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Veröffentlicht am 20.07.2025

1944: Im besetzten Norwegen

Wir sehen uns wieder am Meer
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Norwegen, 1944. Birgit arbeitet in einem Krankenhaus und begegnet dort der 16-jährigen Nadia, die aus der Ukraine verschleppt wurde. Ihr Russischkenntnisse helfen ihr sich mit der jungen Ukrainerin zu ...

Norwegen, 1944. Birgit arbeitet in einem Krankenhaus und begegnet dort der 16-jährigen Nadia, die aus der Ukraine verschleppt wurde. Ihr Russischkenntnisse helfen ihr sich mit der jungen Ukrainerin zu verständigen. Zusammen geraten sie in große Gefahren, denn auch in Norwegen ist der Krieg spürbar.

Wir sehen uns wieder am Meer von Trude Teige ist ein historischer Roman, der den Blick auf das Leben während des Kriegs als Frau wirft und auch gut transportieren kann, welche Gefahren und Probleme ihnen damals begegnet ist. Dahingehend war die Geschichte wirklich gut und ich mochte auch, dass das Buch in einem Land spielt, das wir nicht sofort mit dem zweiten Weltkrieg verbinden würden, waren die Hauptakteure doch ganz andere Länder. Umso spannender war es zu lesen, welche Folgen es in solchen Ländern hatte und wie stark auch sie beeinflusst wurden.

Dennoch hat mich das Buch leider nicht vollends überzeugen können. Die Erzählungen waren zwar eindrücklich, aber eben auch genau das: Erzählungen. Wir springen häufig von einer Situation in die Nächste, was mich auf der Gefühlsebene leider gar nicht abholen konnte. Bei allem was die Frauen erlebt haben, hätte ich mir gewünscht, dass ich das auch auf emotionaler Ebene wahrnehme.

Ich habe nebenbei auch immer wieder im Hörbuch weitergehört und fand auch, dass Yara Blümel das Gefühl der Aufzählung unterstützt hat. Absolut keine Kritik, eher im Gegenteil, weil das bereits mein Lesegefühl. Deswegen kann ich auch das Hörbuch weiterempfehlen, wenn man historische Romane vor allem dann mag, wenn sie eine größere Distanz zu den Figuren haben und eher das Zeitgefühl als das individuelle transportieren.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Das Leben ruft nach dir!

Inseltage mit Rosa
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Nach einem heftigen Sturm sitzen die elfjährige Linnea ‚Lila‘ und ihre Großmutter Erdmute ‚Mu‘ auf einer finnischen Schäreninsel fest. Beide betrauern den Verlust, Lila hat ihre beste Freundin Rosa verloren ...

Nach einem heftigen Sturm sitzen die elfjährige Linnea ‚Lila‘ und ihre Großmutter Erdmute ‚Mu‘ auf einer finnischen Schäreninsel fest. Beide betrauern den Verlust, Lila hat ihre beste Freundin Rosa verloren und Mu verliert ihre Frau von Tag zu Tag ein Stückchen mehr. Zusammen spielen, dichten und trösten sie sich, bis die beiden von der Insel gerettet werden.

Inseltage mit Rosa von Mareike Krügel ist ein unfassbar einfühlsamer Roman über den Verlust eines geliebten Menschens und über die Trauer, die das in einem auslöst. Die Geschichte wird aus Lilas Perspektive geschrieben und beginnt mit einem Kapitel, das die Freundschaft zwischen Lila und Rosa beschreibt.

Ich kann gar nicht sagen, was mich an diesem Buch am meisten beeindruckt hat? Die schöne Darstellung zwischen der Beziehung von Großmutter zur Enkelin? Einer älteren Dame, die sich nicht zu schade ist, um sich für ein schlechtes Verhalten gegenüber ihrer Enkelin zu entschuldigen. Eine Szene in der für mich ganz viele wichtige Botschaften drin stecken! Oder die Beschreibung von Lilas Trauer, die sich zurückzieht und am liebsten im Leben mit Rosa bleiben möchte? Die erdachten Szenen zwischen Rosa und Lila waren wunderschön und der Satz „Das Leben ruft nach dir“ hat sich ganz fest eingeprägt. Wunderschön, wie Rosa zu einer Person wurde, die Lila wieder zurück ins Leben lässt und ihr bei ihrer Trauer hilft. Oder auch die Differenzierung von Trauer, die am Ende zur Erkenntnis führt, dass sie doch immer gleich ist, egal ob man jung oder alt ist. Ein Verlust ist schmerzhaft.

Besonders stark fand ich auch die Erzählungen über Lilas Verhalten im Bezug auf ihre Trauer und wie verständlich dies umschrieben wurde. Bestimmt ist Lila für viele Kinder, die ein ähnliches Schicksal erleiden müssen, ein Mädchen mit dem sie sich identifizieren können und das ihnen hilft, mit ihrer eigenen Trauer umzugehen lernen.

Inseltage mit Rosa ist eine berührende Geschichte über eine besondere Freundschaft, Verlust und den Mut und das Vertrauen in die eigene innere Stärke um am Ende ins Leben zurückzukehren, denn „das Leben ruft nach [uns]“ und es möchte gelebt werden!

Die schwarz-weiß Zeichnungen von Anna Schilling haben die Atmosphäre perfekt widergespiegelt und sind eine schöne Untermalung der Geschichte.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Dunkelheit über Kristinestad!

Gerächt sein sollst du
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In Kristinestad kommt es zu einem furchtbaren Verbrechen, bei dem am Ende der siebzehnjährige Jonas tot aufgefunden wird. Die Journalisten Eevi Manner macht sich sofort an die Recherche und trifft dabei ...

In Kristinestad kommt es zu einem furchtbaren Verbrechen, bei dem am Ende der siebzehnjährige Jonas tot aufgefunden wird. Die Journalisten Eevi Manner macht sich sofort an die Recherche und trifft dabei auf ihre Jugendliebe Maus Bergholm, der mittlerweile als Kriminalkommissar arbeitet. Beide wollen unbedingt wissen, was an diesem Abend wirklich passiert ist und finden grausame Zusammenhänge.

Gerächt sein sollst du von Kaisu Tuokko ist seit langem mal wieder ein Kriminalroman der mich von der ersten bist zur letzten Seite einnehmen konnte. Der Schreibstil war super angenehm, die beiden Protagonisten haben interessante Hintergründe und stehen mit Anfang 40 an einem entscheidenden Punkt in ihrem Leben. Zwei Menschen, die schon viel erreicht haben und doch noch nicht angekommen sind. Authentisch und nahbar.

Der Fall wird komplexer und verzwickter als man es vom Klappentext annehmen könnte. Er schockiert, spielt mit Grauzonen und den eigenen moralischen Vorstellung. Ein Kriminalroman der mich nicht nur unterhalten, sondern auch berühren und zum nachdenken anregen konnte.
Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch mehr von Eevi und Mats lesen dürfen!

Eine volle Empfehlung gibt es auch für das Hörbuch, das von János Jung, Jana Kozewa, Lina Syren und Henrike Tönnes perfekt eingesprochen wurde und einen atmosphärisch nach Finnland und in die Geschichte holt!

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Die Angst vorm Vergessen!

Himmelerdenblau
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Am 07. September 2003 verschwand die damals 16-jährige Julie Novak spurlos aus ihrem Elternhaus und wurde seitdem nie mehr gesehen. Fast zwanzig Jahre später sucht ihr Vater Theo Novak immer noch nach ...

Am 07. September 2003 verschwand die damals 16-jährige Julie Novak spurlos aus ihrem Elternhaus und wurde seitdem nie mehr gesehen. Fast zwanzig Jahre später sucht ihr Vater Theo Novak immer noch nach seiner Tochter, doch das ist ein Spiel gegen die Zeit, denn seine Erinnerungen trügen ihn immer mehr. Denn Theo Novak leidet unter Demenz. Als die Podcasterin Liv Keller sich mit neuen Informationen an ihn wendet, schimmert wieder die Hoffnung in ihm hoch und er setzt alles daran, das Rätsel zu lösen. Hat ihr Ex-Freund Daniel Wagner möglicherweise wirklich etwas mit ihrem verschwinden zu tun?

Himmelerdenblau von Romy Hausmann ist ein außergewöhnlicher Thriller, den ich eher in Richtung eines Psychothriller verordnen würde und der auf dieser Ebene wirklich Spaß macht.

Wir erleben die Geschichte aus mehreren Perspektiven (1) Theo Novak, der unter Demenz leidet und dessen Kapitel dadurch teilweise auch verwirrend sind, in Anbetracht seiner Krankheit ist das für mich jedoch ein positiver Aspekt. Ich mochte den alten, etwas kauzigen Mann und konnte seine Angst zu vergessen absolut nachvollziehen. (2) Liv Keller, die Podcasterin mit dunklem Background. Den Background hätte es für meinen Geschmack nicht gebraucht, denn das sorgt insgesamt für sehr viel schlechte Erfahrungen auf wenige Charaktere, aber dennoch mochte ich Liv und vor allem ihre Entwicklung gegenüber und mit Theo. (3) Daniel Wagner. Sympathisch fand ich ihn nicht, aber ich mochte den Aufbruch in seiner Perspektive. Neben diesen drei dominierenden Perspektiven, gibt es noch wenige weitere, welche die Geschichte komplett abrunden.

Himmelerdenblau sorgt direkt dafür, dass man Miträtseln möchte und auch wenn ich kurzzeitig mal in die Lösungsrichtung dachte, war eine andere viel mehr mein Favorit. Umso genialer fand ich jedoch, welcher Plot sich dort ergeben hat, den ich niemals erwartet hätte und den ich absolut genial fand! Dennoch hat mir phasenweise etwas das Tempo gefehlt und es gab ein paar Momente, die sich wiederholend angefühlt haben und die Auflösung fand ich nicht ganz so spannend. Der Weg dorthin und welche Abgründe sich teilweise aufgetan haben, gefiel mir deutlich besser. Ich mochte auch das Einbringen von wahren, erschreckenden Gegebenheiten und die leise Kritik an True-Crime-Podcasts, aber auch deren Zuhörer:innen.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Alltag eines 3/4-Zombies

Franky 1: Meine schräge Zombie-Familie, Schrumpfdrachen und andere Katastrophen
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Franky ist ein tollpatschiger 3/4-Zombie, dem die unglaublichsten Dinge passieren und damit ihm das auch geglaubt wird, möchte er in Zukunft alles in einem Fotobuch festhalten. Schließlich hat er seine ...

Franky ist ein tollpatschiger 3/4-Zombie, dem die unglaublichsten Dinge passieren und damit ihm das auch geglaubt wird, möchte er in Zukunft alles in einem Fotobuch festhalten. Schließlich hat er seine Kamera sowieso immer dabei, denn er möchte ein berühmter Gruseltier-Fotograf werden. Als Franky mit seiner Familie zu seiner Großmutter in die Stadt der Lebenden ziehen muss, wünscht er sich nichts sehnlicher als ein eigenes Grusel(haus)tier und bekommt kurz darauf den Drachen Odi. Doch Odi spukt statt Feuer Schleim, gar nicht cool, findet Franky. Als Franky entdeckt, dass er mit Odi und den anderen Gruseltieren sprechen kann, versteht er plötzlich eine Menge mehr.

Franky 1 - Meine schräge Zombie-Familie Schrumpfdrachen und andere Katastrophen von Nicola Anker ist ein super cooles Comic-Abenteuer für Kinder ab acht Jahren, das mit einer Menge Humor und tollen Zeichnungen der Illustratorin Juliane Zickelbein überzeugen kann.

Auf eine humorvolle Art geht es bei Franky um Odi ums vermeintliche Anderssein und Freundschaft. Vor allem Odi hat sich in das Herz der Kinder gespielt und bringt einen mit seinen ‚falschen’ Sprichwörtern immer wieder zum Lachen, wobei seine ganze Art äußerst amüsant ist.

Ein toller erster Teil, in dem wir viel über Franky und Odi erfahren, das Lust auf mehr macht und mit Frankys Familie in der Hinterhand auch Hoffnung auf viele weitere Teile macht. Wir sind schon ganz gespannt!

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