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Veröffentlicht am 23.10.2025

Zwischen Mondlichtgasse und Selbsterkenntnis

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Ein Laden, der nur zwischen Vollmond und Neumond auftaucht? Ja, klingt erstmal wie der perfekte Ort, um nach Mitternacht Schokolade und Lebensweisheiten zu shoppen. Zwischen Fuchsgeistern, Süßigkeiten ...

Ein Laden, der nur zwischen Vollmond und Neumond auftaucht? Ja, klingt erstmal wie der perfekte Ort, um nach Mitternacht Schokolade und Lebensweisheiten zu shoppen. Zwischen Fuchsgeistern, Süßigkeiten mit Wunderwirkung und gebrochenen Herzen verteilt Hiyoko Kurisu hier eine geballte Dosis japanischer Seelenpflege – hübsch verpackt in sechs kleinen Geschichten, die alle nach Zucker duften und sich anfühlen wie ein warmes Bad für überforderte Alltagshelden.

Der Laden in der Mondlichtgasse hat was von einem literarischen Entspannungsbad. Nach dem ersten Kapitel war klar: Das hier ist kein Buch, das man schnell wegliest – das ist eins, das man langsam lutscht, wie so eine teure Praline, bei der man sich nicht sicher ist, ob sie zu süß oder genau richtig ist. Die Atmosphäre? Herrlich ruhig, irgendwie flirrend magisch, mit einem Hauch Melancholie. Ich mochte diesen Vibe – wie ein Spaziergang durch eine Gasse, die eigentlich gar nicht existieren dürfte.

Nur irgendwann merkte ich, dass jede Geschichte sich ein bisschen anfühlt wie Déjà-vu. Mensch mit Problem, magische Süßigkeit, Lebenslesson. Und zack, fertig ist die Heilung. Klar, das ist Teil des Charmes, aber nach der vierten Praline weiß man: Zucker bleibt Zucker. So schön das Setting ist, so sehr wünschte ich mir zwischendurch mal eine saure Gurke zur Abwechslung.

Trotzdem: Es hat was. Dieses Gefühl, dass jemand da draußen Fuchsohren hat und dir eine Süßigkeit reicht, wenn du selbst nicht mehr weißt, was du brauchst. Für alle, die japanische Romane lieben, Tee trinken statt Energy Drinks und lieber Trost als Tempo wollen, ist das hier ein kleines Geschenk. Kein Must-Read, aber ein stilles, feines Buch für Momente, in denen das Leben mal kurz Pause machen darf.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Reiten im Kopf und im Körper – mehr als nur ein Sitztraining

RIDER'S HIGH
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„Fliegende Hufe, denkender Körper“ — so ungefähr könnte man den Ansatz von RIDER’S HIGH zusammenfassen. In diesem Buch nimmt Isabelle von Neumann-Cosel dich mit auf eine Reise: von dem prickelnden Moment, ...

„Fliegende Hufe, denkender Körper“ — so ungefähr könnte man den Ansatz von RIDER’S HIGH zusammenfassen. In diesem Buch nimmt Isabelle von Neumann-Cosel dich mit auf eine Reise: von dem prickelnden Moment, wenn du mit deinem Pferd und deinem eigenen Körper in einen Flow-Zustand kommst, bis hin zu den wissenschaftlichen Hintergründen – Biomechanik, Neurotraining – und wie all das zusammenspielt, damit Reiten nicht nur funktioniert, sondern sich richtig gut anfühlt.

Ich muss gestehen: Ich war skeptisch. Ist das alles nicht ein bisschen „Wellness fürs Reiten“? Doch das Buch überzeugt auf eine überraschend solide Art: Es zeigt, warum Sitz und Einwirkung nicht nur Technik sind, sondern Wahrnehmung, Gehirn und Körper-Koordination. Meine beiden Pferdekinder fanden es sehr interessant – und das heißt etwas, denn sonst sind sie eher für Heu und Galopp zu begeistern als für Theorie.

Der Stil ist angenehm: locker, manchmal frech („Ja, dein Sitz ist heimlich ein DJ-Pult für dein Gehirn“) – aber immer respektvoll und fachlich fundiert. Die Kapitel springen nicht ins Esoterische, sondern bleiben im Reinen: so kannst du gleich mitdenken und mitspüren. Besonders gefallen haben mir die Abschnitte über wann und wie Flow auftauchen kann – nicht erzwungen, aber vorbereitet wird er.

Ein kleiner Wermutstropfen: Für absolute Anfänger ohne irgendeinen Sitz oder Pferdekontakt kann das eine kleine Hürde sein – manche Begriffe werden vorausgesetzt, und Fotos/Grafiken hätte ich noch mehr gewünscht. Auch die Tiefe einiger neuro-biomechanischer Abschnitte kann den einen oder anderen etwas überfordern, wenn man eigentlich nur „einfach besser reiten“ will. Trotzdem: Der Mehrwert ist da.

Fazit: Wer ein gutes Mittel- bis Fortgeschrittenenbuch für Reiter sucht, die verstehen wollen, wie Reiten sich anfühlt und warum, der liegt hier richtig. Für „nur mal ein Buch über Reiten“ vielleicht etwas mehr Tiefgang als nötig – aber genau das macht es aus. Ich gebe dem Buch 4,0 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Ein literarisches Jahr voller Entdeckungen

Das Jahr in Büchern. Literaturtipps für jeden Tag
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Ein leiser Wind zieht durch meine Bücherregale, öffnet all die verborgenen Ecken – genau so fühlte sich das Durchblättern dieses Buches an. Der Autor nimmt mich mit auf einen literarischen Spaziergang, ...

Ein leiser Wind zieht durch meine Bücherregale, öffnet all die verborgenen Ecken – genau so fühlte sich das Durchblättern dieses Buches an. Der Autor nimmt mich mit auf einen literarischen Spaziergang, Tag für Tag, dabei halte ich immer wieder inne und atme bewusst ein: Welche empfohlene Lektüre verbirgt sich heute hinter dem Datum? Und oft denke ich: Ja, daran hätte ich längst wieder denken sollen. Mit 366 Tipps, die jeweils Bezug nehmen auf das Datum oder die Jahreszeit, gelingt Rainer Moritz eine behutsame Einladung in die Welt der Literatur, die mich zugleich überrascht und vertraut stimmt.

Ich spürte in mir die Freude darüber, wie die Auswahl mal Klassiker, mal überraschende Kleinode umfasst – Gedichte, Theaterstücke, Romane – und wie jeder Eintrag einen kleinen Impuls setzt: ich blättere, ich notiere, ich entdecke. Es ist kein Buch, das man einfach „durchliest“, sondern eines, das ein ganzes Jahr begleiten könnte – ein stiller Begleiter, der anregt, die eigenen Regale neu zu betrachten oder die Bibliothek zu durchstreifen.

Und doch gibt es einen kleinen Haken: Manchmal wirkt die Verbindung zum konkreten Datum eher verspielt als zwingend, und wenn man wenig Zeit hat, fühlt sich das „Tipp-für-jeden-Tag“-Format ein wenig ambitioniert an. Dennoch überwiegt das Gefühl des Miteinander-Lesens, des intuitiven Stöberns und der literarischen Freiheit.

Ich gebe dem Buch 4,0 von 5 Sternen. Es verführt, öffnet Horizonte, und genau das liebe ich – deshalb lohnt es sich. Wer Bücher liebt und gern Neues entdecken möchte, wird hier ein schönes Geschenk finden. Und ich nehme mir vor: Ein kleiner Tipp pro Tag – vielleicht genau was ich brauche.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Ein Buch wie ein Gehirnmarathon – aber lohnend

Erzählte Welt
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Kein Buch für den schnellen Seitenhunger zwischendurch – das hier ist ein richtig großes Brett. Steffen Martus serviert in Erzählte Welt kein Häppchen, sondern ein literarisches Buffet, bei dem man sich ...

Kein Buch für den schnellen Seitenhunger zwischendurch – das hier ist ein richtig großes Brett. Steffen Martus serviert in Erzählte Welt kein Häppchen, sondern ein literarisches Buffet, bei dem man sich manchmal fragt, ob man noch Platz hat oder schon längst satt ist. Aber verdammt, es schmeckt gut – wenn man was mit Literatur, Gesellschaft und Geschichte anfangen kann.

Martus zieht eine Linie von 1989 bis heute, und wer da denkt, das sei trocken, hat weit gefehlt. Hier fliegen die Geistesblitze: Christa Wolf, Handke, Walser, Grass – jeder bekommt seinen kleinen Auftritt im Theater der deutschen Literaturgeschichte. Und ich sitze da, Kaffee in der Hand, und nicke so oft, dass mein Nacken knackt. Literatur als Spiegel der Gesellschaft? Jawohl. Martus hat’s verstanden – und bringt’s mit Wucht.

Allerdings: Das Buch will was von dir. Es liest sich nicht nebenbei zwischen Mails und Mittagspause. Wenn du hier reinsteigst, brauchst du Konzentration, Geduld und vielleicht einen zweiten Kaffee. Der Stil ist klug, manchmal zu klug, fast akademisch. Ich hab zwischendurch gedacht: „Komm schon, Steffen, ein bisschen lockerer geht doch!“ Aber dann kommt wieder ein Absatz, der mich komplett packt – so ein Satz, der alles erklärt, was in der Welt grad schiefläuft.

Was mich begeistert hat: Diese Verbindung aus Literatur, Medien, Politik und Zeitgeist. Wie er zeigt, dass Bücher nicht einfach Bücher sind, sondern Teil einer großen gesellschaftlichen Maschine. Da wird die Popliteratur plötzlich zur Diagnose unserer Gegenwart, Amazon zum Kulturphänomen, und Schriftsteller zu Influencern avant la lettre.

Fazit: Ein wuchtiges, kluges, aber manchmal schweres Buch. Kein Lesesnack, sondern ein intellektuelles Workout. Ich schwitzte beim Lesen – aber hey, es hat sich gelohnt. 4 Sterne, weil’s groß ist, wichtig ist, aber manchmal auch einfach zu verkopft. Trotzdem: Wer wissen will, was deutsche Literatur über uns alle verrät – der sollte sich dieses Monster schnappen.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Werder im Blut, Humor im Herzen

Thomas Schaaf
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Werder Bremen – allein der Name klingt nach grün-weißer Leidenschaft, Weserwind und einer Bratwurst auf der Tribüne. Und mitten in diesem Fußball-Universum: Thomas Schaaf. Dieses Buch ist kein klassischer ...

Werder Bremen – allein der Name klingt nach grün-weißer Leidenschaft, Weserwind und einer Bratwurst auf der Tribüne. Und mitten in diesem Fußball-Universum: Thomas Schaaf. Dieses Buch ist kein klassischer Heldenmythos, sondern eine wunderbar bodenständige, ehrliche und witzige Reise durch vier Jahrzehnte Bundesliga-Geschichte – erzählt mit der Trockenheit, die nur Schaaf selbst so charmant hinbekommt. Daniel Cottäus, Chefreporter der „DeichStube“, hat hier keine plumpe Lobhudelei geschrieben, sondern eine echte Liebeserklärung an einen Mann, der Fußball lebt, ohne je laut zu werden.

Die Kombination aus Fakten, Anekdoten und feinem Humor trifft einfach ins Schwarze. Ich hab beim Lesen ständig zwischen Gänsehaut und Grinsen gewechselt – vor allem, wenn Schaaf über die legendären Duelle mit Rehhagel, Ailton oder Micoud plaudert. Dieses Buch riecht förmlich nach Kabinenluft, frisch gemähtem Rasen und kaltem Bier nach dem Spiel. Dabei ist es nicht nur für Werder-Fans spannend, sondern für alle, die den Fußball lieben, der noch Charakter hatte – bevor PR-Agenturen und Datenanalysten das Ruder übernahmen.

Cottäus schafft es, den Menschen hinter dem Trainer sichtbar zu machen: den leisen Anführer, der lieber Ergebnisse sprechen ließ als Schlagzeilen. Die Kapitel lesen sich flüssig, mit journalistischem Biss und viel Herzblut. Das Vorwort von Otto Rehhagel rundet das Ganze perfekt ab – König Otto adelt seinen einstigen Schüler mit Worten, die echt und verdient klingen.

Kurz gesagt: Diese Biografie ist wie ein gut gespielter Pass – präzise, überraschend und mit richtig viel Gefühl. Und dass von jedem Exemplar ein Euro an den Verein Trauerland e.V. geht, zeigt: Schaaf bleibt selbst im Ruhestand einer, der Verantwortung übernimmt. Ganz klar: 5 Sterne – weil diese Geschichte einfach „Werder pur“ ist.

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