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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2021

Natur und Literatur

Der Atem der Welt
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In dieser Biographie zu Goethe rückt neben der literarischen Tätigkeit des Autors vor allem sein Dasein als Naturforscher in den Fokus. Denn obwohl er wohl hauptächlich für seine Lyrik, den Faust und für ...

In dieser Biographie zu Goethe rückt neben der literarischen Tätigkeit des Autors vor allem sein Dasein als Naturforscher in den Fokus. Denn obwohl er wohl hauptächlich für seine Lyrik, den Faust und für andere Werke bekannt ist, war es vor allem seine bereits in jungen Jahren aufkommende Begeisterung für die Wissenschaft, die Goethe zeichneten. Auch, wenn seine Beobachtungen und Erkenntnise in dieser Hinsicht heute in zum großen Teil als überholt gelten, hat er doch den ein oder anderen Grundstein für spätere Forschungen gelegt.

Goethes Lebensweg wird von der ersten Sekunde an sehr umfassend beschrieben. Es wird auf die diversen Bekanntschaften eingegangen, die er auch zu anderen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit pflegte, sodass man wie nebenbei auch Vieles über Humboldt, Herder & Co erfährt. Man begleitet den jungen Goethe während seines Studiums und auch auf seinen späteren Reisen.

Dabei sind alle Daten sehr gut recherchiert und belegt und fügen sich auch dank des nie zu trockenen Schreibstils gut ins Gesamtbild ein. Aufgrund der doch nicht ganz unerheblichen Länge des Buches gibt es natürlich auch die ein oder andere Stelle, die sich etwas zieht, aber dafür erhält man bei der Lektüre auch einen schönen Einblick in das Leben und Schaffen Goethes.

Veröffentlicht am 08.05.2021

Konnte mich überzeugen, obwohl Thriller+Krimis nicht mein Genre sind

Die Frau vom Strand
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Rebecca lebt mit ihrer Frau Lucy und der gemeinsamen kleinen Tochter in Rerik an der Ostsee. In den beiden und in dem Haus in Strandnähe hat sie alles, was sie sich wünscht. Trotzdem freut sie sich, als ...

Rebecca lebt mit ihrer Frau Lucy und der gemeinsamen kleinen Tochter in Rerik an der Ostsee. In den beiden und in dem Haus in Strandnähe hat sie alles, was sie sich wünscht. Trotzdem freut sie sich, als sie bei einem Spaziergang Julia kennenlernt und sich auf Anhieb gut mir der anderen Frau versteht, denn da Lucy unter der Woche in Hamburg arbeitet, verbringt Rebecca viel Zeit alleine mit ihrer Tochter Greta. Schnell freundet sie sich mit Julia an, doch dann verschwindet Julia plötzlich ohne Ankündigung und scheint wie vom Erdboden verschluckt. Besorgt setzt Becca alle Hebel in Bewegung, um ihre neue Freundin zu finden, muss dabei jedoch feststellen, dass diese ihr nicht in allen Punkten die Wahrheit erzählt zu haben scheint. Dennoch oder gerade deshalb versucht sie hartnäckig herauszufinden, wohin Julia verschwunden ist, erhält jedoch nicht die erhoffte Unterstützung von Lucy. Eher wirkt es so, als wolle ihre Frau sie von der Suche abhalten...

Ich bin normalerweise gar kein Krimi-/Thrillerfan, hier hat mich aber der Klappentext aus irgendeinem Grund wie magisch angezogen, und nach dem Lesen kann ich sagen - ich habe es nicht bereut.

Die Geschichte setzt ein, als Rebecca Julia kennenlernt und wird zunächst aus Beccas Sicht erzählt. In diesem ersten Teil habe ich die junge Mutter als Protagonistin schätzen gelernt und konnte mich gut in sie hineinversetzen. Das rätselhafte Verschwinden Julias und die Bemühungen, sie zu finden, waren gut und nachvollziehbar beschrieben und die Spannung, die im Laufe des Buches aufgebaut wird, wurde hier bereits angedeutet - doch auf das, was noch alles folgen sollte, war ich trotzdem nicht vorbereitet.

Nach einem recht ruhigen Anfang gibt es einen Cut und die Perspektive schwenkt um auf die zweite Protagonistin und Kriminalhauptkomissarin Edda Timm. Denn diese ermittelt nun in einem Todesfall, der sich in der Zwischenzeit ereignet hat, und wie auch die Polizei tappt man als Leser lange Zeit im Dunkeln, ob es nun ein Unfall oder vielleicht doch Mord war, wer ein Motiv dafür gehabt hätte und warum. Diesen Punkt möchte ich auch gerne als besonders positiv hervorheben: Vielleicht lag es einfach an mir als nicht-krimierprobter Leserin, aber ich habe im Laufe des Buches tatsächlich gefühlt ein Dutzend mal meine Theorie abgeändert, wer denn nun wen weshalb getötet haben könnte. Und das tatsächlich auch bis fast ganz zum Ende des Buches. Der Spannungsaufbau hat mir enorm gut gefallen, die Informationen hat man wohlproportioniert immer nur häppchenweise bekommen, jedoch ohne dass es dabei langweilig geworden wäre. Das Buch gibt einem dazwischen immer wieder Zeit, selbst eine Hypothese aufzustellen, und immer wenn man denkt, so muss es sein - kommt der nächste Hinweis und man muss feststellen, dass man falschgelegen hat. Gerade Zeugenbefragungen und Polizeiarbeit im Allgemeinen empfinde ich persönlich in Büchern eigentlich meistens wahlweise als langatmig oder nicht schlüssig dargelegt (oder beides), hier hat es mir nach ganz kurzen anfänglichen Zweifeln sehr gut gefallen. Und die Zweifel rührten wohl auch eher daher, dass ich enttäuscht war, Rebeccas Sichtweise zu verlassen. Im Nachhinein hat sich diese Konstellation der Erzählperspektiven aber als sehr gelungen herausgestellt.

Das Buch hat mich in vielen Punkten überrascht, allerdings durchweg auf positive Weise. Die vielen Wendungen, der Schreib- und Erzählstil, die authentisch ausgearbeiteten Figuren und auch die Auflösung am Schluss - mir fällt nichts ein, was ich daran aussetzen könnte. Ich bin froh, zu diesem Buch gegriffen zu haben!

Veröffentlicht am 07.05.2021

Hat mich leider enttäuscht

Feuerland
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Ferdinand Hestermann ist leidenschaftlicher Völkerkundler. Alles, was mit Sprachen zu tun hat, fasziniert ihn zutiefst, und so verfügt er über gewaltige Kenntnisse vieler, auch längst ausgestorbener Sprachen. ...

Ferdinand Hestermann ist leidenschaftlicher Völkerkundler. Alles, was mit Sprachen zu tun hat, fasziniert ihn zutiefst, und so verfügt er über gewaltige Kenntnisse vieler, auch längst ausgestorbener Sprachen. Als er eines Tages ein kleines Büchlein findet, in dem jemand handschriftlich Vokabeln des Volkes der Yamana notiert hat, ist er sofort begeistert. Denn wer auch immer das Büchlein verfasst haben mag, lässt mit seinen Notizen eine fremde Welt vor dem inneren Auge Hestermanns auferstehen. Um das Buch, das bald zu seinem wertvollsten Besitz wird, vor den Plünderungen der Bibliotheken während des Nationalsozialismus zu schützen, setzt er sogar sein Leben aufs Spiel.

Woher das Buch ursprünglich kam, weiß Hestermann nicht; der zweite Handlungsstrang widmet sich dem ersten Teil der Geschichte des kleinen Wörterbuchs und spielt in Patagonien, wo der junge Thomas Bridges als Ziehsohn eines britischen Missionars lange Jahre im Stamm der Yamana verbringt.

Ich hatte hohe Erwartungen an das Buch, denn die Idee dahinter hat mich gleich angesprochen. Ein Wörterbuch, das zwei grundlegend verschiedene Menschen miteinander verbindet, das so ergreifend ist, dass beide dafür alles riskieren; das einen weiten Weg zurücklegt und dabei den Schatz eines ganzen Volkes bewahrt.

Leider hat meine anfängliche Begeisterung recht schnell nachgelassen, denn über weite Strecken ist der Roman leider sehr langatmig. Obwohl er sprachlich sehr schön und bildhaft geschrieben ist, habe ich keine Nähe zu den Protagonisten aufbauen können, sie blieben mir das ganze Buch über fremd. Auch wurde das Potential an historischer Themenvielfalt, dass das Buch bietet - Kolonialisierung und Christianisierung der Yamana und deren Aussterben durch eingeschleppte Krankheiten, wachsende Macht und Kontrolle der Nazis währende der 1930er Jahre -, leider nicht ansatzweise ausgeschöpft. Hier bleibt der Autor für meinen Geschmack viel zu nah an der Oberfläche, ich hätte mir deutlich mehr Details und Tiefe gewünscht.

Insgesamt konnte das Buch meine Erwartungen leider nicht erfüllen - der Ansatz ist gut, an der Umsetzung ist er jedoch gescheitert.

Veröffentlicht am 07.05.2021

Die drei Kameradinnen

Drei Kameradinnen
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Die drei Freundinnen Kasih, Hani und Saya kennen sich seit ihrer Jugend. Sie alle haben gemeinsam, dass sie in ihrem Leben immer wieder aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt oder ihnen mit Misstrauen begegnet ...

Die drei Freundinnen Kasih, Hani und Saya kennen sich seit ihrer Jugend. Sie alle haben gemeinsam, dass sie in ihrem Leben immer wieder aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt oder ihnen mit Misstrauen begegnet wird. Nach einer längeren Zeit der Trennung treffen sie sich auf einer Hochzeit wieder, und auch jetzt noch spielen Hass und Rechtsradikalismus eine große Rolle in ihrem Alltag.

Erzählt wird der Roman von Kasih, über sie selbst erfährt man dennoch am wenigsten. Denn sie stellt vor allem einen Bericht zusammen, der aus Rückblicken und einzelnen Szenen besteht, in deren Fokus Hani und Saya stehen. Dabei geht sie nicht unbedingt chronologisch, sondern eher assoziativ vor. Sie verweist auch selbst immer wieder auf die Unvollständigkeit dessen, was sie sagt, und darauf, dass nicht alles sich unbedingt genau so abgespielt haben muss wie sie es erzählt. Die Erzählweise hat mir tatsächlich gut gefallen, denn die Leser werden immer wieder direkt angesprochen, die Autorin will provozieren, und irgendwann beginnt man unweigerlich sich zu fragen, ob man nicht selbst längst angefangen hat der Bequemlichkeit halber die Augen zu verschließen und manchmal eben doch lieber einfach in Schubladen zu denken.

Gestört haben mich vor allem ein paar Längen, die sich im Laufe des Buches ergeben, sowie die zwangsläufig doch recht subjektiv gefärbte Sicht Kasihs. Da sie selbst zugibt, immer wieder Details zu verändern und sich manche Dinge vollständig ausgedacht zu haben, büßt zwar keinesfalls der Roman an sich an Wichtigkeit, die Geschichte, die er enthält, aber an Verlässlichkeit ein. Der Grundton ist mir zudem gelegentlich zu wütend, zu plakativ und zu absichtlich provokativ; das ist aber wohl auch meine subjektive Einschätzung.

"Die Drei Kameradinnen" ist zweifelsohne ein wichtiges Buch und ich habe es auch gerne gelesen. Es regt zum Überdenken des eigenen Verhaltens an, möchte den Leser dazu bringen sich selbst die Frage zu stellen, ob er nicht längst viel zu abgestumpft und zu sehr an Rassissmus und Hetze gewohnt ist. Einiges hat mich dennoch gestört oder mir gefehlt, und so lande ich am Ende bei guten 3 Sternen.

Veröffentlicht am 03.05.2021

Nette Unterhaltung für Zwischendurch, aber ich hatte mehr erwartet

Das Geschenk eines Regentages
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In diesem Roman verflechten sich die Geschichten von vier Menschen und denen ihrer Katzen miteinander. Jedes der vier Paare steht in einem Teil des Buches im Mittelpunkt. Da wäre Miyu, die eines Tages ...

In diesem Roman verflechten sich die Geschichten von vier Menschen und denen ihrer Katzen miteinander. Jedes der vier Paare steht in einem Teil des Buches im Mittelpunkt. Da wäre Miyu, die eines Tages nach einer Trennung den kleinen Chobi im regen findet; Reina, die keine Zukunftsaussichten für sich sieht, und regelmäßig Besuch von der Katze Mimi bekommt; Aoi, die in ihrer Depression und ihren Ängsten zu ersticken droht, bis Cookie in ihr Leben tritt; und Shino, die nach einem Leben voller Entbehrungen nun alleine dasteht und vom Streuner Kuro Gesellschaft bekommt.

Nach und nach werden mithilfe der Katzen Verbindungen zwischen den Leben all dieser unterschiedlichen Personen gezogen, und jeder von ihnen schöpft aus der Beziehung zu den Vierbeinern neue Kraft.

Insgesamt konnte mich das Buch nicht völlig überzeugen, da mir zwar die Idee an für sich gut gefallen hat, die Umsetzung wäre aber noch ausbaufähig gewesen. Die Themen werden mir alle nur zu oberflächlich behandelt, da hätte man sicher noch sehr viel mehr herausschöpfen können. Die Kapitel aus Katzensicht fand ich zwar grundsätzlich interessant, sie büßen jedoch einiges an Authentizität ein, da die Tiere sehr stark vermenschlicht werden und charakterlich entweder an ein Kleinkind erinnern oder ständig vermeintlich philosophische Phrasen einwerfen. Auch die Protagonisten auf menschlicher Seite waren mir zu wenig ausgearbeitet.

Da die Sprache sehr einfach gehalten ist, lässt sich das Buch zügig lesen und bietet eine nette Unterhaltung für zwischendurch, ich hatte mir aber etwas mehr erhofft... Von dem typischen Zauber japanischer Romane ist hier nahezu nichts zu spüren, und auch sonst war es mir zu unausgereift.