Lebensnahe und recht spannende Charakterstudie
Happiness ForeverSylvie hat einen Job als Tierarzthelferin, die Gesellschaft ihres Telefon-Freunds Conrad und ihr lädiertes Hündchen Curtains, doch ihr Lebensmittelpunkt ist ihre Therapie, denn Sylvie ist in ihre Therapeutin ...
Sylvie hat einen Job als Tierarzthelferin, die Gesellschaft ihres Telefon-Freunds Conrad und ihr lädiertes Hündchen Curtains, doch ihr Lebensmittelpunkt ist ihre Therapie, denn Sylvie ist in ihre Therapeutin verliebt. Sie will sie küssen, sich mit ihr auf dem Boden wälzen. Sie denkt jede Sekunde an sie. Als ihre Therapeutin Sylvie eine niederschmetternde Nachricht überbringt, muss Sylvie neue Lösungen finden, in der Welt zurechtzukommen.
„Happiness Forever” ist eine Geschichte, die entweder einen Nerv trifft oder eben nicht. Die Grundprämisse einer Gesprächstherapie – jeden Gedanken auszusprechen, der einen beschäftigt, egal wie unklar oder kurios er ist – macht den Kern der Geschichte aus. Durch die Therapiesitzungen, ihre Fixierung auf die Therapeutin sowie ihre alltäglichen Gedanken und Erfahrungen lernt man Sylvie als LeserIn langsam kennen. Ihre Gedanken reichen von bizarr bis geistreich, drehen sich oft im Kreis und sind sehr symbolträchtig. Sylvie ist eine sympathische Figur, die sehr introvertiert und wenig selbstreflektiert erscheint. Sie neigt dazu, Probleme zu bagatellisieren, und oftmals hat man beim Lesen das Gefühl, dass sie den Elefanten im Raum bewusst ignoriert und sich lieber auf die Therapeutin fokussiert. Bei manchen geschilderten Erlebnissen kann man ihr das jedoch nur schwerlich verübeln. Dennoch lernt sie, sich zu öffnen und behutsam Raum zu verschaffen.
Es ist eine Geschichte, die völlig unaufgeregt daherkommt und von einer behutsamen Spannung getragen wird. Man möchte verstehen, was Sylvies Charakter ausmacht und was hinter ihrer Obsession für die Therapeutin steckt.
Adelaide Faith zeigt anschaulich, wie Gedanken unser Handeln und unsere Gefühle beeinflussen. Gespickt mit tiefgreifenden Gedanken und mitunter schreiender Symbolik erzählt sie die Geschichte einer Frau, die trotz ihrer Verletzlichkeit versucht, sich dem Leben zu öffnen und ihren eigenen Weg zu finden – authentisch, einfühlsam, offenherzig und mitunter schrecklich banal. Empfehlenswert für LeserInnen, die an Sylvies Therapieerfahrung anknüpfen können. Wer eine spannende Geschichte einer Obsession oder eine großartige Charaktentwicklung erwartet, wird vom Verlauf der Handlung wahrscheinlich gelangweilt sein. Heilung braucht Zeit und verläuft in kleinen Schritten, die oftmals recht unspektakulär erscheinen.