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Veröffentlicht am 07.11.2019

„Es ist was, das ich tun muss"

Ein anderer Takt
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1957, die beschauliche Kleinstadt Sutton im Süden Amerikas. Die weißen Farmer treffen sich, wie fast immer, in dem kleinen Lebensmittelladen. Die Männer stehen beieinander, trinken Bier und reden über ...

1957, die beschauliche Kleinstadt Sutton im Süden Amerikas. Die weißen Farmer treffen sich, wie fast immer, in dem kleinen Lebensmittelladen. Die Männer stehen beieinander, trinken Bier und reden über dies und das, als ein Lastwagen, beladen mit Salz nach dem Weg zur Tucker-Farm fragt. Die Männer geben Auskunft und sind erstaunt, was Tucker, der schwarze Farmer, mit so viel Salz vorhat. Sie machen sich kurze Zeit später selber auf den Weg zur Farm.
Tucker ist inzwischen dabei, das Salz auf seinem Feld auszubringen, wie eine Saat im Frühjahr. Die angereisten Zuschauer sitzen auf seinem Zaun und diskutieren darum, wie sie den Mann dabei aufhalten könnten, sein Land zu zerstören. Als das Salz ausgebracht ist, geht Tucker in den Stall, holt seine Tiere heraus und erschießt sie. Zum Schluss, zündet er sein Haus an. Zusammen mit seiner Frau und seinem Kind verlässt er, während die Zuschauer immer noch auf seinem Zaun sitzen, zu Fuß die Stadt.
Das ist allerdings erst der Anfang. Denn nachdem die Tucker-Familie die Stadt verlassen hat, beginnen sämtliche Afroamerikaner den Landkreis zu verlassen. Die Weißen sehen dabei nur zu und wissen damit nicht umzugehen.

In dem Roman kommen mehrere Personen zu Wort. Und immer ist es, als würden die Erzähler etwas verloren haben, dass sie am Ende wiederfinden. Das Verlorene ist, dass sie vergessen haben auf ihre Intuition, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Immer machen sie sich Gedanken darum, ob das der richtige Weg wäre und am Ende hängen sie fest, fühlen sich versteinert und unbeweglich. Sie hätten es einfach machen können.

„Jeder kann seine Ketten abstreifen“ (Seite 147)

Man muss sich nur aus seinen Zwängen befreien…
Immer wieder wird der Konflikt Schwarz-Weiß in dem Buch zum Thema. Doch ist es, für mich, nicht das Grundthema. Das Ende finde ich grausam, wie es in diesen Landstrichen üblich war. Aber das beschreibt wieder den Sarkasmus des Autors. Eben noch schrieb er darüber, dass man sich befreien kann, und im nächsten Moment wird man dafür bestraft, dass man es tat.

„Vielleicht haben wir den Glauben an uns selbst verloren. Wenn wir etwas tun müssen, tun wir‘s nicht einfach, sondern denken darüber nach; wir denken an all die Leute, die sagen, dass man bestimmte Dinge nicht tun soll. Und wenn wir dann darüber nachgedacht haben, tun wir‘s einfach nicht.“

Ein anderer Takt, ist für mich ein absolut satirischer Roman. Doppeldeutigkeit und schwarzer Humor stehen in jeder Sicht, im Vordergrund.

Jessica Kelley, sagte über ihren Vater, dass er für seine experimentelle Prosa und seine satirische Darstellung der Rassenbeziehung in den Vereinigten Staaten bekannt war. William Melvin Kelley, der 1937 auf Staten Island geboren wurde, lebte einige Zeit in New York, Paris und Jamaika, um 1977 wieder in die Staaten zurück zu kehren. Kelley wurde klar, dass die Gerichte in seinem Land Amerika sich niemals vom Staat lösen können. Sie sprechen ihre Urteile in Abhängigkeit zum Staat. Zu diesem Schluss kam er, als er in der erster Reihe den Fall Malcolm X beobachtete.
William Melvin Kelley 1937 geboren, schrieb viele Kurzgeschichten und war Dozent für Kreatives Schreiben am Sarah Lawrence College. Aber nicht nur das Schreiben faszinierte ihn. Er war auch ein begeisterter Fotograf und drehte Kurzfilme. A Different Drummer (Ein anderer Takt) veröffentlichte William Melvin Kelley 1962, als seinen Debütroman. Er starb 2017 in Harlem.

Eines muss ich noch los werden! Ich habe dieses Buch als Ebook gelesen und habe wieder einmal feststellen müssen, dass Bücher sich anders lesen. Ich habe mir den Roman bei meinem Buchdealer angesehen. Die Sätze lasen sich anders und das Vorwort beim Ebook, war im Papierbuch ein Nachwort. Auch die Seiten sahen wesentlich angenehmer proportioniert aus. Warum das so ist, da habe ich keine Ahnung. Tatsächlich tendiere ich doch mehr zum echten Buch.

Veröffentlicht am 05.11.2019

Was hat die Nebelfee mit dem Einhorn zu schaffen?

Nebelfee
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Wer wünscht sich nicht gern etwas? Vor allem, wenn Sternschnuppen vom Himmel fallen. Frida und Charlie, zwei mutige kleine Mädchen gehören auch zu den Wünschern. Als sie mit ihren Eltern, nachts auf einem ...

Wer wünscht sich nicht gern etwas? Vor allem, wenn Sternschnuppen vom Himmel fallen. Frida und Charlie, zwei mutige kleine Mädchen gehören auch zu den Wünschern. Als sie mit ihren Eltern, nachts auf einem Feld die Sternschnuppen betrachten, wollen sie sich auch etwas wünschen. Aber auf die Schnelle, fällt ihnen nichts ein. Erst als sie später im Bett liegen, kichern sie vor sich hin und wünschen sich ein Einhorn. Aber nicht einfach irgendeines. Vor lauter Albernheiten wird es ein besonderes Einhorn, ein pupsendes, stinkendes, ungeschicktes und winziges Einhorn. Aber so einfach ist das nicht, mit dem Wünsche-erfüllen. Der Wunsch dauert etwas, aber dann, mitten in der Nacht, taucht das stinkepupsige Einhorn auf. Haben die Mädchen sich verwünscht? Und nicht nur das. Eine Schildkröte und ein Weltenwurm, verhelfen den Mädchen zum Eintritt in eine Fantasiewelt. Sie erleben Abenteuer, treffen Fantasietiere, finden die Nebelfee, einen sprechenden reimenden Fuchs und überwinden ihre Ängste. Am Ende, wird, wie sollte es anders sein, alles wieder gut, und die Kinder finden in ihr zu Hause zurück.

Dennis Zemella hat einen schönen fantasiereichen Kinderroman geschrieben. Es finden sich auch immer wieder schöne (handgemalte !) Schwarz- Weiße- Bilder auf den Seiten, die dem Leser ein wenig, mit seiner eigenen Fantasie, auf die Sprünge helfen. Wie könnte man sich sonst einen Weltenwurm vorstellen. Oder, wie schön die Nebelfee sein könnte. Auch wenn die Abenteurerinnen Mädchen sind, können sich kleine Kerle mit den Abenteuern identifizieren.
Ich fand die Geschichte recht unterhaltsam und musste ein ums andere Mal schmunzeln. Dennis Zamella kommt nicht an einen Tolkien heran, aber seine Ideen um die Nebelfee und das pupsende, stinkige Winzlingeinhorn, haben mir gefallen. Für kleine Leute ab sieben ist das bestimmt eine schöne Abenteuer-Fantasie-Geschichte. Und wer zu faul zum lesen ist, der kann sich diese Geschichte sicherlich auch gut vorlesen lassen damit das stinkepupsige Einhörnchen, in den Kinder-Träumen herum springt. Auch die Vorleser werden ihren Spaß haben.

Veröffentlicht am 03.11.2019

mit anderen Augen

Das Versprechen des Bienenhüters
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Nuri, der Bienenhüter und Afra, seine Frau, sind auf ihrer Flucht in England angekommen. In einem Land, dass sie nicht kennen, das ihnen Fremd ist, mit seinen Menschen und deren Leben und Gepflogenheiten. ...

Nuri, der Bienenhüter und Afra, seine Frau, sind auf ihrer Flucht in England angekommen. In einem Land, dass sie nicht kennen, das ihnen Fremd ist, mit seinen Menschen und deren Leben und Gepflogenheiten. Nuri hofft, seinen Cousin in England zu treffen. Mit ihm zusammen wieder Bienen zu züchten. Denn Nuri war/ist ein Bienenhüter. Er versteht die kleinen pelzigen Honigsammler. Noch nie ist er ernsthaft von einer Biene gestochen worden. Das Leben hat ihm da schon übler mitgespielt. Er hat seinen Sohn verloren, in seinem Heimatland Syrien. In einer Stadt, die es zwar noch auf Landkarten gibt und Aleppo genannt wird, aber in Wirklichkeit nur noch aus Häusergerippe und staubigen, zerbombten Straßen besteht. Afra, seine Frau hat früher, vor dem Krieg, Bilder gemalt. Wunderschöne Bilder. Ihre Kunst wurde bewundert. Aber nun ist ihr Blick leer, sie kann tatsächlich, seit dem Tod ihres kleinen Jungen, nichts mehr sehen. Sie lebt in ihrer dunklen Welt. Still und schweigsam ist sie geworden.
Auf ihrer Flucht, weg von dem Grab ihres kleinen Sohnes, hat das Paar einiges erlebt, das die Liebe zueinander auf eine harte Probe gestellt hat. Und das Leben in dem fremden Land, stellt sie erneut vor Probleme.

„Sie hat diesen Ausdruck im Gesicht, … Er verleiht meiner Traurigkeit Substanz, macht sie spürbar, wie ein Pulsieren, aber es jagt mir auch Angst ein, Angst vor dem Schicksal und vor dem Zufall, vor Verletzung und Leid, vor der Willkür des Schmerzes und vor dem Wissen dass das Leben einem von einem Moment zum nächsten alles nehmen kann. ...“ (Seite 128)

Christy Lefteri schreibt ihren Roman in etwas eckiger Weise. Es fällt nicht immer leicht dem Verlauf zu folgen. Aber vermutlich spiegelt der Text, das Chaos im Kopf des Erzählers Nuri, dem Bienenhüter, wieder. Manchmal verfängt man sich in einem Traum des Erzählers. Und dann schwimmt man wieder mit ihm und seiner Frau auf einem Meer, oder streift durch die zerstörte Stadt Aleppo. Erst beim Lesen wurde mir bewusst, unter welchen Umständen die Menschen, die den Krieg nicht wollten, leben müssen und wie schwer est ist, seine Heimat verlassen zu müssen wollen. Alle Bilder, die ich schon gesehen habe, waren nichts gegen die Worte der Schriftstellerin. Ab und zu musste ich schwer schlucken, bevor ich weiterlesen konnte. Nie wieder werde ich einen Geflüchteten ansehen können, ohne die Geschichte des Bienenhüters im Hinterkopf zu haben. Welche Schwierigkeiten diese Menschen auf sich nehmen, um in Frieden leben zu können. Was haben diese Menschen auf der Flucht erlebt, das ihr Ankommen in den friedvollen Ländern, nicht einfach macht?

Veröffentlicht am 03.11.2019

Kein Teil der Welt

Kein Teil der Welt
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Wenn man kein Teil der Welt ist, dann gehört man wohl nicht zum normalen Leben dazu. In diesem Buch von Stefanie De Valesco geht es um zwei pubertierende Mädchen, die in einer besonderen Gemeinschaft groß ...

Wenn man kein Teil der Welt ist, dann gehört man wohl nicht zum normalen Leben dazu. In diesem Buch von Stefanie De Valesco geht es um zwei pubertierende Mädchen, die in einer besonderen Gemeinschaft groß werden. Die der Zeugen Jehovas. Und da gehört man eben nicht zu der normalen Bevölkerung. Die Menschen in dieser Glaubensgemeinschaft grenzen sich selber aus und warten auf Harmagedon, auf das Ende der Welt und nur eine geringe Anzahl Gläubiger werden im Paradies leben. So lange glaubt man an das, was in ihrer Bibel steht.

Soweit so gut.
Unsere Mädchen werden also bei den Zeugen Jehova groß, halten artig ihre Bibelstunden und Treffen im Königreichssaal ab. Sie befolgen die Gesetze, die die Gemeinschaft festgelegt hat und glauben an Jehova. Satan ist in fast allem Weltlichen. Geburtstage, Weihnachten und co werden nicht gefeiert. Aber die Mädchen werden erwachsen und gehen zudem in eine weltliche Schule, treffen dort andere Jugendliche, die sie wegen ihrem Glauben zeitweise sogar aufziehen. Und dann passiert es, dass sich eines der Mädchen auch noch in einen Weltlichen verliebt. Plötzlich fangen die Freundinnen an zu hinterfragen. Stimmt denn das alles was die Brüder und Schwestern ihnen da die ganze Zeit erzählen? All das hat am Ende fatale Folgen.

Die Erzählerin,
ist Esther, eine der beiden Mädchen. Sie erzählt in einer recht bildhafter Weise von ihrem Leben und ihrer Freundschaft mit Sulamith. Sulamith ist diejenige, die sich besonders von der Glaubensgemeinschaft abkehrt. Lidia, Sulamiths Mutter, kommt damit gar nicht klar und hat Angst, dass ihre Tochter aus der Vereinigung ausgeschlossen würde. Was heißen würde, dass keiner mehr mit dem Mädchen redet, sie förmlich unsichtbar wäre. Esther ist hin und her gerissen. Einerseits bemerkt sie auch Unstimmigkeiten in ihrem Leben, trotzdem weiß sie nicht, wie sie sich daraus befreien könnte. Die große Gemeinschaft ist gleichzeitig eine Familie, die füreinander da ist. Erst als Sulamith aktiv wird, fängt auch Esther an „aufmüpfig“ zu werden.

Was mich bewegt hat
Mich hat das Buch sehr bewegt. Die beiden Mädchen leben in einer Welt, die ich so nicht kenne. Welche Gesetze die Glaubensschwestern und -brüder befolgen müssen, musste ich erst einmal erforschen. Kritisch las ich, was ich im Internet über die Zeugen Jehova fand. Ein Glauben, den ich nur von den Hausierern und Zeitungsverteilern in meiner Stadt kenne. Einerseits sah ich tatsächlich Positives in der Glaubensgemeinschaft. Aber immer wieder stieß ich auf Dinge, die ich nicht gutheißen mag. Am Ende ist aber jeder für sich selbst verantwortlich. Nur sind es wieder die Kinder, die in den Glauben gepresst werden. Eine eigene Entscheidung ist nur möglich, wenn sie sich von ihrer Familie abkehren. Und wer hat schon die Stärke auf seine Lieben gänzlich zu verzichten?

Veröffentlicht am 12.03.2019

Ein Buch gegen die Angst

Klara & Delfi
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Klara & Delfi
Ein Kinderbuch gegen die Angst
Klara ist 10 Jahre alt und hat einen besonderen Freund. Einen Delphin! Delfi hatte einen Unfall als Jungtier und wurde durch Klara gerettet. Die Beiden sind ...

Klara & Delfi
Ein Kinderbuch gegen die Angst
Klara ist 10 Jahre alt und hat einen besonderen Freund. Einen Delphin! Delfi hatte einen Unfall als Jungtier und wurde durch Klara gerettet. Die Beiden sind ein tolles Team und haben viel Spaß miteinander. Ein Problem bleibt aber. Delfi Hat Angst in die Tiefe zu tauchen. Aber Klara hat eine wundervolle Idee und erzählt ihrem schwimmenden Freund eine Geschichte, die ein Kopfkino bei dem Meeresbewohner auslöst …

Jeder von uns hat vor neuem Angst. Die meisten, können sich überwinden und nehmen sich einfach ein Herz und sehen was am Ende heraus kommt. Aber manchmal macht unser Kopf einfach alles zunichte, weil wir uns Schlechtes vorstellen. So geht es auch dem kleinen Delphin. Klara weiß eine Geschichte zu erzählen, die dem Freund die Angst nimmt.
Corinna Möhrke hat ein hübsches Buch geschrieben, das bestimmt einigen „Angsthasen“ ein wenig die Furcht nimmt. Das Zauberwort heißt Kopfkino ( und das kann eine Menge in uns auslösen!). Der Text ist einfach geschrieben und selbst kleine Hasenfüße können ihn bestimmt verstehen. Leseanfänger werden mit den großen Buchstaben und den kurzen Texten, ihr Leseverständnis trainieren und dabei ihren Bammel reduzieren. Kleine hübsche Bilder aus dem Meer machen obendrein Laune, das Buch zu lesen. Die 55 Seiten sind für einen Lesenden, schnell verschlungen.
Ich selber habe mit dem Delphin und dem kleinen Mädchen mitgefiebert und war tatsächlich ganz stolz auf den Meeresbewohner, dass er seine Angst am Ende überwunden hat.
Corinna Möhrke hat einige Erfahrung mit Ängsten. Sie ist Heilpädagogin, systemische Familienberaterin und Mutter. Sie hat den Begriff der Canepädagogik (Tiergestützte Pädagogik) entwickelt und das zugrundeliegende Konzept innerhalb ihres Studiums ausgearbeitet. Sie arbeitet mit sogenannten „verhaltensauffälligen“ Kinder und Jugendlichen im Umgang mit ihren Hunden. Sie hat dieses Buch in ihrem eigenen Verlag veröffentlicht. Ein kleines Interview mit der Autorin findest du hier auf dem Blog von Tina liest vor