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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.02.2026

Die Zwischentöne

Funkenstille (Sweet Lemon Agency, Band 3)
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Funkenstille ist der dritte und letzte Teil der Sweet Lemon Agency Reihe von Kyra Groh. Wir erleben die Geschichte diesmal aus den Perspektiven Amelies und Joschas, die man beide bereits als Nebencharaktere ...

Funkenstille ist der dritte und letzte Teil der Sweet Lemon Agency Reihe von Kyra Groh. Wir erleben die Geschichte diesmal aus den Perspektiven Amelies und Joschas, die man beide bereits als Nebencharaktere aus den Vorbänden kennt. Man muss die Vorgänger nicht gelesen haben, um Funkenstille lesen zu können, jedoch ist es hilfreich um die Dynamiken der einzelnen Beziehungen zwischen den Charakteren besser einordnen zu können.

Obwohl ich kein großer Fan von Misskommunikation bin und deswegen Second-Chance-Romance immer einen schweren Stand bei mir hat, konnte mich Funkenstille schnell von sich einnehmen. Dafür gab es mehrere gute Gründe. Einerseits Amelie, die nicht nur emphatisch, sympathisch und eine absolute Power-Frau ist, sondern auch extrem nahbar. Ich konnte ihre Gedankengänge super nachvollziehen, weswegen ich sehr mit ihr mitfühlen konnte und sie manchmal doch am liebsten wachgeschüttelt hätte, damit sie ihrem Glück nicht im Weg steht. Andererseits Joscha, der genau weiß, was für ihn am wichtigsten ist und der den tollsten Sport ausübt, den ich mir vorstellen kann. Mit zwei Charakteren, die meinen Nerv absolut getroffen haben und einem Sport, den ich liebe, konnte das Buch nur ein Match werden!

Aber das alles wäre nichts, wenn Kyra Groh nicht auch wieder mit ihrem überragenden Schreibstil überzeugt hätte. Wieder mal schafft sie humorvolle Dialoge, aber auch ganz viele Nebencharaktere mit Herz.

Funkenstille war für mich das Highlight der Reihe. Dank toller Protagonisten, aber auch Dank allen Charakteren, die man aus den Vorgängerbänden bereits kannte und die das Lesen zu einem Familientreffen gemacht haben.

Veröffentlicht am 02.02.2026

MoMos

Mo & Moritz
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Mo & Moritz von Julya Rabinowich ist ein (Jugend-)Roman, der mich wie kaum ein Buch in einen absoluten Zwiespalt versetzt. Einerseits ist hier die sprachliche Ebene, die schön poetisch, aber leicht daherkommt ...

Mo & Moritz von Julya Rabinowich ist ein (Jugend-)Roman, der mich wie kaum ein Buch in einen absoluten Zwiespalt versetzt. Einerseits ist hier die sprachliche Ebene, die schön poetisch, aber leicht daherkommt und ein tolles Leseerlebnis beschert. Manchmal kommt das Gefühl, dass dieser Schreibstil, der auch die Gedankenwelt Mos präsentiert, nicht authentisch wirkt, nicht wie Mo. Nicht weil Mo ein Moslem ist, sondern weil er sich selbst als ‚Nicht-Leser‘ bezeichnet und die Sprachvielfalt, die erweckten Bilder, das genaue Gegenteil hervorrufen. Doch das konnte ich gut abschütteln, weil mich der Schreibstil wirklich durch die Geschichte tragen konnte.

Dann ist da Mos Familie. Queere Beziehungen haben (leider) häufig ihre Probleme, dass Mos Familie nun aber komplett dem Vorurteil entspricht, kommt dem natürlich noch weniger zu Gute und genau hier sitzt mein ganz großes Problem: es werden wirklich alle Vorurteile ausgeschöpft. Mos Vater, dessen Erscheinungsbild eher als bedrohlich dargestellt wird, der kein Deutsch spricht und dennoch einen Aufstand in der Schule macht. Mos Bruder Faris, der nicht nur aggressive Verhaltensweisen an den Tag legt und unter den Geschwistern für Krawall sorgt, sondern auch Anschläge organisiert und Eltern, die dennoch eher zu ihm, als zu den anderen Geschwistern halten. In einer Welt, die leider sehr geprägt von diesen Vorurteilen ist, hätte ich mir etwas weniger davon gewünscht, denn Mo & Moritz müssen laut Klappentext ‚Vorurteile‘ überwinden, dass aber sehr viele auf Mos Familie zutreffen, hilft der Geschichte für meinen Geschmack absolut nicht.

Denn die Liebe zwischen Mo & Moritz hat genug eigene Probleme, die in der Geschichte deutlich tiefgründiger erarbeitet hätten werden können. So hatte ich das Gefühl, dass die Annäherung der beiden nur ein Nebenstrang der Familienprobleme darstellt und die zu überwindenden Vorurteile ihrer queeren Beziehung gar nicht im Fokus standen, sondern eher das sich-lösen von toxischen Familienverhältnissen, was durchaus ein wichtiges Thema darstellt, aber so gar nicht das war, was ich von dieser Geschichte erwartet hatte.

Neben der Sprache gab es aber zwei Charaktere, die mir während des Lesens wirklich eine pure Freude bereitet haben. Das wären Mos kleine Schwester Maryam, die unglaubliches Feingefühl und eine Reife besitzt, von der sich manch Familienmitglieder etwas abschauen können. Gleichzeitig mochte ich auch die Thematik, die ihre Figur aufgeworfen hat, denn die (leider vorhandene) Wichtigkeit des eigenen Namens wird manchmal unterschätzt. Und dann noch die ‚blaue Fee‘, die einem mitgibt, dass man zwar ein gutes, aber kein erfülltes Leben hat, wenn man nicht auf sich selbst hört.

Veröffentlicht am 02.02.2026

1000 Tage

Gänsehaut in Hovenäset 2. Sternengrab
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Alva hat sich ein Ziel gesetzt, sie möchte den Tod ihres Vaters innerhalb von 1000 Tagen auflösen. Die magische Grenze rückt immer näher und Alva ist ihrem Ziel scheinbar noch kein Stückchen nähergekommen ...

Alva hat sich ein Ziel gesetzt, sie möchte den Tod ihres Vaters innerhalb von 1000 Tagen auflösen. Die magische Grenze rückt immer näher und Alva ist ihrem Ziel scheinbar noch kein Stückchen nähergekommen als seltsame Ereignisse Hovenäset überschatten. Denn plötzlich kreuzen ein seltsames Mädchen und ihre stumme Mutter ständig Alvas Weg und dann ist da noch die schwarze Katze mit der weißen Pfote, die sich ganz seltsam verhält. Dann lässt eine Notiz ihres Vaters in der neugekauften Strandhütte Alva aufhorchen…

Sternengrab von Kristina Ohlsson ist der zweite Band der Gänsehaut in Hovenäset Reihe für Kinder ab 11 Jahren, die ihre Angstlust gerne herausfordern. Die Teile bauen nicht aufeinander auf, sodass Sternengrab auch ohne Vorwissen gelesen werden kann. Im Gegensatz zum ersten Band empfanden wir die ersten 2/3 des Buchs jedoch weniger düster, über Alva und ihre Familie liegt zwar ein Band der Trauer, das durchaus für eine triste Atmosphäre gesorgt hat, jedoch fehlte das Gefühl der Anspannung, dass jeden Moment etwas außergewöhnliches passieren könnte. Das nimmt im letzten Drittel dann jedoch ordentlich zu und die einzelnen Szenen wirken teilweise noch gruseliger als in Band 1, weswegen auch Sternengrab nur für jene Kinder etwas ist, die sich gerne gruseln.

Insgesamt war das Muster jedoch dem ersten Band sehr ähnlich, was gewisse Teile des Buchs etwas langweilig erschienen ließen. Mir als Erwachsene haben auch die einzelnen Stilelemente (Brief und Zeitungsbericht) nicht sehr gut gefallen, weil sie nicht besonders authentisch wirkten. Doch dadurch ist das Buch durchweg gut für Kinder zu lesen, da durchgehend kurze und einfache Sätze die Geschichte gut lesbar machen. Das Ende hat mir hingegen deutlich besser gefallen als in Band 1, denn Sternengrab endet für Leser:innen mit einem guten Gefühl.

Veröffentlicht am 01.02.2026

Aufgepasst

Obacht!
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Vor einer Stadt liegt ein großes Tier, das den Eingang zur Stadt versperrt. Die Bewohner:innen versuchen das Problem auf ihre eigene Weise zu lösen, nur Mienchen ist damit nicht zufrieden, denn das Problem ...

Vor einer Stadt liegt ein großes Tier, das den Eingang zur Stadt versperrt. Die Bewohner:innen versuchen das Problem auf ihre eigene Weise zu lösen, nur Mienchen ist damit nicht zufrieden, denn das Problem ist immer noch da. Also nimmt sie all ihren Mut zusammen und spricht das riesige Tier einfach an.

Obacht! von Kerstin Hau und der Illustratorin Stella Dries vermittelt die Macht von Worten und dass sich Probleme dann am besten lösen lassen, wenn man miteinander redet. Auf humorvolle Art und mit einer wunderschönen Zeichenart wird den Leser:innen gezeigt, dass es manchmal einfachere und sinnvoller ist, den direkten Weg zu wählen und die Kommunikation mit dem Unbekannten zu suchen, anstatt das Problem anders lösen zu wollen und dadurch nur noch mehr Probleme zu erschaffen.

Ein schönes Bilderbuch, dass zum Kommunizieren animiert und auch den Kleinen eine Stimme gibt.

Veröffentlicht am 28.01.2026

Das Gleichgewicht der Welt

Lightfall 1: Das verlorene Licht
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Bea lebt mit ihrem Großvater, dem Zauber-Eber, in einem Haus voller Zaubertränke und Heilkräuter. Genau dorthin möchte Cad, ein seltener Galdurier, um sein verschwundenes Volk wiederzufinden. Doch als ...

Bea lebt mit ihrem Großvater, dem Zauber-Eber, in einem Haus voller Zaubertränke und Heilkräuter. Genau dorthin möchte Cad, ein seltener Galdurier, um sein verschwundenes Volk wiederzufinden. Doch als Bea Cad zu ihrem Großvater bringen möchte, ist dieser spurlos verschwunden. Zurück blieb nur eine seltsame Nachricht und die „Ewige Flamme“ mit der das Gleichgewicht der Welt erhalten bleibt. Bea und Cad begeben sich auf die abenteuerliche Suche nach dem Zauber-Eber.

Lightfall 1: Das verlorene Licht von Tim Probert ist ein spannender Auftakt eines lebhaften Fantasy-Comics. Die Illustrationen des Comics sind wirklich genial, farbenfroh, detailreich und zum Wegträumen! Die einzelnen Figuren sind toll gezeichnet und machen viel Spaß. Unheimlich gut haben uns auch die Dialoge zwischen Bea und Cad gefallen, vor allem Cad gibt einem immer wieder Ratschläge mit auf den Weg und lässt einen über diese Nachdenken. Nicht alle sind den Kindern aufgefallen, aber durchaus viele, was auch für mich als Erwachsene interessant zu erleben war (worüber denken sie nach, was fällt auf/was nicht).

Die Suche nach dem Zauber-Eber ist spannend und abenteuerlich, nur das Ende kam uns leider zu abrupt.