen Geschichten, die alle nach Zucker duften und sich anfühlen wie ein warmes Bad für überforderte Alltagshelden.
Der Laden in der Mondlichtgasse hat was von einem literarischen Entspannungsbad. Nach dem ersten Kapitel war klar: Das hier ist kein Buch, das man schnell wegliest – das ist eins, das man langsam lutscht, wie so eine teure Praline, bei der man sich nicht sicher ist, ob sie zu süß oder genau richtig ist. Die Atmosphäre? Herrlich ruhig, irgendwie flirrend magisch, mit einem Hauch Melancholie. Ich mochte diesen Vibe – wie ein Spaziergang durch eine Gasse, die eigentlich gar nicht existieren dürfte.
Nur irgendwann merkte ich, dass jede Geschichte sich ein bisschen anfühlt wie Déjà-vu. Mensch mit Problem, magische Süßigkeit, Lebenslesson. Und zack, fertig ist die Heilung. Klar, das ist Teil des Charmes, aber nach der vierten Praline weiß man: Zucker bleibt Zucker. So schön das Setting ist, so sehr wünschte ich mir zwischendurch mal eine saure Gurke zur Abwechslung.
Trotzdem: Es hat was. Dieses Gefühl, dass jemand da draußen Fuchsohren hat und dir eine Süßigkeit reicht, wenn du selbst nicht mehr weißt, was du brauchst. Für alle, die japanische Romane lieben, Tee trinken statt Energy Drinks und lieber Trost als Tempo wollen, ist das hier ein kleines Geschenk. Kein Must-Read, aber ein stilles, feines Buch für Momente, in denen das Leben mal kurz Pause machen darf.