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Veröffentlicht am 11.10.2025

Zwischen Wille und Instinkt.

Die Spur der Vertrauten
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Claire und Goliath leben in einer Welt, das dem ‚Wir‘ untergeordnet ist. Der Instinkt des Menschen dient dem Allgemeinwohl und Individualität darf nicht existieren. Goliath fehlt nur noch ein gerettetes ...

Claire und Goliath leben in einer Welt, das dem ‚Wir‘ untergeordnet ist. Der Instinkt des Menschen dient dem Allgemeinwohl und Individualität darf nicht existieren. Goliath fehlt nur noch ein gerettetes Leben, um ein Tugendhafter zu werden, Claire steht vor ihrem Abschluss zur Vertrauten als plötzlich unbemerkt Schüler:innen verschwinden. Claire und Goliath fällt dieser Umstand auf, doch Claire möchte auf keinen Fall auffallen, denn ihr Geheimnis bedroht ihr Leben.

Die Spur der Vertrauten von Christelle Dabos verspricht eine Dystopie über verbotene Individualität, Widerstand und Liebe und bietet ein komplexes Weltensystem, das aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird.

Der Klappentext klang mit all seinen aufgeworfenen Themen super spannend. Ein Instinkt der Menschen dazu verleitet, dem Allgemeinwohl zu dienen. Ein Gemeinwohl, das ausschließlich dem ‚Wir‘ dient und doch der versprochene Ausbruch von Individualität. Ähnlich spannend ließen sich auch die ersten Seiten lesen, aber mit jeder Seite mehr verpuffte mein Interesse und gewann an Verwirrung dazu. Fragen werfen sich auf, die auch bei weit über der Hälfte des Buches noch lange nicht geklärt sind und den Spaß am lesen rauben, weil die Handlungen der Charaktere ohne Verständnis für das System der Welt kaum einzuordnen sind.

Die Perspektiven wechseln primär zwischen Goliath und Claire, bieten aber auch ein paar Nebencharaktere. Perspektiven die vermutlich die Sichtweisen der verschiedenen Standpunkte darstellen sollen, sich aber in der Komplexität verlieren. Teilweise lassen sich Perspektiven nicht direkt zuordnen und verwirren nur noch mehr. Ein weiteres Problem war für mich, dass ich mit keiner einzigen Perspektive warm wurde und dadurch keinen Zugang zum Buch gefunden habe. Alle Perspektiven wirkten auf mich kühl, ähnlich wie die gesamte Gesellschaft.

Auch zeitlich fühlt man sich komplett verloren. Minitel, SMS, Jukebox,… das alles spricht für eine vergangene Zeit, Pay-TV Sender fallen dann doch eher in eine andere und so lässt es sich kaum verordnen. Was grundsätzlich kein Problem sein muss, aber insgesamt dann doch ein weiterer Punkt ist, der mich den Bezug zum Inhalt nicht abholen konnte, zumal es inhaltlich schon eine Begründung hätte geben können… wenn es denn jemals relevant geworden wäre.

Die Spur der Vertrauten konnte mich daher leider gar nicht abholen. Mir gefällt weiterhin die Grundidee dieses Buchs super gut und die Autorin hat viele wunderbare Ideen einfließen lassen, die für mich aber nur sehr selten ihre Wirkung erzielten. Immer wieder gab es auch kleinere Handlungen, die bedeutsam hätten werden können und dann doch nicht mehr erwähnt wurden. Die Einordnung als Jugendbuch für Kinder ab 14 Jahre finde ich sehr optimistisch, die Protagonist:innen sind zwar Jugendliche und doch glaube ich, dass es inhaltlich die Mehrheit von 14-jährigen (noch) nicht ansprechen dürfte.

Veröffentlicht am 08.10.2025

Eine kulinarische Reise durch den Orient

Orient trifft vegan
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Orient trifft vegan von Serayi führt einen in die Geschmackswelt des Orients. Dabei erfahren wir zu Beginn erst einmal etwas über die Autorin, den Veganismus und die Geschmacksvielfalt des Orients und ...

Orient trifft vegan von Serayi führt einen in die Geschmackswelt des Orients. Dabei erfahren wir zu Beginn erst einmal etwas über die Autorin, den Veganismus und die Geschmacksvielfalt des Orients und ihre besonderen Zutaten. Anschließend gibt es 81 Rezepte auf fünf verschiedene Kategorien verteilt: Vorspeisen, Hauptgerichte, Kindheitsessen, Desserts und Getränke.

Die Rezepte sind in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen unterteilt, von leicht bis schwer ist auch etwas für Anfänger dabei und vor allem zum stetigen Entwickeln seiner eigenen Kochfähigkeiten. Nährwertangaben sucht man hier vergebens, was anhand der Rezepte für mich auch die richtige Wahl ist, denn die Gerichte sind nicht darauf ausgelegt Kalorien zu reduzieren, sondern ein schmackhaftes, veganes und orientalisches Esserlebnis zu zaubern.

Die Rezepte lassen sich anhand der Beschreibung gut nachkochen. Anfängern könnten manche Gerichte zu grob beschrieben worden sein, zum Beispiel könnte das Formen der Mantı detaillierter beschrieben oder durch Bilder vorgeführt werden.

Da ich orientalisches Essen liebe, gab es für mich viele Rezepte, die ich bereits beim ersten Durchblättern markieren und so schnell wie möglich kochen musste. Mein persönliches Highlight waren die Daal Kofta! Aber auch ganz viele andere Gerichte werden regelmäßig gekocht. Die Zutaten sind teilweise außergewöhnlich, aber durchaus zu finden und gerade die Gewürze erweitern das Regal um ein Geschmackserlebnis mehr!

Orient trifft vegan kann auf vielen Ebenen überzeugen und bietet eine Menge Rezepte zum ausprobieren und das Essen sieht nicht nur gut aus, sondern schmeckt auch hervorragend. Wahnsinnig hilfreich war auch das Register, über das man auch nach einzelnen Zutaten suchen und dadurch Rezeptideen entwickeln kann. Toll!

Veröffentlicht am 08.10.2025

30 Minuten fertig? Nur die Zubereitung!

Vegan trifft Orient – Express
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Orient trifft Vegan von Serayi gehört zu meinen liebsten Kochbüchern, natürlich musste dann auch das Expressbuch her. Das Cover wirbt mit Köstlichkeiten, die in 30 Minuten fertig sind, umso enttäuschter ...

Orient trifft Vegan von Serayi gehört zu meinen liebsten Kochbüchern, natürlich musste dann auch das Expressbuch her. Das Cover wirbt mit Köstlichkeiten, die in 30 Minuten fertig sind, umso enttäuschter war ich dann bereits beim ersten Rezept: 25 Minuten + ‚einige‘ Abkühlzeit und 15-20 Minuten Backzeit sind alles, aber keine 30 Minuten. Wenn ich mit ’in 30 Minuten fertig’ werbe, dann sollte das eigentlich alle Zeiten inkludieren und nicht nur die Zubereitungszeit. Diesem Maßstab können nur 32 von 75 Gerichten gerecht werden und darunter befinden sich dann auch Gerichte wie ‚gebratene Oliven‘, ‚Tofuschnitzel‘ oder ‚Rosenbutter‘, die alles, aber nicht vollwertig sind. Die Werbung verfehlt damit sein Ziel und sorgt eher für Missmut.

Auch bei den Hauptgerichten fehlt mir das Gefühl, dass die einzelnen Rezepte als vollwertiges Essen durchgehen. Wenige können das, aber einige wirken eher wie ein Snack (u.a. Frühlingszwiebeln im Teigmantel).

Die Rezepte sind in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen unterteilt, von leicht bis schwer ist auch etwas für Anfänger dabei und es auch hier wirklich tolle Rezepte, wie u.a. die Rote-Linsen-Bällchen in Tomatensauce. Die Zubereitung ist anhand der Beschreibung absolut machbar, die Zutaten sind teilweise natürlich nicht überall zu finden, aber doch organisierbar.

Vegan trifft Orient - Express - wird seiner Werbung nicht gerecht, aber der Geschmack weiß zu punkten. Mich konnten hier leider nicht so viele Rezepte ansprechen, wie bei Orient trifft Vegan, dennoch habe ich auch in diesem Buch ein paar wundervolle Rezepte gefunden.

Veröffentlicht am 08.10.2025

Nicht nur optisch 1a!

The art of food
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Kaum eine Seite lässt Essen im Internet so sexy aussehen wie veganer.wandel, die Videos von Kevin Leeder sind für mich auf Instagram zu einem absoluten Highlight geworden, die ich vor allem durch den vielfältigen ...

Kaum eine Seite lässt Essen im Internet so sexy aussehen wie veganer.wandel, die Videos von Kevin Leeder sind für mich auf Instagram zu einem absoluten Highlight geworden, die ich vor allem durch den vielfältigen Einsatz von Gemüse lieben gelernt habe. Mittlerweile ist die Autorin des Kochbuchs als linnslittlekitchen mit ihren Rezepten unterwegs und natürlich auch einen Besuch wert.

Durch die vielfältigen, farbenfrohen und schmackhaften Gerichte, die bereits im Internet gestreut wurden, war für mich klar, dass ich auch das Kochbuch The art of food unbedingt haben möchte. Dieses gliedert sich in einem Vorwort, das nicht nur den Werdegang, sondern auch die Einkaufsliste beinhaltet. Gerichte werden in sieben weiteren Kategorien unterteilt: 1. Brot & Aufstriche, 2. Frühstück, 3. Hauptgerichte, 4. Salate & Bowls, 5. Snacks, 6. Suppen & Eintöpfe und 7. Süßes & Gebäck. Eine Unterteilung die bereits die bunte Mischung andeutet.

Die Mengenangaben der Gerichte haben für mich perfekt gepasst, selbst die (Menge der) Gewürze haben meistens genau meinen Geschmack getroffen. Besonders praktisch finde ich die Auflistung der Utensilien, die für das Rezept gebraucht werden und mir damit direkt einen perfekten Überblick geben. Portionenangaben, die Zeitangaben, welche auch in ihren einzelnen Schritten (bspw. Zubereitung, Geh- und Backzeit) unterteilt ist und Nährwertangabe runden den ersten Überblick perfekt ab. Die Zubereitung ist feingliedrig aufgeschrieben, sodass auch Anfänger nicht überfordert sein dürften. Durch eine grobe Einteilung der einzelnen Schritte wird auch hier ein guter Überblick erzielt, der das Folgen des Rezepts erleichtert.

Auf den ersten Blick wirken wenige (!) Rezepte sehr simpel. Belegte Brote hätte ich im ersten Moment nicht in einem Rezeptbuch erwartet und doch haben genau die Dinge mir am Ende auch sehr gut gefallen. Nicht weil sie besonders innovativ sind, sondern weil sie das eigene Muster durchbrechen können und im Buch auch ganz einfach als ‚Idee‘ tituliert werden, also auch seitens der Autorin eben nicht den Anspruch eines Rezeptes haben.

Hervorragend gefallen haben mir der wilde Mix der Rezepte, von Indien nach Asien und wieder zurück nach Europa, gibt es einfach eine Menge zum ausprobieren. Wir lieben das Kashmiri Tofu, aber auch viele andere. Ein Buch, das in allen Belangen überzeugen kann und dessen Fotos bereits den Hunger wecken. Inspirierend, lecker und innovativ.

Veröffentlicht am 06.10.2025

Turbulente Autofahrt

Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat
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Tiffany hat gute Laune, doch mit der ist sie scheinbar ganz allein. Ihre Mutter ist genervt vom Koffer packen, ihr Vater vom neusten Kratzer am Auto. Die Oma sucht mal wieder ihr Handy, Luisa hat Stress ...

Tiffany hat gute Laune, doch mit der ist sie scheinbar ganz allein. Ihre Mutter ist genervt vom Koffer packen, ihr Vater vom neusten Kratzer am Auto. Die Oma sucht mal wieder ihr Handy, Luisa hat Stress mit Hormone, Opa möchte lieber mit dem Zug fahren und Max har das ‚kleiner Feigling‘ Problem. Ein Problem, dass im Laufe der Fahrt nicht nur seins ist, sondern die ganze Familie ins Wanken bringt.

Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat von Marc-Uwe Kling ist wunderbar vom Autoren selbst eingesprochen und mit Musik von Boris Löbsack untermalt worden. Auf dieser Ebene wirklich eine absolut grandiose Umsetzung und als Highlight gibt es den Text nochmal aus einer Live-Lesung!

Nun aber zum Inhalt. Ich mochte den Anfang sehr, Tiffanys Sicht auf die Welt, ihre Zuordnung gewisser Antworten war wirklich herrlich. Doch mit der Fahrt ging mir dieser feine Humor etwas verloren und es wirkte etwas erzwungen. Vielleicht fehlt mir etwas das Vorwissen, denn erst im Nachhinein bekam ich mit, dass es ein 5. Band ist. Die Story selbst ist zwar abgeschlossen, aber die Beziehungen der Figuren und meine zu ihnen könnten möglicherweise mit dem Vorwissen eine andere Reaktion in mir auslösen. Auch für Eigenwerbung bin ich weniger zu haben und mag es daher nicht, wenn auf andere Werke hingewiesen wird.

Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat konnte mich inhaltlich zwar nicht gänzlich überzeugen, dennoch sind Marc-Uwe Klings Hörspiele immer wieder ein absolut schönes Hörerlebnis!