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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.09.2025

Einfach nur hygge!

Copenhagen Cinnamon 1. Delicate
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Jonna hat sich selbst noch nicht gefunden und bekommt nun auch noch von außen Druck. Als sie sich in der Früh nur einen Coffee-To-Go aus einem kleinen Café holen möchte, findet sie sich plötzlich hinter ...

Jonna hat sich selbst noch nicht gefunden und bekommt nun auch noch von außen Druck. Als sie sich in der Früh nur einen Coffee-To-Go aus einem kleinen Café holen möchte, findet sie sich plötzlich hinter der Theke wieder. Was nur eine kurze Aushilfe werden sollte, wird zu ihrem Wohlfühlort und dann ist da auch noch ihr Chef Mads, für den sie mehr Gefühle hegt als sie sollte. Jonnas Privatleben gerät immer mehr aus den Fugen und Mads bietet ihr sein altes Hausboot an, um dort übergangsweise zu wohnen. Bald muss Jonna erkennen, dass Mads nicht nur viele Päckchen zu tragen hat, sondern dass auch ihre Vergangenheit eine Verbindung besitzt.

Copenhagen Cinnamon 1. Delicate von Stefanie Neeb ist die perfekte Romance Geschichte, um voller Vorfreude in den Herbst zu starten. Die Autorin erschafft nicht nur eine unfassbar hygge Atmosphäre, sondern auch die Lust auf einen Herbst in Kopenhagen. Die Ortschaften sind unglaublich schön umschrieben und besonders der Tivoli hat meine Sehnsucht wachsen lassen. Neben der tollen Atmosphäre und dem wunderschönen Setting, überzeugen aber auch sämtliche Charaktere.

Jonna durch ihre ehrliche Art und eine ganz besondere Energie, besonders gefallen hat mir aber ihre Entwicklung und die Erkenntnisse, die sie im Laufe der Geschichte gewinnt und die sie immer sympathischer wirken lassen. Jonnas Perspektive war besonders im Hinblick auf die Umgebung ihres Vaters interessant, weil sie deutlich gemacht hat, dass auch der Blickwinkel auf eine Person über Sympathien entscheidet.

Mads hatte mich direkt für sich gewonnen. Seine kaputte Seele, die sich irgendwie über Wasser halten möchte und die Freundlichkeit nie verloren hat. Die Aufarbeitung seiner Vergangenheit erweckt viele Emotionen.

Aber auch die meisten Nebencharaktere wuchsen mir unfassbar schnell ans Herz. Egal ob Mads Opa Knud, der durch seine grummelige Art immer wieder für ein Schmunzeln sorgt, Jonnas beste Freundin Freja oder die Angestellten Rasmus und Maja (…), alle machen das Buch zu einer tollen Lektüre.

Besonders gefallen hat mir jedoch der Aufbruch von Schwarz und Weiß, die Erkenntnis, dass die eigene Wahrnehmung nicht immer etwas mit der Realität zu tun hat und Dinge Missverstanden werden können. Dabei kommt das Buch aber ganz ohne das große Drama daher, alle Missverständnisse werden unfassbar reflektiert und kommunikativ geklärt. Die Figuren schaffen es in ihrer Verletzung auch den Gegenüber und seine Handlungsweise zu verstehen, auch diese reflektiere Art mit Auseinandersetzungen umzugehen, sorgt dafür, dass das Buch nie die gemütliche Stimmung verliert.

Copenhagen Cinnamon 1. Delicate ist für mich das perfekte Buch für den Herbst, mit tollen Charakteren, einer Menge Gefühlen und der perfekten Atmosphäre!

Veröffentlicht am 03.09.2025

Düsternis im Winkelwald

Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen
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Benjamiah lebt über einer Buchhandlung und liebt es, seiner Oma in dieser auszuhelfen. Er glaubt wie seine Mutter an die Wissenschaft, Logik und die Macht der Vernunft. Magie und fantastische Welten interessieren ...

Benjamiah lebt über einer Buchhandlung und liebt es, seiner Oma in dieser auszuhelfen. Er glaubt wie seine Mutter an die Wissenschaft, Logik und die Macht der Vernunft. Magie und fantastische Welten interessieren ihn nicht. Doch eines Tages erhält Benjamiah ein Paket mit einer seltsamen Puppe, die ihn in eine Parallelwelt führt und die dunkle Geheimnisse verbirgt. Mit Glück gerät Benjamiah an Hansel, der vergeblich nach seinem Sohn Edwid sucht und Ben bei sich aufnimmt. Gemeinsam mit Elizabella, Edwids Zwillingsschwester, macht Ben sich auf die Suche nach Edwid und einem Weg zurück in seine Welt.

Whisperwicks - Die Suche nach den Flüsterflammen von Jordan Lees ist ein düsteres, fantastisches Abenteuer, das einen von der ersten Seite an einnimmt und das Gefühl etwas ganz besonderes gelesen zu haben hinterlässt.

Benjamiah ist ein toller Protagonist, der Gefühle zeigt, Fehler macht, sich selbst reflektiert, aber auch durch Elizabella u.a. wächst und Erkenntnisse sammelt, die ihm helfen mit seiner Lebenswelt umzugehen. Auch die Freundschaft zwischen Ben und Elizabella hat sich wunderbar entwickelt, von anfänglicher Skepsis, zum Vertrauen, das sich erarbeitet wurde und einer Dankbarkeit für den Zusammenhalt.

Es gibt viele kleine und größere Botschaften, die in der Geschichte mitschwingen. Besonders gut hat mir die Münze des Versprechens gefallen, die nur dann bricht, wenn man nicht alles gegeben hat, um sein Versprechen einzulösen und gleichzeitig schafft der Autor es über solche Handlungen dafür zu sorgen, dass die Botschaften nicht über bloße Worte (von bspw. Erziehungsberechtigten) herangetragen werden, sondern über die Geschichte selbst.

Der Winkelwald ist eine tolle Phantasiewelt, die interessante Figuren bietet u.a. die gehängten Männer, die als einzige durch den Winkelwald navigieren können und auch ein besonderes System darstellt. Die Besonderheit der Augenfarbe zeigt nochmal auf, wie düster Winkelwald dargestellt wurde und gleichzeitig verbreitet er auch einen ganz besonderen Zauber.

Einzige Kritik wäre für mich, dass ich gerne noch mehr über das Weltensystem in Winkelwald erfahren hätte und das Gefühl bleibt, dass bisher nur an der Oberfläche gekratzt wurde. Und obwohl Whisperwicks - Die Suche nach den Flüsterflammen grundsätzlich das Gefühl eines Standalones gibt und nicht mit einem Cliffhanger daherkommt, freue ich mich, dass eine kurze Recherche ergab, dass es einen zweiten Band geben wird.

Veröffentlicht am 27.08.2025

Ein Buch, das zum Diskutieren anregt

1000 und ich. Zweifle nicht, zögere nicht, hinterfrage nicht.
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Für 8 ist jeder Tag gleich und sie führt ein sehr strenges Leben, in dem jeder aussieht wie sie und sich alle gleich zu verhalten haben. Doch 8 fühlt sich anders und das ist in Surdus verboten. 8 findet ...

Für 8 ist jeder Tag gleich und sie führt ein sehr strenges Leben, in dem jeder aussieht wie sie und sich alle gleich zu verhalten haben. Doch 8 fühlt sich anders und das ist in Surdus verboten. 8 findet jemanden, der auch anders ist und zusammen wollen sie aus den strengen Strukturen ausbrechen.

1000 und ich von Yorick Goldewijk ist ein Werk, dessen Beurteilung mir unheimlich schwer fällt. Ich habe mich mit dem Schreibstil und der Perspektive 8s unheimlich schwer getan, es wirkt schwerfällig, abgehakt und auf eine emotionslose Art monoton. Gleichzeitig war dieser Aspekt inklusive des Titels für mich schnell ein Indiz dafür, welche Perspektive wir hier wirklich einnehmen und wie alles aufgelöst wird. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass es dadurch weniger spannend war, aber gleichzeitig bin ich der Meinung, dass dem Autor der Blickwinkel dadurch unfassbar gut gelang. Wenige Kapitel außerhalb 8s Perspektive zeigen auch, dass Goldewijk durchaus auch einen lebendigeren Schreibstil aufgreifen kann, der auch deutlich einfacher zu lesen ist.

Inhaltlich fehlt es mir an Substanz, was das Buch zu einem unheimlichen guten Buch für Diskussionsanregungen macht. Ich glaube, dass viele Jugendliche/Erwachsene mit unterschiedlichen Gedanken, Gefühlen und Ideen aus diesem Buch rausgehen und es dadurch nicht nur viele unterschiedliche Interpretationen gibt, sondern auch eine Menge Diskussionsstoff und -bedarf.

Veröffentlicht am 25.08.2025

Die Lichtgeister

Dämmernachtstraum
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Lilimott Förster ist 13 Jahre und möchte an ihrer Elite-Schule nicht auffallen, denn sie ist die einzige, die aus einer Hochhaussiedlung am Rand der Stadt und nicht dem Nobelstadtteil Schöngefeld kommt. ...

Lilimott Förster ist 13 Jahre und möchte an ihrer Elite-Schule nicht auffallen, denn sie ist die einzige, die aus einer Hochhaussiedlung am Rand der Stadt und nicht dem Nobelstadtteil Schöngefeld kommt. Dann taucht eines Tages ein kleines Wesen auf, das Lilimott zur ‚großen Retterin‘ erklärt und für Lilimott beginnt das größte Abenteuer, bei dem sie über sich hinauswachsen muss, um ihre Stadt zu retten.

Dämmernachtstraum von Anne Ameling ist ein spannender Fantasyroman für Kinder ab 10 Jahren, der trotz seiner fantastischen Elemente sehr authentisch und nahbar wirkt, sodass die wichtigen Themen wie Freundschaft, Mut, Zusammenhalt, aber auch Ausgrenzung und Anderssein gut transportiert werden können.

Der Einstieg in die Geschichte war noch etwas holprig, die Welt wollte sich nicht direkt im eigenen Kopf aufbauen und so kamen wir zu Beginn nur langsam voran, sobald das Gerüst sich aber aufbaut und man in der Welt von Lilimott und den fantastischen Wesen angekommen ist, überrascht einen eine super Geschichte, die nicht nur tolle Botschaften übermittelt, sondern auch spannend ist und Wendungen parat hält.

Lilimott als Protagonistin hat uns dabei sehr gut gefallen, vor allem ihre Entwicklung wurde gut dargestellt und man konnte ihren inneren Wachstum regelrecht spüren. Gefallen haben uns auch die vielen so unterschiedlichen Wesen, denen Lilimott auf ihrem Abenteuer begegnet!

Veröffentlicht am 25.08.2025

Geschichten zwischen Generationen

Die Verlorene
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Nach dem Verlust ihrer Großmutter Änne werden Lauras Fragen über Ännes Vergangenheit immer größer. Laura findet alte Erinnerungen, die sie schließlich nach Schlesien führen und Laura erkennt, dass die ...

Nach dem Verlust ihrer Großmutter Änne werden Lauras Fragen über Ännes Vergangenheit immer größer. Laura findet alte Erinnerungen, die sie schließlich nach Schlesien führen und Laura erkennt, dass die Geschichte ihrer Großmutter komplexer ist, als sie jemals vermutet hätte.

Die Verlorene von Miriam Georg spielt auf zwei Zeitebenen. Wir befinden uns einerseits in Schlesien in den 1940ern und 2019 in Frankfurt und Schlesien. Während wir die 1940er aus vielen Perspektiven erleben, aber vorwiegend aus Ännes, erleben wir die 2019 primär aus Lauras Perspektive.

Der Einstieg fiel mir für ein Buch der Autorin ungewöhnlich schwer und ich habe lange gebraucht, um vor allem mit den Charakteren aus 2019 warm zu werden. Ihre Gedanken und Handlungen waren für mich nicht ganz greifbar und teilweise selbst in späteren Verlauf zu sehr auf den Zufall basiert. Dieser muss gewiss bei einer solchen Reise auch mitspielen, aber dennoch fehlte mir ein geplantes Verhalten, das zu Ergebnissen führt.

Gleichzeitig sorgte der Inhalt aus 2019 dafür, dass ich mir bereits nach 100 Seiten ziemlich sicher war, wie sich die Geschichte um Änne auflösen wird und war dementsprechend am Ende auch zu keiner Zeit überrascht. Ein Effekt der bei historischen Romanen natürlich nicht zwingend erforderlich sein muss, aber die Geschichte hätte ihn durchaus hergegeben.

Das sind dann aber auch schon die wenigen Kritikpunkte die ich habe, ansonsten mochte ich auch Die Verlorene wieder sehr gerne und dabei besonders die 1940er Jahre in Schlesien, die eindrücklich waren und die aufzeigen, was kleine Entscheidungen für Generationen bewirken können. Besonders stark empfand ich die wenigen Szenen aus der Perspektive Karls, im Zusammenhang mit dem Nachwort konnte ich mir auch erschließen warum dies so ist und kann an dieser Stelle auch nur empfehlen, dass auch das sehr starke und persönliche Nachwort gelesen werden sollte.

Miriam Georg schafft es mit Die Verlorene ein Bewusstsein für die eigenen Vorfahren und ihr Erlebtes zu erschaffen, dafür dass sie mehr als „Mutter, Vater, Großmutter, Großvater“ sind und dass sie ihre ganz eigene Geschichte besitzen, mit Träumen, Hoffnungen, aber auch Schicksalsschlägen und öffnet damit ein Ohr für genau das: Den Mensch hinter der Mutter, dem Vater, der Großmutter und dem Großvater zu sehen und beim nächsten Treffen Fragen zu stellen, an die man vor der Lektüre vielleicht nicht gedacht hat.