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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.06.2025

Deep Fakes und ihre Folgen

Reset
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In München soll ein angeblich von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abgeschossen werden und immer mehr bedrohliche Fake News bringen die Welt ins wanken. Anrufe und Video-Botschaften können nicht ...

In München soll ein angeblich von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug abgeschossen werden und immer mehr bedrohliche Fake News bringen die Welt ins wanken. Anrufe und Video-Botschaften können nicht mehr als echt garantiert werden und keiner weiß, mit wem er wirklich spricht. Superintendent Valentine O’Brien ermittelt in Deutschland, als ihn eine bedrohliche Nachricht erreicht und er sich auf die Suche nach seiner vermissten Schwester macht. Doch auch die Welt um ihn herum gerät in ein völliges Chaos.

Peter Grandl hat mit Reset einen interessanten Plot erschaffen, der sich um KI-generierte Fake News dreht und ein geradezu beängstigendes Szenario erschafft. Dabei gefällt mir vor allem der klar strukturierte Schreibstil, der schnell ein Bild entstehen lässt und einen direkt mitnimmt. So stark, dass ich leider auch schnell enttäuscht war, weil das spannende ethische Dilemma des Trolley-Problems angeführt wurde, aber dann andere Perspektiven ihren Platz bekamen, die zu Beginn so gar nicht in den ersten Strang passen wollten. Der Einstieg war daraufhin etwas holprig und es fiel mir schwer mich auf die zahlreichen neuen Perspektiven einlassen zu können bzw. sie einzuordnen, weil der Wechsel zur Nächsten sehr bald schon kam. Wenn man dann die Charaktere zuordnen kann und sie alle ihren Platz in der Geschichte gefunden haben, dann nimmt die Spannung auch wieder zu und einige Perspektiven sind besonders interessant. Doch am Ende bleiben für mich zu viele Fragen offen, die ich gerne beantwortet hätte.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Wahnsinniger Psychothriller!

Das perfekte Kind
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Christopher und Hannah arbeiten beide sind schon lange zusammen und wünschen sich nichts sehnlicher als ein gemeinsames Kind. Ihre Arbeit im städtischen Krankenhaus macht die beiden zwar glücklich, aber ...

Christopher und Hannah arbeiten beide sind schon lange zusammen und wünschen sich nichts sehnlicher als ein gemeinsames Kind. Ihre Arbeit im städtischen Krankenhaus macht die beiden zwar glücklich, aber erfüllt sie nicht komplett. Dann schlägt das Schicksal zu und ein sechsjähriges Mädchen taucht im Krankenhaus auf. Stark verwahrlost und hilfsbedürftig hat Christopher direkt einen ganz besonderen Draht zu Janie. Trotz Janies Zustand, der vor allem psychisch noch kaum zu erahnende Ausmaßen hat, entscheiden sich die beiden, Janie zu adoptieren. Eine Entscheidung, die ihr Leben sehr schnell verändern wird und Janies Vergangenheit droht sie zu zerbrechen.

Das perfekte Kind von Lucinda Berry konnte mich auf der psychischen regelrecht Ebene begeistern und man merkt, dass die Autorin auf diesem Gebiet gut bewandert ist. Vor allem Hannahs Entwicklung fand ich wahnsinnig intensiv und eindrücklich und auch Janie fand ich super spannend gezeichnet.

Inhaltlich kann das Buch aber nicht mit künstlichen Spannungsbogen auftrumpfen. Schnell ist klar, wohin die Reise gehen wird. Das hat für mich die Lese’freude’ aber nicht gemindert, denn wie gesagt, auf der Ebene der Psyche konnte mich das Buch beeindrucken und durch die Seiten peitschen.

Am Ende gibt es für mich nur zwei Kritikpunkte, die Handlungen mancher Charaktere waren für mich nicht stimmig oder nachvollziehbar. Ein genaueres erläutern würde an dieser Stelle jedoch Spoilern und am Ende blieb für mich eine entscheidende Frage offen, die aber auch nicht ‚absichtlich‘ offengelassen wirkt und mich daher doch etwas stört.

Dennoch kann ich Das perfekte Kind jedem empfehlen, der Psychothriller interessant findet. Denn genau das bekommt man hier von der ersten bis zur letzten Seite geboten. Wer Spannungsthriller mit vielen Twists liebt, der wird an dieser Stelle eher enttäuscht sein.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Unperfekt perfekt!

Menschenhausen
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In Menschenhausen leben die Menschen, die alle ‚irgendwie‘ zu viel sind. Menschen mit viel zu kurzen Beinen, zu langen Hälsen, zu dünnen Haaren, zu runden Bäuchen,… und doch sind sie alle glücklich. Bis ...

In Menschenhausen leben die Menschen, die alle ‚irgendwie‘ zu viel sind. Menschen mit viel zu kurzen Beinen, zu langen Hälsen, zu dünnen Haaren, zu runden Bäuchen,… und doch sind sie alle glücklich. Bis eines Tages die Betty ihrer Tante Lady Margret einen Besuch abstattet und viel zu perfekt wirkt. Betty hat einen perfekten Hals, perfekt lange Beine, perfekte blonde Haare und bekommt damit ganz schnell die Aufmerksamkeit jedes Bewohners in Menschenhausen. Plötzlich fallen ihre eigenen Makel wieder stärker ins Gewicht und sie tun alles, um ihre Makel zu verstecken. Doch ist Betty wirklich perfekt oder ist auch sie ‚irgendwie‘ zu viel?

Ich stehe Menschenhausen - viel zu irgendwie von Rusanna Danielian etwas zwiespältig gegenüber. Es gibt einige Dinge, die mir wirklich sehr gut gefallen haben. Da wären die Zeichnungen, welche die Bewohner mit ihren Makeln deutlich überspitzt zeigen und damit wohl das ‚Selbstbild‘ darstellen, denn eigene Makel fallen einem wohl stärker auf als anderen. Dann gefällt mir auch sehr, dass die Darstellung im Schriftbild auffallen und manche Wörter eine besondere Schriftart haben. Auf inhaltlicher Basis mag ich die Botschaft der Selbstliebe und Akzeptanz und auch die Erkenntnis, dass jede:r auf seine Weise besonders ist.

Aber zwischenzeitlich haben mich Inhalte auch geärgert, denn letztendlich wurden die Dorfbewohner:innen unglücklich, weil sie angeblichen Perfektionismus erkannt haben und sich plötzlich selbst minderwertig fühlten. Dabei schien Menschenhausen zu Beginn doch fortschrittlich und so gibt es etwas die Stimmung mit, dass man sich nur gut fühlen kann, wenn jede:r seine ‚Problemzonen‘ hat. Sollten wir uns nicht viel mehr eben nicht mit anderen vergleichen?

Außerdem gib das Erkennen und Vergöttern dieser scheinbar perfekten Betty auch wieder das Gefühl, dass Perfektionismus eben doch Erstrebenswert ist, denn Betty wird direkt von allen bewundert.

Und dann für mich das Schlimmste: Betty wird ausgelacht und das von Menschen, die alle auch einen Makel besitzen und die sich diesem durch Betty erst kürzlich schmerzlich bewusst wurden. Empathie Fehlanzeige. Ja, an dieser Stelle kommt Bettys Selbstliebe und wunderbare Beziehung zu ihrem Körper besonders zur Geltung und doch wirkt das Verhalten der Bewohner:innen paradox und für mich einfach unpassend.

Dennoch bietet vor allem die Figur der Lady Betty viel positives im Bezug auf Akzeptanz, Selbstliebe und Selbstvertrauen und das Verhalten der Bewohner:innen bietet einiges für eine kritische Auseinandersetzung.

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Veröffentlicht am 31.05.2025

Fünf Tage auf 800 Seiten!

Tränenfluch
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13 Jahre lebt Mercy Callahan bereits außerhalb ihrer ehemaligen Sekte „The Church of Second“. Als Überlebende eines Serienkillers wird nun jedoch von ihr berichtet und das macht den Sektenanführer Ephraim ...

13 Jahre lebt Mercy Callahan bereits außerhalb ihrer ehemaligen Sekte „The Church of Second“. Als Überlebende eines Serienkillers wird nun jedoch von ihr berichtet und das macht den Sektenanführer Ephraim Burton auf sie aufmerksam. Ausgerechnet den Mann, mit dem Mercy zwangsverheiratet wurde und der bisher dachte, dass sie vor 13 Jahren starb. Burton ist klar, dass er Mercy wieder holen möchte. Burtons erste Attacke auf Mercy kann Rafe Sokolov verhindern, doch mit ihr wird klar, dass Mercy sich offensiv gegen die Sekte stellen muss. Kann Mercy ihren früheren Peiniger aufspüren?

Tränenfluch ist der zweite Teil der Sacramento-Trilogie von Karen Rose, die nicht unabhängig voneinander gelesen werden kann und dessen Reihenfolge unbedingt beachtet werden sollte. Im Gegensatz zum ersten Teil habe ich mich jedoch inhaltlich sehr schwer getan. 800 Seiten können spannend sein und dadurch auch schnell beendet werden, aber in diesem Fall fand ich es weitestgehend doch sehr zäh. Wir erleben auf das komplette Buch gesehen fünf (!) Tage. Das verdeutlicht sehr, wie detailliert und kleinteilig der Romance-Thriller geschrieben wurde. Wenn ich emotional nicht bereits durch den ersten Band eine starke Beziehung zu den Protagonist:innen aufgebaut hätte, dann hätte ich das Buch vermutlich abgebrochen. Durch diese emotionale Bindung hatte ich aber phasenweise dennoch meinen Spaß, denn natürlich interessiert es mich, wie es für Gideon Reynolds und Mercy Callahan weitergeht. Auch in diesem Teil mochte ich die Interaktionen der Charaktere und ihre Gefühlsbeschreibungen. Gefallen hat mir auch weiterhin das Thema „Sekte“, das sehr gut transportiert wurde. Allerdings war der „Thriller“-Part in diesem Band sehr schwach. Ephraim Burton wird zum großen Gegenspieler und es geschehen auch Dinge, allerdings wirken diese fast schon nebensächlich. Lediglich auf den letzten 100 Seiten zog die Spannung an, folgte dann aber einer großen Enttäuschung, weil es keinen richtigen Abschluss gab, sondern lediglich eine Übertragung, die es für meinen Geschmack nicht gebraucht hätte. Denn auch ohne dieses offene Ende hätte es für den letzten Teil noch genug Arbeit gegeben.

Tränenfluch alleine gesehen, hätte mich absolut nicht überzeugt, durch den ersten Band und das dadurch entstandene Interesse für die Protagonist:innen, komme ich hier noch auf lieb gemeinte 2,5 Sterne. Ich bin mir auch sicher, dass ich die Trilogie abschließen möchte, allerdings wird das direkt passieren.

Die Reihe kann ich vor allem denjenigen empfehlen, die kein gesteigertes Interesse an blutigen Taten haben, aber doch einen gewissen Thrill mögen, das Thema Sekte interessant finden und die sehr gerne eine tiefe Beziehung zu den Protagonist:innen aufbauen.

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Von Catdog bis Tim, purer Lesespaß!

Neon und Bor
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Neon ist neun Jahre und superschlau, ihr kleiner Bruder ist mit einem Jahr auch mindestens hochbegabt und wenn die beiden ein Problem haben, dann lösen sie es zusammen. Wer möchte schon sein Zimmer aufräumen? ...

Neon ist neun Jahre und superschlau, ihr kleiner Bruder ist mit einem Jahr auch mindestens hochbegabt und wenn die beiden ein Problem haben, dann lösen sie es zusammen. Wer möchte schon sein Zimmer aufräumen? Oder 364 Tage im Jahr nicht Geburtstag haben? Und eine Huntze wäre doch das perfekte Haustier, wenn man sich mal wieder nicht für einen Hund oder eine Katze entscheiden kann. Doch nicht alle ihrer Erfindungen lösen ihr Problem, manche werden zu einem noch viel Größerem. Zum Glück folgt daraufhin einfach die nächste Erfindung.

Neon & Bor von Marc-Uwe Kling und Jan Cronauer ist ein ein super lustiges Buch für Kinder ab sechs Jahren, das in sechs ganz besondere Tage eingeteilt ist und deren Kapitel sich unabhängig voneinander lesen lassen. Für Kinder ab sechs Jahren wird noch nicht alles in dem Buch verständlich sein oder eine Vorstellung erwecken, weil Neon und Bor wirklich superintelligent sind und dennoch hat das Buch auch bei Sechsjährigen durchaus das Potenzial Spaß zu machen. Die beiden Autoren haben tolle Wortwitze (besonders geliebt und in den eigenen Sprachgebrauch aufgenommen wurde Krimskrams-Canyon) und super lustige ‚Kurzgeschichten‘ erschaffen, die zum Lachen einladen, aber auch etwas mitgeben können z.B. den Zauber des Geburtstags.

Besonders empfehlenswert ist das Hörbuch, das von Marc-Uwe Kling überragend eingesprochen wurde und auch mir beim Zuhören pure Freude bereitet hat. Ein Spaß für Klein und Groß!

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