Profilbild von Anett

Anett

Lesejury Star
offline

Anett ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Anett über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.10.2025

Sehr schöner Weihnachtskrimi

Advent im Grandhotel
0

Im Rahmen ihrer freiwilligen Arbeit in der Bibliothek hat Ernestine eine Einladung zu einer Kunstauktion erhalten. Da es in Wien einfach nicht schneien will, fahren sie, Anton, seine Enkelin Rosa und ihr ...

Im Rahmen ihrer freiwilligen Arbeit in der Bibliothek hat Ernestine eine Einladung zu einer Kunstauktion erhalten. Da es in Wien einfach nicht schneien will, fahren sie, Anton, seine Enkelin Rosa und ihr kleiner Freund Fritzi also ins winterliche Semmering. Schon auf der Bahnfahrt lernen sie ein Paar kennen, was nicht die letzte Begegnung mit unangenehmen Menschen sein sollte. Der Abend der Auktion setzt sich aus einer illustren Gesellschaft zusammen und endet in einem Desaster. Zwei Bilder verschwinden spurlos. Eines der Bilder zeigt eine Tänzerin, die zusammen mit dem Maler persönlich vor Ort ist. Es begegnen sich Personen wieder, die sich nicht ausstehen können und einander nur Schlechtes wünschen, selbstverliebte Künstler und neidvolle Konkurrenzhotel-Erben wollen das Südbahnhotel in ein schlechtes Licht rücken. Anton und Ernestine haben schon ein wenig Erfahrung mit Kriminalfällen und während Anton sich heraushalten will, kann Ernestine ihre Neugier nicht zügeln und findet alles sehr spannend. Besonders erfrischend sind die Kinder Rosa und Fritzi, die durchs Hotel geistern, was nicht ungefährlich ist.
Das Buch ist sehr schön geschrieben, angenehmer Schreibstil, bildhafte Beschreibungen und authentische Charaktere. Auch die damalige Zeit um 1926 ist gut eingefangen. Die Standesunterschiede zwischen den Gesellschaftsschichten, die Stellung der Frauen und auch der aufkommende Antisemitismus sind gut eingearbeitet. Es ist eine Mischung aus Weihnachtsflair und einem unblutigem Kriminalfall.
Das Cover wirkt schon sehr weihnachtlich und alles zusammen hat mir wunderbar gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.10.2025

Die Jagd nach dem Geld

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
0

„Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“ ist der 5. Fall für die Senioren.
Wenn es keine Verbrechen aufzuklären gibt, wird eben geheiratet. So steht die Hochzeit von Joyce‘ Tochter, natürlich ...

„Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code“ ist der 5. Fall für die Senioren.
Wenn es keine Verbrechen aufzuklären gibt, wird eben geheiratet. So steht die Hochzeit von Joyce‘ Tochter, natürlich an einem Donnerstag, vor der Tür. Am Hochzeitsabend wendet sich Nick Silver, ein Trauzeuge, in Todesangst an Elisabeth und bittet sie um Hilfe, weil er bedroht wird. Er betreibt eine Sicherheitsfirma. Für den Sicherheitsbereich bestimmter Daten haben er und seine Geschäftspartnerin jeweils einen Code. Dieser ist nun in Gefahr. Irgendwer tut alles dafür, um ihn zu bekommen und schreckt auch vor Mord nicht zurück. Das ruft den gesamten Donnerstagsmordclub auf den Plan und die Nachforschungen beginnen. In ihrer eigenen subtilen Art und Weise gehen die Mitglieder verschiedenen Spuren nach. Dabei sind die früheren Kontakte sehr nützlich und jeder trägt seinen Teil zur Aufklärung bei.
Es gibt noch einige Nebenhandlungen aus verschiedenen Perspektiven, die auch sehr ausschweifend erzählt werden, am Ende aber zu einem Gesamtbild zusammenfinden.
Ich hatte einige Probleme, in die Handlung einzusteigen. Die vielen Gedanken einzelner Charaktere über Gegenwart, Vergangenheit und das Leben überhaupt sind langatmig und nervig. Ein Spannungsbogen oder Spannung überhaupt sind nicht wirklich erkennbar. Auch im weiteren Verlauf gibt es zu viele solcher Abschweifungen und es fiel mir schwer, mich auf die eigentliche Handlung zu konzentrieren.
Die Charaktere sind gut beschrieben. Joyce ist stolz auf ihren Schwiegersohn, schreibt Tagebuch, hat eine lebhafte Fantasie und fühlt sich hier oft unnütz. Elizabeth, die ehemalige Agentin, ist ungeduldig und herrisch, Ron mag ich am meisten. Der frühere Gewerkschaftler und Redenschwinger ist mir sympathisch. Er hat hier noch mit größeren familiären Problemen zu kämpfen und schmiedet Mordpläne. Ibrahim therapiert seine Lieblingskriminelle und merkt nicht, dass es nicht hilft. Jeder hat eigene Stärken, Träume und Ecken, die sie glaubwürdig und liebenswert machen. Die Dynamik im Quartett bleibt charmant-chaotisch. Der Ton ist locker, doch hinter jeder Pointe stecken scharfe Beobachtungen über Erinnerungen, Freundschaft und Sinnsuche im späteren Lebensalter.
Das Cover passt gut zu den vorigen Teilen und gefällt mir sehr gut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.10.2025

Mörderischer Podcast

Todesstimme
0

„Todesstimme“ ist der 2. Teil der Tara-Kronberg-Reihe.
In diesem Buch pendelt KHK Tara Kronberg zwischen Dresden und Leipzig, um die Kollegen vom Morddezernat zu unterstützen. Dort gibt es eine Reihe rätselhafter ...

„Todesstimme“ ist der 2. Teil der Tara-Kronberg-Reihe.
In diesem Buch pendelt KHK Tara Kronberg zwischen Dresden und Leipzig, um die Kollegen vom Morddezernat zu unterstützen. Dort gibt es eine Reihe rätselhafter Selbstmorde, die mit einem Podcast zusammenzuhängen scheinen. In diesem bietet ‚Kadaver‘ Menschen mit großen seelischen Problemen seine Hilfe an. Besonders sind nicht nur die Tötungsmethoden, sondern auch die Abschiedsworte. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Denn es gibt weitere Podcasts. Es werden sehr viele Spuren verfolgt, die auch in die Vergangenheit führen. Für die Ermittler ist es ein nervenaufreibender Fall, der sie an ihre Grenzen bringt.
Tara gehört einem Sonderdezernat zur Aufdeckung extremer Gewaltverbrechen beim LKA an. Sie hat eine überwachende Funktion, ohne aktiv in die Fälle einzugreifen. Trotzdem kann sie es nicht ganz lassen. Sie arbeitet viel vor Ort mit den Leipziger Kollegen zusammen. Dort hat sie vor Kurzem einige Missstände aufgedeckt, was zu personellen Konsequenzen führte, Trotzdem wird sie gut aufgenommen.
Auch in diesem Fall bekommt sie es mit den unterschiedlichsten Personen zu tun. Nicht nur mit homophoben Kollegen, sondern auch mit vielen verzweifelten Menschen.
Die Charaktere sind wieder sehr authentisch beschrieben. Man fühlt die Qualen und Zerrissenheit der Betroffenen und leidet mit. Anderen möchte man am liebsten anständig die Meinung sagen.
Tara ist eine durchsetzungsstarke Frau, ohne arrogant zu sein. Sie verfügt über einen großen Gerechtigkeitssinn. Sie arbeitet mit ihrem Kollegen Gabriel Schneider zusammen, der nicht im Außendienst tätig ist, aber sehr hilfreich bei den Recherchen. Ihn finde ich immer noch ziemlich geheimnisvoll und auch Tara macht sich so ihre Gedanken über ihn.
Die Atmosphäre ist oft düster, vor allem, wenn Auszüge aus dem Podcast geschildert werden. Diese sind wie in einem Drehbuch geschrieben und beschreiben auch die Stimme des Redners. Diese Gefühle wurden sehr gut eingefangen.
Die kurzen Kapitel sind mit dem Namen der jeweiligen Erzählperspektive überschrieben.
Kaum glaubt man, der Täter sei entlarvt, gibt es neue Erkenntnisse und die Suche geht weiter. Obwohl die Handlung nicht wie gewohnt sehr blutig ist, ist es ein packender mitreißender Thriller, der mit jeder Seite spannender wird und zu einem überraschenden Ende führt.
Ich bin wieder völlig begeistert und freue mich auf die Fortsetzung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.09.2025

Very British

Nightingale
0

Nach ihrer ausgedehnten Hochzeitsreise zieht die Amerikanerin Lydia in das Schloss ihres angetrauten Earl Nigel Nightingale bei Whispering Pines ein. Das stellt sie vor einige Herausforderungen. Kaum hat ...

Nach ihrer ausgedehnten Hochzeitsreise zieht die Amerikanerin Lydia in das Schloss ihres angetrauten Earl Nigel Nightingale bei Whispering Pines ein. Das stellt sie vor einige Herausforderungen. Kaum hat sie Zeit, sich im Schloss zurechtzufinden oder den Ort kennenzulernen, wird ihr Mann des Mordes an seiner Ex-Geliebten beschuldigt. Die Leiche wurde im Musensaal des Kunstmuseums gefunden, zusammen mit einer Botschaft. Während die Polizei den Täter bereits kennt, beschließt Lydia, selbst zu ermitteln. Dabei bekommt sie Hilfe von Butler Godfrey Goodfellow.
Es ist eine wunderbare Krimikomödie mit typisch englischem Setting und britischem Humor. Mit viel Einfallsreichtum und Geschick kommen Lydia und Godfrey dem wahren Mörder auf die Spur. Dabei ist der Butler natürlich sehr wichtig, da sich Lydia weder im Schloss noch im Ort auskennt. Und gerade so ein Schloss hat viele versteckte Gänge.
Die Charaktere sind authentisch beschrieben. Besonders Lady Charlotte, Lydias Schwiegermutter, mit ihrem Standesdünkel ist gut getroffen und hat mich amüsiert. Trotzdem hat sie Lydia akzeptiert und in die Familie aufgenommen, wenn auch nicht ohne den einen oder anderen kleinen Seitenhieb.
Lydia ist eine selbstbewusste junge Frau aus Amerika, die sich nicht so leicht abschrecken oder abwimmeln lässt, was besonders der Polizei gegen den Strich geht. Mein Lieblingscharakter ist Godfrey, er ist in allen Lebenslagen hilfreich, ist immer für alles ausgerüstet und hat Dinge parat, die sonst keiner bei sich trägt. Und das alles mit einer Contenance, die eines Butlers würdig ist.
Der Schreibstil ist sehr angenehm, flüssig, detailliert und bildhaft. Obwohl das Buch in der Gegenwart spielt, fühlte ich mich immer zu Beginn des 20. Jahrhunderts versetzt. Die Handlung ist gut konstruiert, spannend und führt oft in die Irre.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich freue mich auf weitere Fälle mit Lady Lydia und Butler Godfrey.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.09.2025

Lovis im Stress

Lorenz Lovis / Tote wohnen besser
0

„Tote wohnen besser“ ist der 7. Fall für Lorenz Lovis
Als Luis Lazzari erschlagen aufgefunden wird, gerät schnell sein Sohn Reini unter Verdacht, der zur Tatzeit im Haus war und angeblich nichts gemerkt, ...

„Tote wohnen besser“ ist der 7. Fall für Lorenz Lovis
Als Luis Lazzari erschlagen aufgefunden wird, gerät schnell sein Sohn Reini unter Verdacht, der zur Tatzeit im Haus war und angeblich nichts gemerkt, ihn aber gefunden hat. Kurz danach taucht Mirco Mader, Lovis ärgster Konkurrent, auf seinem Hof auf und bietet ihm eine Zusammenarbeit bei der Aufklärung des Falls an. Damit beginnt Lovis‘ Desaster. Nicht nur Mader quartiert sich, natürlich kostenlos, in seiner Ferienwohnung ein, um nah am Geschehen zu sein, sondern auch Hanne Wiedenhof ist angereist und mischt wieder kräftig mit. Er lässt alles willenlos über sich ergehen. Außerdem sind da noch die die Hochzeitsvorbereitungen mit Angelika zu erledigen. Er ist hoffnungslos überfordert. Alle mögen Mader, nur Lovis nicht. Mader verbreitet immer gute Laune, hat auf alles eine Antwort und baggert Angelika an. Lovis fühlt sich auf seinem eigenen Hof wie ein Fremdkörper und flüchtet zu Alma. Aber nicht mal die hält noch zu ihm.
Trotzdem gelingt es durch die Zusammenarbeit oder auch die Alleingänge der Privatermittler, den Fall zu lösen. Dabei stoßen sie auf einige zwielichtige Personen und noch mehr zwielichtige Geschäfte.
Auch dieses Buch hat mir wieder sehr gut gefallen. Ich habe mit Lovis gelitten. Er ist einfach zu gutmütig, aber auch etwas träge. Eh er in die Gänge kommt, haben andere schon mehr Informationen bekommen und auch die Apfelernte ist erledigt. Aber man muss ihn einfach mögen.
Die Handlung ist spannend und es werden einige gesellschaftspolitische Themen angesprochen, wie überteuerte Wohnungen, Kredithaie, der Bau eines Nobelhotels mitten im Wald. Und dann gibt es noch ein Familiengeheimnis, was es zu lösen gilt.
Der Schreibstil ist sehr angenehm und gut zu lesen. Es gibt wieder schöne Landschaftsbeschreibungen, auch die viele Arbeit auf dem Hof wird thematisiert.
Geschrieben ist hauptsächlich aus Lovis‘ Perspektive, in einigen kurzen Kapiteln kann man die Gedanken von Mader verfolgen, die aber nicht genug preisgeben. Am Ende gibt es dann noch eine saftige Überraschung.
Ich würde mich auch freuen, wenn es mit Lovis weitergeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere